Wahrsage-Studie: Psychologen sehen schwarz fürs Hellsehen

dapdMenschen können die Zukunft voraussehen: Die steile These eines Forschers schaffte es in ein renommiertes Fachblatt. Jetzt haben andere Wissenschaftler eins seiner umstrittenen Experimente wiederholt - mit anderem Ergebnis. Trotzdem hat die PSI-Studie der psychologischen Forschung genutzt.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...821355,00.html
  1. #1

    Stimmt !

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Menschen können die Zukunft voraussehen: Die steile These eines Forschers schaffte es in ein renommiertes Fachblatt. Jetzt haben andere Wissenschaftler eins seiner umstrittenen Experimente wiederholt - mit anderem Ergebnis. Trotzdem hat die PSI-Studie der psychologischen Forschung genutzt.

    Wahrsage-Studie: Psychologen sehen schwarz fürs Hellsehen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    Hat nicht schon Frau Merkel auf der Regierungsbank in die Karten geschaut ?!
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Menschen können die Zukunft voraussehen: Die steile These eines Forschers schaffte es in ein renommiertes Fachblatt. Jetzt haben andere Wissenschaftler eins seiner umstrittenen Experimente wiederholt - mit anderem Ergebnis. Trotzdem hat die PSI-Studie der psychologischen Forschung genutzt.

    Wahrsage-Studie: Psychologen sehen schwarz fürs Hellsehen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    Peer Reviews sind in jeder renommierten Fachzeitschrift anonym von daher frage ich mich woher die Forscher wissen wer ihren Artikel beurteilt hat.

    Davon abgesehen kann ich aber bestätigen, dass es in der Regel sehr schwer ist ein einmal veröffentlichtes Ergebnis zu widerlegen. Einige Zeitschriften veröffentlichen kritische Kommentare zu Ergebnissen, aber direkte Widerlegungen veröffentlichter Arbeiten sind selten und kommen meist nur in Betrugsfällen vor.
    Ich würde jetzt gerne daran glauben, dass das zeigt wie toll das Peer-Review Verfahren funktioniert. Alleine meine Erfahrung sagt mir dass eher das Gegenteil der Fall ist....
  3. #3

    Peer Reviews

    Zitat von hador2 Beitrag anzeigen
    Peer Reviews sind in jeder renommierten Fachzeitschrift anonym von daher frage ich mich woher die Forscher wissen wer ihren Artikel beurteilt hat.
    Der Reviewer hat das Recht auf Anonymitaet, welches er in der Regel auch wahrnimmt, aber er kann den Review mit seinem Namen unterschreiben, was Bem offenbar getan hat. Kommt zwar selten vor, aber ist im vorliegenden Fall nur fair.

    Zitat von hador2 Beitrag anzeigen
    Davon abgesehen kann ich aber bestätigen, dass es in der Regel sehr schwer ist ein einmal veröffentlichtes Ergebnis zu widerlegen. Einige Zeitschriften veröffentlichen kritische Kommentare zu Ergebnissen, aber direkte Widerlegungen veröffentlichter Arbeiten sind selten und kommen meist nur in Betrugsfällen vor.
    Naja, eine Widerlegung ist es ja streng genommen nicht. Eine Widerlegung waere, wenn man dem Autor einen groben Fehler oder unsaubere Datenerhebung/-auswertung nachgewiesen haette. Ist hier aber nicht passiert. Man hat nur das Experiment wiederholt und kam zu anderen Ergebnissen.

    Die empirischen Wissenschaften, zu denen sich auch die Psychologie zaehlt, argumentieren mit Wahrscheinlichkeiten fuer das Auftreten experimenteller Ergebnisse. Bem hatte Daten, aus denen er ableitete, dass, wenn es keine aussersinnliche Wahrnehmung gibt, das Auftreten seiner Daten (z. B. sexuell aufgeladene vs. neutrale Bilder) eine Wahrscheinlichkeit von unter 1:20 hat, und folgert daraus, dass es aussersinnliche Wahrnehmung gibt. Er sagt nicht, dass die Wahrscheinlichkeit dafuer, dass er sich damit irrt, NULL ist.

    Man sollte bedenken, dass die Wahrscheinlichkeit eines hohen Lottogewinns eins zu ein paar Millionen ist, und trotzdem gewinnen manche Leute.

    Im uebrigen ist PLoS ONE genau dasjenige Journal, welches (nach eigener Aussage) alle Arbeiten annimmt, die methodisch korrekt sind, egal wie "interessant" sie sind. Also das perfekte Journal fuer misslungene Replikationen existierender Studien.
  4. #4

    Unter Niveau

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wahrsage-Studie: Psychologen sehen schwarz fürs Hellsehen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft

    Das "British Journal of Psychology" schickte die Arbeit, wie es im sogenannten Peer-Review-Verfahren üblich ist, an zwei Fachleute, die sie beurteilen sollten. Wie Forscher Stuart Ritchie von der University of Edinburgh berichtet, fand der erste den Aufsatz in Ordnung, der zweite jedoch hatte Einwände - es war Daryl Bem. Er meinte, die Wissenschaftler sollten eine weitere Versuchsreihe von jemandem leiten lassen, der an paranormale Fähigkeiten glaube. Als skeptische Forscher hätten sie irgendwie ihre Probanden beeinflusst, schlecht abzuschneiden.
    Das ist ja nur noch peinlich. Bevor ich solche Einwände wie Hr. Bem da aus der Kiste hole, würde ich mich für befangen erklären und den Job weiterreichen.

    Wieviele Versuchsreihen hat eigentlich der Herr eigentlich selber durchgeführt? Und hat er auch welche von Leuten leiten lassen, die NICHT an paranormale Fähigkeiten glauben?
    Er hat in seiner Veröffentlichung (hoffentlich) die Randbedingungen aufgeführt, unter denen die Versuchsreihen durchzuführen sind. Wenn jemand das nachmacht, dann kann man doch nicht anschließend weitere Bedingungen stellen und dem anderen vorwerfen, er hätte was falsch gemacht! Man kann sich allenfalls überlegen, ob man wesentliche Randbedingungen vergessen hatte, und ggf. eine weitere Studie nachschieben, in der man den fehlenden Parameter (hier wohl den Glauben) untersucht und seinen Einfluss darstellt. Trotzdem - oder gerade deshalb - müssen aber widersprechende Ergebnisse erstmal ans Licht kommen.

    Eine Frage hätte ich noch an Hr. Bem:
    Wäre sein Problem auch behoben, wenn die Versuchsleiter im Nachhinein anfangen würden, an PSI-Fähigkeiten zu glauben? Das sollte ja schließlich auch in die Vergangenheit wirken.


    Gruß,
    Steve
  5. #5

    Zitat von Sok Rat Es Beitrag anzeigen
    Der Reviewer hat das Recht auf Anonymitaet, welches er in der Regel auch wahrnimmt, aber er kann den Review mit seinem Namen unterschreiben, was Bem offenbar getan hat. Kommt zwar selten vor, aber ist im vorliegenden Fall nur fair.
    Hmmm...also bei den Journals für die ich bisher reviews geschrieben habe wurde stets definitv darauf hingewiesen, dass man anonym zu bleiben habe. Aber vielleicht ist das von Journal zu Journal anders.

    Fair ist es schon, da haben sie auf jeden Fall Recht.

    Zitat von Sok Rat Es Beitrag anzeigen
    Naja, eine Widerlegung ist es ja streng genommen nicht. Eine Widerlegung waere, wenn man dem Autor einen groben Fehler oder unsaubere Datenerhebung/-auswertung nachgewiesen haette. Ist hier aber nicht passiert. Man hat nur das Experiment wiederholt und kam zu anderen Ergebnissen.

    Die empirischen Wissenschaften, zu denen sich auch die Psychologie zaehlt, argumentieren mit Wahrscheinlichkeiten fuer das Auftreten experimenteller Ergebnisse. Bem hatte Daten, aus denen er ableitete, dass, wenn es keine aussersinnliche Wahrnehmung gibt, das Auftreten seiner Daten (z. B. sexuell aufgeladene vs. neutrale Bilder) eine Wahrscheinlichkeit von unter 1:20 hat, und folgert daraus, dass es aussersinnliche Wahrnehmung gibt. Er sagt nicht, dass die Wahrscheinlichkeit dafuer, dass er sich damit irrt, NULL ist.

    Man sollte bedenken, dass die Wahrscheinlichkeit eines hohen Lottogewinns eins zu ein paar Millionen ist, und trotzdem gewinnen manche Leute.
    Schon richtig, bei meiner Aussage, dass es extrem schwer ist Veröffentlichungsspielraum für das Wiederlegung einer früheren Publikation zu bekommen bleibe ich aber trotzdem.

    Zitat von Sok Rat Es Beitrag anzeigen
    Im uebrigen ist PLoS ONE genau dasjenige Journal, welches (nach eigener Aussage) alle Arbeiten annimmt, die methodisch korrekt sind, egal wie "interessant" sie sind. Also das perfekte Journal fuer misslungene Replikationen existierender Studien.
    An sich ist das ja auch erstmal nicht notwendigerweise etwas Schlechtes. Pervertiert wird es halt dadurch, dass PloS One vom Autor Geld für die Publikation bekommt. Die andere Sache ist, dass man so natürlich den Citation Factor hochtreibt, den ich aber sowieso generell eher kritisch sehe...
  6. #6

    Was ist mit Propheten?

    Geniale Experimente (Test, ob später gelerntes schon vorher erinnert werden kann oder im ersten Artikel das mit den Pornobildern) aber ein Schönheitsfehler ist, dass normale Menschen ganz offensichtlich die Zukunft nur im Rahmen der Vernunft und Logik, nicht aber auf übernatürliche Weise vorhersehen können, wie die Realität zeigt - es macht also wenig Sinn, normale Menschen zu testen. Wenn es allerdings einen allmächtigen Gott und eine göttliche Vorherbestimmung gibt, dann können Propheten (mithilfe Gottes) auch die Zukunft vorhersagen - so wie es die Bibel lehrt. (imho)
  7. #7

    Unsinnige Versuchsanordnung

    Gibt es die Fähigkeit des Vorhersehens und hat sie potentiell jeder Mensch?

    Nur mal angenommen ja: dann ist es aber offenbar eine Fähigkeit, die nur sehr selten und unter besonderen Bedingungen zutage tritt - sonst würde man jetzt nicht darüber grübeln, ob es diese Fähigkeit gibt oder nicht.

    Zu den besonderen Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit diese Fähigkeit zutage tritt, könnte auch ein besonderes Talent dazu gehören - ist ja bei anderen Fähigkeiten auch so. Ganz sicher gehört aber zu diesen Bedingungen eine hohe Motivation. Das Gehirn wird sicher keine selten genutzten Fähigkeiten aktivieren, wenn keine besonders starke Motivation dafür da ist.

    Eine solche Motivation war aber bei dieser Versuchsanordnung überhaupt nicht gegeben. Dass eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe von Versuchspersonen motiviert sein sollten, ein paar in der Nähe befindliche Wissenschaftler, die ihnen nichts bedeuten, zu beeindrucken, wenn diese noch garnicht mal beeindruckt werden wollen - zudem diese eher nachweisen wollen, dass diese Fähigkeit sich nicht zeigt - ist nicht anzunehmen.

    Daher, wie gesagt: eine unsinnige Versuchsanordnung.
  8. #8

    Mcstone

    Zitat von MrStoneStupid Beitrag anzeigen
    Geniale Experimente (Test, ob später gelerntes schon vorher erinnert werden kann oder im ersten Artikel das mit den Pornobildern) aber ein Schönheitsfehler ist, dass normale Menschen ganz offensichtlich die Zukunft nur im Rahmen der Vernunft und Logik, nicht aber auf übernatürliche Weise vorhersehen können, wie die Realität zeigt - es macht also wenig Sinn, normale Menschen zu testen. Wenn es allerdings einen allmächtigen Gott und eine göttliche Vorherbestimmung gibt, dann können Propheten (mithilfe Gottes) auch die Zukunft vorhersagen - so wie es die Bibel lehrt. (imho)
    Gottes Propheten dürfen kein Geld mit ihren Fähigkeiten verdienen und sie nur zur Verbesserung einer Gesellschaft benutzen. Finger in die Wunde legen und um der Gerechtigkeit willen Repressalien ausgesetzt sein, es ist nicht besonders witzig ein Prophet zu sein.
  9. #9

    sehr guter beitrag, Sok Rat Es.

    @hador 2: eine publikation bei PloS (ONE) kostet den autor ca 3000 USD oder EUR, wenn ich mich recht entsinne. Dieser Preis entsteht fuer open access optionen auch bei vielen anderen abonnementzeitschriften, die solch eine moeglichkeit bieten. Auch wenn es nicht open access ist, sind idR page charges faellig, die von journal zu journal unterschiedlich hoch ausfallen, aber fuer einen "normalen" artikel auch zwischen 600 EUR und 1500 EUR pendeln (zumindest bei mir. abhaengig von laenge und farbabbildungen).
    was den zitationsindex anbelangt, steht PloS ONE vglw. gut da, fuer die qualitaet der studien, die dort erscheinen (nicht die reine anzahl der paper ist entscheidend fuer den impact factor - wenn sie den meinen). In meinem feld (biomedizin, zellbiologie) stelle ich sowohl als leser als auch als reviewer leider fest, dass die in PLoS ONE erscheinenden paper qualitativ haeufig sehr mager sind.