MBA-Rankings: Das große Messen und Wiegen

RUSS CAMPBELL/ HARVARD BUSINESS SCHOOLSo viele MBA-Programme, so viele Business Schools in aller Welt - schön, dass Ranglisten Orientierung geben. Aber allein darauf verlassen sollte sich bei der Entscheidung niemand. Denn die Rankings haben ihre Tücken und behängen die Top-Schulen nach oft seltsamen Kriterien mit Lametta.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...821313,00.html
  1. #1

    Ich verstehe

    Ich verstehe immer noch nicht, wie gerade die amerikanischen Unis solche Top-Noten bekommen. Meine Uni hat viele Austauschprogramme mit den Universitäten und jeder der da war erzählt das gleiche:

    Als Student kann man kaum durchfallen, die 1,0 werden einem nachgeschmissen.

    Eigentlich auch logisch. Wer bezahlt 20.000 Dollar im Semester damit sein Sohn ein 3,7 bekommt? Tatsächlich halte ich inzwischen deutsche Universitätsabgänger für die Besten. Nicht aus Patriotismus, sondern weil in Deutschland tatsächlich jeder die weitesgehend die gleichen Chancen hat und die Unis kein Interesse daran haben, möglichst viele zahlungswillige Studenten zu behalten, oder mit Top-Noten zu beschenken.

    So werden hier die besten aussortiert und gelehrt.
  2. #2

    1=1.0

    Zitat von spongie2000 Beitrag anzeigen
    Ich verstehe immer noch nicht, wie gerade die amerikanischen Unis solche Top-Noten bekommen. Meine Uni hat viele Austauschprogramme mit den Universitäten und jeder der da war erzählt das gleiche:

    Als Student kann man kaum durchfallen, die 1,0 werden einem nachgeschmissen.

    Eigentlich auch logisch. Wer bezahlt 20.000 Dollar im Semester damit sein Sohn ein 3,7 bekommt? Tatsächlich halte ich inzwischen deutsche Universitätsabgänger für die Besten. Nicht aus Patriotismus, sondern weil in Deutschland tatsächlich jeder die weitesgehend die gleichen Chancen hat und die Unis kein Interesse daran haben, möglichst viele zahlungswillige Studenten zu behalten, oder mit Top-Noten zu beschenken.

    So werden hier die besten aussortiert und gelehrt.
    Nun mal halblang. Natuerlich kann man mit Deutschem Abitur in den ersten Semestern leicht punkten. Die Amis muessen eben Integralrechnung und aehnliches erst an der Uni lernen. Danach geht es aber richtig los.
    Bei gehobeneren Studiengaengen wie Masters (MBA) oder PhD sieht es dann schon anders aus.

    Ausserdem redet man hier nur vom Notendurchschnitt. Wenn alle eine 1 haben, dann ist trotzdem noch der mit der besseren 1 der bessere. Das weiss auch jeder und deshalb guckt man sich die Noten bis auf die Stellen nach dem Komma genau an.
    Hast du in Deutschland nun 1, 2, 3, 4, 5 gibt es bei den Amis eben 1 1,1 1,2 ... usw. Am Ende sagt dir das im Vergleich zu Mitstudenten 100% das gleiche. Wenn du als Ausstauschstudent dir aber nun eine Amerikanische 1.4 in Deutschland als eine glatte 1 anrechnen lassen willst, hast du betrogen und nicht die Ami Schule.
  3. #3

    Ranking Schmanking

    Das Problem mit den Rankings ist ja zu verstehen, wie sie zustande kommen. Leider macht sich kaum jemand die Mühe, die Methodik zu lesen und zu hinterfragen, warum die Unis so abschneiden, wie sie abschneiden.
    Statistiken über Einstiegsgehälter oder die Anzahl der Studenten, die bei Fortune 500 Firmen einsteigen, sagen leider wenig über die Qualität der Ausbildung aus. Trotzdem ist der Druck bei den Unis groß, sich ein gutes Ranking zu "erarbeiten", etwa in dem gezielt versucht wird, Studenten in großen Firmen unterzubringen. Ranking = Reputation = Money.
    Meine Universität (Thunderbird) hat mit den Rankings immer ein Problem. Sie hat einen außergewöhnlich hohen Anteil an Abgängern, die im Non-Profit Bereich einsteigen. Entsprechend niedriger sind die Durchschnittsgehälter. Das kostet die Uni in bestimmten Rankings gleich eine ganze Reihe an Plätzen. Wir haben außerdem viele Studenten, die nach dem Studium reisen oder Freiwilligendienste absolvieren. Diese fallen natürlich negativ ins Gewicht wenn analysiert wird, wie schnell Absolventen nach dem Studium einen Job haben (ob sie überhaupt einen gesucht haben, wird dabei nicht berücksichtigt). Wie bei Statistiken gibt es eben hinter den Rankings auch immer "Geschichten".

    Deshalb kann ich auch verkraften, dass mein MBA-Programm nur auf Platz 89 landet. Dafür sind wir im Vergleich der International Management MBAs schon seit Jahren Weltspitze :-)).
  4. #4

    Zitat von spongie2000 Beitrag anzeigen
    Tatsächlich halte ich inzwischen deutsche Universitätsabgänger für die Besten. Nicht aus Patriotismus, sondern weil in Deutschland tatsächlich jeder die weitesgehend die gleichen Chancen hat und die Unis kein Interesse daran haben, möglichst viele zahlungswillige Studenten zu behalten, oder mit Top-Noten zu beschenken.

    So werden hier die besten aussortiert und gelehrt.
    Naja, ich habe einen Executive MBA an der London Business School (uebrigens nett dass die als eine der renomiertesten Adressen in Europa auch mal auf Spiegel online genannt wird) gemacht und kann das nicht bestaetigen - und das nach einem kompletten Jurastudium an einer der besten juristischen Fakultaeten in Deutschland und mehr als vier Jahren Berufspraxis. Wenn ich meine MBA-Klasse mit meinen Seminaren in Deutschland vergleiche hatte ich den Eindruck dass nach dem Bewerbungsverfahren an der LBS eine Gruppe der intelligentesten und besten Leute aus ganz Europa zusammengekommen ist. Und das ist aus meiner Sicht einer der wesentlichen Vorteile einem guten MBA Programm: Man lernt viele aussergewoehnliche Leute kennen und erweitert seinen persoenlichen Horizont ungemein. Die sind uebrigens alles andere als abgehoben, die meisten sind sehr nette Leute mit dem unterschiedlichsten Lebenslaeufen: Vom kolumbianischen Ingenieur bei BP bis zu einem ehemaligen Cambridge Philosophie-Studenten, der Jahre im Advertisement gearbeitet hat.

    Mit "zahl mal richtig Geld und kriege nur 1er" wie Du schreibst war es da auch nichts. Die Bewertung an der LBS ist kompetitiv, die Zahl der A+, As, Bs und Cs, die vergeben werden, ist vor jeder Pruefung festgelegt. Und glaube mir, mein Professor in Advanced Financial Statement Analysis war was das Leistungsniveau anging alles andere als kompromissfreudig ... Fuer mich waren das die haertesten 2 Jahre meines Lebens - aber auch die Jahre, die die mich persoenlich am meisten weitergebracht haben.
  5. #5

    Rankings und MBA

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    So viele MBA-Programme, so viele Business Schools in aller Welt - schön, dass Ranglisten Orientierung geben. Aber allein darauf verlassen sollte sich bei der Entscheidung niemand. Denn die Rankings haben ihre Tücken und behängen die Top-Schulen nach oft seltsamen Kriterien mit Lametta.

    MBA-Rankings: Das große Messen und Wiegen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    In der Bologna-Zone ist der Master of Business Administration kein geschützter Begriff und somit kein Titel mit irgend einem Wert. An Universitäten in der Bologna-Zone sind diese Abschlüsse Master of Arts oder Master of Sciences (sehr selten) in Business Administration.

    Was die Rankings betrifft, so sind diese alle unzureichend wenn es um die Bewertung der Studiumsqualität geht. US-Unis wie Harvard haben allein deshalb ein gute Ergebnis, weil die Absolventen gute Jobs bekommen. Das ist aber hauptsächlich der guten Vernetzung der Uni und der Alumni-Strukturen zu verdanken und hat nichts mit dem Studium an sich zu tun. Darüber hinaus ist das Klientel an diesen Unis bereits vorher oft privilegiert und somit näher an den hochdotierten Jobs dran.

    Deutsche Unis haben hier durchaus Probleme zu punkten, da sie zwar eine gute Ausbildung bieten, aber beim Placement eben nur durchschnittlich sind. Private Business Schools sind zwar besser beim Placement, aber ihre Studiengänge sind meist Substandard wenn man sie mit universitären Ausbildungen auf Curriculumsebene vergleicht.
  6. #6

    Zitat von querdenker34 Beitrag anzeigen
    Und das ist aus meiner Sicht einer der wesentlichen Vorteile einem guten MBA Programm: Man lernt viele aussergewoehnliche Leute kennen und erweitert seinen persoenlichen Horizont ungemein. Die sind uebrigens alles andere als abgehoben, die meisten sind sehr nette Leute mit dem unterschiedlichsten Lebenslaeufen: Vom kolumbianischen Ingenieur bei BP bis zu einem ehemaligen Cambridge Philosophie-Studenten, der Jahre im Advertisement gearbeitet hat.

    ... Fuer mich waren das die haertesten 2 Jahre meines Lebens - aber auch die Jahre, die die mich persoenlich am meisten weitergebracht haben.
    Dem kann ich 100% zustimmen. Der Wert eines guten MBA Programms (und beim Executive vermutlich sogar noch mehr) kommt m.E. aus gleichen Teilen von der Qualität der Professoren, bzw. des Studieninhalts, und aus dem Austausch mit Kollegen unterschiedlichster Herkunft und Erfahrungen. Wer einmal mit einem japanischen Marketing-Experten, einem chilenischen Investmentbanker und einem indischen Textilvertreiber an einer Geschäftsstrategie für ein jordanisches Weingut gearbeitet hat, sieht die Welt mit anderen Augen.
    Den Vorwurf der "nachgeschmissenen Noten" kann ich übrigens auch nicht bestätigen. Bei uns waren die Notenverteilungen zum größten Teil auch vorgegeben, dafür bezahlt man bei 20.000$ pro Semester aber auch das "Recht" mit, sich vom Prof vor der Klausur noch einmal "Nachhilfe" geben zu lassen - was bei uns stets ohne Problem (und ohne Ankündigung) möglich war.