Mythos Fachkräftemangel: Von Schweinen und Ingenieuren

dapdHer mit mehr Ingenieuren, sonst ist der Standort Deutschland in Gefahr: Ist diese Warnung nur blanker Alarmismus? Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung legt das nahe, der Experte Karl Brenke beschreibt den Fachkräftemangel als Fata Morgana.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...821166,00.html
  1. #210

    Willkommen in Deutschland

    Zitat von kritiker77 Beitrag anzeigen
    2004 eingestiegen (nach der Diss): hatte 62000 Eur Anfangsgehalt. München.

    2008: 78000 Eur

    2009: Firma pleite, Job weg. Im grossen "Krieseningenieursausverkauf" 2009 wurde ich dann zu 59000 Eur eingekauft (ausserhalb D, war 2009 nichts zu .....
    Also wenn ich das alles so lese, kann ich wirklich froh sein, dass ich kein MINT-Fach studiert habe. Überhaupt nicht studiert habe. Und für so ein Gehalt noch nicht mal ins Ausland ziehen muss.

    Da ja offensichtlich kein ING-Fachkräftemangel in Deutschland herrscht, scheinen die einzigen Alternativen tatsächlich auswandern oder artfremde Tätigkeit zu sein...
  2. #211

    Zitat von Homoökonomikus Beitrag anzeigen
    Was ich jedoch mit dem zweiten Aspekt meinte, ist einfach die Tatsache, dass Klagen zum Geschäft einer Lobby gehört. VDI und BDI werden durchaus bestrebt sein, mit dem Verkünden überzeichneter Mangelerscheinungen eine Reaktion seitens der Politik zu provozieren. Stellt man sich vor, die Bundesregierung würde tatsächlich aufgrund solcher Horror-Meldungen die Anwerbung von nicht EU-Ausländern erleichtern, dann würde sich, Mangel hin oder her, der Preis von Ingenieuren wieder reduzieren.
    Genau das ist ja das Betonkopfdenken von Ökonomen und Lobbyisten (sonst nur noch so in der Finanzwirtschaft anzutreffen). Anstatt mal so, wie vielleicht die Amerikaner zu denken: 'Ich will die besten der Welt – Mangel oder Überschuß interessieren mich gar nicht. Und dies hier ist mein Preis, den ich zu zahlen bereit bin – es wird sich herumsprechen.' - Statt dessen dürfte sich bis nach Indien herumgesprochen haben, daß die Deutschen mal wieder die dritte Garnitur suchen (die erste und zweite geht sowieso woanders hin) um Kosten zu sparen – aber selbst die bleibt da lieber zu hause, als – auch für sich selbst – die Preise zu verderben ...
  3. #212

    Zitat von PeterPen Beitrag anzeigen
    In meinem Unternehmen wird (a) nach Fachkräften geschrien, (b) Ingenieurs- und Entwicklungstätigkeiten nach Indien, China und zum Teil noch USA ausgelagert, und zwar massiv. In Deutschland werden fast nur noch Verkäufer, Berater und Verwaltungspersonal gesucht, also genau KEINE Fachkräfte, sondern typischerweise angelernte Tätigkeiten.
    Nun, sollte es generell so sein, dann ist sowieso alles zu spät. Und in Indien, China, USA ist man sicher vor allem deshalb so günstig, weil das Rad ja nicht jedes mal neu erfunden werden muß …
    Werden wir also ein Volk von Händlern und Finanzberatern ...
    Bleibt zu erwähnen, daß die studentische (Ingenieurs)Jugend sowieso im Hinterkopf hat, vielleicht gleich von Anfang an in einem ganz anderen Land zu arbeiten ...
  4. #213

    Zitat von priexo Beitrag anzeigen
    Bei uns in der Firma ist beispielsweise von oberster Stelle die Firmenbilanz bzw. Profitabilität in 2012 zum obersten Ziel erklärt worden, da die Fa. verkauft werden soll. Dazu muss natürlich die Bilanz aufgepeppt werden... mehr Internas will ich gerade nicht posten...
    Echt? Wer (Chinesen, Griechen?) will denn da wen mit Geld zuschütten?
    Ich meine, daß BWLer keine Ahnung von VWL haben, wurde hier ja ganz gut herausgearbeitet ...
    Banker: Es droht eine Währungsreform! - Wirtschaft - Bild.de
  5. #214

    Illusion und Realität

    Zitat von Förster Beitrag anzeigen
    Mir gehts so ähnlich, nur mit dem Unterschied: Maschinenbaustudium und nun seit mittlerweile 3 Jahren arbeitslos (zumindest auf dem 1. Arbeitsmarkt)
    Woher haben Sie diese hoffentlich gesicherten Informationen?
    Stimmt. Und auf die Bitte um eine ehrliche Antwort lassen sich die Personaler entweder verleugnen oder wimmeln ab.

    Zu dieser Erkenntnis bin ich auch gekommen. Doch die entscheidende Frage, auf die ich einfach keine Antwort finde, ist die, was stattdessen tun? Bewerbungen auf Techniker- oder Facharbeiterstellen wurde mit der Begründung überqualifiziert zurückgewiesen. Hat jemand der Foristen einen Ratschlag? Alle auswandern in die Schweiz oder Norwegen kann es ja nicht sein. Man stelle sich nur einmal vor 5 Millionen deutsche Arbeitslose ziehen dahin, dann verdoppelt sich die Bevölkerung dieser Länder mit einem Schlag. Bis zur Rente von Sozialhilfe existieren kann es recht nicht sein. Bleiben nur die Jobs, bei denen nicht nach der Qualifikation gefragt wird.
    In den Beiträgen (vieler frustrierter Naturwissenschaftler/Ingenieure) kommt der gesunde Menschenverstand oft zu kurz.

    Die "bösen" Unternehmer gibt es gar nicht so häufig, aber die Forderung der (sehr oft internationalen) Aktionäre nach einer vor dem Komma zweistelligen Umsatzrendite.

    Und es gibt den durch asiatische und lateinamerikanische Billigkopierer erzeugten knallharten Preiswettbewerb.

    Und es gibt für viele gute Familienunternehmen keine vernünftige Nachfolgeplanung, so dass sie oft in die Hände von nur profitorientierten Venture Capital Gebern oder gefräßigen, gnadenlosen Grosskonzernen wie Bosch, GEA ( exMetallgesellschaft) fallen, die überhaupt kein Problem haben, Produktion, inzwischen auch Konstruktion, nach China/Indien zu verlagern, wie es Siemens macht. Um in diesen Märkten erfolgreich zu sein, haben die oft auch gar keine andere Wahl.

    Die gute, alte Zeit des Wahnsinnsvorteils durch einen Lichtjahre großen Vorsprung der deutschen Ingenieurkunst ist vorbei. Inzwischen ist gnadenlose Innovation gefragt, und das zu niedrigen Kosten. Wir brauchen Ingenieure, mehr denn je. Sonst holen uns die Asiaten ein.
    Aber die Zeiten des automatisch hohen Einkommens sind vorbei. Mir tut das auch Leid. Aber Jammern bringt die nicht zurück.

    Die Guten werden hier Ihre Chancen nutzen. Die Guten sind flexibel, nicht nur Techniker oder Naturwissenschaftler, sondern vielseitig interessiert, auch an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.*Und hier hapert es sehr oft.

    Für meine Konstruktion (in Österreich) habe ich ein Jahr gebraucht, zwei Elektrokonstrukteure zu finden. Unser IT-Chef hat innerhalb von eineinhalb Jahren keinen genügend qualifizierten SAP-Systembetreuer gefunden.

    Wir suchen den deutschsprachigen Überschuss an gut qualifizierten Ingenieuren und Informatikern, finden ihn aber nicht.

    Noch ein Wort zu den Personalchefs. Was sollen die in eine Absage schreiben, ohne juristische Konflikte zu haben oder jemand unverblümt zu sagen, dass er nicht genügend qualifiziert ist? Qualifikation ist nicht allein Studium oder Promotion. Qualifikation ist viel mehr.

    Von einem Maschinenbauingenieur und Handwerkersohn in Führungsposition, der sich von Sozialromantik verabschiedet hat, aus Überzeugung, trotzdem nicht die Wirtschaftsliberalen wählt. Aber ich habe im Gegensatz zu vielen Wettbewerb angenommen, nicht verteufelt.
  6. #215

    Zitat von drehrumbum Beitrag anzeigen
    Echt? Wer (Chinesen, Griechen?) will denn da wen mit Geld zuschütten?
    Ich meine, daß BWLer keine Ahnung von VWL haben, wurde hier ja ganz gut herausgearbeitet ...
    [...]
    Im Moment gibt es meines Wissens weder einen Interessenten noch einen Käufer, nur ein paar vage Gerüchte...

    Im Prinzip ist alles möglich: Chinesen, einer der Großkunden, Private Equity Trust etc....
  7. #216

    Praktische Realität

    Zitat von bvdlinde Beitrag anzeigen
    Das Linke Gerede wird sich bitter rächen. In Kuerze werden sich die demografischen und ausbildunstechnischen Faktoren auf dem Arbeitsmarkt massiv bemerkbar machen. In Unternehmen bleiben jetzt schon zig Stellen unbesetzt, weil es keine Bewerber gibt. Und leiden werden dabei die unteren Lohngruppen, denn Ingenieure bekommen heute sofort - und gutbezahlt - einen Job. Firmen suchen händeringend nach qualifizierten Leuten.
    Volle Zustimmung zu Herrn Brenke´s Artikel und Widerspruch zu Ihrem Kommentar.

    Hier mal ein Stück praktischer Realtität zum Fachkräfte-Mangel:

    Stellenausschreibung für eine hochqualifizierte Position bei einem etablierten Pharma-Unternehmen:

    „…Bitte bewerben Sie sich mit Angabe der o. g. Referenznummer ausschließlich über unser Online-Portal. Bewerbungen, die auf anderen Wegen zu uns kommen, können leider nicht berücksichtigt werden. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!“

    Man "freut" sich nicht über Bewerbungen, sondern will den Arbeitsaufwand durch Standardisierung minimieren und formalisieren. Die Pflege der SAP Datenbank hat Vorrang vor allem. Welch scheinheilige "Freude". Es geht nicht um den Menschen, sondern um den Vorgang und dessen Abarbeitung. Solange Stellenausschreibungen mit solchen Zusätzen versehen sind, bleibt die Mär vom Fachkräftemangel eine dreiste Propagandalüge. So dringend kann der Mangel wohl nicht sein, wenn man von vornherein Bewerber zu einer ganz bestimmten Form der formalisierten Kontaktaufnahme zwingen will. Wenn aufgrund des extremen „Mangels“ eh nur drei übersichtlichtliche Berwerbungen eintrudeln, ist doch die Art der Kontaktaufnahme mehr als nebensächlich. Der durch Formalisierung eingesparte Bearbeitungsaufwand relativiert sich üblicherweise in einer Mangelsituation.

    Nichts entlarvt die Lügen der gierigen und arroganten Unternehmen mehr als Ihre eigenen Stellenausschreibungen.

    Ich denke auch, dass sich das eines schönen Tages rächen wird – aber anders als sie es sich vorgestellt haben, lieber Kommentator.
  8. #217

    Unfug

    Zitat von anton014 Beitrag anzeigen

    Noch ein Wort zu den Personalchefs. Was sollen die in eine Absage schreiben, ohne juristische Konflikte zu haben oder jemand unverblümt zu sagen, dass er nicht genügend qualifiziert ist? Qualifikation ist nicht allein Studium oder Promotion. Qualifikation ist viel mehr.

    Von einem Maschinenbauingenieur und Handwerkersohn in Führungsposition, der sich von Sozialromantik verabschiedet hat, aus Überzeugung, trotzdem nicht die Wirtschaftsliberalen wählt. Aber ich habe im Gegensatz zu vielen Wettbewerb angenommen, nicht verteufelt.
    Überqualifiziert bedeutet nichts anderes als "zu alt", das zumindest sollte sich langsam herumgesprochen haben.
    Ansonsten die übliche Gedankenschlichtheit derer die immer noch nicht verstanden haben wohin die Reise geht, zurück ins 18te Jahrhundert nämlich.
  9. #218

    Nicht Jammern, Problem lösen!

    Zitat von anton014 Beitrag anzeigen
    ...Für meine Konstruktion (in Österreich) habe ich ein Jahr gebraucht, zwei Elektrokonstrukteure zu finden. Unser IT-Chef hat innerhalb von eineinhalb Jahren keinen genügend qualifizierten SAP-Systembetreuer gefunden.

    Wir suchen den deutschsprachigen Überschuss an gut qualifizierten Ingenieuren und Informatikern, finden ihn aber nicht. ...
    Vielleicht sollten Sie und Ihr IT-Chef sich Gedanken machen, was Sie falsch machen.
    Liegt's an der Bezahlung, liegt's an unrealistischen Anforderungen, liegt's an Vorurteilen, an Überheblichkeit, an der Formulierung der Stellenausschreibung, an der Illusion, für jedes Detail fertiggebackene Experten finden zu wollen, an der Auffassung, auf Einarbeitung verzichten zu können...?
    Nur einfach den Anderen die Qualifikation abzusprechen, ist ein bisschen dünn.
  10. #219

    Zitat von anton014 Beitrag anzeigen
    Die "bösen" Unternehmer gibt es gar nicht so häufig, aber die Forderung der (sehr oft internationalen) Aktionäre nach einer vor dem Komma zweistelligen Umsatzrendite.

    Und es gibt den durch asiatische und lateinamerikanische Billigkopierer erzeugten knallharten Preiswettbewerb.

    Und es gibt für viele gute Familienunternehmen keine vernünftige Nachfolgeplanung, so dass sie oft in die Hände von nur profitorientierten Venture Capital Gebern oder gefräßigen, gnadenlosen Grosskonzernen wie Bosch, GEA ( exMetallgesellschaft) fallen, die überhaupt kein Problem haben, Produktion, inzwischen auch Konstruktion, nach China/Indien zu verlagern, wie es Siemens macht. Um in diesen Märkten erfolgreich zu sein, haben die oft auch gar keine andere Wahl.

    Die gute, alte Zeit des Wahnsinnsvorteils durch einen Lichtjahre großen Vorsprung der deutschen Ingenieurkunst ist vorbei. Inzwischen ist gnadenlose Innovation gefragt, und das zu niedrigen Kosten. Wir brauchen Ingenieure, mehr denn je. Sonst holen uns die Asiaten ein.
    Aber die Zeiten des automatisch hohen Einkommens sind vorbei. Mir tut das auch Leid. Aber Jammern bringt die nicht zurück.
    Ihre Eischätzung ist sicher auch Teil der Wahrheit, somindest klingt sie plausibel. Dass in vielen Unternehmen der geschaffene Mehrwert als shareholder value abgeschöpft und somit den real Beschäftigten entzogen wird, ist wohl ein Charakteristikum der heutigen Zeit. Nur sind nicht alle (auch profitablen) Unternehmen börsennotiert. Hier greift Ihre Einschätzung zu kurz.


    Zitat von anton014 Beitrag anzeigen
    Für meine Konstruktion (in Österreich) habe ich ein Jahr gebraucht, zwei Elektrokonstrukteure zu finden. Unser IT-Chef hat innerhalb von eineinhalb Jahren keinen genügend qualifizierten SAP-Systembetreuer gefunden.

    Wir suchen den deutschsprachigen Überschuss an gut qualifizierten Ingenieuren und Informatikern, finden ihn aber nicht.
    Und einen weniger gut qualifizierten einzustellen, ihm die Möglichkeit zu geben sich (in absehbarer Zeit) auf das gewünschte Niveau einzuarbeiten, ist für Ihre Firma keine Option? Ich nehme an das unternehmerische Risiko wird als zu hoch eingeschätzt.

    Zitat von anton014 Beitrag anzeigen
    Noch ein Wort zu den Personalchefs. Was sollen die in eine Absage schreiben, ohne juristische Konflikte zu haben oder jemand unverblümt zu sagen, dass er nicht genügend qualifiziert ist? Qualifikation ist nicht allein Studium oder Promotion. Qualifikation ist viel mehr.
    Meines Wissens sind Ablehnungen in Deutschland juristisch anfechtbar, die sich auf Ethnie, Geschlecht und Alter begründen. Ich für meinen Teil zöge es auch nur ansatzweise nicht in Betracht mich in einen Arbeitsplatz zu klagen, selbst wenn die Gestzgebung auf meiner Seite wäre. Was soll dies für eine Basis sein für eine Zusammenarbeit. Aufrichtigkeit seitens des Unternehmers gebietet nach meinem Wertekanon einfach der Anstand und der Respekt dem Bewerber gegenüber. Pragmatisch gesehen bringt es dem Bewerber auch mehr zu erfahren, woran es scheitert und somit Überlegungen anzustellen die Defizite zu beheben.