Mythos Fachkräftemangel: Von Schweinen und Ingenieuren

dapdHer mit mehr Ingenieuren, sonst ist der Standort Deutschland in Gefahr: Ist diese Warnung nur blanker Alarmismus? Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung legt das nahe, der Experte Karl Brenke beschreibt den Fachkräftemangel als Fata Morgana.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...821166,00.html
  1. #200

    Ing ≠ Ing

    Zitat von novesette Beitrag anzeigen
    Dasi kein FAKT, das ist ganz großer Humbug.
    Nein, Wololooo hat völlig Recht. Mein leider verstorbener Geschäftspartner war ein auf Theoretische Elektrotechnik spezialisierter E-Ing, der sich alle Lösungsfunktionen selber aus den Maxwell-Gleichungen ableiten konnte und zudem ein exzellenter Software-Entwickler war, der einen sehr leistungsfähigen, makroprogrammierbaren Formelinterpreter geschrieben hat. Auf dem Papier war der aber auch nicht qualifizierter als ein Durchschnitts-E-Ing.
  2. #201

    Nie und Nimmer

    Zitat von Wololooo Beitrag anzeigen
    Selbst in der Gruppe der Ingenieure herscht doch eine sehr große heterogenität. Will denn jemand ernsthaft einen B.Sc./M.Sc. einer TU mit einem B.E./M.E. einer FH vergleichen?

    Auch unter den Universitäten gibt es starke Unterschiede. Ob in Aachen ca. 20% der Studienanfänger ein Studium abschließen oder wie in Dortmund fast 80% spricht doch eine eigene Sprache.
    FAKT IST:
    Ingenieure der Top TUs (RWTH Aachen, TU München, KIT) werden nie Probleme haben einen Job zu finden. Die Masse an anderen Ingenieuren wird sich dann um die verbleibenden Reste streiten müssen (wobei es hier auch noch eine klare Rangfolge gibt: Rest T9, Universitäten, Fachhoschulen mit guten Ruf, Fachhochschulen mit zweifelhaften Ruf).
    hallo

    ich erlaube mir Ihre These aufzugreifen bzgl RWTH Aachen . Genau dort habe ich studiert und angesichts hunderter Bewerbungen etc jann ich Ihnen was ganz anderes erzählen .

    Wie erklären sie sich , das von 10 gerade 1 einen Industrie(zeit)vertrag bekommt und trotz excellenter Arbeit ( ohne Einarbeitung usw ein an die Wand gefahrenes Verfahren gewuppt ) man idealerweise entsorgt wird ) es läuft ja jetzt ..... Und effektiv man im Ing bereich KEINEN Job mehr bekam ... ?

    Zu dem DIW habe ich gute Kontakte und die haben belastbares Material , gerade auch bzgl der ach so tollen Jobchancen von sog Spitzeningenieuren

    Es ist eher so , daß gewisse Firmen gezielt "schlechte" Ings einstellen , damit man diese gehaltstechnisch drücken bzw klein halten kann.
    Hinzu kommt etwas , was man mit : Intelligenz gefährdet die Firma gut beschreiben kann . Welcher Vorgesetzter will jmd. einstellen der Ihm ans bein pissen kann ?!

    Der VDI ist ein ca 400 Mann Unternehmen , welches eineindeutig von Arbeitgeberinteressen "gelenkt" und "unterwandert" ist ...


    Bzgl Definition Fachkraft sagte ein gewisser Hr Kannengießer ( Arbeitgeberpräsident Gesamtmetall ) : Eine FK ist ein Dipl.-Ing .. also ein IUniversitätsabsolvent .. Also kein Ing FH oder gar BA etc pp
    Letztere sind also bestenfalls als Facharbeiter im Sinne Techniker einstufbar- so hart das klingt .

    Solche Dinge ,daß also ein Bachelor 210 Creditpoint hätte , sind also
    Ammenmärchen , ein BA ist quasi ein Vordiplom ....
  3. #202

    Wer grenzdebil?

    Zitat von n+1 Beitrag anzeigen
    Immer mehr arbeiten bei Zeitarbeitsfirmen, auch Ingenieure. Der riesige Fachkräfteüberschuß machts möglich.
    Allenfalls gibt es einen Mangel an Fachkräften, die für EUR 5 und weniger in der Stunde arbeiten wollen.
    Der Fachkräftemangel war eine (gute) Erfindung der Leyendarstellerin,
    die damit das Problem Arbeitslosigkeit aus ihrem Dunstkreis elegant entfernte. Erstaunlich nur, dass die deutsche Journaille diesen Ball aufgriff und weiterspielte. Doch grenzdebil?
    eher Sie. Ichsuchtetechn, Mitarbeiter, das Profil war so ausgelegt, da0 es sowohl auf einen Ing. mit handwerklichen Fähigkeiten, als auch auf, z.B., lernwilligen Mechatroniker passte. Bewerbungen; 1 Inder TU überqulifiziert und 600Km entfernt, 1Iraner Ing, Mechanik, 1Iraner keinen besonderen Abschluß, 1Kasachstan Deutscher Quali. Filmvorführer kein englisch und ein Deutscher mit grauenhaften Zeugnissen. Alles entsprach nicht ganz meinen Vorstellungen. Aber was solls, ich stellte die Iraner ein. War als Vollzeit, unbefristet und Bezahlung nach IGBCE Hessen ausgeschrieben. Die 3 von der ARGE angeschriebenen meldeten sich nicht. Hoffe die bekommen eine Sperre, meinethalben auf "0".
  4. #203

    Ingenieurs Überschuss

    Zitat von bvdlinde Beitrag anzeigen
    Das Linke Gerede wird sich bitter rächen. In Kuerze werden sich die demografischen und ausbildunstechnischen Faktoren auf dem Arbeitsmarkt massiv bemerkbar machen. In Unternehmen bleiben jetzt schon zig Stellen unbesetzt, weil es keine Bewerber gibt. Und leiden werden dabei die unteren Lohngruppen, denn Ingenieure bekommen heute sofort - und gutbezahlt - einen Job. Firmen suchen händeringend nach qualifizierten Leuten.
    Ich bin Diplomingenieur für Informationstechnik und seit 9 Monaten arbeitlos. Die Unternehmen suchen nur Ingenieure die mindestens 5 Jahre einschlägige Berufserfahrung haben, maximal 25 Jahre sind und höchstens 35000 €/Jahr verdienen. Da ich mich schon eine ganze Weile damit beschäftige, habe ich herrausgefunden das es die ausgeschriebenen Stellen überhaupt nicht gibt. Dies wurde mir auch inoffiziell von verschiedenen Unternehmen und Ingenieursdienstleistern bestätigt, die ich auf die Problematik angesprochen habe. Das ganze dient zum einem dazu wirtschaftliches Wachstum zu demonstrieren, um die Aktienkurse zu manipulieren und zum anderen, einen Überhang an Ingenieuren zu schaffen zwecks Lohndumping.
    Das wir keinen Mangel haben sieht man schon an der Komplexität eines Bewerbungsprozesses . Erstes Bewerbungsgespräch, dann ein zweites mit der Fachabteilung, natürlich mit Tests, anschliessend Probearbeiten und Präsentieren. Danach wird man mit viel Glück eingestellt. Davon abgesehen das in den versendeten Absagen sogar immer steht: Unter der Vielzahl der Bewerber...........
    oder leider konnten wir Sie aus der Vielzahl der Bewerber bla bla bla.
    In diesem Moment geben die Unternehmen zu, das wir zu viele Ingenieure auf dem Markt haben . Deswegen NIE WIEDER ein Mint-Studium. Ich wünschte ich könnte meine Entscheidung rückgängig machen, sowas zu studieren .Leider ist es für mich zu spät und jetzt werde ich mit einer Hartz 4-Karriere belohnt.
  5. #204

    Naja

    Zitat von schönbergwebernberg Beitrag anzeigen
    Dabei kenne ich keine Informatiker oder Ingenieure, die mehr als 66000 Euro erhalten. Diese Grenze ist aberwitzig.
    2004 eingestiegen (nach der Diss): hatte 62000 Eur Anfangsgehalt. München.

    2008: 78000 Eur

    2009: Firma pleite, Job weg. Im grossen "Krieseningenieursausverkauf" 2009 wurde ich dann zu 59000 Eur eingekauft (ausserhalb D, war 2009 nichts zu machen in D)

    2010 Hatte ich die Schnaunze voll und wollte wieder nach D. 75000 Eur war das Angebot. Viel mehr geht auch heute nicht (ich versuche ab und zu noch was drinnen is: nicht viel). Die Miete in Bayern (München) ist dafür >30% höher als 2006. Als Alleinverdiener (wie soll denn das auch anders sein bei internationaler Mobilität? Meine Frau kann ja nicht zaubern..) einer 4 Köpfigen Famillie, macht das keinen Spass. Simples Reihenhaus mach schon fast 2000 im Monat.
    Habe das Angebot abgelehnt und den Arbeitsvertrag nicht unterschrieben, da ich ausserhalb D eine nette Position jenseits der 100k Eur gefunden hatte.

    Und tschüss München.
  6. #205

    .

    Zitat von kritiker77 Beitrag anzeigen
    2004 eingestiegen (nach der Diss): hatte 62000 Eur Anfangsgehalt. München.

    2008: 78000 Eur

    2009: Firma pleite, Job weg. Im grossen "Krieseningenieursausverkauf" 2009 wurde ich dann zu 59000 Eur eingekauft (ausserhalb D, war 2009 nichts zu machen in D)

    2010 Hatte ich die Schnaunze voll und wollte wieder nach D. 75000 Eur war das Angebot. Viel mehr geht auch heute nicht (ich versuche ab und zu noch was drinnen is: nicht viel). Die Miete in Bayern (München) ist dafür >30% höher als 2006. Als Alleinverdiener (wie soll denn das auch anders sein bei internationaler Mobilität? Meine Frau kann ja nicht zaubern..) einer 4 Köpfigen Famillie, macht das keinen Spass. Simples Reihenhaus mach schon fast 2000 im Monat.
    Habe das Angebot abgelehnt und den Arbeitsvertrag nicht unterschrieben, da ich ausserhalb D eine nette Position jenseits der 100k Eur gefunden hatte.

    Und tschüss München.
    Ist das im F+E-Bereich oder eher in der Beratung?

    Der typische Informatiker hat nicht promoviert. Trotzdem muss er über sehr viel Spezialwissen verfügen. Ein guter Admin z.B. - ob nun Informatiker oder Augebildeter - ist sehr viel Geld wert und wird meistens lausig bezahlt. Und dafür benötigt man wirklich Spezialwissen und muss sich ständig fortbilden.

    Ich habe nach meiner Promotion keine Lust auf "freie" Wirtschaft gehabt. Denn in meinem Spezialgebiet sieht es in F+E nicht gut aus, und potentielle Arbeitgeber anderer Bereiche wissen nicht, dass sich gute Leute schnell auch in andere Bereiche einarbeiten können.

    Nun als Lehrer fühle ich mich wohl. Wobei die Arbeitsbelastung enorm ist, aber bei sinnvoller und durchaus selbstbestimmter Arbeit nehme ich das in Kauf. Bei vergleichbarem Nettogehalt müsste ich als Angestellter über 5500 Euro brutto im Monat verdienen. Das bekommt man heutzutage selten in der "freien" Wirtschaft.
  7. #206

    Was stattdessen tun

    Zitat von info1237 Beitrag anzeigen
    Ich bin Diplomingenieur für Informationstechnik und seit 9 Monaten arbeitlos. Die Unternehmen suchen nur Ingenieure die mindestens 5 Jahre einschlägige Berufserfahrung haben, maximal 25 Jahre sind und höchstens 35000 €/Jahr verdienen.
    Mir gehts so ähnlich, nur mit dem Unterschied: Maschinenbaustudium und nun seit mittlerweile 3 Jahren arbeitslos (zumindest auf dem 1. Arbeitsmarkt)

    Zitat von info1237 Beitrag anzeigen
    Da ich mich schon eine ganze Weile damit beschäftige, habe ich herrausgefunden das es die ausgeschriebenen Stellen überhaupt nicht gibt.
    Woher haben Sie diese hoffentlich gesicherten Informationen?


    Zitat von info1237 Beitrag anzeigen
    Davon abgesehen das in den versendeten Absagen sogar immer steht: Unter der Vielzahl der Bewerber...........
    oder leider konnten wir Sie aus der Vielzahl der Bewerber bla bla bla.
    Stimmt. Und auf die Bitte um eine ehrliche Antwort lassen sich die Personaler entweder verleugnen oder wimmeln ab.

    Zitat von info1237 Beitrag anzeigen
    Deswegen NIE WIEDER ein Mint-Studium. Ich wünschte ich könnte meine Entscheidung rückgängig machen, sowas zu studieren .Leider ist es für mich zu spät und jetzt werde ich mit einer Hartz 4-Karriere belohnt.
    Zu dieser Erkenntnis bin ich auch gekommen. Doch die entscheidende Frage, auf die ich einfach keine Antwort finde, ist die, was stattdessen tun? Bewerbungen auf Techniker- oder Facharbeiterstellen wurde mit der Begründung überqualifiziert zurückgewiesen. Hat jemand der Foristen einen Ratschlag? Alle auswandern in die Schweiz oder Norwegen kann es ja nicht sein. Man stelle sich nur einmal vor 5 Millionen deutsche Arbeitslose ziehen dahin, dann verdoppelt sich die Bevölkerung dieser Länder mit einem Schlag. Bis zur Rente von Sozialhilfe existieren kann es recht nicht sein. Bleiben nur die Jobs, bei denen nicht nach der Qualifikation gefragt wird.
  8. #207

    Die verschlafene deutsche Autoindustrie ist der Spiegel

    Zitat von Förster Beitrag anzeigen
    Mir gehts so ähnlich, nur mit dem Unterschied: Maschinenbaustudium und nun seit mittlerweile 3 Jahren arbeitslos (zumindest auf dem 1. Arbeitsmarkt)
    ...
    Bis zur Rente von Sozialhilfe existieren kann es recht nicht sein. Bleiben nur die Jobs, bei denen nicht nach der Qualifikation gefragt wird.

    Wesshalb?

    Wenn Sie ein weltoffener Ingenieur sind? English, französisch oder mandarin dazu beherrschen.

    In der Schweiz herrscht ja massiven Mangel und die dortigen Unternehmen bemängeln bei ihrer Regierung das die Personenfreizügigkeit mit der EU ihnen bei der Personalsuche nichts bringt, sondern sie daran hindert die besten Ingenieure und Informatiker auf dem Weltmarkt zu bekommen. Sie wollen wieder zurück zu Globalen Kontingente, den sie sehen ihre Zukunftmärkte ausserhalb Europas.

    Seit Jahren sind mit den unzähligen Freihandelsabkommen der Schweiz mit aussereuropäischen Staaten deutliche Vorteile gegenüber EU Unternehmen entstanden und der Eintritt in Neuen Märkten mit Zukunft entstanden.

    Die Erwartungen an Fachspezialisten und Markt Möglichkeiten in und mit der EU sind leider unbefriedigend, sehr begrenzt geworden und stärken die Konkurrenzfähigkeit unbefriedigend.


    Die EU hat einen Mangel an bestens ausgebildete Fachkräfte. Bemängelt wird fehlende Weiterbildung, kein Teamgeist, zu Europa fixierte Haltung und eher schlechte Fremdsprachenkenntnisse.

    Leider hat Deutschland an guter Position verschlafen und ist zu bequem geworden.
  9. #208

    Überqualifikation

    Zitat von Förster Beitrag anzeigen
    Doch die entscheidende Frage, auf die ich einfach keine Antwort finde, ist die, was stattdessen tun? Bewerbungen auf Techniker- oder Facharbeiterstellen wurde mit der Begründung überqualifiziert zurückgewiesen. Hat jemand der Foristen einen Ratschlag?
    Ja, die Überqualifikation. Die Begründung der Zurückweisungen ist einfach. Sie würden die Strukturen im Unternehmen zerstören (Höher Qualifiziert als Vorgesetzer, was meist Zwischenmenschliche Probleme zur Folge hat und andere Mitarbeiter würden mehr auf Ihr Wort hören, als auf das des Vorgesetzen) und sollte ein Tarifvertag vorliegen müssten Sie auch nach Qualifikation bewertet und eingeordnet werden, was Ihr Gehalt nach oben bringt, was wiederum nicht mit dem für die Stelle genehmigten Gehalt übereinstimmt.

    Mein Nachbar (Doktor der Bio-Chemie) hatte das gleiche Problem und ist nun im Ausland.
  10. #209

    Schweiz

    Zitat von mitbestimmender wähler Beitrag anzeigen
    Wesshalb?
    Wenn Sie ein weltoffener Ingenieur sind? English, französisch oder mandarin dazu beherrschen.
    In der Schweiz herrscht ja massiven Mangel und die dortigen Unternehmen bemängeln bei ihrer Regierung das die Personenfreizügigkeit mit der EU ihnen bei der Personalsuche nichts bringt, sondern sie daran hindert die besten Ingenieure und Informatiker auf dem Weltmarkt zu bekommen. Sie wollen wieder ....
    Da kann ich Ihnen nur Recht geben. Ich war 2009/10 als promovierter Physiker auch fast ein Jahr arbeitslos. Am Ende habe ich dann eine Stelle in der Schweiz gefunden. Anfangs fiel es mir erst schwer, Deutschland zu verlassen. Nach inzwischen 2 Jahren muss ich feststellen, dass die arrogante Personalpolitik Deutscher Unternehmen mich nicht aus dem Paradies, sondern INS Paradies vertrieben hat.