Hirnforschung: Wieso Kindern ein fairer Tausch schwerfällt

dapd/ MPISammelkarte gegen Spielzeugauto? Schokoriegel gegen Pausenbrot? Wann ein Tausch fair ist und wann nicht - darüber müssen sich die Beteiligten einigen. Dass dies kleinen Kindern seltener gelingt als älteren, zeigt eine neue Studie. Grund dafür ist wohl die späte Entwicklung einer wichtigen Hirnregion.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...819901,00.html
  1. #1

    ...ach...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Grund dafür ist wohl die späte Entwicklung einer wichtigen Hirnregion.

    Hirnforschung: Wieso Kindern ein fairer Tausch schwerfällt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    ...das ist ja interessant, Kinder sind also entwicklungsbedingt noch nicht so weit wie Erwachsene. Hm, wer hätt's gedacht?

    Eine andere Studie, Quelle habe ich vergessen, konnte neulich nachweisen, dass Kinder nicht so schnell rennen können wie Erwachsene, die Daten sprechen dafür, dass bestimme Regionen in den Oberschenkeln noch nicht weit genug entwickelt sind...
  2. #2

    .

    Zitat von hr_schmeiss Beitrag anzeigen
    ...das ist ja interessant, Kinder sind also entwicklungsbedingt noch nicht so weit wie Erwachsene. Hm, wer hätt's gedacht?
    Da Sie bereits wissen, in welchem Alter welche Hirnregionen wie aktiv sind, warum helfen Sie dann den Forschern nicht, anstatt nur hier im Forum rumzuschreiben? Das würde doch einen ordentlichen Schub geben und die Leute beim MPI in Leipzig könnten sich schneller weiterführenden Fragen widmen.


    Im Gegensatz zur Muskelentwicklung ist es beim Hirn nicht ganz so einfach zu sehen, wann welcher Entwicklungsstand erreicht ist und damit auch, wann welche erzieherische Maßnahme am effektivsten angebracht ist. Insofern eine sehr sinnvolle Studie.
  3. #3

    Prima!

    Ich freue mich schon darauf, dass ich bald einen Hirnscan meiner Kinder bekomme an dem ich ablesen kann, ob das Kind aus Egosismus nicht teilen wollte oder ob das Gehirn noch nicht weit genug entwickelt ist. Dann hab ich endlich ein objetives Kriterium, ob ich das Kind bestrafen darf oder nicht.

    Vielleicht geht das ja auch bei Erwachsenen. Wenn bei einem Mörder das Zentrum für Schuldeinsicht unentwickelt ist, kann es ja nichts dafür.
  4. #4

    Ultimatumspiel und Gerechtigkeit

    Das Gerechtigkeitsempfinden bei kleinen Kindern noch nicht voll entwickelt? Kann man so sehen. Aber vielleicht wurde das Gerechtigkeitsempfinden bei kleinen Kindern auch nur noch nicht durch Neidkonditionierung geprägt. Einen sher kleinen Anteil von dem Gewinn zu akzeptieren ist schließlich nicht ungerecht. Man hat ja schließlich mehr als vorher. Wenn man ablehnt hat man nichts. Also, ich finde, nicht ablehenen jedenfalls wesentlich rationaler.
  5. #5

    ...nun...

    Zitat von Onkel Uwe Beitrag anzeigen
    ...Im Gegensatz zur Muskelentwicklung ist es beim Hirn nicht ganz so einfach zu sehen, wann welcher Entwicklungsstand erreicht ist und damit auch, wann welche erzieherische Maßnahme am effektivsten angebracht ist. Insofern eine sehr sinnvolle Studie.
    ...nun, wenn ich behaupten würde, das Sprachzentrum ("die für Sprache wichtige Region") sei bei Kleinkindern noch nicht ausgeprägt, darum können diese noch nicht sprechen, dann würden Sie das wohl -zurecht- als trivial abtun.
    Würde ich behaupten, das Autofahrzentrum entwickle sich erst im späten Teenageralter, drum können die Kleinen noch nicht Auto fahren, dann würden Sie wohl -zurecht- sagen, dass es so einfach ja nun auch nicht sei.
    Wir sollten zugestehen, dass kognitive Leistungen nun mal im Gehirn verankert sind. Veränderung/Entwicklung von solchen Leistungen müssen also trivialerweise mit Veränderungen im Gehirn einhergehen.
    Über den richtigen Zeitpunkt von Trainingsmassnahmen sagt das alleine wenig aus. Wenn ein Rentner eine Fremdsprache erlernt, dann geht auch das mit einer Veränderung seines Gehirns einher. Ob daher das Rentenalter die beste Zeit fürs Erlernen von Fremdsprachen ist?
    Die Kindesentwicklung hat z.B. Piaget sehr schön beschrieben. Er brauchte dazu nicht ins Gehirn zu gucken, er wusste schon, dass Epiphänome schlecht als Erklärung taugen.
  6. #6

    Gut gemeint ist selten gut gemacht!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Strategien zur Förderung eines sozialverträglichen Verhaltens von Kindern zu entwickeln.
    Wenn einem nicht irgendwelche Gesetze hineinreden wuerden: Adequate Erziehung koennte helfen!
    Oder wird gerade eine Strategie gesucht, zukuenftig die Auswuechse der letzen Generation: "Wir versuchen es mal ohne erzieherische Massnahme" auszubuegeln? Weil es bestimmt nicht einfacher wird, wenn die Kids von Gestern die Eltern von morgen sind!
  7. #7

    Soziale Strafe

    Jüngere Kinder neigen laut Artikel selber nicht dazu, egoistische Angebote zu bestrafen. Also schliessen sie nur von sich auf andere, wenn sie selber einseitige Angebote machen. Und genau das tun ältere Kinder ja auch, wenn sie vorsichtshalber ein besseres Angebot unterbreiten. Was sich hier hauptsächlich bei älteren Kindern ändert, ist nicht die Impulskontrolle, sondern die Entwicklung sozialer Strafmechanismen.
  8. #8

    Zitat von stefan kaitschick Beitrag anzeigen
    Was sich hier hauptsächlich bei älteren Kindern ändert, ist nicht die Impulskontrolle, sondern die Entwicklung sozialer Strafmechanismen.
    Man müsste natürlich den genauen Aufbau des Spiels kenne, ist das ganze eine einmalige Sache, liegt es nahe jedes Angebot anzunehmen, ich seh den Partner ja nie wieder und besser nur eine Einheit abgreifen als keine. Bei wiederholtem Spielen, macht die Ablehnung Sinn um dem Gegenüber zu zeigen so nicht. Insofern mag einfach die Gehirnleistung darin liegen die Konsequenzen des Handeln weiter zu denken.

    Aber auch unter Erwachsenen gibt es natürlich solche und solche, mancher wird jedes Angebot annehmen, weil er die Kohle braucht, mancher ablehnen, weil er das Gegenüber für eine mieses Arschloch hält. Nicht jeder ist ein guter Pokerspieler.
  9. #9

    Zitat von Jilocasin Beitrag anzeigen
    Das Gerechtigkeitsempfinden bei kleinen Kindern noch nicht voll entwickelt? Kann man so sehen. Aber vielleicht wurde das Gerechtigkeitsempfinden bei kleinen Kindern auch nur noch nicht durch Neidkonditionierung geprägt. Einen sher kleinen Anteil von dem Gewinn zu akzeptieren ist schließlich nicht ungerecht. Man hat ja schließlich mehr als vorher. Wenn man ablehnt hat man nichts. Also, ich finde, nicht ablehenen jedenfalls wesentlich rationaler.
    Habe ich auch erst gedacht. Ist aber vielleicht doch zu kurz gedacht. Das Ultimatum-Spiel modelliert ziemlich gut eine Tarifverhandlung. Wenn der Arbeitgeber zu wenig zahlt, wird gestreikt, was zwar kurzfristig dazu führt, dass beide gar nichts verdienen, aber langfristig der Anteil des Arbeitnehmers am Gewinn steigt. Aus dem Artikel geht leider nicht hervor, ob das Spiel mit denselben Kindern (oder gar denselben Paaren) mehrmals gespielt wurde oder immer nur einmal. Vielleicht denken die jungen Kinder nur an das gegenwärtige Spiel, die älteren (die einen zu kleinen Anteil ablehnen) aber schon an ein (hypothetisches) nächstes Spiel. Hat also weder etwas mit Neid, noch mit Gerechtigkeitsempfinden zu tun, sondern mit ganz egoistischem, aber langfristigem Denken.

    (Erinnert übrigens an die Geschiche vom Dorftrottel, dem man eine 1-Euro- und eine 2-Euro Münze hinhält und der zur allseitigen Belustigung immer wieder die 1-Euro-Münze nimmt.)