Krise der US-Universitäten: Deutsche Forscher wollen heim

CorbisMehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen: Die USA sind das beliebteste Auswandererland für Deutschlands Forscherelite. Tausende Wissenschaftler arbeiten in den Staaten. Doch trotz aller Kritik kehren immer mehr deutsche Spitzenleute zurück - aus handfesten Motiven.

http://www.spiegel.de/karriere/ausla...817869,00.html
  1. #130

    Trist

    Zitat von Montanabear Beitrag anzeigen
    Sie stellen sich das flasch vor. Politik wird am Arbeitsplatz nicht diskutiert. Auch wird nicht bekehrt. Das Versicherungssystem an den Unis ist das sogenannte "Cadillacsystem", das auch Abgeordnete haben, das beste, das es gibt.
    Nun, als Mitglied in diesem "Cadillac-System" kann ich Ihnen nur raten, sich den patriotischen Sand aus den Augen zu waschen. Ich hoffe wirklich, dass dies nicht die beste KV ist, die man in den USA findet. Ich würde sie lieber heute als morgen in meine frühere deutsche gesetzliche KV umtauschen, ganz zu schweigen von dem Vergleich zu meiner ehemaligen deutschen PKV.
  2. #131

    ich weiss ja nicht...

    Zitat von Sassy60 Beitrag anzeigen
    Nun, als Mitglied in diesem "Cadillac-System" kann ich Ihnen nur raten, sich den patriotischen Sand aus den Augen zu waschen. Ich hoffe wirklich, dass dies nicht die beste KV ist, die man in den USA findet. Ich würde sie lieber heute als morgen in meine frühere deutsche gesetzliche KV umtauschen, ganz zu schweigen von dem Vergleich zu meiner ehemaligen deutschen PKV.
    ... was sie fuer eine KV in den USA haben ... aber ich bin mit meiner beruflichen KV bei den privaten arbeitgebern hier sehr zufrieden. hatte beim ersten arbeitgeber AETNA und dann BCBS und jetzt Premera....

    kostenpunkt: mein beitrag ist rund $50 pro monat, der arbeitgeber zahlt den rest. in Deutschland habe ich ein vielfaches fuer die gesetzliche KV bezahlt bei wesentlich (!) schlechterer leistung.

    hier brauche ich keine ueberweisung fuer den spezialisten und wartezeiten sind in den USA selbst bei spezialisten selten.... termin beim augenarzt? kommen sie in 3 tagen vorbei! termin beim zahnarzt? kein problem - kommen sie naechste woche vorbei! in D hiess es oft, dass in den naechsten 3 wochen nix frei waere.... (wie gemerkt mit der gesetzlichen KV, fuer private siehts anders aus...)

    und vom medizinischen versorgungsstandpunkt weht in den USA ein anderer wind (wenn man versichert ist). die praxisaustattung ist oftmals auf dem top modernsten stand und bei schlimmen krankheiten wie krebs haben die USA die besten erfolgsraten.... was auch den ruf von krankenhaeusern wie jon hopkins, mayo clinic usw begruendet....

    also nach dem deutschen gesetzlichen KV system sehne ich mich nicht zurueck....
  3. #132

    Bs

    Ich arbeite seit 15 Jahren in den USA. Z.Z sind die Arbeitsbedingungen in meinem Fach (Medizin und Forschung) immer noch besser als in D. Ich wuerde gerne nach Deutschland zurueckkehren, aber nich zu schlechteren Bedingungen als ich sie hier habe. Als Mediziner in Neurochirurgie und Neurowissenschaften werde ich hier hofiert, bekomme guenstige Hypotheken, geringere ZInsen fuer den AUtokauf, ziemlich hohen Limit fuer Geschaeftsaufgaben, 3 postdocs und 2 technische Angestellte, die von der Uni bezahlt werden. Dazu kommen jaerliche Boni (ca 20% des Jahresgehaltes), im Vergleich zu D sehr unbuerokratische Verwaltung (die Univerwaltung ist jedoch SEHR buerokratisch und wird von Verwaltungsangestellten erstickt), hohe Spesen, Dauereinstellun (Tenure) und ein exzellentes Umfeld fuer die Forschung.
    Krieg ich was besseres angeboten in D (und es muss besser werden, ich bin kein WOhltaetigkeitsverein) werde ich ohne Zweifel die Koffer packen. Aber Chefarzt in Pusemuckel ist nicht genug Anreiz. Leider.
  4. #133

    Blauäugig

    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    ... was sie fuer eine KV in den USA haben ... aber ich bin mit meiner beruflichen KV bei den privaten arbeitgebern hier sehr zufrieden. hatte beim ersten arbeitgeber AETNA und dann BCBS und jetzt Premera....

    kostenpunkt: mein beitrag ist rund $50 pro monat, der arbeitgeber zahlt den rest. in Deutschland habe ich ein vielfaches fuer die gesetzliche KV bezahlt bei wesentlich (!) schlechterer leistung.
    Ich bezweifle, dass Sie mit 50$ pro Monat hinkommen. Sie haben keine copays und jährliche deductibles? Sie haben keine Zuzahlungen für Medikamente? Ihre KV bezahlt 100% der Kosten für vision und dental care?

    Für einen gesunden, alleinstehenden, jungen Mann ist das System vergleichsweise billig, nicht zuletzt deshalb, weil große Arbeitgeber (große Firmen) einen großen Teil der Kosten übernehmen, weil sie erstens billigere Tarife von der Versicherern bekommen als kleine Arbeitgeber und zweitens diese Kosten für die Unternehmen steuermindernd sind.
    Bei älteren Leuten mit Kindern summieren sich die Kosten dann aber enorm.

    Was die Qualität der medizinischen Versorgung betrifft, bin ich als studierte Medizinerin keineswegs überwältigt. Das Preis-Leistungsverhältnis ist miserabel.
    Die Topausstattung suche ich hier oft vergeblich (Großraum Washington D.C.). Auch mit meiner "Cadillac-KV" (derselbe KV-Pool, aus dem Präsident und Abgeordnete ihre KV wählen mit den gleichen Kosten) werde ich keineswegs bei jedem Schnupfen von einer Koriphäe von John Hopkins behandelt, genauso wenig wie der durchschnittlich versicherte US-Bürger.
    Auch bei einer ernsthaften Erkrankung würden die Kosten keineswegs von der Versicherung gedeckt, da muß das Privatvermögen herangezogen werden. Wer nichts hat, kann sich keine Spezialisten leisten.

    Bzgl. Chemos, Organtransplantationen und ähnlich teueren Behandlungen: haben Sie schon mal was von "Lifetime benefit caps" gehört? Die hat erst Obamas Gesundheitsreform abgeschafft!

    Provision to eliminate lifetime benefit caps in medical insurance allows life-saving heart-lung transplant
  5. #134

    ....

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen: Die USA sind das beliebteste Auswandererland für Deutschlands Forscherelite. Tausende Wissenschaftler arbeiten in den Staaten. Doch trotz aller Kritik kehren immer mehr deutsche Spitzenleute zurück - aus handfesten Motiven.

    Krise der US-Universitäten: Deutsche Forscher wollen heim - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Naja, ich weiss ja net wo diese Studie angestellt wurde.
    Den Muff, die geistig politische Enge und die
    hohen Steuern und Abgaben in D. muss man sich
    wirklich nicht antun, da gibts weltweit betrachtet,
    wesentlich bessere Angebote.
  6. #135

    fakten

    Zitat von Sassy60 Beitrag anzeigen
    Ich bezweifle, dass Sie mit 50$ pro Monat hinkommen. Sie haben keine copays und jährliche deductibles? Sie haben keine Zuzahlungen für Medikamente? Ihre KV bezahlt 100% der Kosten für vision und dental care?

    Für einen gesunden, alleinstehenden, jungen Mann ist das System vergleichsweise billig, nicht zuletzt deshalb, weil große Arbeitgeber (große Firmen) einen großen Teil der Kosten übernehmen, weil sie erstens billigere Tarife von der Versicherern bekommen als kleine Arbeitgeber und zweitens diese Kosten für die Unternehmen steuermindernd sind.
    Bei älteren Leuten mit Kindern summieren sich die Kosten dann aber enorm.

    Was die Qualität der medizinischen Versorgung betrifft, bin ich als studierte Medizinerin keineswegs überwältigt. Das Preis-Leistungsverhältnis ist miserabel.
    Die Topausstattung suche ich hier oft vergeblich (Großraum Washington D.C.). Auch mit meiner "Cadillac-KV" (derselbe KV-Pool, aus dem Präsident und Abgeordnete ihre KV wählen mit den gleichen Kosten) werde ich keineswegs bei jedem Schnupfen von einer Koriphäe von John Hopkins behandelt, genauso wenig wie der durchschnittlich versicherte US-Bürger.
    Auch bei einer ernsthaften Erkrankung würden die Kosten keineswegs von der Versicherung gedeckt, da muß das Privatvermögen herangezogen werden. Wer nichts hat, kann sich keine Spezialisten leisten.

    Bzgl. Chemos, Organtransplantationen und ähnlich teueren Behandlungen: haben Sie schon mal was von "Lifetime benefit caps" gehört? Die hat erst Obamas Gesundheitsreform abgeschafft!

    Provision to eliminate lifetime benefit caps in medical insurance allows life-saving heart-lung transplant
    versicherungsbeitrag pro monat $50
    "praxisgebuehr" facharzt/allgemeinarzt $15 je besuch (copay)
    annual deductible $300

    das mit dem lifetime limit war eine sauerei, allerdings muss man auch sagen, dass die meisten versicherungen hohe lifetime limits hatten (ich hatte $2 millionen) und in nur wenigen ausnahmefaellen es ausgeschoepft wurde. $2 millionen deckt einiges an krankenversicherung ab.... da kann viel rumoperiert werden.

    davon abgesehen: es empfiehlt sich selbstverstaendlich eine gute berufsunfaehigkeitsversicherung privat abzuschliessen ...

    aeltere menschen fallen dann wieder unter das staatliche medicare was viele in D nicht wissen. die denken, dass man im alter in den USA ohne KV auf der strasse steht...

    wie gesagt, das deutsche system deckt sicher mehr und breiter ab - allerdings koennten sie auch mal nachschauen wie lange sie in einer deutschen klinik auf eine lungentransplantation warten und wieviele abkratzen weil es nicht genuegend organe gibt oder die warteliste zu lang ist....

    kanadier zum beispiel (die eine KV aehnlich wie in europa haben) lassen sich fuer dringende faelle immer noch in den USA behandeln....
  7. #136

    Explodierende Kosten

    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    annual deductible $300
    Unsere beträgt $7500,- ! Und unsere Monatsbeiträge sind ebenfalls erheblich höher (Arbeitgeber bezahlt 60%). Copays sind doppelt so hoch wie Ihre (pro Person und pro Arztbesuch nicht pro Quartal wie in D.).
    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    das mit dem lifetime limit war eine sauerei, allerdings muss man auch sagen, dass die meisten versicherungen hohe lifetime limits hatten (ich hatte $2 millionen) und in nur wenigen ausnahmefaellen es ausgeschoepft wurde. $2 millionen deckt einiges an krankenversicherung ab.... da kann viel rumoperiert werden.
    Ein Präsident Romney würde die lifetime limits wieder einführen. Die meisten Versicherten hatten bisher eine Begrenzung bis 1 Mio $, und das ist im US-Gesundheitswesen ein Pappenstiel! (Sie würden sich wundern, was OPs so kosten, nicht umsonst sind Chirurgen hier die absoluten Spitzenverdiener).
    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    davon abgesehen: es empfiehlt sich selbstverstaendlich eine gute berufsunfaehigkeitsversicherung privat abzuschliessen
    BU-Versicherungen sind teuer, kann sich nicht jeder leisten.
    Eine Krebserkrankung z.B. führt nicht immer zu Berufsunfähigkeit (immer seltener!), aber viele Leute können die Kosten nur decken, indem sie ihr Haus verkaufen oder 401 (k) vorzeitig auflösen.
    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    aeltere menschen fallen dann wieder unter das staatliche medicare was viele in D nicht wissen. die denken, dass man im alter in den USA ohne KV auf der strasse steht...
    Aber Medicare deckt bei weitem nicht alle Kosten ab, eine Krebstherapie z.B. macht Sie auch mit Medicare (und ohne Zusatzversicherung) arm. Ganz zu schweigen von den Kosten eines mehrwöchigen ICU-Aufenthaltes am Ende des Lebens. Danach kann der überlebende Partner Insolvenz anmelden...
    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    wie gesagt, das deutsche system deckt sicher mehr und breiter ab - allerdings koennten sie auch mal nachschauen wie lange sie in einer deutschen klinik auf eine lungentransplantation warten und wieviele abkratzen weil es nicht genuegend organe gibt oder die warteliste zu lang ist....
    Ähnlich lange wie hier auch. Hier gibt es auch nicht mehr verfügbare Organe.
    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    kanadier zum beispiel (die eine KV aehnlich wie in europa haben) lassen sich fuer dringende faelle immer noch in den USA behandeln....
    Ein beliebtes Klischee in Rep-Kreisen, aber großer Unfug. Die Realität sieht eher so aus:

    Chemotherapy Abroad: Cost Of Chemotherapy in India, Mexico, Turkey & Jordan
  8. #137

    Fuer $50 bekommen ...

    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    versicherungsbeitrag pro monat $50
    "praxisgebuehr" facharzt/allgemeinarzt $15 je besuch (copay)
    annual deductible $300
    ... sie sicher nicht viel.
    In Kalifornien kostet Health-Net $1300 pro Monat. Davon zahle ich $295 und die Uni den Rest. Das ist Pflichtversicherung. Dazu kommen noch Dental und Visioncare, etwa $100 pro Monat und noch etwas fuer Disability plan. Dann zahle ich noch fuer Medicare und einen hohen Betrag fuer die UC Rentenversicherung, ausserdem noch Social Security sowie Federal und State Tax. In Kalifornien ist der State Tax ziemlich hoch. Urlaub bekomme ich 24 Tage im Jahr. Dies is nur mal so eine Aufzaehlung fuer deutsche Foristen, wie es an der University of California aussieht.
  9. #138

    Geld?

    Zitat von Reziprozität Beitrag anzeigen
    Oh doch. Geld spielt schon eine Rolle. Vorallem wenn man nach erfolgreichem Tenure Track weitaus mehr verdient als ein W3-Prof in einem der Exzellenzcluster. Dann wollen deutsche Forscher i.d.R. auch nicht mehr "heim". ;-o
    Ich bin erstaunt was wie das mit dem Geld hier falsch gedeutet wird.
    Jeder der ersnsthaft eigenstaendige Forschung betreibt, kann von Geld angelockt werden. FORSCHUNGSGELDERN nicht persoenliches Gehalt.

    Wir sollten mak ne umfrage starten:
    Option A: 50:000 Gehalt, 300.000Euro Jaerliches Forschungsbudget
    festanstellung
    Option B: 200:000 Gehlat, 150:000 Forschungsbudget, keine aufsicht an festanstellung......

    Option C: 30:000 Gehalt, Festanstellung , aussicht auf unbegrenzte forschungsbudgets (7 RO1 grants??)

    All forscher entscheiden sich fuer den Job wo sie die besten erfolgsaussichten fuer Ihre Forschung haben, nicht ihr persoenliches Gehalt....
  10. #139

    Naja...

    Zitat von kaddischnitz Beitrag anzeigen
    Ich bin erstaunt was wie das mit dem Geld hier falsch gedeutet wird.
    Jeder der ersnsthaft eigenstaendige Forschung betreibt, kann von Geld angelockt werden. FORSCHUNGSGELDERN nicht persoenliches Gehalt.

    Wir sollten mak ne umfrage starten:
    Option A: 50:000 Gehalt, 300.000Euro Jaerliches Forschungsbudget
    festanstellung
    Option B: 200:000 Gehlat, 150:000 Forschungsbudget, keine aufsicht an festanstellung......

    Option C: 30:000 Gehalt, Festanstellung , aussicht auf unbegrenzte forschungsbudgets (7 RO1 grants??)

    All forscher entscheiden sich fuer den Job wo sie die besten erfolgsaussichten fuer Ihre Forschung haben, nicht ihr persoenliches Gehalt....
    Genau diese Einstellung ist der Grund warum Professoren in Deutschland so schlecht bezahlt werden.

    Ich behaupte von mir selber dass ich ersnsthaft eigenstaendige Forschung betreibe und genau deswegen habe ich eine Stelle in den USA angenommen. Aber dass das persoenliche Gehalt dabei keine Rolle spielt ist nicht richtig und viele meiner Kollegen beschweren sich ueber die schlechte Situation in Deutschland! Wenn ich mir von den 30:000 keine Wohnung in einer sicheren Wohngegend leisten kann, meine Kinder nicht auf eine gute Schule gehen koennen, dann soll mir das egal sein?

    Ich vertrete eher die Meinung, dass zuviel Forschungsgelder nicht Gesund sind. Je mehr Geld desto mehr Doktoranden und Postdocs und desto weniger Zeit fuer die Betreuung. Meiner Ansicht nach forscht ein guter Forscher selber und verbringt weniger Zeit als Manager! Fairerweise sollte ich erwaehnen, dass ich in der Theorie forsche und damit nicht auf teuere Hardware angewiesen bin.