Zwischenruf eines Professors: Mäßigt euch, Kollegen!

DPAProfessoren haben fabelhafte Freiheiten und dürfen als Edelbeamte unbegrenzt dazu verdienen - ist da das Grundgehalt so wichtig? Ein renommierter Staatsrechtler kritisiert die Urteilsfindung des Bundesverfassungsgerichts zur Besoldung: Die Richter haben ihre Kompetenzen überschritten.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...817360,00.html
  1. #1

    Je nachdem, wie man die Statistik gerne hätte

    Zitat von Prof. Hatschonviel
    "Je nach dem, wohin man schaut, verdienen deutsche Professoren also wenig oder viel (siehe Grafik in der linke Spalte)."
    Tja, und wenn man sich dann tatsächlich mal die Mühe macht, und in die Graphik schaut, stellt man fest, dass nur noch Spanien, Ukraine und Polen weniger zahlen. ALLE relevanten Staaten, mit denen Deutschland um die besten Köpfe konkurriert, zahlen erheblich besser. Das bedeutet, dass das deutsche Lohndumpingmodell bis in die Forschung durchschlägt. Nur: Wer schlecht zahlt, und dann auch noch bescheidene Zukunftschancen bietet, kriegt eben auch nur Mittelmaß. Höchstens!
  2. #2

    Wer sonnt sich in welchem Glanz?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Professoren haben fabelhafte Freiheiten und dürfen als Edelbeamte unbegrenzt dazu verdienen - ist da das Grundgehalt so wichtig? Ein renommierter Staatsrechtler kritisiert die Urteilsfindung des Bundesverfassungsgerichts zur Besoldung: Die Richter haben ihre Kompetenzen überschritten.

    Zwischenruf eines Professors: Mäßigt euch, Kollegen! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Dies ist doch ein seltsamer Zwischenruf. Ich finde es zuerst etwas unfair, dass sich hier jemand, der vermutlich selbst nach dem alten Dienstrecht in der C4-Besoldung befindet und dazu noch in einer Disziplin, in der man durch Gutachten und Nebenjobs als Repetitor tatsächlich sehr viel Geld in Nebentätigkeiten verdienen kann über etwas äußert, was ihn selbst nicht betrifft. Durch Bücher verdient der "normale" Professor so gut wie gar nichts nebenbei - es ist ja nicht jeder ein Bernhard Schlink. Warum wird Bernard Schlink überhaupt erwähnt? Als Psychologe würde ich das "basking in reflected glory" nennen, dass ein Bestsellerautor als Kollege erwähnt wird, obwohl er schon seit einigen Jahren emeriert ist und gar nicht mehr lehrt. Die Mehrheit der jungen Kollegen, die mit Ende 30, Anfang 40 Ihren ersten Ruf bekommen, nachdem sie 12 und mehr Jahre auf oft nur halben, fast immer befristeten Stellen promoviert und habilitiert oder als Juniorprofessoren gearbeitet haben, bekommen je nach Bundesland und Universität tatsächlich nicht viel mehr als das Grundgehalt und exorbitante Einkünfte aus Nebentätigkeiten sind eher die Ausnahme als die Regel. Dies sollte immer wieder gesagt werden, damit in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entsteht, Professorinnen und Professoren würden die Freiheiten - die sie tatsächlich haben und die einen der großen Anreize und Reize unseres Berufes ausmachen - nutzen, um sich persönlich zu bereichern. Ja, diese gibt es auch, aber eher als Ausnahme denn als Regel und ich finde die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes mutig und gut und finde es besser, die Richter sonnen sich in ihrem eigenen Glanz als Zwischenrufer im Glanze anderer.

    (Professor in der W3-Besoldung für Psychologie)
  3. #3

    Mich würde ja schon mal interessieren, wie die ach so tollen Zuverdienstmöglichkeiten eines Geisteswissenschaftler in der Realität aussehen sollen. Es mag Mediziner, Juristen, Bwler etc. geben, die für einen einzelnen Vortrag mehrere Hundert Euro erhalten und für Studien und Gutachten bezahlt werden - ein Geisteswissenschaftler kann froh sein, wenn er die Fahrtkosten für einen Vortrag nicht selbst bezahlen muss. Das betrifft sowohl die Mitarbeiter im Mittelbau als auch Professoren. Die meisten zahlen für Tagungen, auf denen sie selbst Vorträge halten, noch Tagungsgebühren, und zwar aus eigener Tasche, weil die Unis zumeist keine Etats für Reisekosten mehr haben.
    Mit Publikationen Geld verdienen? Wer nicht gerade in einem Massenfach tätig ist und Handbücher schreibt, die man den eigenen Studenten dann als Pflichtlektüre verkauft, der verdient mit seinen Büchern in der Regel nichts, sondern kann froh sein, wenn er keinen Druckkostenzuschuss erbringen muss. Das ist die Realität!
    Die Zuverdienstmöglichkeiten sollte man entsprechend auch öffentlich deutlich differenzierter darstellen. Was in wirtschaftsrelevanten Fächern an der Tagesordnung sein mag, gilt nicht für alle Fächer, und so klein ist der Anteil der Geisteswissenschaftler am Unibetrieb dann doch nicht, dass wir hier über eine Randgruppe sprechen würden - auch wenn das manch ein Jurist so sehen mag.
  4. #4

    Ich bleibe hier

    einige Profs mag es geben, die so leben und verdienen koennen, von denen, die ich hatte/kenne kann ich das nicht sagen. Viele arbeiten hart und muessen um jeden Euro fuer Ihre Aussattung kaempfen und arbeiten waherend des Semesters 12-14 h. Nebenverdiesnt - wohl fuer ein paar wenige. Da schreibt wohl ein Burokratenfuzzi, der von sich auf all anderen rueckschleisst und so mitverantwortlich fuer die Misere in D. ist. Mir wird es uebel, wenn ich dieses arrogante Geschreibsel lesen muss. Ich habe D. vor Jahren den Ruecken gekehrt, arbeite als Naturwissenschaftler im Ausland und habe es nie bereut.


    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Professoren haben fabelhafte Freiheiten und dürfen als Edelbeamte unbegrenzt dazu verdienen - ist da das Grundgehalt so wichtig? Ein renommierter Staatsrechtler kritisiert die Urteilsfindung des Bundesverfassungsgerichts zur Besoldung: Die Richter haben ihre Kompetenzen überschritten.

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  5. #5

    Realitätsfern

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Professoren haben fabelhafte Freiheiten und dürfen als Edelbeamte unbegrenzt dazu verdienen - ist da das Grundgehalt so wichtig? Ein renommierter Staatsrechtler kritisiert die Urteilsfindung des Bundesverfassungsgerichts zur Besoldung: Die Richter haben ihre Kompetenzen überschritten.

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    Guter Mann, wo leben Sie? Freiheit? Die ist so von der bologna-Reform und dem Prüfungsaufwand gemaßregelt, dass Freiheit nur noch heißt wie man die Wochenarbeitszeit von 60 Stunden verteilt, ob morgens und nachts, nachmittags und nachts oder sonst r wie. Und wieviele Professoren lehren Fächer, wo gar nichts dazu verdient werden kann. Werter Kollege, lernen Sei mit beiden Augen hinzusehen und dann bitte auch genau.
  6. #6

    Professoren und Richter

    Zurückhaltung der Richter wäre wahrlich angebracht gewesen. Auch in eigener Sache. Einige Richter kommentieren in den Großkommentaren ihre eigenen Urteile, verfassen Aufsätze, in denen sie die Gesetzgebung hier und da kritisieren, geben so ihre Meinung vor und sind rund um die Uhr für gutes Geld auf Vorträgen und Seminaren als Redner unterwegs, dass man sich manchmal fragen muss, ob die überhaupt ihrem eigentlichen Beruf nachgehen.
  7. #7

    Zuverdienst

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Professoren haben fabelhafte Freiheiten und dürfen als Edelbeamte unbegrenzt dazu verdienen - ist da das Grundgehalt so wichtig? Ein renommierter Staatsrechtler kritisiert die Urteilsfindung des Bundesverfassungsgerichts zur Besoldung: Die Richter haben ihre Kompetenzen überschritten.

    Zwischenruf eines Professors: Mäßigt euch, Kollegen! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Mich würde mal interessieren, wieviel dieser renommierte Staatsrechtler für dieses kritische Gutachten bekommen hat und von wem. Es ging in dem Urteil doch um die Bezahlung
    von jungen Profs, die noch keine C4 oder W3-Stelle haben und
    vielleicht nicht soviel als Gutachter verdienen können, dafür aber
    die Freiheit haben, abends und an Wochenenden im Labor bzw. Büro daran zu arbeiten, endlich eine der begehrten W3-Stellen zu erhalten um wenigstens die Familie, die sie vielleicht noch gar nicht oder nicht mehr haben, weil sie dafür weder genug Zeit noch Geld aufbringen können, einigermassen über die Runden zu bringen. Für das Gehalt eines deutschen W1 oder W2 Professors würden unsere Laboranten in einem kleinen Nachbarland (nein, nicht die Schweiz!) noch nicht einmal mit dem kleinen Finger zucken.
  8. #8

    Mäßigt Euch für die anderen!

    Zitat von cemi Beitrag anzeigen
    Wer schlecht zahlt, und dann auch noch bescheidene Zukunftschancen bietet, kriegt eben auch nur Mittelmaß. Höchstens!
    Eben! Aber die bescheidenen Zukunftschancen - sehen Sie sich mal die Diskussion zum einschlägigen Artikel von gestern an - sehe ich als wesentlich größeres Problem als die Besoldung der Professoren. Wenn die besser wird, bleibt für den Rest kein Geld mehr. Früher gab es nur sehr wenige gut ausgebildete Forscher - die musste man vor allem auch mit Geld und Verbeamtung halten. Heute gibt es sehr viele gute junge Forscher, und die wünschen sich vor allem auch gute Bedingungen für Arbeit und Familie. Dazu gehört erst einmal ein halbwegs verlässlicher Arbeitsplatz! Wer sein Geld für "Eliteförderung" verschleudert, kann den nicht bieten. Also: Das Geld besser verteilen! mehr helle Köpfe haben auch mehr Ideen.
    Regelrecht zynisch fand ich in dem Urteil den Äpfel-und-Birnen-Vergleich zwischen Professoren und Lehrern. Ich würde sagen, Professoren arbeiten und leisten viel, aber Lehrer ist sicherlich die stressreichere Arbeit. Deswegen schafft es auch kaum ein Lehrer, bis 65 durchzuhalten. Und was die Arbeitszeiten betrifft, so kenne ich Lehrer, die öfters bis in die nacht noch korrigieren...
  9. #9

    ach was, tun sie das?

    Zitat von cemi Beitrag anzeigen
    Tja, und wenn man sich dann tatsächlich mal die Mühe macht, und in die Graphik schaut, stellt man fest, dass nur noch Spanien, Ukraine und Polen weniger zahlen. ALLE relevanten Staaten, mit denen Deutschland um die besten Köpfe konkurriert, zahlen erheblich besser. Das bedeutet, dass das deutsche Lohndumpingmodell bis in die Forschung durchschlägt. Nur: Wer schlecht zahlt, und dann auch noch bescheidene Zukunftschancen bietet, kriegt eben auch nur Mittelmaß. Höchstens!
    mein prof hat gerade mal zwei wochenstunden im semester gehalten. das ist umgerechnet EINE aufs jahr, vier im monat. da nicht gerade mehr ein einsteiger, schätze ich ihn auf w3+ ein. da ich die besoldungsklassen nicht kenne, vermute ich einfach mal, dass da ein stundenlohn von 1500 euro bei rauskommt.

    den rest der zeit hat er dann forschungsmittel der dfg, nato und der rüstungsindustrie verbraten und schulbücher geschrieben. die infrastruktur (material, geräte, räume, personal, wasser, strom, gas, telefon) dafür bekam er natürlich von der uni gestellt. DAS ist die realität.

    oben im artikel geht es doch nur um jungprofessoren, die noch nicht auf solchen fettaugen schwimmen.