Wissenschaftler in Nöten: Jung, talentiert, frustriert

Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...818994,00.html
  1. #10

    Zitat von crigs Beitrag anzeigen
    [QUOTE "Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts"
    Reine Forschung und angewandte Forschung sind so verschieden, wie es nur das Leben nur sein kann. Bitte jammern sie nicht und wenden sie an. Stoppen sie das Philosophieren. Sie sind intelligent und wissen, was zu tun ist.
    Das klingt ja sehr sinnvoll, aber ohne Grundlagenforschung kann niemand anwenden. Z.B. können Sie keine Medikamente entwickeln, wenn Ihnen nicht vorher irgendwer die Mechanismen im Körper erforscht hat. Sie können keine sinnvolle neue Lehrmethode entwickeln, ohne dass voher Psychologen erforscht haben, wie lernen eigentlich funktioniert. Sie können keine Computerchips entwickeln, ohne dass jemand die Grundlagen der Informatik und die physikalischen Grundlagen genauer untersucht hat. D.h. sowohl angewandte als auch Grundlagenforschung ist nötig, angewandte Forschung kommt aber natürlich leichter an Drittmittel; alle freuen sich über eine Studie, in der ein neuer Kraftstoff getestet wird, aber niemand will Studien (und damit die Forscher) finanzieren, in denen die Eigenschaften bestimmter Öle untersucht werden .
  2. #11

    ach ne ....

    Aha, es kann nicht jeder Student der Naturwisenschaften Professor werden?
    War das schonmal anders? Ist das irgendwo anders?
    Selbst Einstein musste ja bekanntlich in einem Patentamt arbeiten...

    In den 60ern waren die Aussichten auf eine gute Professur noch ganz gut, aber inzwischen weiss doch fast jeder, dass er hinterher was anders machen muss.
  3. #12

    Beschreibt die Situation leider sehr genau...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.

    Wissenschaftler in Nöten: Jung, talentiert, frustriert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Ich bin kürzlich mit einem sog. Rückkehrer-Stipendium nach der Promotion summa cum laude in den USA nach Deutschland zurückgekommen. In diesem Rahmen bekomme ich für 6 Monate einen ziemlich geringen Lohn (eine Bekannte sagte mir, sie hätte als Teilzeit-Bürokraft mehr verdient), um mich hier in dieser, ähem, umfangreichen Zeitspanne erfolgreich auf langfristige Stellen zu bewerben und gleichzeitig ein Forschungsprojekt durchzuführen. Meine Erfahrungen bisher machen mir nicht viel Mut. Auslandserfahrung zählt hier offenbar ebenso wenig wie Abschlussnoten, und man kann gar nicht genug publiziert haben, um sich erfolgreich zu bewerben. Dabei wäre ich ja sogar durchaus bereit, alle paar Jahre umzuziehen und eine Fernbeziehung zu führen etc. (von Festanstellung wage ich, wie die meisten meiner Kollegen, kaum zu träumen), wenn es wenigstens genügend befristete Stellen gäbe. Aber die meisten Fördermittel gehen in die angewandte Forschung, und ich gehöre einem der gerne als 'Elfenbeinturm-Fächer' beschriebenen Fachrichtungen an. Ich wollte sehr gerne nach Deutschland zurückkommen, aber ob das eine weise Entscheidung war...?
  4. #13

    Zitat von klausm0762 Beitrag anzeigen
    Aha, es kann nicht jeder Student der Naturwisenschaften Professor werden?
    War das schonmal anders? Ist das irgendwo anders?
    Selbst Einstein musste ja bekanntlich in einem Patentamt arbeiten...

    In den 60ern waren die Aussichten auf eine gute Professur noch ganz gut, aber inzwischen weiss doch fast jeder, dass er hinterher was anders machen muss.
    und hier fehlt uns leider das geld,das wir für die rettung
    europas ausgeben-

    hoffentlich lohnt das,was übrig bleibt,die mühe
  5. #14

    Zitat von schreckgespenst Beitrag anzeigen
    Den Unterschied zwischen der Gesamheit aller Akademiker und den wissenschaftlichen Mitarbeitern als deren Teilmenge ist Ihnen hoffentlich bewusst!?
    Sicher ist mir der bewusst, aber die meisten firmen und auch staatliche behörden wählen und bilden die leute dann selbst aus.
  6. #15

    [QUOTE=Doch es ist nicht einfach, an den Hochschulen über Jahrzehnte gewachsene Strukturen umzukrempeln.[/QUOTE]

    Soviel ich weiß, bereitete es den Hochschulen keinerlei Mühe, aus den "verkrusteten Strukturen" mal eben den wissenschaftlichen Mittelbau mit seiner soliden sozialen Struktur zu entfernen.
  7. #16

    Bei Wissenschaftlern zieren sie sich

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Und plötzlich stehen sie vor dem Nichts: Deutsche Nachwuchswissenschaftler haben schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung. Ihre Karriere können sie kaum planen, Familie und Privatleben kommen unter die Räder. Wer kann, flüchtet ins Ausland oder in die Wirtschaft.

    Wissenschaftler in Nöten: Jung, talentiert, frustriert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Aber an den Hochschulen ein teure aber vollkommen nutzlose Frauenbeauftragte zu installieren, das ging mit einem Federstrich.

    Und künftig jeder Schule zwei Sozialpädagogen aufs Auge zu drücken, kostet die noch weniger Aufwand.

    Aber bei der Forschung da zieren sie sich.

    Das ist wie in der Landwirtschaft, ganz einfach, wenn ich einen Baum pflanze und den kaum gieße und auch noch permanent verschneide, dann geht der entweder ein oder verkrüppelt ganz furchtbar.

    Wenn ich dagegen einen Baum überdünge und zuviel Sonne gebe (das Soziale), dann schießt der in die Höhe, der Fachmann spricht von Vergeilen, wird bald unansehnlich und stirbt am Ende genau so ab, wie der verhungerte Baum.

    Diese Politiker können es einfach nicht, die regieren nur fürs Auge, aber NIE im Sinne der Vernunft!

    Das ist eine der Wirkungen wenn eine Regierung derart mit Pädagogen verseucht ist wie unsere!
  8. #17

    "ausseruniversitäre Forschungsinstitute"...

    Es sollte angemerkt werden, dass diese "ausseruniversitären Forschungsinstitute" keine Doktortitel vergeben dürfen! Es braucht immer einen Betreuer an einer Universität. Und damit ergeben sich gleich eine ganze Reihe von Problemen:

    - diese Forschungsinstitute haben sehr viel Geld und einen guten Ruf, sie ziehen damit auch gute Leute an; sowie

    - die dort arbeitenden Wissenschaftler sind mit viel weniger Lehrverpflichtungen belastet; und

    - die an den Universitäten arbeitenden Profs haben damit mehrere Probleme auf einmal: viel mehr Lehrverpflichtung, meist viel weniger Hausgelder, weniger Zeit für Drittmitteleinwerbung plus die "Betreuung" der externen Doktoranden (was in den letzten Jahren teilweise massiv zugenommen hat, da es prozentual weniger Profs an den Unis im Verhältnis zur Anzahl der Doktoranden gibt).

    Auch die vielen "Summa cum laude" lassen sich teilweise erklären: da die Uni-Profs auch gerne an SFBs beteiligt sein möchten, schlagen sie die Doktoranden für die Auszeichnung vor - öfters als die richtigen "Doktorväter" selbst (die nicht auf die Idee gekommen wären). Vermutlich in der Hoffnung, so an den Netzwerken beteiligt zu werden ("eine Hand wäscht...").

    Und ein weiteres Problem: viele unserer Nachwuchswissenschaftler machen "komische Sachen", die in der "Industrie" nicht gebraucht werden. Die im Artikel genannten Neurowissenschaftler, was sollten die bitte in der Industrie machen? Die Pharmaindustrie sucht v.a. Pharmakologen und Mediziner - und von GMP usw. haben die Neuros keine Ahnung, und als GPs ("qualified persons") sind sie auch frühestens in 3 Jahren einsetzbar, müssen aber vorher noch einmal in die "Lehre" gehen...

    M.E. fehlt es nicht an Akademikern, sondern an den richtigen Akademikern. Mit denen, die wir aktuell ausbilden, kann kaum jemand ausserhalb der Grundlagenforschung was anfangen.

    Und nicht jeder bekommt "Summa". Was ist mit der großen Mehrheit, die keine Auszeichnung bekommt? Im Laufe der Jahre habe ich einige Beispiele mitbekommen, wo gute bis sehr gute (wenn auch nicht immer "exzellente") Jungwissenschaftler_innen Probleme bekamen, weil sie nicht die Ergebnisse "fanden", die ihre Doktorväter und Doktormütter "erwartet" haben. Die promovierten dann halt "nur" mit "gut" oder brachen die Arbeit komplett ab und hatten sich damit den ganzen Lebenslauf "versaut".
  9. #18

    wirklich schade...

    ... das vielen motivierten Wissenschaftlern derart Steine in den Weg gelegt werden. Einerseits frage ich mich ernsthaft was das Wissenschaftszeitvertragsgesetz überhaupt soll. Auch wenn ich über die genauen Hintergründe nicht informiert bin, kommet es mir eher so vor, dass irgendein neunmalkluger Consultant-Heini eine Idee hatte wie sichergestellt werden kann, dass zwangsläufig immer wieder junge motivierte Leute die raren Stellen bekommen. Leider Leider ist es tatsächlich so, dass, jedenfalls in Deutschland, ohne ideologische Motivation die wenigsten bereit sind Familienplanung und Wohlstand für eine Karriere als Wissenschaftler an der Uni zu verheizen. Man muss aber anderseits zugestehen das es nicht nur in Deutschland grau aussieht, in den meisten Ländern kann, sowieso ein Doktorand, aber auch die Mehrzahl der PostDocs nur heulen wenn sie sich ihren Stundenlohn ausrechnen. Dennoch wirklich eine Schande, wie unfassbar Familienunfreundlich und überhaupt finanziell unattraktiv die Aussicht auf eine Karriere in der freien Forschung ist, in einem Land welches sich als besonders sozial, Familienfreundlich und fortschrittsorientiert gibt.
  10. #19

    Na hoppla

    Wer hätte das gedacht, dass in einer Gesellschaft, an deren Spitze Kaufleute, Juristen und Beamte stehen, die Wissenschaft den Katzentisch bekommt?

    Wieso brauchen wir denn Wissenschaft, grundlegende zumal? Können wir doch alles einkaufen, einklagen oder sonstwie verwalten...

    Aber nach Akademikern jammern...