Informationelle Selbstbestimmung: Das "Recht auf Vergessen" und die Netzfreiheit

dapdSoll das Internet auf Wunsch vergessen müssen, was es über uns weiß? Ganz so einfach ist die Sache nicht: Wer einen Liebesbrief verschickt hat, kann ihn später nicht einfach zurückfordern - und allzu rigide gesetzliche Regelungen könnten die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit einschränken.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...817830,00.html
  1. #40

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Wann immer Minderjährige von sich Daten preis geben, ohne sich über die Konsequenzen klar zu sein, dann haben ihre Eltern kläglich dabei versagt, die Medienkompetenz ihrer Kinder zu fördern. (...)
    Ich bleibe bei meiner Aussage: Wer freiwillig Daten ins Netz stellt, die einem später zum Verhängnis werden könnten, ist selbst schuld.
    Etwas so Ignorantes liest man sogar in diesem an Ignoranz nicht eben armen Forum recht selten. Wissen Sie, Minderjährige stehen vor allem deshalb unter besonderem Schutz des Gesetzgebers und staatlicher Institutionen, weil sie sich der Konsequenzen ihrer Handlungen nicht immer in vollem Umfang bewusst sind.

    Darüber hinaus ist es natürlich das Eine, persönliche Daten unreflektiert ins Netz zu stellen. Aber es ist dann trotzdem immer noch etwas ganz anderes, wenn Unternehmen die Daten missbrauchen. Dass jemand aus Versehen den Schlüssel auf dem Autodach liegen lässt, berechtigt Sie ja trotzdem nicht, mit dem Auto wegzufahren.
  2. #41

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Etwas so Ignorantes liest man sogar in diesem an Ignoranz nicht eben armen Forum recht selten. Wissen Sie, Minderjährige stehen vor allem deshalb unter besonderem Schutz des Gesetzgebers und staatlicher Institutionen, weil sie sich der Konsequenzen ihrer Handlungen nicht immer in vollem Umfang bewusst sind.
    Wer seinen Kindern den aufgeklärten Umgang mit dem Internet nicht zutraut, der sollte ihnen den Zugang soweit wie möglich verwehren. PCs und Handys lassen sich dahingehend modifizieren. Man schickt sein Kind ja auch nicht mit einem Gewehr auf den Schießstand ohne sich vorher vergewissert zu haben, dass es auch mit Waffen umgehen kann.
    Das "Denkt doch mal an die Kinder"-Argument wird in unserer Gesellschaft viel zu oft von unfähigen Eltern missbraucht als dass es noch relevant wäre.

    Darüber hinaus ist es natürlich das Eine, persönliche Daten unreflektiert ins Netz zu stellen. Aber es ist dann trotzdem immer noch etwas ganz anderes, wenn Unternehmen die Daten missbrauchen. Dass jemand aus Versehen den Schlüssel auf dem Autodach liegen lässt, berechtigt Sie ja trotzdem nicht, mit dem Auto wegzufahren.
    Der Vergleich ist nicht einmal ansatzweise passend.
    Der Autoschlüssel auf dem Dach hat überhaupt nichts mit Daten in einem Social Network zu tun. Letztere gehören dem jeweiligen Betreiber, dem stimmt jedes Mitglied zu, der Schlüssel hingegen wechselt nicht den Eigentümer, nur weil er mal eben auf dem Dach liegen gelassen wurde.
  3. #42

    ..

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Allerdings gibt es keine "Netzverstöße" die nicht bereits durch Gesetze der realen Welt geahndet werden können. Wenn doch, hätte ich davon gern mal eine kleine (oder große) Liste.
    Nehmen wir zB nur einmal den Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild in anonymen Foren. Polzei und Staatsanwaltschaft wären schon allein mit dem täglich auf 4chan veröffentlichten Bildmaterial hoffnungslos überfordert.
    Na, da hast du doch schon selbst ein Beispiel gegeben, wesshalb das Urheberrecht überarbeitet gehört. Der nicht kommerzielle Gebrauch von Bildern im Internet sollte dort geregelt sein, da gerade in diesem Bereich derartig viele (aber harmlose) Verstöße entstehen, dass sie garnicht geahndet werden können.

    Auf der anderen Seite gibt es wiederum Fotografen, die ihre Fotos absichtlich und nur aus dem Grund ins Netz stellen, um später danach zu suchen um durch Abmahnungen zu verdienen. Ich finde sowas ist vorsätzlicher Rechtsmissbrauch und eben sowas ist im aktuellen Urheberrecht nicht vorgesehen.
    Ein weiteres Beispiel ist dieser ganze Hickhack zwischen Youtube, der Gema und anderen Rechteinhabern. Hier könnte ein erweitertes, angepasstes Urheberrecht abhilfe schaffen, so dass wir auch in Deutschland endlich alle Videos sehen können.

    Was das Persönlichkeitsrecht betrifft, so geht es hier vor allem um den Datenschutz und das recht auf informationelle Selbstbestimmung. Auch hier ist das Internet nicht vorgesehen, wesshalb es zu viele Lücken gibt. Dem allgemeinen unkontrollierten Datensammelwahn gehört ein Riegel vorgeschoben. Es muss gegeln geben, nach denen Facebook, Google & Co. die Menschen aushorchen. Und wenn gegen diese Regeln verstoßen wird, müssen empfindliche Strafen folgen. Und ein EU-Weites (besser noch weltweites) überarbeitets Persönlichkeitsrecht ist der richtige Weg dazu. Nur leider haben unsere verschnachten Politiker das mal wieder erst Jahre zu spät bemerkt.


    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Was verstehst du unter "anwendbar"? In der Praxis nicht durchführbar oder als theoretisches Konstrukt nicht umfassend genug um auch die digitale Welt abzudecken? Ersteres wäre für mich kein Grund für neue Gesetze.
    Nein, letzteres trifft es genau. Das Urheberrecht ist als theoretisches Konstrukt nicht umfassend genug. Es wurde vor langer Zeit geschrieben, als es die digitale Welt noch nicht gab. Aus diesem Grund ist es für die Ansprüche eben dieses Bereiches in vielerelei Hinsicht unzureichen. Und dies ist nicht nur meine Meinung, auch meine ehemalige Proffessorin für IT-Recht hat das unumwunden zugegeben.
  4. #43

    ..

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Google Analytics lässt sich direkt deaktivieren, ohne Cookies oder Java abschießen zu müssen. Außerdem lässt sich ein Browser so einstellen, dass er nur bestimmte Cookies und Scripts akzeptiert, dies kann man dann, wenn man will, seinem Surfverhalten anpassen.
    Und wie soll das gehen? Meinst du die einschlägigen Firefox-AddOns?
    Und auch das mit den Cookies ist nicht so einfach, wie du es darstellst. Sicher, ich kann den Browser so einstellen, dass er nur bestimmte Cookies akzeptiert, aber auch dass schränkt den Spaß beim Surfen ein, wenn alle Nase lang irgend eine Website nicht funktioniert, weil ein Cookie nicht vorhanden ist. Besonders toll ist es, wenn man den Browser so einstellt, dass man jedes mal gefragt wird, wenn ein Cookie installiert werde soll.. Dann kommt man quasi gar nicht mehr zum Suften.
    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Die Frage die sich hier aufwirft ist dann aber:
    Ist Opt Out eine Option die wir generell verwerfen wollen oder akzeptieren wir sie?
    Um ehrlich zu sein ist mir nicht klar, was du damit überhaupt meinst.
    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Wir brauchen keine Gesetze, die uns Schwierigkeiten machen können, wenn unsere Kinder ein Video auf Youtube einstellen, in dem sie zum neuesten Charts-Hit Tanzen oder gar diesen nur nachsingen (ACTA Orginalfassung).
    Richtig, wir brauchen Gesetze die sowas vorsehen und ggf. legalisieren. Denn das sowas generell verboten ist, ist in der digitalen Gesellschaft einfach nicht mehr zeitgemäß und auch nicht durchsetzbar.


    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Wir brauchen kein "3 Strikes Model", welches das Grundrecht auf Kommunikation einschränkt, nur weil man 3 Lieder aus dem Netz geladen hat und wir benötigen sicher keinen Strafrahmen, der sich an den mehr als übertriebenen Schätzungen der Industrie orientiert, wieviel Schaden ein illegal geladener Song anrichtet.
    Auch hier meine volle Zustimmung. Ich erhoffe mir durch eine Anpassung der Urheber- und Persönlichkeitsrechte endlich klare Regeln, die dem Verbraucher nützen und die dem Abmahnwahnsinn (1500€ für fünf heruntergeladene Songs) ein Ende setzen. Das dabei sowas wie ein three-strikes-verfahren herauskommt, halte ich für äußerst unwahrscheinlich.
  5. #44

    Seltsame Rechtssprechung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Soll das Internet auf Wunsch vergessen müssen, was es über uns weiß? Ganz so einfach ist die Sache nicht: Wer einen Liebesbrief verschickt hat, kann ihn später nicht einfach zurückfordern - und allzu rigide gesetzliche Regelungen könnten die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit einschränken.

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    Wie sieht es rechtlich aus, wenn ich einen Screenshot mache aber das Hintergrund-Bild lizenzrechtlich geschützt ist und ich das Bild versende? Dann habe ich eine Kopie in dem Bilder-Ordner, eine im gesendete Objekte und der Empfänger hat auch eine. Nur mal so als Beispiel, wie schnell sich Daten verbreiten. Hier müssen alle gefragt sein, nicht nur technisch unversierte Eltern. Die heutigen Rechtssprechungen kann ich als ITler nicht ernst nehmen, so leid es mir tut. Das ist im Moment in etwa so, wie wenn ich ein Auto stehle, damit einen Unfall baue und der Inhaber ins Gefängnis kommt.