Informationelle Selbstbestimmung: Das "Recht auf Vergessen" und die Netzfreiheit

dapdSoll das Internet auf Wunsch vergessen müssen, was es über uns weiß? Ganz so einfach ist die Sache nicht: Wer einen Liebesbrief verschickt hat, kann ihn später nicht einfach zurückfordern - und allzu rigide gesetzliche Regelungen könnten die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit einschränken.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...817830,00.html
  1. #30

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Den Punkt finde ich interessant, allerdings nur, wenn es kein ausschließliches "Internetgesetz" wird, sondern auch für die reale Welt gilt. Ein Zwang für den Staat und Firmen, jeden Betroffenen haarklein darüber zu informieren, an wen die eigenen Daten zu welchen Zwecken und unter welchen Bedingungen weitergereicht werden, wäre ein Schritt in die richtige Richtung.
    Auf der anderen Seite stelle ich es mir auch etwas schwierig vor, wenn zB bei jedem Bonusprogramm und Gewinnspiel immer eine ellenlange Liste anhängt oder man als Bürger mehrmals im Jahr Post von der Gemeinde/Stadt bekommt und darüber informiert wird, an welche Firmen die Daten über zB. die Bebauung des eigenen Daches mit Solaranlagen nun wieder weitergeleitet wurden.
    Nein, man sollte schon unterscheiden ob ich lediglich meine E-Mail-Adresse angebe um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, ober ob meine gesamte Biographie, inklusive Bilder, an Dritte verkauft wird.
    Und was die Kommune betrifft um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, hier kann man mittels der Bereitstellung der Informationen via eGovernment schon eine ganze Menge an Transparenz erreichen. Dazu muss ich nicht jeden Haushalt anschreiben.
    Das meinte ich mit Transparenz. (Detail)Kenntnis von etwas erlangen zu können ist für mich eine Grundvoraussetzung um das vielzitierte Recht auf informationelle Selbstbestimmung überhaupt ausüben zu können. Inwieweit der Nutzer dies dann auch für sich in Anspruch nimmt, das bleibt ihm ganz allein überlassen.
  2. #31

    Internet

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Soll das Internet auf Wunsch vergessen müssen, was es über uns weiß? Ganz so einfach ist die Sache nicht: Wer einen Liebesbrief verschickt hat, kann ihn später nicht einfach zurückfordern - und allzu rigide gesetzliche Regelungen könnten die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit einschränken.

    Informationelle Selbstbestimmung: Das "Recht auf Vergessen" und die Netzfreiheit - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
    Was ich noch ergänzen wollte zum Urheberrecht ist folgendes;

    wenn ich in ein Geschäft gehe weiss ich das ich keine Mandarinen stehlen darf, sei der Hunger noch so groß. Im Internet entpuppt sich die Mandarine schnell als Orange und es ist oft nicht ganz klar, ist es Fallobst für alle oder eine der teuren kostenpflichtigen Qualitätsmandarinen. Ist es wirklich eine Orange? Oder wenn ich die heruntergeladene.exe ausführe doch ein Apfel. Führt der Link zur gewünschten informativen Seite oder nicht. Viren, Würmer, Trojaner. Der Beruf des Informatiker hat sich sicherlich nicht in sich aufgespalten da er so umgänglich ist. Nein, jeder ist mit der Informationsflut überfordert. Selbst versierte Administratoren.
  3. #32

    Zitat von Paroklos Beitrag anzeigen
    Und genau das sehe ich nicht so.

    Die Gesetze in einem digitalen Zeitalter, welche besagen das die Schutzbefohlenen alleine den Eltern anzuhaften sind, machen keinen Sinn. Man kann nicht arbeiten gehen, sich um den Haushalt kümmern und zeitgleich aufpassen in welcher digitalen Schnittstelle sich das eigene Kind gerade einloggt. Vergessen Sie nicht, Sie waren auch mal jung. Eltern sind doof, der eigene Trotz setzt sich durch. Kinder sind ein gesellschaftliches Gemeingut, weshalb alle daran mitarbeiten sollten diese auf die mediale Welt vorzubereiten.
    Ich bin immernoch (eingermaßen) Jung, und mir ist sehr wohl bewusst, was ich als Kind alles angestellt habe, ohne dass meine Eltern davon eine Ahnung hatten. Allerdings war mir, und ist mir noch bis heute, bei allem was ich tat, immer klar, was meine Eltern vermutlich davon halten würden.
    Natürlich mag es schwerer sein, seinen Kindern bestimmte Werte und Grundlagen zu vermitteln, wenn beide Eltern berufstätig sind, aber in diesem Fall müssen sich die Eltern eben auch die Frage stellen, was ihnen wichtiger ist, das zusätzliche Einkommen oder immer für ihre Kinder da zu sein. Es ist klar, wer mehr Zeit mit seinen Kindern verbringt, der kann ihnen auch mehr Rüstzeug mit auf den Weg geben, um in dieser Welt klar zu kommen.

    Genau dann, wenn Kinder nicht unter der Beobachtung ihrer Eltern stehen, zeigt sich, wie gut ihre Erziehungsarbeit wirklich war. Auch der Staat kann hier nicht helfen, denn nichts was er beschließt, wird sich in der digitalen Welt durchsetzen, so lange wir nicht jeden Nutzer permanent überwachen und somit den Freiheitsgedanken mit Füßen treten.
    Auch die hier angedachte "Löschverpflichtung" würde nur bei einer 100%tigen Überwachung funktionieren, und das können wir uns nicht leisten.

    Egal ob es uns gefällt oder nicht, im Netz gilt der Grundsatz der Selbstverwantwortung.
  4. #33

    Zitat von fromsaxony Beitrag anzeigen
    Nein, man sollte schon unterscheiden ob ich lediglich meine E-Mail-Adresse angebe um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, ober ob meine gesamte Biographie, inklusive Bilder, an Dritte verkauft wird.
    Nimmt man an einem Gewinnspiel teil, werden die übermittelten Adressdaten ebenfalls weiterverkauft, an jeden, der daran Interesse hat. Und hier reden wir ja nicht nur von einer relativ anonymen eMail-Adresse, sondern von der kompletten Anschrift, teilweise noch mit Name, Alter und Geschlecht. Gleiches gilt für zB Payback- und Bonuskarten.

    Tatsache ist, dass und Google und Facebook viel besser darüber informieren, dass unsere Daten verkauft werden, als dies die Hintermänner von Gewinnspielen, Umfrangen und Bonussystem tun.
  5. #34

    Kinder und Internet

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Ich bin immernoch (eingermaßen) Jung, und mir ist sehr wohl bewusst, was ich als Kind alles angestellt habe, ohne dass meine Eltern davon eine Ahnung hatten. Allerdings war mir, und ist mir noch bis heute, bei allem was ich tat, immer klar, was meine Eltern vermutlich davon halten würden.
    Natürlich mag es schwerer sein, seinen Kindern bestimmte Werte und Grundlagen zu vermitteln, wenn beide Eltern berufstätig sind, aber in diesem Fall müssen sich die Eltern eben auch die Frage stellen, was ihnen wichtiger ist, das zusätzliche Einkommen oder immer für ihre Kinder da zu sein. Es ist klar, wer mehr Zeit mit seinen Kindern verbringt, der kann ihnen auch mehr Rüstzeug mit auf den Weg geben, um in dieser Welt klar zu kommen.

    Genau dann, wenn Kinder nicht unter der Beobachtung ihrer Eltern stehen, zeigt sich, wie gut ihre Erziehungsarbeit wirklich war. Auch der Staat kann hier nicht helfen, denn nichts was er beschließt, wird sich in der digitalen Welt durchsetzen, so lange wir nicht jeden Nutzer permanent überwachen und somit den Freiheitsgedanken mit Füßen treten.
    Auch die hier angedachte "Löschverpflichtung" würde nur bei einer 100%tigen Überwachung funktionieren, und das können wir uns nicht leisten.

    Egal ob es uns gefällt oder nicht, im Netz gilt der Grundsatz der Selbstverwantwortung.
    Bedingt stimme ich zu wenn es um die Selbstverantwortung geht. Doch wie schnell diese ihren Dienst versagt, sehe ich schon alleine daran, wenn von mir Bilder in Facebook erscheinen, (wo zudem kein Konto besitze), als ich gerade nach einem Glas Sekt auf einer Geburtstagsfeier greife. Hochgeladen wurde das Bild von einem etwa 40 jährigen Informatiker. Viele Menschen sehen das Internet als Werkzeug, als Hilfsmittel und kommunikative Plattform. Wir bereden hier die Schattenseiten, welche den Nutzern erst auffallen wenn sie direkt mit diesen konfrontiert wurden. Kündigungen oder vermasselte Auffstiegschancen durch Partybilder oder versehntlicher geschossender Fotos.

    Dies ist zugleich übertragbar auf die Eltern. Viele erkennen nichts schlimmes am Internet, da ihnen selbst die Aufklärung fehlt. Nein schlimmer noch, sie sind oft froh das sie jemanden im Haus haben der sich mit dem Computer halbwegs auskennt. Und das ist, so leid es mir tut, heutzutage in nicht seltenen Fällen nunmal das eigene Kind.

    Die Fürsorgepflicht kann, selbst wenn es gewollt ist nicht erfüllt werden. Wie denn auch, wenn an jedem technischen Gerät eine Schnittstelle ist und ich selbst nicht mal sagen kann: Ist das gerade illegal was ich hier tu?
  6. #35

    Kinder und Internet

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Ich bin immernoch (eingermaßen) Jung, und mir ist sehr wohl bewusst, was ich als Kind alles angestellt habe, ohne dass meine Eltern davon eine Ahnung hatten. Allerdings war mir, und ist mir noch bis heute, bei allem was ich tat, immer klar, was meine Eltern vermutlich davon halten würden.
    Natürlich mag es schwerer sein, seinen Kindern bestimmte Werte und Grundlagen zu vermitteln, wenn beide Eltern berufstätig sind, aber in diesem Fall müssen sich die Eltern eben auch die Frage stellen, was ihnen wichtiger ist, das zusätzliche Einkommen oder immer für ihre Kinder da zu sein. Es ist klar, wer mehr Zeit mit seinen Kindern verbringt, der kann ihnen auch mehr Rüstzeug mit auf den Weg geben, um in dieser Welt klar zu kommen.

    Genau dann, wenn Kinder nicht unter der Beobachtung ihrer Eltern stehen, zeigt sich, wie gut ihre Erziehungsarbeit wirklich war. Auch der Staat kann hier nicht helfen, denn nichts was er beschließt, wird sich in der digitalen Welt durchsetzen, so lange wir nicht jeden Nutzer permanent überwachen und somit den Freiheitsgedanken mit Füßen treten.
    Auch die hier angedachte "Löschverpflichtung" würde nur bei einer 100%tigen Überwachung funktionieren, und das können wir uns nicht leisten.

    Egal ob es uns gefällt oder nicht, im Netz gilt der Grundsatz der Selbstverwantwortung.
    Bedingt stimme ich zu wenn es um die Selbstverantwortung geht. Doch wie schnell diese ihren Dienst versagt, sehe ich schon alleine daran, wenn von mir Bilder in Facebook erscheinen, (wo ich zudem kein Konto besitze), als ich gerade nach einem Glas Sekt auf einer Geburtstagsfeier greife. Hochgeladen wurde das Bild von einem etwa 40 jährigen Informatiker. Viele Menschen sehen das Internet als Werkzeug, als Hilfsmittel und kommunikative Plattform. Wir bereden hier die Schattenseiten, welche den Nutzern erst auffallen wenn sie direkt mit diesen konfrontiert wurden. Kündigungen oder vermasselte Auffstiegschancen durch Partybilder oder versehntlicher geschossender Fotos.

    Dies ist zugleich übertragbar auf die Eltern. Viele erkennen nichts schlimmes am Internet, da ihnen selbst die Aufklärung fehlt. Nein schlimmer noch, sie sind oft froh das sie jemanden im Haus haben der sich mit dem Computer halbwegs auskennt. Und das ist, so leid es mir tut, heutzutage in nicht seltenen Fällen nunmal das eigene Kind.

    Die Fürsorgepflicht kann, selbst wenn es gewollt ist nicht erfüllt werden. Wie denn auch, wenn an jedem technischen Gerät eine Schnittstelle ist und ich selbst nicht mal sagen kann: Ist das gerade illegal was ich hier tu?
  7. #36

    ..

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Finde ich nicht. Die aktuellen Gesetze reichen aus, wegen der Fülle an Verstößen steht allerdings nicht genug Personal zur Verfügung, um jeden davon auch zu verfolgen.
    Nein, die aktuelle Gesetzesgrundlage ist alles andere als ausreichend was zum Glück auch endlich die Politik bemerkt hat. Darüber hinaus weiß man bei den international agierenden Konzernen oftmals garnicht, welches Gesetz überhaupt greift. Die aktuellen Gesetze zum Urheberrecht und Persönlichkeitsrecht werden derartig oft übergangen, ignoriert oder ausgehebelt (nicht nur von den Konzernen), dass sie quasi wirkungslos sind. Und würdest du bitte erläutern, welcher Art die Vertöße sind, die aufgrund von Personalmangel nicht geahndet werden können?

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Hier darf man nicht via Gesetze überkompensieren, wir schränken ja auch nicht die Bewegungsfreiheit der Bürger auf öffentlichen Plätzen ein, nur weil die Aufklärungsrate für Taschendiebstähle bei unter 5% liegt. Nein, wir lernen damit zu leben, und tragen unsere Wertgegenstände eben nicht im offenen Rucksack sondern in der Mantelinnentasche.
    Du vergleichst Äpfel mit Bananen...

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Die Regierung muss ihre Bürger schützen, keine Frage, aber das darf weder in einem Nanny-Staat ausarten oder zur Überkompensation führen.
    Versteh mich nicht falsch, ich bin absolut gegen die (leider oft typisch deutsche) Überregulierung, aber wenn das Recht auf neue Gegebenheiten nicht oder kaum noch anwendbar ist, gehört es überarbeitet - das hat nicht das geringste mit einem Nanny-Staat zu tun.

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Google Analytics und Co lassen sich ganz simpel deaktivieren, in meinem Bekanntenkreis hat jeder seinen Browers dahingehend eingestellt. Das man hier hier via "Opt Out" und nicht "Opt In" vorgehen muss, liegt in der Natur der Sache, mit dem Besuch einer Website nehmen wir dutzende von Diensten in Anspruch, und wenn wir jedem erst ausdrücklich zustimmen müssten, würden wir mehr Zeit mit Klicken und Lesen verbringen, als mit dem, was wir eigentlich wollten.
    Sorry, aber das ist Mumpitz. Sicher kann ich der Datensammelei entgegenwirken, indem ich Cookies, Java-Script, etc. deaktiviere, aber, mal abgesehen davon, dass das Surften im Netz dann nur noch eingeschränkt funktioniert, sollte das nicht dem einfachen User aufgebürdet werden. Und um bei deinem Äpfel&Bananen Vergleich zu bleiben: Das wäre ungefähr so, als würde man von den Leuten verlangen, nur noch in kugelsicheren Westen auf die Straße zu gehen, weil sie ansonsten selbst Schuld an möglichen Verletzungen durch Räuber wären.

    Zitat von n8nebel Beitrag anzeigen
    Acta ist ein ganz anderes Thema. Auch wenn die aktuelle Version des Vertrages entschärft wurde, ist die Intention des Abkommens für jeden klar ersichtlich, der die geleakten Orginalunterlagen zu Gesicht bekommen hat. Hier geht es nicht um den Schutz der Schaffer eines Werkes oder gar des Bürgers, es geht ausschließlich um die wirtschaftlichen Interessen der Verwertungsindustrie, welche die Freiheit des Internets (teilweise zurecht) als Bedrohung ansieht.
    Ohne auf die Details des Acta-Abkommens weiter einzugehen (denn darum geht es hier tatsächlich nicht) kann man jedoch sagen, dass das Abkommen unnötig wäre, gäbe es ein vernüftiges, internationales, an das Internet angepasstes Urheberrecht. Und damit währen wir sehr wohl wieder beim Thema.
  8. #37

    Zitat von Thyphon Beitrag anzeigen
    Nein, die aktuelle Gesetzesgrundlage ist alles andere als ausreichend was zum Glück auch endlich die Politik bemerkt hat. ...
    Dass keine Einigkeit darüber besteht, welcher Konzern den Gesetzen welches Landes unterworfen sind, ist ein internationales Problem, keine Frage.

    Allerdings gibt es keine "Netzverstöße" die nicht bereits durch Gesetze der realen Welt geahndet werden können. Wenn doch, hätte ich davon gern mal eine kleine (oder große) Liste.

    Nehmen wir zB nur einmal den Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild in anonymen Foren. Polzei und Staatsanwaltschaft wären schon allein mit dem täglich auf 4chan veröffentlichten Bildmaterial hoffnungslos überfordert.

    Du vergleichst Äpfel mit Bananen...
    Eher Äpfel mit digitalen Äpfeln, und ich denke genau der Unterschied ist hier der Punkt.

    Versteh mich nicht falsch, ich bin absolut gegen die (leider oft typisch deutsche) Überregulierung, aber wenn das Recht auf neue Gegebenheiten nicht oder kaum noch anwendbar ist, gehört es überarbeitet - das hat nicht das geringste mit einem Nanny-Staat zu tun.
    Was verstehst du unter "anwendbar"? In der Praxis nicht durchführbar oder als theoretisches Konstrukt nicht umfassend genug um auch die digitale Welt abzudecken? Ersteres wäre für mich kein Grund für neue Gesetze.

    Sorry, aber das ist Mumpitz. Sicher kann ich der Datensammelei entgegenwirken, indem ich Cookies, Java-Script, etc. deaktiviere, aber, mal abgesehen davon, dass das Surften im Netz dann nur noch eingeschränkt funktioniert, sollte das nicht dem einfachen User aufgebürdet werden. Und um bei deinem Äpfel&Bananen Vergleich zu bleiben: Das wäre ungefähr so, als würde man von den Leuten verlangen, nur noch in kugelsicheren Westen auf die Straße zu gehen, weil sie ansonsten selbst Schuld an möglichen Verletzungen durch Räuber wären.
    Google Analytics lässt sich direkt deaktivieren, ohne Cookies oder Java abschießen zu müssen. Außerdem lässt sich ein Browser so einstellen, dass er nur bestimmte Cookies und Scripts akzeptiert, dies kann man dann, wenn man will, seinem Surfverhalten anpassen.

    Die Frage die sich hier aufwirft ist dann aber:
    Ist Opt Out eine Option die wir generell verwerfen wollen oder akzeptieren wir sie?

    Ohne auf die Details des Acta-Abkommens weiter einzugehen (denn darum geht es hier tatsächlich nicht) kann man jedoch sagen, dass das Abkommen unnötig wäre, gäbe es ein vernüftiges, internationales, an das Internet angepasstes Urheberrecht. Und damit währen wir sehr wohl wieder beim Thema.
    Das Uhrheberrecht im Netz ist ausreichend, und das sage ich, als jemand, der seinen Lebensunterhalt durch die Produktion rein digitaler Waren verdient. Wir brauchen keine Gesetze, die uns Schwierigkeiten machen können, wenn unsere Kinder ein Video auf Youtube einstellen, in dem sie zum neuesten Charts-Hit Tanzen oder gar diesen nur nachsingen (ACTA Orginalfassung). Wir brauchen kein "3 Strikes Model", welches das Grundrecht auf Kommunikation einschränkt, nur weil man 3 Lieder aus dem Netz geladen hat und wir benötigen sicher keinen Strafrahmen, der sich an den mehr als übertriebenen Schätzungen der Industrie orientiert, wieviel Schaden ein illegal geladener Song anrichtet.
  9. #38

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Soll das Internet auf Wunsch vergessen müssen, was es über uns weiß? Ganz so einfach ist die Sache nicht: Wer einen Liebesbrief verschickt hat, kann ihn später nicht einfach zurückfordern - und allzu rigide gesetzliche Regelungen könnten die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit einschränken.

    Informationelle Selbstbestimmung: Das "Recht auf Vergessen" und die Netzfreiheit - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
    Welch alberner und typischer Ansatz das Problem durch Regeln regeln zu wollen.
    Es kann kein Vergessen im Internet/WWW geben, das ist ein Widerspruch in sich.

    Die Verbreitung persönlicher Daten im Netz kann nur durch offensive Aufklärung
    eingedämmt werden, neudeutsch Medienkompetenz, von Kindesbeinen an.
    Diese sollte um jeden Preis gefördert werden, von Jedem, für Jeden.
  10. #39

    Das Internet vergisst doch schon.

    Das Internet als ewiger Hort jeder Information ist eine Illusion.

    Daten mit Relevanz bleiben irgendwo gespeichert, aber das ist nicht das Web. Websites ändern sich, werden gelöscht und nicht alle verfügen über gepflegtes Archiv, geschweige über ihren Site-Tod hinaus. Die Daten mögen sogar noch existieren, aber nicht mehr im Web. Daran ändert auch die Funktion eine alte Seite ein Weile vorzuhalten von Google nichts.
    Auch "geteilte Ereignisse" können aus dem Zugriff der User verschwinden, wenn sie keiner für relevant hält bzw. keiner sie "veröffentlichen" will. Versuchen sie doch einmal ältere Kommentare von Blogs aufzurufen, die es nicht mehr gibt etc...
    Das Internet vergisst sehr wohl.

    Wie viele Links gehen inzwischen ins Leere, ohne eine zugängliche Möglichkeit den Inhalt zu rekonstruieren?
    Gegen dieses Vergessen gab es im Papierzeitalter die öffentlichen Archive (öffentliche Stadt- und Verlagsarchive, Bibliotheken ) mit Regelungen, was wie aufzuheben sei. Im digitalen Zeitalter mach das so keinen Sinn. Facebook- und Googlearchive sind nun mal nicht öffentlich zugängig und sollten es auch nicht sein. Die Frage ist, was und wer entscheidet über löschen, veröffentlichen und teilweise veröffentlichen sowie Gruppen-Publizierung. Dass es nicht immer nur die Relevanz sein sollte, die der Datenbesitzer empfindet sein sollte ergibt sich von selbst. E

    ine Regelung noch dazu nations- und kulturübergreifend wird Utopie bleiben. Wir werden wohl mit der Vergesslichkeit und der Permanenz des Internets leben müssen.

    Dies bewahrt uns nicht davor, Zugänglichkeit von Daten, Persönlichkeitsrecht und Datenschutz auch immer juristisch wieder zu regeln.