Ramsauers Punktereform: Ein Mann sieht rot

REUTERSZwei Punkte für schwere Verfehlungen im Straßenverkehr - das klingt zunächst harmlos. Über die Punktereform von Verkehrsminister Ramsauer wurde in den letzten Wochen viel diskutiert. Doch bei genauerer Analyse erweist sich das neue Punktesystem als bemerkenswert treffsicher.

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0...818207,00.html
  1. #90

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    Zitat von matbhmx Beitrag anzeigen
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    Der Grundfehler des Systems ist überhaupt der Führerscheinverlust (andere Länder übrigens kommen ohne solche Maßnahmen aus). Wer heute den Führerschein verliert, verliert zumeist auch seinen Beruf. Weshalb? Wer beruflich unterwegs ist, hat besonders hohe Fahrleistungen.
    Welche Länder kommen denn ohne "Führerscheinverlust" = Fahrerlaubnisentziehung aus? Da hätt' ich gerne mal ein paar Beispiele.

    Wer heute egal wo und nach welchen Regeln, seinen Führerschein verliert und beruflich drauf angewiesen ist, der hat ein extrem großes Problem mit seiner Einstellung gegenüber Regeln. Übrigens auch im Arbeits- und Privatleben. Auch wenn es nicht direkt auffällig ist.
    Und die für alle aufgestellten Regeln zu befolgen, macht in dem komplexen System Straßenverkehr ganz einfach Sinn. Es erleichtert allen Beteiligten das Leben und erhält es auch. Der Raser hat nur deshalb eine Chance und fällt nicht weiter auf, weil alle anderen sein Fehlverhalten einkalkulieren. Wenn das mal nicht funktioniert, ist es vorbei mit der Raserei. Und bei Glatteis können auch 20 km/h für irgendjemanden tödlich enden. Ob man das zutreffend Rasen nennen muß oder kann, sei dahingestellt.
    Sie dürfen eins nicht vergessen. Dass es bis vor einem Jahr rückläufige Tendenzen bei den Verkehrstoten gab, ist im wesentlichen nicht auf eine Verhaltensänderung beim Kraftfahrer zurückzuführen. Die ergab sich allein aus den verbesserten Sicherheitseinrichtungen bei den Fahrzeugen. Da aber jetzt die Zahl der Verkehrstoten wieder ansteigt, zeigt sich, dass das Verhalten der Kraftfahrer immer weniger verkehrsangepaßt ist.
    Und in diesem Zusammenhang die bislang groben Verstöße jetzt zu verharmlosen, das bringt überhaupt nichts. Ebenso ist es ein völlig falsches Signal, wieder auf die Rechtskraft der Tat abzustellen. Damit kann ein halbwegs guter Anwalt für fast jeden Mandanten die Fahrerlaubnis über Jahre "retten". Nur dass die Betroffenen ihr Verhalten nicht ändern werden. Jedenfalls nicht, bevor sie dann doch mal aus einer "Verkettung unglücklicher Zufälle" jemanden "platt" gemacht haben.
  2. #91

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    Zitat von mmhkerni Beitrag anzeigen
    Wenn die Zahl stimmt, heisst das, dass schätzungsweise fast 20% der Autofahrer schwere Verkehrssünder sind. Da frage ich mich, ob an dem Klischee, dass unser Verkehrssystem überreguliert ist, nicht doch etwas dran ist? Sind die Verkehrsregeln dann noch zweckmässig, wenn sie dazu führen, dass ein Fünftel der Autofahrer kurz davor ist, ihre Fahrerlaubnis zu verlieren?
    Da haben Sie irgendwas falsch verstanden. Bislang geben rund 5000 Bundesbürger/Jahr ihre Fahrerlaubnis wegen zuvieler Punkte ab. Demnächst sollen es schätzungsweise 5500 sein. Da sind wir von 20% der Bevölkerung selbst bei stangnierenden Geburtszahlen noch weit entfernt. Es sind ungefähr 10% der Bundesbürgerer mit einem oder mehr Punkten im System erfaßt. Aber die ernsthaften Problemfälle stellen doch eine ziemliche (s.o.) Elite dar.
    Das Punktesystem alter Art sollte fein regulieren und eine abgestimmte Gefahrenabwehr bieten. Mit drei Stufen der "Besserung". Da fällt mit dem neuen System einiges an Möglichkeiten weg.
    Zitat von mmhkerni Beitrag anzeigen
    Diese ist ja nicht nur ein Vergnügungsfaktor sondern auch ein Wirtschaftsfaktor, denn viele Menschen sind auf Ihre Mobilität angewiesen.
    Wenn Sie zur Ausübung Ihres Berufes auf die "Erlaubnis zum ???" angewiesen sind. Dann werden Sie vermutlich ziemlich viel Energie verwenden, um diese "Erlaubnis zum ???" zu behalten. Und nach Möglichkeit alles tun, um Schwierigkeiten zu vermeiden.
    Sehen Sie und da denkt der große Teil der Kraftfahrer egal ob privat oder dienstlich ganz anders. Er denkt, er würde immer und überall drangsaliert und hätte ein Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit unter allen Umständen. Alle anderen müssten sich seinem Denken (und damit auch Fahren) unterordnen. Wenn sie das nicht tun, werden sie weggedrängelt oder beschimpft. Im Zweifelsfall wird an der nächsten Ampel schon mal die Faust oder eine Waffe zu Hilfe genommen.
    Wir sollten uns mal wieder an den Gedanken gewöhnen, dass wir nicht allein auf der Straße unterwegs sind. Das gilt für alle Verkehrsteilnehmer. Auch die, die sich supertoll im Regelwerk auskennen und es bis auf den letzten 10tel km/h ausnutzen und keine andere Meinung als ihre zulassen. Auch die auf der mittleren Spur oder immer links "schleichenden" sind gemeint. Die sind genauso gefährlich und unterliegen den gleichen Denkmustern wie die Raser (ich meine natürlich die schneller als zulässig fahrenden) und Drängler.
  3. #92

    Zitat von cokommentator Beitrag anzeigen
    Wir sollten uns mal wieder an den Gedanken gewöhnen, dass wir nicht allein auf der Straße unterwegs sind. Das gilt für alle Verkehrsteilnehmer. Auch die, die sich supertoll im Regelwerk auskennen und es bis auf den letzten 10tel km/h ausnutzen und keine andere Meinung als ihre zulassen. Auch die auf der mittleren Spur oder immer links "schleichenden" sind gemeint. Die sind genauso gefährlich und unterliegen den gleichen Denkmustern wie die Raser (ich meine natürlich die schneller als zulässig fahrenden) und Drängler.
    Das unterschreibe ich, Satz für Satz.
  4. #93

    Zitat von cokommentator Beitrag anzeigen
    Da haben Sie irgendwas falsch verstanden. Bislang geben rund 5000 Bundesbürger/Jahr ihre Fahrerlaubnis wegen zuvieler Punkte ab. Demnächst sollen es schätzungsweise 5500 sein. Da sind wir von 20% der Bevölkerung selbst bei stangnierenden Geburtszahlen noch weit entfernt. Es sind ungefähr 10% der Bundesbürgerer mit einem oder mehr Punkten im System erfaßt. Aber die ernsthaften Problemfälle stellen doch eine ziemliche (s.o.) Elite dar.
    Ich habe mir den Spaß gemacht nachzurecherchieren. In D gibt es ca. 56 Mio. PKW-Führerscheinbesitzer und ca. 52 Mio. angemeldete PKW. Ich sehe es ein - es sind doch nur 16% der Führerscheinbesitzer, die als "schwere Verkehrssünder" bezeichnet werden.
  5. #94

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    Zitat von Bregorius Beitrag anzeigen
    -Rechts überholen? Damit man dann auch rechts drängeln kann? Das Linksfahrgebot ist schon eine gute Regelung und sollte auch so beibehalten werden. Nur weil sich einige wenige nicht dran halten und andere dadurch "gestresst" werden muss man das System nciht komplett ändern. Vielleicht sollten die "gestressten" einfach mal ein bisschen ruhiger fahren und den Verkehr nicht als Krieg ansehen, sondern einfach ruhig bleiben. Es geht nicht darum am schnellsten, sondern am beten heil anzukommen.
    linksfahrgebot? hab ich noch nie gehört. es gibt in deutschland keine fahrspuren, wie in amerika, sondern überholspuren, die es mit deutlichem unterschied zu erledigen gibt. sie fahren also links rüber, überholen, dann ordnen sie sich wieder rechts ein. wenn links einer schneller ist, als sie, juckt sie das nicht. verstanden?