Belgrad: Zwölf Zuschauer wollen Angelina Jolies Film sehen

REUTERSSchon vor dem Start des Films waren die Proteste in Serbien heftig - nun ist Angelinas Streifen über den Bürgerkrieg auch dort erstmals gezeigt worden. Gesehen hat ihn jedoch kaum jemand. Und selbst diejenigen, die ins Kino gingen, bekamen das Ende nicht mehr mit.

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  1. #10

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    Zitat von Stelzi Beitrag anzeigen
    Ach, habt ihr beiden den Film etwa gesehen oder ist das nur so ein Reflex? Nein, gesehen habt ihr den bestimmt nicht...
    Nö aber die Aussage des Films war doch schon vorab bekannt. Ich will ja auch gar keine Kriegsvebrechen leugnen aber jeder Idiot konnte doch ahnen, dass der Film in Serbien keine 50.000 Leute in die Kinos ziehen wird. Die Serben haben zum Großteil halt eine gewisse Sicht auf diese Ereignisse und das wird denen niemand ausreden können. Erst recht nicht von einer Dame, die keinem Obdachlosen 50 € in den Hut schmeissen würde, ohne das nicht mindestens 5 Kameras das Ereigniss dokumentiert haben.
  2. #11

    So gesehen bräuchte man sich keinen Film im Kino anzusehen

    Zitat von vogelsberg Beitrag anzeigen
    Warum soll man sich diesen Film ansehen?
    Es gibt keinen Grund.
    Die Serben, die im Kino waren, haben vielleicht gedacht, dass es eine gewisse objektive Bewertung der Ereignisse gibt. Da der Westen sich aber so auf die Serben als Kriegsverbrecher "eingeschossen" kann eine Frau Jolie nur das in ihrem Film so darstellen. Auch in Deutschland gibt es nur ein verzerrtes Bild. Selbst unsere friedliebenden Grünen haben die Angriffe auf Belgrad mitgetragen. Genauso steht es um die Anerkennung des Kosovo- Urland der Serben. Wenn es in irgendwelche politischen Szenarien passt, wird alles schöngeredet.
    Bei Kinofilmen geht es in erster Linie um Unterhaltung und den daraus erfolgenden Einnahmen oder künstlierischen Preisen, nicht um historische Wahrheiten oder politische Korrektheit.
    Ginge es um Wahrheit, müsste in jedem Film, in dem ein Sowjetsoldat des WKII einen Zivilisten tötet oder eine Frau (hier "deutsch") vergewaltigt, einen Wehrmachtssoldaten darstellen, der dies zuvor in Russland genauso tat.
    Gemäß den Filmen haben die Amis den Enigma-Code durch Kaperung eines deutschen U-Bootes geknackt, durch eine Besatzung, die selbst schon abgesoffen war - tatsächlich waren es die Engländer gewesen, die ein bereits aufgebenes U-Boot enterten und entsprechende Geräte und Geheimdokumente fanden Film (U-571).

    Das "verzerrte Bild" der Serben liegt nun mal eben daran, dass überwiegend serbische Konzentrationslager mit moslemischen Insassen zu sehen waren und dass ein Massaker wie in Srebrenica nun mal von serbischen Soldaten oder serbisch-bosnischen Soldaten oder nur Tschetniks an bosnischen Zivilisten begangen wurden.
  3. #12

    Nein, so sind sie nicht!

    Zitat von Stelzi Beitrag anzeigen
    So sind sie eben, "die Serben", wenn es um diesen Teil ihrer Geschichte geht. Aber da sind sie in Europa nicht alleine. Die Verweigerung sich mit der eigenen, unangenehmen Vergangenheit schonungslos (und dazu gehört auch sich mit mutmasslich ungenauen Filmen auseinander zu setzen) zu konfrontieren, ist überhaupt weit verbreitet.

    Man merkt es immer daran, dass gleich gesagt wird: "aber es wurden auch unsere Leute ermordet! Und überhaupt gabs auch Verbrechen der anderen!!"

    Das erinnert frappierend and das rechte Gesindel in Deutschland, die zuweilen immerhin hinter vorgehaltener Hand den Holocaust leugnen, aber ansonsten immer nur wiederholen, das die Wehrmacht eine saubere Armee war und man ja nicht die Opfer des Bombenterrors vergessen sollte - als ob man Opfer gegen Opfer aufwiegen könnte!
    Ich war zwischen 2000 und 2005 einige male beruflich in Serbien und habe dort mit sehr wenigen Ausnahmen sehr nette und zugängliche Menschen kennengelernt.
    Etwas hat man mir aber sehr deutlich unter die Nase gerieben: Im vorausgegangenen Krieg wurden die Serben von der damaligen US-Außenministerin, ich glaube es war Madeleine Albright, als Barbaren beschimpft, da die Serben Brücken im Kriegsgebiet zerstörte.
    Und was tat die NATO: Sie zerstörte völlig kriegsunwichtige Brücken z.B. in Novi Sad über die Donau und ganz gezielt im Zentrum Belgrads das Innenministerium(!).
    So wie in Serbien werden in vielen Ländern die westlichen "Werte" geschätzt!
    Da kann ich die Aversion vieler Serben gegenüber den westlichen "Glücksbringern" durchaus verstehen.
  4. #13

    so ist das eben

    Zitat von ziegenzuechter Beitrag anzeigen
    die staendige hetze gegen serben ist einfach unertraeglich. auch die uck war eine terrorgruppe die serbien terrorisierte, zum dank haben wir ihnen einen eigenen staat (kosovo) geschenkt. nur seltsam, das der bis heute von nicht einmal 100 staaten anerkannt ist. immer das gleiche spiel: serbien=russland=boese
    das die serben zuvor die albaner jahrelang terrorisiert haben, wird dabei wieder unter den teppich gekehrt. und wenn dann das pendel mal zurückschlägt, wird gejammert. findest du das nicht selbst etwas erbärmlich?
  5. #14

    Unreflektiert

    Meine Güte, sofort melden sich entweder die Gutmenschen mit erhobenem Zeigefinger zu Wort, oder Pauschalisten, die grundsätzlich alles ablehnen, was aus Hollywood kommt.

    Objektivität in Zusammenhang mit einem Spielfilm zu fordern, das ist Blödsinn. Fakt ist, dass die Serben Kriegsverbrechen begangen haben. Unabhängig davon, ob die Gegenseite(n) genauso schlimm war(en) muss es doch erlaubt sein, in einem Spielfilm aus Sicht einer Seite zu berichten. Hier geht es schließlich nicht um Dokumentarfilme, Verfassen von Geschichtsbüchern oder Ächtung eines Landes vor der UNO...

    Der Film blickt bewusst subjektiv auf die Geschichte zweier Menschen im Bürgerkrieg, will aufwühlen, mit Stilmitteln des Films, im Rahmen des Möglichkeiten ohne typischen Hollywood-Pathos-/Kitsch. Dass dabei eine Seite schlechter wegkommt, als die andere, ist unvermeidlich, bzw. sogar gewollt.

    Zufällig ist die Cutterin des Filmes eine Bekannte von mir. Angelina Jolie ist im "normalen Leben" keineswegs das nervige Püppchen, dessen Rolle sie auf den roten Teppichen spielt, sondern eine intelligente und empathische Frau, der Ereignisse wie jene im Film geschilderten nicht am Allerwertesten vorbeigehen. Sie ist eine Person, die ihren Erfolg und ihr Geld nutzt, um persönliche "Herzensangelegenheien" umzusetzen, in diesem Fall auf den Bürgerkrieg aufmerksam zu machen. Eine Frau, die wochenlang an den Details des Films bis hin zum Schnitt gearbeitet hat. Ohne sich typischen Hollywood-Klischees oder Blockbuster-Erfolgen unterwerfen zu müssen.

    Das verdient Respekt. Statt reflexhaft auf political correctness für Kriegsverbrecher zu pochen, mögen alldiejenigen Gutmenschen, die selber nichts auf die Kette kriegen (außer maulen) doch einfach mal schweigen.
  6. #15

    Aufarbeitung ...

    Es ist immer leichter zu sagen: andere sind schuld wenn es uns schlecht geht.
    Das die Serben eine erhebliche Mitschuld an den negativen Folgen des Balkankrieges (Tote, Vergewaltigungen, etc.) tragen ist wohl unstrittig, aber auch andere waren nicht nur Engel.
    Grundsätzlich ist es aber wichtig, aus den EIGENEN Fehlern zu lernen und nicht auf die Fehler der anderen zu zeigen.
    Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang daran wie ich in Wien mit einigen Jugendlichen (zwischen 14 und 18) Fußball gespielt habe. Nach dem Spiel saßen wir noch etwas beisammen und die Jungs erzählten mir voller Stolz, dass der große Bruder Tschetnik sei und das die ganze Familie stolz auf ihn sei, weil er sogar einige Albaner getötet habe.
    Dieses Denken ist in der serbischen Bevölkerung immer noch sehr stark verbreitet. Die Deutschen haben nach dem Krieg (nicht immer freiwillig) gelernt, das sie selbst schuld sind, wenn sie in der Welt unbeliebt sind.
    Nur so sind die Deutschen zu dem weltoffenen, freundlichen Volk geworden, das es bis zur Wende war und in Teilen immer noch ist.
    Gefährlich ist aber, das diese Sozialisierung als Verlierer, der sich ändern muss um anerkannt zu werden und stolz auf die eigenen Leistungen sein zu können in Ostdeutschland so nicht vorhanden war und auch heute nicht durchdringend angekommen ist, sondern durch reinen Marktglauben ersetzt wurde. Serbien muss lernen, mit der Schuld zu leben, Verantwortung übernehmen und wird dann auch den Respekt den es verdient bekommen. So lange aus Belgrad aber immer noch revanchistische Töne gegen USA und den Westen kommen werden sie weiter in Isolation bleiben.
  7. #16

    #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Schon vor dem Start des Films waren die Proteste in Serbien heftig - nun ist Angelinas Streifen über den Bürgerkrieg auch dort erstmals gezeigt worden. Gesehen hat ihn jedoch kaum jemand. Und selbst diejenigen, die ins Kino gingen, bekamen das Ende nicht mehr mit.

    Belgrad: Zwölf Zuschauer wollen Angelina Jolies Film sehen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama
    Frau Jolie möchte die Erinnerung an die Ergeignisse wachhalten und will die Grausamkeiten so real zeigen, wie nur irgend möglich.
    Danke, Frau Jolie, ist nicht nötig und ich kann darauf herzhaft verzichten.
    Die Erinnerung wird durch Den Haag und die Berichterstattung darüber wachgehalten, ebneso wie über den möglichen EU-Beitritt Serbiens (nicht zuletzt sogar über einen schnöden "Tatort"-Krimi).
    Ich fürchte, Frau Jolie hat leider gar keine Ahnung, wie sehr man in Europa politisiert ist. Offensichtlich überträgt sie die amerikanische Unwissenheit über Europa auf Europa.
    Ich schätze, es ist schlicht der Versuch, den Film vor dem gänzlichen Floppen zu bewahren.
  8. #17

    Zitat von Holledauer Beitrag anzeigen
    Im vorausgegangenen Krieg wurden die Serben von der damaligen US-Außenministerin ... als Barbaren beschimpft, da die Serben Brücken im Kriegsgebiet zerstörte.
    Und was tat die NATO: Sie zerstörte völlig kriegsunwichtige Brücken z.B. in Novi Sad über die Donau und ganz gezielt im Zentrum Belgrads das Innenministerium(!).
    So wie in Serbien werden in vielen Ländern die westlichen "Werte" geschätzt!
    Da kann ich die Aversion vieler Serben gegenüber den westlichen "Glücksbringern" durchaus verstehen.
    Ihre Erfahrung in Serbien würde sicher jeder machen, der dorthin reist. Jeder der nach Deutschland reist, wird mehrheitlich auch nette Menschen kennenlernen.
    Daraus kann man aber keine Unschuld der Serben ableiten. Die Serben haben nicht nur Brücken im Kriegsbegiet zerstört. Speziell die Belagerung Sarajevos z.B. war ein Verbrechen gegen Nicht-Serben.

    Die Thematik des Filmes - Beziehung zwischen einem Serben und einer Muslimin ist auch in Sarajevo allgegenwärtig in Erzählungen von Bewohnern. Meist hatten die Geschichten kein gutes Ende. Ich kann verstehen, dass der Film Serben nicht gefallen wird, das Thema ist aber kein erfundenes.
  9. #18

    Ab in die Tonne

    mal ehrlich, die Filme sind alle für die Tonne, es wird immer übertrieben bzw die Realität verzerrt (je nach persönlichen Vorlieben des Produzenten).

    Mit dem Film hat Jolie NICHTS für die Völkerverständigung getan, im Gegenteil, die Serben sehen sich in ihrer Ablehnung durch den Westen bestätigt.
    Ich möchte die Greueltaten nicht relativieren, aber es tut weh anzuschauen dass immer nur eine Seite als die 'Böse' gezeigt wird. Gerade Hollywood ist da seit den bösen und hinterhältigen Indianern nciht weiter gekommen. Jolie's Film setzt diese subtile Propaganda einfach fort.
  10. #19

    Zitat von ziegenzuechter Beitrag anzeigen
    die staendige hetze gegen serben ist einfach unertraeglich. auch die uck war eine terrorgruppe die serbien terrorisierte, zum dank haben wir ihnen einen eigenen staat (kosovo) geschenkt. nur seltsam, das der bis heute von nicht einmal 100 staaten anerkannt ist. immer das gleiche spiel: serbien=russland=boese
    Was ja auch stimmt - sonst hätten sich die Serben diesen Film auch ansehen können, oder? Wenn irgendwo in Ex-Jugoslawien jemand am rumstänkern ist, sind es immer die Serben, die sich genau wie Nazis (der gleiche Größenwahn), nicht mit ihrer Niederlage abfinden können.
    Dieser ewig beleidigte und gewaltbereite Volksstamm hat nichts in der EU zu suchen. Sollen sie sich doch zu einem Protektorat Russlands ausrufen.
    Übrigens haben die wichtigsten 88 Staaten den Kosovo anerkannt - das reicht völlig aus.