Nächtlicher Präsidenten-Poker: "Ist das Gaucks Handy-Nummer?"

DPAEs war eine historische Sitzung: Im Kanzleramt einigten sich am Sonntagabend Kanzlerin Angela Merkel und andere Parteichefs auf Joachim Gauck als Kandidaten. Bei dem Treffen kam es zu anrührenden, aber auch kuriosen Szenen.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...816452,00.html
  1. #40

    Zitat von WolfgangG Beitrag anzeigen
    Die "Wahl" des Bundespräsidenten zeigt eindeutig, wie wenig das Gesetz in der Politik gilt.

    Der Bundespräsident des Deutschen Volkes muss von der Bundesversammlung gewählt werden, und diese Trennung vom Bundestag ist nicht grundlos.
    Dass sich die im Bundestag befindlichen Parteien auf einen Kandidaten einigen, der dann alternativlos zur "Wahl" gestellt wird, ist eine Schmach.
    Nein, es zeigt nur, dass sie etwas mißverstanden haben. Gestern wurde kein Bundespräsident gewählt, sondern ein Kandidat für die Bunesversammlung bestimmt. Die am Tisch versammelten Parteien dürften etwa Dreiviertel der Mitglieder der Bundesversammlung repräsentieren.

    Aus diesem Grund ist es auch absurd, die Teilnahme der Linken zu fordern. Es steht jeder Partei frei, einen eigenen Kandidaten zu benennen, egal ob seriös wie Gauck, oder aber Krimikommissare.
  2. #41

    Die linke hat schon alles richtig gemacht...

    Zitat von warzenmeissel Beitrag anzeigen
    kann DER LINKEN sicherlich nicht nachsagen, keine Verantwortung tragen zu wollen. Mit einem solchen Vorwurf machte man es sich zu einfach. Sie übernimmt Verantwortung in vielen Kommunen und hat sie auch in Landesregierungen übernommen. Natürlich hätte sie 2010 Wulff verhindern können, wollte es aber nicht, weil sie Gauck nicht wollte. Das ist ihr gutes Recht. Dennoch war diese Trotzhaltung politisch nicht sehr klug. Sie hat die wichtige Chance nicht erkannt daher auch nicht ergreifen können und somit vertan, die Position - und damit auch ihre eigene - links von Schwarz/Gelb kräftig auszubauen. Es war ihr bedauerlicherweise nicht möglich, über ihren Schatten zu springen, sonst wäre uns möglicherweise vieles erspart geblieben, nicht nur die Präsidentschaft Wulff. Für dieses Verhalten ist sie mehrfach abgestraft worden. Selbst wenn ein gemeinsames Vorgehen der Oppositionsparteien in der Bundesversammlung die Wahl Wulffs nicht verhindert hätte, wäre das Verhältnis der drei im Nachhinein weitaus entspannter gewesen und die eine oder andere Regierungsbildung auf Länderebene wäre u. U. anders ausgefallen. Auch unter der Situation von 2012 wäre es auf dieser Basis möglich gewesen, der Regierung gemeinsame Kandidatenvorschläge zu präsentieren. 2010 in einer entscheidenden Situation zu signalisieren: "Nein, dann lieber doch nicht" und sich 2012 empören, wenn die anderen auch so reagieren, zeugt nicht gerade von Realitätsnähe. Das Wutgeschnaube, das sich nun hier in den Foren entlädt, verrät mangelnde politische Souveränität. Schade.
    Jemanden aus politischen Strategie Erwägungen heraus jemanden zu wählen, den man beim besten Willen nicht unterstützen kann, ist genau das politische Rumgehampel, was uns erst in die Situation gebracht hat. Gauck war und ist auch nur eins dieser Strategiepodukte mit dem SPD und Grüne sich profilieren 2010 wollten, wohl möglich noch mit dem Hintergedanken, dass Gauck nicht gewählt werden könnte. Das könnte sich jetzt bitterlich rächen. Denn Gauck vertritt mit Sicherheit einige Thesen, die viele sozaldemokratische und grüne Wähler abschrecken werden.
  3. #42

    Klare Alternative, ist wahr!

    Zitat von Maynemeinung Beitrag anzeigen
    Insofern könnte die LINKE durchaus mit einer Gegenkandidatin Margot Honecker ins Rennen ziehen. Da hätte man nach der beim letzten Mal aufgebotenen Luc Jochimsen noch 'ne Frau, die die DDR nicht für einen Unrechtsstaat hält. Und einen echte Gegenkandidatin zu Gauck.
    Super.
  4. #43

    Warum ein Pfarrer?

    Menschlich ist mir Gauck von allen vorgeschlagenen Personen noch am sympathischten (wobei er wohl ziemlich nah am Wasser gebaut ist, denn auch bei fast jeder seiner Lesungen kamen ihm die Tränen).

    Allerdings stört mich, dass er als Pfarrer ein Vertreter der Religion und der Kirchen ist, welche in einem offiziell säkularen Staat immer noch viel zu viel Macht haben und ungerechtfertigerweise jährlich mit Milliarden von Steuergeldern subventioniert werden (die auch von nicht-religiösen Menschen stammen).

    Der gleiche Einwand hätte auch für die anderen beiden Theologen Huber und Käßmann gegolten.

    Über 200 Jahre Aufklärung haben leider in den Köpfen vieler Menschen keine wesentlichen Spuren hinterlassen (was auch für viele hochintelligente, leider sehr einseitig gebildete Menschen gilt).

    In Frankreich z.B. ist die Trennung von Staat und Kirche sehr viel strenger; ein Theologe als Präsident wäre dort sehr unwahrscheinlich.

    Immerhin ist es in Deutschland nicht ganz so schlimm wie in den USA, wo ein Präsident, der sich als Humanist oder Atheist outete, undenkbar wäre.

    Ganz zu schweigen davon, dass in islamischen Ländern, das Bekenntnis, nicht an einen Gott zu glauben, immer noch lebensgfährlich ist...
  5. #44

    Gauck

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Es war eine historische Sitzung: Im Kanzleramt einigten sich am Sonntagabend Kanzlerin Angela Merkel und andere Parteichefs auf Joachim Gauck als Kandidaten. Bei dem Treffen kam es zu anrührenden, aber auch kuriosen Szenen.

    Nächtlicher Präsidenten-Poker: "Ist das Gaucks Handy-Nummer?" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Kann mir irgendjemand mal kurz darlegen worin Gaucks Vorwenderbügerrechtlerverdienste denn bestanden haben. Ich hab heute vieles diesbezüglich durchforstet, nixo! DDR _weit war der auch nicht bekannt, das waren ganz andere. Noch eins, wenn den die Stasi so sehr nicht gemocht hat wie er es uns nun wissen lässt, die hätten bestimmt auch einen Weg gefunden, dass er nicht Theologie hätte studieren dürfen, warum er aber Journalist werden wollte in anbetracht nicht vorhandener Pressefreiheit- unklar! Wortgewaltig ist er gewiß, das waren andere auch und haben Deuschland und der Welt schlimmes verbrochen.
    Ich sehe einen graumelierten Geistlichen mit historischem Tunnelblick und außer einer vehementen Freiheitsliebe (wer hat die nicht) mit ohne Vision für De, Europa und die Welt. Von seinen Einlassungen zu sarrazin, occupy u.ä. ganz zu schweigen.
  6. #45

    Trösten Sie sich ...

    Zitat von WolfgangG Beitrag anzeigen
    Dass sich die im Bundestag befindlichen Parteien auf einen Kandidaten einigen, der dann alternativlos zur "Wahl" gestellt wird, ist eine Schmach.
    ... die Linke wird bestimmt wieder gewohnt trittsicher einen Menschen des Volkes aufbieten, wie weiland diesen Herrn Sogleich, oder wie der immer hieß, der seine triumphalsten Erfolge nach eigenem Bekunden ja stets auf dem Klo zu verzeichnen hatte.
  7. #46

    Und dann ...

    Zitat von warzenmeissel Beitrag anzeigen
    dieser "Schmach" lebt die Republik seitdem es sie gibt. Kleinere (Köhler) und größere (Wulff) Betriebsunfälle sind nicht ausgeschlossen und sorgen für die nötige Würze.
    ... und dann gab's da noch den ein oder anderen Beinahe-Absturz. Der Name, der mir dazu einfällt, ist Steffen Heitmann, von Kohl vorgeschlagen, von fast allen anderen ungeliebt. Aber abgeschossen hatte er sich selbst durch zahlreiche umstrittene Äußerungen - dankenswerterweise noch vor der Wahl.

    (Das war übrigens 1994, gewählt wurde dann Roman Herzog, jedenfalls ein sehr guter Präsident.)
  8. #47

    Sagen

    Zitat von pejaydarklord Beitrag anzeigen
    Jemanden aus politischen Strategie Erwägungen heraus jemanden zu wählen, den man beim besten Willen nicht unterstützen kann, ist genau das politische Rumgehampel, was uns erst in die Situation gebracht hat. Gauck war und ist auch nur eins dieser Strategiepodukte mit dem SPD und Grüne sich profilieren 2010 wollten, wohl möglich noch mit dem Hintergedanken, dass Gauck nicht gewählt werden könnte. Das könnte sich jetzt bitterlich rächen. Denn Gauck vertritt mit Sicherheit einige Thesen, die viele sozaldemokratische und grüne Wähler abschrecken werden.
    wir mal so: Aus ihrer internen Sicht hat DIE LINKE sicherlich so gehandelt, wie sie glaubte handeln zu müssen. Dennoch hat sie wegen dieser Personalie eine wichtige Chance auch für sich selbst vertan. In der Politik geht es allein darum, die Ziele, die man sich gesetzt hat, auch durch- und umzusetzen. Opposition spaßeshalber macht weder Spaß noch Sinn und ist eher Dekoration für die Regierenden. Um- und Durchsetzen geht nur, wenn man über Entscheidungsmacht verfügt. Die Frage nach der Macht kann man so stellen, dass die Antwort auf "Alles oder Gar nicht" hinausläuft, oder man entwickelt Strategie und Taktik und arbeitet sich Schritt für Schritt vor. Für das Um- und Durchsetzen von Inhalten war 2010 die Chance, einen großen Schritt zu tun. Den ist man nicht gegangen. Stattdessen hat man mit dem inneren Wohlgefühl gekuschelt. Dass deswegen nun in den Überlegungen und Strategien der Außenwelt DIE LINKE nicht gerade die Rolle der Liebhaberin einnimmt, dürfte verständlich sein. Wenn nun deswegen - zumindest in den Foren - mit Demokratur, Oligarchie, Bananenrepublik und was weiß ich alles auf die angeblichen Blockarteien eingedroschen wird, ohne sie tatsächlich treffen zu können, verweist das auf eine erheblich eingetrübte politische Wahrnehmungsfähigeit. Im Endeffekt hat man 2010 auch gegenüber den Anliegen der eigenen Wählerschaft versagt, von der zu Recht ein Großteil an der dauerhaften Verbesserung seiner Lebenssituation interessiert (gewesen) sein dürfte, als einen bestimmten Präsidenten kurzzeitig nicht ertragen zu müssen.
  9. #48

    Nein und ja:

    Zitat von camemberta Beitrag anzeigen
    Geißler hat Käßmann durchaus genannt. Allerdings vermute ich, sie hätte - aus Anstand - abgelehnt in der Annahme, dass viele sie wegen ihr Alkoholfahrt nicht akzeptieren würden. Ich persönlich fände sie gerade aus dieser Vermutung heraus toll.
    Wohl nicht nur aus Anstand. Ich glaube, das Repräsentative an dem Amt liegt ihr nicht. Aber sie wäre eine Traumbesetzung.

    Vor dem Fehltritt hätte ich, wie viele, sie rückhaltlos unterstützt. Nach dem Fehltrit habe ich gezittert, daß sie zurücktreten könnte. Als sie es dann tat, mußte ich zugeben, daß ihre Begründung total nachvollziehbar war - der Verlust der Glaubwürdigkeit, ohne die sie nicht mehr als moralische Instanz auftreten konnte. Ihr Spruch "Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand" war zwar griffig, aber es gibt leider zu viele Gegenbeispiele ...

    Heute sage ich, daß sie mit ihrem Leben nach Fehl- und Rücktritt ihre Glaubwürdigkeit wiederhergestellt hat - der Mensch darf Fehler machen, aber die zweite Chance muß man sich auch ein wenig verdienen. Und als Bundespräsidentin bräuchte sie ja nicht mehr unbedingt Auto zu fahren ;-)

    Aber ich glaube auch, daß sie vielen in der Politik unheimlich ist, und an den Politikern vorbei kommt man nicht in dieses Amt - und auch bei einer Direktwahl, die ich mir nicht wünsche, wäre sie wohl nicht die Wahl der Mehrheit. Leider.
  10. #49

    Wes Geistes Kind

    Zitat von vask Beitrag anzeigen
    warum man sich direkt gespart hat die Linke einzuladen. Die Entscheidung stand ohnehin schon fest und man wollte sich nur mal zu Bulette und Kartoffelsalat treffen. Großartiges System, das wir da haben.
    Gauck ist, zeigt seine Einstellung zu Occupy und
    H4. Ein knallharter Neoliberaler im Tarngewand
    eines Menschenfreundes. Somit der Superkandidat
    für unsere Zwergenpartei. Als Kirchenmann sowieso
    eher den Herrschenden zugetan als dem gemeinen
    Pöbel (so nennt man in diesen Kreisen das Volk,
    also fast alle von uns).
    Insofern, mal sehen, wie lange die Gauckophobie
    anhält. Jedenfalls ein tolles Manöver, um mal wieder
    von den wahren Problemen dieses Landes abzulenken.
    Aber der Michel springt gerne darauf an.
    Die Gehirnwäsche funktioniert tadellos.