Berlinale-Bilanz: Das richtige Festival, die falschen Preisträger

dapdDie 62. Berlinale hatte alles, was dieses Filmfestival braucht: Starke, politische Filme von jungen, engagierten Filmemachern im Wettbewerb. So kann es Berlin locker mit Cannes und Venedig aufnehmen. Schade nur, dass die Jury unter Mike Leigh ihre Bären so konservativ vergeben hat.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,816194,00.html
  1. #10

    Extrem Reaktionär

    Das ganze Festival ist inzwischen derart reaktionär, dass es sich aus intellektueller Sicht selbst abgeschafft hat. Belanglosigkeiten, die einfach dreist als "politisch" bezeichnet werden, um zu vertuschen, wie feige die Festivalmacher wirklich sind. Immer wieder witzig wer sich, ohne auch nur einen Festivalfilm gesehen zu haben, über die Worte konservativ und reaktionär aufregt. Keine Ahnung und trotzdem wichtig tun - typisch konservativ reaktionär. Man kann hoffen, dass die Festivalmacher in Zukunft mutiger sind.
  2. #11

    richtig

    Zitat von mark-h13 Beitrag anzeigen
    Da finde ich es geradezu fatal, ein Kunstprodukt von jeglicher möglichen Kritik frei zu sprechen, weil es Kunst ist und von Nicht-Künstlern ja nicht beurteilt werden kann. Das, mit Verlaub, ist Quatsch.
    Schon richtig,die 'Kunstprodukte'sollen nicht von Kritik frei gesprochen werden-kritisiert wurden schon (wenn auch meistens nicht von,wie heute,'berufsmäßigen Kritikern')z.B. Bach,Michelangelo u.B.Wilder.
    Kunst kann von jedem beurteilt werden,ob er nun dazu befähigt ist oder nicht.Aber die Künstler haben das ignoriert und werden es zum Glück auch weiter so halten(es sei denn,sie haben andere Prioritäten als ihr Werk).Eben weil das Verhältnis zum Kunstwerk ein ganz anderes ist.
    Was mich am 'berufmäßigen Kritisieren'stört ,ist die anmaßende Darstellung eines 'objektiven Kunstverlaufs'.Sie soll suggerieren,sei es in der Musik,bildenden Kunst oder im Film,daß Kunst heute aus diesem Grund so oder so zu sein hat,und das wird zumeist mit angelesenen Argumenten(Adorno,Benjamin etc.) versucht zu untermauern.Dabei ist doch alles auf diesem Gebiet,auch was der Kritiker meint,das Publikum und natürlich der Künstler selbst:subjektiv!
  3. #12

    Kunst ohne gesellschaftlichen Bezug

    Ohne gesellschaftlichen Bezug handelt es sich nur um buntes Geflimmer. Wer sind Leben lang nur Junkfood in sich reingestopft hat, kann nichts von den Genüssen wirklich guten Essens wissen. Traurige Hohlheit von Fernseh-Käfighühnern. Ein staatlich finanziertes Kino-Festival hat die Aufgabe Hochklassiges zu liefern, wer Pressburger für den Höhepunkt der Kultur hält, sollte sich beim Thema Kunst bedeckt halten. Das Bewusstsein für das, was man seinem Bauch zumutet, ist vielfach höher, als das was man unüberlegt in seinen Kopf stopft. Die Folgen sind absehbar.
  4. #13

    Taktlos

    Ein Filmkritiker mag andere Präferenzen haben und gegen einen kritischen Beitrag über die wünschenswerte Ausrichtung eines Filmfestivals ist nichts einzuwenden, im Gegenteil. Aber einen Preisträger per Schlagzeile als "falschen" zu deklarieren verstößt nach meinem Empfinden gegen die Regeln des Anstands.
  5. #14

    das auge des betrachters

    darin liegt bekanntlich die schönheit. und so, herr borcholte, kann ich ihrer kritik nicht ganz folgen. was wünschen sie sich von der berlinale? mehr große regisseure, wie ein - zugegeben sehr junger - kollege ihnen forderte? mehr popcorn? mehr moralinsaures arthouse? die berlinale muss immer allem gerecht werden. ich würde mir nur wünschen, dass sich kosslick einen kurator für den wettbewerb nimmt und dieser ein wenig transparent macht, warum der eine film im wettbewerb ist und der andere nur im forum läuft.

    ich hatte in diesem jahr das glück, mir alle wettbewerbsfilme anschauen zu können (war ein hartes stück arbeit, das karten kaufen, nicht das anschauen). doch ihre entrüstung über die bärenvergabe kann ich nicht ganz nachvollziehen. ihre kollegen von der presse waren sich allerdings einig, dass "cesar must die" zu den stärkeren beiträgen des festivals gehöre. was ich persönlich unterschreiben kann und die jury durchaus beglückwünsche, dass sie nicht dem mainstream folgte und "barbara" über gebühr ehrte, denn der film war ja ein zäher aufguss der yella-story aus 2007. und im gegensatz zu ihnen sehe ich "captive" als großen reinfall. ein film, der auf den politischen konflikt in mindanao aufmerksam machen will, ohne diesen zu benennen, ist doch schon seltsam, stattdessen läuft eine schauspielerin durch urwaldgestrüpp, aus dem alldieweil die armee ballert. ist das der konflikt in mindanao? armee zerschießt unberührte natur? frau huppert (hauptdarstellerin) verwechselte philippinenreise mit jakobswegabmarschiererei? noch schlimmer: der spanische beitrag "dictado". so vorhersehbar, dass nach drei minuten klar war, warum man sich die restlichen minuten sparen kann.

    mutig wäre meiner meinung nach gewesen: iron sky in den wettbewerb zu heben.
  6. #15

    Fragezeichen.

    Also eigentlich stand der Film der Tavianis in den Rankings (zB Screen) recht weit oben, von schwächerem Wettbewerbsbeitrag kann also nicht die Rede sein.

    Ich persönlich hätte auch lieber dem Fliegauf den Goldenen Bären gegeben, aber nicht weil er noch jung ist und ich eher progressiv.
  7. #16

    Zitat von Vittorio Ferretti Beitrag anzeigen
    ... Aber einen Preisträger per Schlagzeile als "falschen" zu deklarieren verstößt nach meinem Empfinden gegen die Regeln des Anstands.
    Genau diesen Umstand, den ich als Ausgeburt einer dem Spiegel innewohnenden Überheblichkeit betrachte, empfand ich beim erblicken der Schlagzeile als störend.
    Der Artikel an sich ist - als Meinungsbild verstanden - recht interessant.