Berlinale-Bilanz: Das richtige Festival, die falschen Preisträger

dapdDie 62. Berlinale hatte alles, was dieses Filmfestival braucht: Starke, politische Filme von jungen, engagierten Filmemachern im Wettbewerb. So kann es Berlin locker mit Cannes und Venedig aufnehmen. Schade nur, dass die Jury unter Mike Leigh ihre Bären so konservativ vergeben hat.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,816194,00.html
  1. #1

    Berlinale

    ich habe oftmals das gefühl, uns die wir die Filme sehen solöen, wird ein Bären aufgebunden.
  2. #2

    jung, jung, jung

    In dem Artikel kommt mindestens 10x das Wort "jung" vor. Wie stellt sich das der hoffentlich auch sehr junge Autor vor? Die Berlinale als Karrieredienst für natürlich ausschließlich "junge" Filmemacher? Dafür ist die Berlinale doch eine Nummer zu groß und auch zum Glück einfach zu seriös, um hier Maßstäbe wie "Alter des Filmemachers" oder "Alter des Themas" zu ernsthaften Kriterien zu machen. Was soll das sein? In anderen Ländern nennt man das zurecht Altersdiskriminierung. Und nebenbei: es gibt keine "alten" oder "jungen" Themen, sondern nur menschliche und Vittorio Taviani's Beitrag ist von einer tiefen Humanität geprägt - von einer Humanität, die einem - man muss es sagen - leicht faschistoiden Jugendkult, den man vor allem in Deutschland erlebt - leider völlig abgeht.
  3. #3

    cineastisch oder konservativ?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die 62. Berlinale hatte alles, was dieses Filmfestival braucht: Starke, politische Filme von jungen, engagierten Filmemachern im Wettbewerb. So kann es Berlin locker mit Cannes und Venedig aufnehmen. Schade nur, dass die Jury unter Mike Leigh ihre Bären so konservativ vergeben hat.

    Berlinale-Bilanz: Das richtige Festival, die falschen Preisträger - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    Manch einer mag nicht verstehen, das Filme nicht nur wegen eines aktuellen Themas interessant sind, sondern auch wegen guter Geschichten. Wer aktuelle Themen aus aller Welt sucht, sollte dem Dokumentarfilm mehr Beachtung schenken...
  4. #4

    Falscher Preis wegen falscher Zeit?

    Sehe ich das dann auch richtig, dass Schindlers Liste damals laut SPON niemals hätte den Oscar als bester Film kriegen dürfen, weil er politisch einfach gerade nicht die Zeit wiederspiegelt?

    Oder ist es laut SPON-Redaktion etwa so, dass nur Filme, die gerade politisch Aktuell sind einen Preis verdienen?

    Nehmen wir mal den französischen Film "Ziemlich beste Freunde". Hat der Film denn nicht jedes Jahr die Chance jeden Preis abzusahnen, da soziale Minderwertigkeit, wie sie von Philippe´s Bekanntschaft zelebriert wurde auch heute noch ein sehr präsentes Thema ist?

    Ich finde, dass der politische Hintergrund eines Films niemals die Grundlage dafür sein sollten, welchen Preis man nun bei einer FILMverleihung bekommt. Kunst ist Kunst und Politik ist Politik. Da müssen wir diese Form der Kunst nicht auch noch mit dem politischen Müll vollstopfen. Das interessiert den Großteil alles sowieso nicht und zweitens schreiben schon genug Leute über diese Themen in genug Zeitschriften die keiner liest.
  5. #5

    *

    Der Autor sollte sich lieber fragen, warum zwei 80-jährige sich in einem Filmgenre, das eigentlich den jungen Leute vorbehalten ist, versuchen. Die Alten machen die Experimentalfilme, während die Jungen großes Kino produzieren. Und dann behauptet der Autor gar, die Preise seien „so konservativ“ verliehen worden. Absurd.
  6. #6

    alle bloß reaktionär und konservativ

    Zitat von andrewsaid Beitrag anzeigen
    Oder ist es laut SPON-Redaktion etwa so, dass nur Filme, die gerade politisch Aktuell sind einen Preis verdienen?
    Nein, nur Filme, die gerade politisch korrekt sind und eine gute Intention verfolgen. Filme, die mit der richtigen Ideologie versehen sind und Zustände/Themen/Verhältnisse "richtig" beleuchten.

    Wenn man schon dauernd "konservativ" und "eher reaktionäre Votum der Juroren" liest, dann weiß man, wohin die Reise geht bzw. von woher der Wind weht.

    Eine Jury als reaktionär zu diffamieren, nur weil sie anderen Filme belohnt, als man es selbst (in seinem kruden Weltbild?) würde, spricht nicht gerade für den Autor und seinem Verständnis von Kunst- und Meinungsfreiheit.
  7. #7

    ein Beweis

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die 62. Berlinale hatte alles, was dieses Filmfestival braucht: Starke, politische Filme von jungen, engagierten Filmemachern im Wettbewerb. So kann es Berlin locker mit Cannes und Venedig aufnehmen. Schade nur, dass die Jury unter Mike Leigh ihre Bären so konservativ vergeben hat.

    Berlinale-Bilanz: Das richtige Festival, die falschen Preisträger - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    Dieser Artikel ist meiner Meinung nach ein wunderbarer Beleg dafür,warum Künstler Kritiker ignorieren sollten.Sind sie anerkannt,tun sie es ja auch,stehen sie am Anfang würden sie es gern tun aber brauchen die Besprechung in den Medien.
    Mike Leigh,die Jury und v.a. die Taviani Brüder werden sich herzlich wenig für die Meinung des Kritikers interessieren,eben weil sie Künstler sind und einen völlig anderen Weg zu ihrer Kunst gehen und ein völlig anderes Verständnis von dieser haben als der Kritiker(der kein Künstler ist),der da Glück hat,auf einem großen Podium seine Meinung dazu äußern zu dürfen.
    Sollte die Meinung dieses Kritikers hier Gewicht haben,stelle ich mir mit Grauen vor,daß die Kinos geflutet werden mit Filmen,die 'relevante gesellschaftliche Themen'im Stil von C.Petzold behandeln.Zum Glück ist dies ja nicht der Fall.
  8. #8

    Zitat von Maxjonthal Beitrag anzeigen
    Dieser Artikel ist meiner Meinung nach ein wunderbarer Beleg dafür,warum Künstler Kritiker ignorieren sollten.
    Sich mit einem Festival wie der Berlinale kritisch auseinanderzusetzen ist gut und notwendig. Das machen im übrigen nicht nur Berufskritiker, sondern auch viele Festivalgäste, einfach weil sie Film ernst nehmen. Da finde ich es geradezu fatal, ein Kunstprodukt von jeglicher möglichen Kritik frei zu sprechen, weil es Kunst ist und von Nicht-Künstlern ja nicht beurteilt werden kann. Das, mit Verlaub, ist Quatsch.

    Ja, auch mich nervt oft die kritische Berichterstattung bei der Berlinale. Es gibt anscheinend einen höheren Bedarf an Filmkritiken als es an Film interessierte Journalisten, aber dieser Artikel trifft es eigentlich ganz gut.

    Ich habe 6 der 18 Wettbewerbsbeiträge gesehen. CESAR MUST DIE gehörte nicht dazu, weil die Beschreibung mich weniger ansprach, und ich tatsächlich Gut gemachtes, aber Konventionelles und Vorhersehbares erwartet habe. Bence Fliegaufs JUST THE WIND hat mich überzeugt, ebenso CAPTIVE von Brillante Mendoza oder AUJOURD'HUI von Alain Gomis. Vor allem die ersten beiden Material für den Goldenen Bären und das nicht nur wegen aktuelleren Themen, sondern auch und gerade wegen ihren spannenden und kreativen Wegen diese umzusetzen. Wenn man dann noch die beiden Bären für einen anscheinend sehr konventionellen Kostümfilm nimmt, dann war die Jury-Entscheidung eindeutig zu konventionell und mutlos.
  9. #9

    "Konservativ" und "reaktionär". Danke, habe genug gelesen. Ich kann ehrlich gesagt keine politischen Filme leiden - politische Aussagen gehören in einen Dokumentar- und nicht in einen Spielfilm.

    Scheinbar haben Filmkritiker wirklich keine tatsächliche Funktion, bzw. Berechtigung mehr.