Junge Mexikaner: Generation Drogenkrieg

Sonja PeteranderlWaffen, Morde, Gewalt: Die Jugendlichen Mexikos wachsen auf mit dem Drogenkrieg - doch die meisten kämpfen für Karrieren jenseits der Kriminalität. Drei erzählen im SchulSPIEGEL, was sie auf sich nehmen, um als Klippenspringerin, Wrestler und Jesus-Darsteller Erfolg zu haben.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/a...812949,00.html
  1. #10

    Glückwunsch, mal eine objektive sicht

    Man könnte meinen einige medien sog. erstwelt-staaten seien von ihren regierungen bestochen worden, die stark aufstrebenden schwellenländer möglichst im schlechten licht darzustellen. Kein mensch bestreitet die missstände in mexiko, wo erste und dritte welt dicht nebeneinander liegt. Dass für jeden beitrag, immer der drogenkrieg hinhalten muss, ist peinlich und billige sensationspresse. Mexiko, als klassisches transitland in die usa, hat (nach dem regierungswechsel) den krieg dem organisierten verbrechen erklärt, was mutig ist, trotz der internationalen wiederstände und fehlenden kooperation. Das organisierte verbrechen ist ein globales problem. Alleine die ndrangheta in kalabrien, welche bestens in deutschland, europa und der restl. welt vernetzt ist, setzt mit geschätzten 36 mia. euro jährlich mehr um, als alle fünf grossen kartelle mexikos zusammen. Zudem ist jeder tote der letzten fünf jahre mit waffen aus den usa, russland oder deutschalnd (heckler&koch, spiegel hat berichtet) getötet worden. Die toten sind zu 75% auf der seite der kartelle zu beklagen.
    Aber schauen wir doch mal genauer hin.
    In Mexiko, der elftgrössten volkswirtschaft der welt, waren 2010 etwas über drei millionen studenten an universitäten immatrikuliert. Das entspricht etwa dem gleichen verhältnis zur bevölkerung, wie die 2.7 mio. studis in deutschland.
    2011 war mexiko mit 37.5% öffentlicher verschuldung des gdp, das 80. meistverschuldete land der welt. Deutschland mit 81% öffentl. verschuldung das 20. meistverschuldete land der welt. Nicht zu sprechen von der privaten verschuldung. Es ist richtig, dass die armut in mexiko immer noch sehr hoch ist, und eine schlechte verteilung der vermögen und reallöhne besteht. Aber ist es bei uns so viel besser? Immerhin leben in mexiko 75% der bevölkerung in eigenen häusern, auch wenn es oft einfache sind. Bei uns sind es max. 40%, wobei der grössere teil davon den banken gehört. Gemäss OECD Studie, liegt mexiko mit 22,2% kinderarmut (wo famillieneinkommen unter der hälfte des duchschnitts liegen) von 32 ländern an zweitletzter stelle. Deutschland liegt an achtletzter stelle mit 16,3%.
    Man könnte eine lange liste von vergleichen aufführen, um ein objektiveres bild zu zeichnen. Ich empfehle der spiegel-redaktion sich etwas besser zu fundieren. Es gibt genug untersuchungen. Die deutsche forschungsgemeinschaft hat in mexiko das bisher grösste auslandsforschungsvorhaben durchgeführt (1962-1978).
    Zuletzt noch zum kuriositätenberufskabinett;
    - wir haben als beispiel in deutschland gerade erst einen gelboy-blender erlebt (so wird z.z. ein mexikanischer präsidentschaftskandidat von seinem volk genannt, aber im vorfeld!), der sich mit erschlichenem doktorat als fränkische tanne und verteidigungsminister einer grossen nation hinstellte.
    - es gab mal in deutschland einen möchtegern der sich als bundespräsidenten versuchte (da lob ich mir den versuch einen prozessions-jesus zu spielen), der zur high society gehören wollte und dabei u.a. über seinen 120% kredit seines klinkerhauses stolperte... (könnte man ihn nicht als legat unseres altbundeskanzlers bezeichnen).
    - es gab mal einen schwindelnden bundeskanzler, der herrschen wollte wie ein römischer kaiser und auch niemals abtreten wollte, bis er gemäß dem parteiengesetz, welches er als bundeskanzler selbst unterzeichnet hatte, und der darin verankerten publikationspflicht zur auskunft verpflichtet war, über seine eigene spendenaffäre stolpert, hmmmpffff....
    und so weiter....
  2. #11

    Realität?

    Zitat von gale_boetticher Beitrag anzeigen
    Was auch mal ganz schön wäre: Wenn der deutschen Presse beim Thema "Mexiko" auch noch etwas anderes einfallen würde, als ein ganzes Land mit mehr als 110 Millionen Einwohnern hier wieder und wieder als reines Kuriositätenkabinett darzustellen. Wenn es schon nicht der Drogenkrieg mit seinen abgeschnittenen Köpfen ist, dann müssen es schon zumindest der Jesusdarsteller und die Klippenspringerin sein.
    ...
    Warum aber die Berichterstattung hierzulande sich ausschliesslich auf diese Probleme fokussiert und die moderne Lebensrealität sehr vieler Mexikaner völlig ausblendet, ist aber mir zumindest nicht ganz klar.
    Fließend Wasser, ununterbrochene Stromversorgung, Autopistas, Internet, gute Ausbildung, gute Unis u.s.w.?? Sie sind offenbar nie in Mexico gewesen und wenn als Touri aber dann mit geschlossenen Augen und Realitätsverweigerer. Gelebt haben Sie mit Sicherheit nicht in Mexico jedenfalls nicht nach Ihrer Beschreibung. Sie haben schlicht keine Ahnung.
    Oder gehören Sie zu irgendeinem Wahlkampf Kommite der PRI od.PAN?

    Saludos
  3. #12

    Schön wär's

    Zitat von Nadadora Beitrag anzeigen
    Traurig. Wie wäre es mit einer einfachen schulischen Laufbahn, die zu einer Ausübung eines Normalo-Berufes führt?
    Richtig, schön wär's, es gibt hier eine einfache schulische Ausbildung,
    nur es gibt hier auch Schuluniformen die sich viele Familien, da 2-3fach
    vorhanden sein muß, nicht leisten können. Zudem kommt es sehr oft vor
    das Maxicaner/innen sich ein Lehramt kaufen obwohl sie von der Sache keine Ahnung haben. Eine karge Pension ist ihnen aber sicher.
    Normalo-Beruf? Berufsausbildung gibt es hier nicht, ein Plomero (Gas, Wasser, Elektroinst.) lernt von seinem Vater und der von seinem Großvater, ebenso ein Carpintero (Tischler) moderne Verfahrensweisen sind hier weitgend unbekannt.

    saludos
  4. #13

    Zitat von air plane Beitrag anzeigen
    Die Kriminellen würden sich aber dann anderweitig betätigen, soviel ist klar.
    Menschenhandel, Prostitution z. B.
    Das ist schon längst der Fall, landesweit. Hinzu kommen Schuzgelderpressung und Entführung in letzter Zeit extrem 23.000!! Kinder im letzten Jahr, auch bei Ausländern wird kein Halt mehr gemacht.
    Monterrey und Umgebung ist auf Anordnung des US Konsulats zur "No go aerea" erklärt worden. Busse fahren nur noch im 3er Konvoi auf einigen Autopistas, vor ein paar Wochen noch undekbar. Schade um dieses schöne Land aber es wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern.

    Saludos
  5. #14

    Así es México

    Zitat von gale_boetticher Beitrag anzeigen
    Warum aber die Berichterstattung hierzulande sich ausschliesslich auf diese Probleme fokussiert und die moderne Lebensrealität sehr vieler Mexikaner völlig ausblendet, ist aber mir zumindest nicht ganz klar.
    Der SPIEGEL erklärt es uns, denn er hat Durchblick: Klippenspringerin, Wrestler, Jesusdarsteller - welch herrliche exotische Buntheit. Leider gilt die moderne Lebensrealität wird leider nur einer Minderheit der Jugendlichen zuteil. Der Mittelstand sondert seinen Nachwuchs von den Armen ab, man lebt in geschlossenen Kolonien und schickt die Kinder in Privatschulen. Die Mehrheit der Menschen ist abscheulich arm, der gesetzliche Mindestlohn beträgt ca. 60 Pesos/Tag! Aber darüber schreibt der Spiegel und seine Lesergemeinde lieber nichts.
  6. #15

    Grade hatte ich den Stift gezückt....

    ...und wollte hier 3 Seiten Meinung schreiben, da sehe ich, dass gale_boetticher schon so ziemlich alles gesagt hat, was ich eigentlich auch sagen wollte. Daher habe ich jetzt schon frei, danke!

    Nur eins noch: Iztapalapa ist kein Vorort von Mexico City, sondern ein Stadtteil (eine Delegación). Nicht mal richtig recherchiert ist es.
  7. #16

    Mexiko ist ein failed state

    Zitat von Fanito Beitrag anzeigen
    auch die Waffenpolitik der USA führt dazu, dass die Drogenkartelle in Mexiko besser bewaffnet sind, als die Militärs.
    Nicht nur die Waffenpolitik der USA. Unternehmen wie Heckler und Koch haben sich in den letzten Jahren systematisch über Importverbote in mexikanische Krisengebiete hinweggesetzt. In einem failed state wie Mexiko darf man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, daß Waffen, die man an die völlig korrupte Polizei/Militär verkauft, auch an Kartelle gehen. Überhaupt stellt sich die Frage, inwieweit die Regierung Calderon selber in Drogengeschäfte verwickelt ist. Mexiko ist ein failed state und übrigens auch ein recht plastischer Ausblick, wohin marktradikale Gesellschaften führen: In anarchisch-feudalistische Hackordnungen, in denen einzig das Recht des Stärkeren regiert
  8. #17

    +++

    Zitat von Dumpfmuff3000 Beitrag anzeigen
    Mexiko ist ein failed state
    Failed state ist eine andere Kategorie. Mexiko ist ein failing state, vom failed state müsste man sprechen, wenn der Zerfall des staatlichen Gewaltmonopols flächendeckend wäre (wie bspw. in Somalia).
    Es ist gut, dass das Problem des Staatszerfalls in den Entwicklungdländern im öffentlichen Bewusstsein angekommen ist, aber die Terminologie dafür ist dann doch etwas differenzierter.
  9. #18

    xxx

    Zitat von iwakura Beitrag anzeigen
    Failed state ist eine andere Kategorie. Mexiko ist ein failing state, vom failed state müsste man sprechen, wenn der Zerfall des staatlichen Gewaltmonopols flächendeckend wäre (wie bspw. in Somalia).
    Ok also Ihrer Meinung nach ist der Prozess des Scheiterns noch nicht abgeschlossen und daher auch nicht beschlossene Sache. Ich meine,daß der Verlust des staatlichen Gewaltmonopols in Mexiko schon recht flächendeckend ist. Ich würde aber auch Italiens Staat zumindest in einigen Regionen einen Verlust des Gewaltmonopols attestieren und einen fortschreitenden Befall legaler politischer und wirtschaftlicher Strukturen. Was das Staatswesen deiser Länder zusammenhält ist exakt das, was sie verrotten läßt.

    Zitat von iwakura Beitrag anzeigen
    Es ist gut, dass das Problem des Staatszerfalls in den Entwicklungdländern im öffentlichen Bewusstsein angekommen ist, aber die Terminologie dafür ist dann doch etwas differenzierter.
    Ab wann ist den Mexico für Sie gescheitert? Was Calderons Regierung betreibt ist m.E. Scharade. Die zelebrieren nach außen hin den War on Drugs, aber was passiert wirklich? Ihr Vergleich mit Somalia hat natürlich seine Richtigkeit, da scheint die Anarchie wesentlich vollständiger. Der Grund liegt aber meiner Ansicht nach in der wirtschaftlichen Bedeutung Mexikos als Drogenproduktionsland, Drogentransitland und Billiglohnland der USA. Das sind die Faktoren, die da auf perverse Weise ordnend wirken und noch für ein Mindestmaß an Stabilität sorgen.
  10. #19

    lieber nicht

    Zitat von marga_rita Beitrag anzeigen
    ...und wollte hier 3 Seiten Meinung schreiben, da sehe ich, dass gale_boetticher schon so ziemlich alles gesagt hat, was ich eigentlich auch sagen wollte. Daher habe ich jetzt schon frei, danke!

    Nur eins noch: Iztapalapa ist kein Vorort von Mexico City, sondern ein Stadtteil (eine Delegación). Nicht mal richtig recherchiert ist es.
    Wie gut das Sie den Stift wieder eingesteckt haben.