Ärzte und Pfleger: Total biegsam, total aufgerieben

privatJederzeit einsatzbereit, rund um die Uhr - von Klinikärzten, Pflegern und Hebammen wird bedingungslose Flexibilität verlangt. Ihre Arbeitslast ist oft zermürbend, das Privatleben bleibt auf der Strecke. Viele werden aber auch Opfer des eigenen Helfersyndroms.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...814975,00.html
  1. #1

    Titellos

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Jederzeit einsatzbereit, rund um die Uhr - von Klinikärzten, Pflegern und Hebammen wird bedingungslose Flexibilität verlangt. Ihre Arbeitslast ist oft zermürbend, das Privatleben bleibt auf der Strecke. Viele werden aber auch Opfer des eigenen Helfersyndroms.

    Ärzte und Pfleger: Total biegsam, total aufgerieben - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Ich bin jahrelang als Sanitäter/Rettungsassistent in einem Landkreis mit über 500.000 Einwohnern im Einsatz gewesen.
    Ich kannte genau 3 Hausärzte, die Hausbesuche machten.
    Selbst die Notfallpraxis ließ sich mit einer Zwangseinweisung mal gerne 2h und mehr Zeit.

    Da kommt man zwangsläufig zu dem Eindruck, viele Praxisärzte haben den Arztberuf als Lizens zum Gelddrucken verstanden.
    Die Krankenhausärzte möchte ich hiervon jedoch ausnehmen, diese ackerten mit uns zusammen nicht selten Überstunden bis in den Morgen.
  2. #2

    Nun ist es endlich raus

    Die Mitarbeiter im Gesundheitsbereich sind Opfer ihres Helfersyndroms, selber schuld also.
  3. #3

    Die meisten Menschen, die Pflegeberufe oder medizinische Berufe ausüben, dürften nicht wegen eines Helfersyndroms kurz vor dem Burnout stehen, sondern wegen den tiefgreifenden Einschnitten in das Gesundheitswesen und der daraus resultierenden desolaten Rahmenbedingungen. Leider lese ich nichts von den Auswirkungen der DRGs (verkürzte Liegezeiten, Fallpauschalen in denen die Kosten der Pflege nicht inbegriffen sind) in diesem Artikel.
  4. #4

    keine freie marktwirtschaft

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Jederzeit einsatzbereit, rund um die Uhr - von Klinikärzten, Pflegern und Hebammen wird bedingungslose Flexibilität verlangt. Ihre Arbeitslast ist oft zermürbend, das Privatleben bleibt auf der Strecke. Viele werden aber auch Opfer des eigenen Helfersyndroms.

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    wenn man bedenkt wie rar freie examinierte kräfte mittlerweile sind und wie viele gesucht werden sollten wird pfleger einen hohen lohn verlangen und super arbeitsbedingungen bekommen. aber so ist das nicht in anderen berufen werden die leute hofiert wenn der arbeitskräfte markt leer ist hier nicht.

    wir verkaufen uns unter wert weil wir ein gewissen haben. ich arbeite mittlerweile in teilzeit aber meine sollarbeitszeit wird min. um 50% überschritten. von uns wird flexibilität erwartet ohne ende aber zurück bekommt man nicht. ich habe noch glück das ich eine sehr nette und gute PDL habe die versucht das maximale für uns pflegenden herauszubekommen. da springt man auch mal gerner ein. aber wenn dann am freien wochenende nachts um 5 uhr das telefon klingelt ob man kommen kann leidet nicht nur die beziehung.

    eine tagesmutter für meine kinder finde ich nicht wer will schon um 5. 30 uhr die tageskinder geliefert bekommen, noch dazu spontan? ich habe zum glück seit letztem jahr 2 großmütter die in rente sind, sonst könnte ich nicht arbeiten. das familienleben liegt manchmal wochenlang flach wenn mein mann die woche über von morgens bis spät abends arbeitet und ich fast jedes wochenende arbeite.

    zu den schwierigen schichtbedingungen und den einspringereien kommt noch der enorme arbeitsdruck und zeitdruck.

    man hat immer das gefühl den patienten nicht gerecht zu werden. als ich noch 100% gearbeitet habe (real 120% durchschnittlich) hatte ich häufig das gefühl von allen seiten erdrückt zu werden. jeder fehler kann einem großen ärger bringen aber unter dem druck geschehen viele fehler. auch der umgang mit den kollegen ist manchmal stressig.

    ich habe auch schon die arbeitstelle gewechselt weil ich zeugin einer misshandlung war. mir wurde dann von allen seiten abgeraten auch nur einen pieps darüber zu reden. ich war häufig so verzweifelt das ich mich ins wäschelager verkrochen habe und weinend auf die wäsche eingeschlagen habe um den druck los zu werden.

    privatleben gabs da keins bei 12 tagen wechselschicht am stück und dann 2 tage frei. nach 2 jahren habe ich erstmal jahrelang nichts mehr von diesem beruf wissen wollen. nach langer therapie habe ich entschlossen nur noch 30 % zu arbeiten. ich werde so bald wie möglich aus der direkten pflege auszusteigen und eine fortbildung zu machen.
  5. #5

    Total biegsam, total aufgerieben

    Nach 25 zermürbenden Arbeitsjahren als Narkosearzt stehe ich vor der Frage, ob ich mit meinen neuen fünf Stents im Herzen beruflich weiterhin den Kurs in Richtung Herzinfarkt am Arbeitsplatz oder im Notarzteinsatz fahren soll. Zurück in der Klinik wird darauf keine Rücksicht genommen, hauptsache der Gewinn am Jahresende ist stimmig. Was interessiert da schon der Patient, geschweige denn die Mitarbeiter.
  6. #6

    Das sind die wirklichen Leistungsträger

    die eine verdammt wichtige Arbeit zum Wohl der Allgemeinheit leisten.
    Dafür werden sie dann auch grottenschlecht bezahlt. Schließlich ist es wichtiger verbeamteten Professoren mit teilweiser Nullbock-Mentalität Garantieeinkommen auf höchsten Niveau zuzuerkennen. Man muss schließlich Prioritäten setzen.
    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Jederzeit einsatzbereit, rund um die Uhr - von Klinikärzten, Pflegern und Hebammen wird bedingungslose Flexibilität verlangt. Ihre Arbeitslast ist oft zermürbend, das Privatleben bleibt auf der Strecke. Viele werden aber auch Opfer des eigenen Helfersyndroms.

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  7. #7

    Jo

    Zitat von route666 Beitrag anzeigen
    Die meisten Menschen, die Pflegeberufe oder medizinische Berufe ausüben, dürften nicht wegen eines Helfersyndroms kurz vor dem Burnout stehen, sondern wegen den tiefgreifenden Einschnitten in das Gesundheitswesen und der daraus resultierenden desolaten Rahmenbedingungen. Leider lese ich nichts von den Auswirkungen der DRGs (verkürzte Liegezeiten, Fallpauschalen in denen die Kosten der Pflege nicht inbegriffen sind) in diesem Artikel.
    Also falls es jemand interessiert, hier mal die Darstellung der Situation eines typischen examinierten Alterpfleger/In mit 10 Jahren Berufserfahrung:

    - tägliche Arbeitszeit von 6,78 Stunden an 12 Tagen hintereinander (gemäß Tarifvertrag)
    - durch Einsatz bedingt durch ständige Personalausfälle und -Mangel kann man froh sein, wenn man auf zwei freie Tage im Monat kommt
    - wer in seiner Freizeit nicht ständig telefonisch erreichbar ist, bekommt bei der nächsten Stationsbesprechung einen Rüffel und muss sich entschuldigen, sowie rechtfertigen
    - ständig wechselnde Früh-, Spät- und Nachtschicht sowie geteilter Dienst auch an Sonn- und Feiertagen
    - das Überstundenkonto weist bis zu 400 Stunden auf
    - Einkommen netto für einen Alleinstehenden zwischen 1200 bis 1300 Euro
  8. #8

    Titel ist verschlissen

    Zitat von Progressor Beitrag anzeigen
    Also falls es jemand interessiert, hier mal die Darstellung der Situation eines typischen examinierten Alterpfleger/In mit 10 Jahren Berufserfahrung:

    - tägliche Arbeitszeit von 6,78 Stunden an 12 Tagen hintereinander (gemäß Tarifvertrag)
    - durch Einsatz bedingt durch ständige Personalausfälle und -Mangel kann man froh sein, wenn man auf zwei freie Tage im Monat kommt
    - wer in seiner Freizeit nicht ständig telefonisch erreichbar ist, bekommt bei der nächsten Stationsbesprechung einen Rüffel und muss sich entschuldigen, sowie rechtfertigen
    - ständig wechselnde Früh-, Spät- und Nachtschicht sowie geteilter Dienst auch an Sonn- und Feiertagen
    - das Überstundenkonto weist bis zu 400 Stunden auf
    - Einkommen netto für einen Alleinstehenden zwischen 1200 bis 1300 Euro
    Das kann ich so bestätigen. Der Horror ist der geteilte Dienst: 6:00- 11:00 und dann 17:00- 22:00.
    Ich bin raus aus der Mühle, ich hatte einfach Glück mit einer anderen Tätigkeit.
  9. #9

    Zitat von Progressor Beitrag anzeigen
    Also falls es jemand interessiert, hier mal die Darstellung der Situation eines typischen examinierten Alterpfleger/In mit 10 Jahren Berufserfahrung:

    - tägliche Arbeitszeit von 6,78 Stunden an 12 Tagen hintereinander (gemäß Tarifvertrag)
    - durch Einsatz bedingt durch ständige Personalausfälle und -Mangel kann man froh sein, wenn man auf zwei freie Tage im Monat kommt
    - wer in seiner Freizeit nicht ständig telefonisch erreichbar ist, bekommt bei der nächsten Stationsbesprechung einen Rüffel und muss sich entschuldigen, sowie rechtfertigen
    - ständig wechselnde Früh-, Spät- und Nachtschicht sowie geteilter Dienst auch an Sonn- und Feiertagen
    - das Überstundenkonto weist bis zu 400 Stunden auf
    - Einkommen netto für einen Alleinstehenden zwischen 1200 bis 1300 Euro
    Ich bin sooo froh, dass ich mich schon seit Jahren einem Mobiltelefon verweigere. Das wirkt echte Wunder als Pfleger.