Inklusion : "Es gibt kein Kind, das nicht integriert werden könnte"

DPADeutschland ist Europas Schlusslicht in Sachen Inklusion. Auch an der St.-Konrad-Schule in Neuss weiß man, dass die Integration behinderter Schüler an Regelschulen Arbeit macht und Geld kostet. Aber auch, wie sie funktioniert - und alle davon profitieren.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...814458,00.html
  1. #100

    Bitte mehr Heterogenität

    Zitat von isses_so Beitrag anzeigen
    ...
    Das verhaltensauffällige Kind hat sich in der Pause gestritten. Der "Gegner" sitzt auch in der Klasse. Das Kind ist so aufgebracht, dass es in der Klasse weiterhin tobt, den anderen anschreit und auch den Rest der Klasse anpöbelt. Die Lehrerin nimmt sich Zeit, widmet sich diesem Kind, will es beruhigen ....
    Sie muss für Ruhe sorgen, damit die anderen Kinder arbeiten können. Das Kind ist auch ihr gegenüber aggressiv, verweigert sich, stört die Mitschüler. Es ist in dieser Stunde nicht mehr zum Lernen in der Lage, weil es sich gedanklich immer wieder mit dem Streit beschäftigt, laut schreit und weint.

    Das lernbehinderte Kind beobachtet den Vorfall interessiert, mischt sich aber nicht ein. Die Lehrerin hat ihm Muggelsteine hingelegt, damit sollte es eigentlich Zahlenmengen abzählen. Die Auseinandersetzung langweilt das Kind, es kann sich aber nicht auf seine Arbeit konzentrieren und schnipst nach und nach die Steine in Richtung seiner Mitschüler, steckt einen in den Mund und verschluckt ihn beinahe. Am Ende der Stunde befindet sich immerhin ein sehr schönes Muster aus Muggelsteinen am Rand seines Rechenblattes.

    Das sprachbehinderte Kind soll seine akustische Aufmerksamkeit und sein Sprachverständnis verbessern. Dazu hat ihm die Lehrerin Rechenaufgaben auf Cassette gesprochen, die soll es abhören, aufschreiben und ausrechnen. Der Umgebungslärm verhindert jeglichen Versuch, diese Aufgabe durchzuführen.

    Tatsächlich versuchen einige gut gewillte Kinder trotz des Lärms ihre Arbeitsblätter zu bearbeiten, die meisten können sich jedoch nicht konzentrieren und beobachten den Schlichtungsversuch der Lehrerin und feixen herum.

    An diesem Tag ist kein Sonderpädagoge im Haus, der sich des verhaltensauffälligen oder der anderen Kindern annehmen könnte. Er ist gerade an seiner Zweit- oder Drittschule. Er kommt nämlich nur an 2 Tagen in der Woche, um die Klassenlehrerin zu beraten, wie sie in den restlichen Zeiten mit den drei Inklusionskindern arbeiten soll.

    Der beschriebene Tag ist kein besonderer Tag, sondern beschreibt typische Situationen und typische Rahmenbedingungen.
    Verbesserungen sind amtlicherseits nicht vorgesehen.
    Und jetzt extrapolieren wir mal von der Grundschule auf die weiterführenden Gesamt-, Sekundar- bzw. Gemeinschaftsschulen, die ja von vielen Politikern als alleinige Schulform angestrebt werden. Selbst die verbohrtesten Bildungspolitker geben ja immerhin zu, dass doch wohl nicht jedes Kind das Abitur erlangen kann (wenn es auch natürlich nur ganz wenige sein sollen, die das nicht schaffen).
    Das heißt, in der von Ihnen beschriebenen Klasse müsste man in allen Fächern die Kinder auf mindestens 3 Leistungsstufen ganz individuell fördern. Das gelingt bestimmt ganz hervorragend.

    Und um die Situation noch weiter zu verbessern und noch mehr individuell zu fördern, könnte man auch noch jahrgangsübergreifend lernen. Die Klassen 1 bis 4 zusammen zu legen, reicht natürlich nicht aus. Ich schlage vor, Schüler der Klassenstufen 1 bis 10 gemeinsam zu beschulen. Und um den Lernerfolg dann noch besser zu machen und auch niemanden zu stigmatisieren, akzeptieren wir jede Sprache der Welt als Schulsprache.

    Nur in einer solch heterogenen Gesellschaft lernen die Schüler nämlich richtiges Sozialverhalten. Und am Ende werden alle Bildungsforscher oder Politiker.
  2. #101

    Zitat von leonardo01 Beitrag anzeigen
    Das heißt, in der von Ihnen beschriebenen Klasse müsste man in allen Fächern die Kinder auf mindestens 3 Leistungsstufen ganz individuell fördern. Das gelingt bestimmt ganz hervorragend.
    Hm, wie machen das denn die anderen Länder? Ist Deutschland nicht auch deswegen in PISA und ähnlichen Tests kritisiert worden, weil es als eins der wenigen Länder die Schüler bereits im Alter von 10 Jahren aussiebt? Anderswo scheint es ja zu funktionieren, leistungsheterogene Schülergruppen zu unterrichten, und offensichtlich ohne dass das Leistungsniveau sinkt - eher im Gegenteil. Wie machen die das?

    Und nur weil die heutige Situation sehr unbefriedigend ist, weil an Personal etc. mangelt, ist das doch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen.
  3. #102

    Wo und wie !

    Zitat von UrbaneJean Beitrag anzeigen
    Anderswo scheint es ja zu funktionieren, leistungsheterogene Schülergruppen zu unterrichten, und offensichtlich ohne dass das Leistungsniveau sinkt - eher im Gegenteil.
    BITTE, sagen Sie doch WO !
    Nennen Sie bitte das Land und die konkrete Schule !


    Zitat von UrbaneJean Beitrag anzeigen
    Wie machen die das?
    Nach der Antwort auf meine erste Frage können Sie sicher auch die zweite, selbstgestellte, schnell beanworten.

    So wie ich warten viele Lehrer, die hier im Forum posten, auf DIESE eine Antwort.

    Sie würden uns damit sehr helfen !
  4. #103

    Finnland - gut, aber teuer!

    Zitat von UrbaneJean Beitrag anzeigen
    Hm, wie machen das denn die anderen Länder? Ist Deutschland nicht auch deswegen in PISA und ähnlichen Tests kritisiert worden, weil es als eins der wenigen Länder die Schüler bereits im Alter von 10 Jahren aussiebt? Anderswo scheint es ja zu funktionieren, leistungsheterogene Schülergruppen zu unterrichten, und offensichtlich ohne dass das Leistungsniveau sinkt - eher im Gegenteil. Wie machen die das?
    Beispiel: Finnland

    Dort gibt es ein gutes Schulsystem ohne ideologische Verklärung, denn es wird nicht inkludiert auf Teufel komm raus!

    Dort sind die Schüler zwar alle zusammen in einem Gebäude, aber nicht unbedingt zusammen in einer Klasse. Es findet sehr früh äußere Differenzierung statt, indem lernschwache Kinder auch mal einzeln oder in Kleingruppen über einen längeren Zeitraum separat unterrichtet werden, bevor man sie wieder in die Stammklasse zurück gibt.

    Außerdem sind die Klassen kleiner, es gibt Sondersprachunterricht für Migranten und Nachhilfe in der Schule.

    Lehrer sind Lehrer, d. h. ausschließlich für den Unterricht zuständig und nicht "Mädchen für Alles".
    Für spezielle Aufgaben oder Probleme gibt es Spezialisten. Es gibt Speziallehrer für Lernschwache, Psychologen, Schulassistenten, Schulsozialarbeiter, eine Krankenschwester, ...

    Es werden NICHT alle Kinder gleich behandelt, sondern jeder wird seinen Fähigkeiten und seiner Vorbildung entsprechend gefördert.

    Und selbst in Finnland gibt es Sonderschulen, z. B. für autistische Kinder oder schwer geistig behinderte Kinder.

    Schule in Finnland | Wissenschaftliche Artikel zu aktuellen pädagogischen Fragen

    Wenn in Deutschland Ähnliches auf die Beine gestellt würde ......... aber lassen wir mal das Träumen, denn in Deutschland war noch nie Geld für wirklich gute Konzepte und wirklich gute Bildung übrig!
  5. #104

    Zitat von UrbaneJean Beitrag anzeigen
    Hm, wie machen das denn die anderen Länder?
    Also, in Finnland macht man das so: In eher ländlichen Gebieten haben Schulen 10-50 Schüler und für jeweils 5 einen Lehrer. Und in den Städten nutzt man die Möglichkeit, die Schüler nach Begabung und Interresse ganz indiviuell auf verschiedene Schulen und in verschieden Klassen zu stecken, so dass der Lehrer eine kleine und hochgradig homogene Lerngruppe vorfindet. Und wenn in so einer Gruppe einer mal nicht mit dem vorgesehenen Lerntempo mithalten kann, dann wird er einfach vor die Tür gesetzt. Wo er dann von einem speziell dafür ausgebildeten Lehrer empfangen und noch individueller gefördert wird. Oder so ähnlich.
  6. #105

    Zitat von leonardo-contra-pisa Beitrag anzeigen
    BITTE, sagen Sie doch WO !
    Ihre etwas naive Frage erinnert mich an den berühmten Esel, der sich ob der in allen Richtungen aufgestellten Fressanlässe nicht entscheiden kann und verhungert. Wenn der sprechen könnte, würde er vermutlich eine ähnliche Frage stellen.
  7. #106

    Zitat von UrbaneJean Beitrag anzeigen
    Hm, wie machen das denn die anderen Länder?
    Da gibt es verschiedene Ansätze:
    - man steckt alle Schüler in eine Klasse und schaut was passiert
    - man steckt alle Schüler in eine Klasse und baut in Familie und Gesellschaft einen so hohen Druck auf das die Kinder von morgens bis abends „freiwillig“ lernen weil sie sonst ihr Gesicht verlieren
    - man steckt alle Schüler in ein Gebäude und sortiert dann dort aus
    - man hat keine Schulpflicht, das bedeutet ein Teil der Schüler sieht niemals eine Schule von innen, oder besucht nur die Grundschule
    - man sortiert schon in der Klasse die Schüler nach Finanzkraft der Eltern
    - ...
    Zitat von UrbaneJean Beitrag anzeigen
    Ist Deutschland nicht auch deswegen in PISA und ähnlichen Tests kritisiert worden, weil es als eins der wenigen Länder die Schüler bereits im Alter von 10 Jahren aussiebt?
    Deutschland wurde kritisiert weil Deutschland ein anderes System hat und sich weigert genau das gleiche zu machen wie die anderen.
    Deutschland hatte in PISA nicht den letzten Platz daher liegen ein großer Teil der nicht nach Leistung, oder später, sortierenden Schulen hinter Deutschland.
    Zitat von UrbaneJean Beitrag anzeigen
    Anderswo scheint es ja zu funktionieren, leistungsheterogene Schülergruppen zu unterrichten, und offensichtlich ohne dass das Leistungsniveau sinkt - eher im Gegenteil. Wie machen die das?
    Ganz einfach: Indem man nur scheinbar heterogene Gruppen hat oder indem man manche Schüler schon vorher aussortiert. Indem diese nämlich gar nicht erst beschult werden.
    Siehe z.B. das Beispiel Finnland.
    Zitat von UrbaneJean Beitrag anzeigen
    Und nur weil die heutige Situation sehr unbefriedigend ist, weil an Personal etc. mangelt, ist das doch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen.
    Wie kommen sie darauf das man die Hände in den Schoß legt. Die meisten Schulen haben alle Hände voll zu tun die Mangelversorgung zu organisieren und zu überbrücken.
  8. #107

    PISA Finnland und Arbeitslosequote für Behinderte

    Ich persönlich bin trotz hervorragende Pisa Ergebnisse aus Finnland misstraurisch. Irgendwas scheint die Argumentationen in Sachen Pisa-Studie und Schulsystem nicht zu stimmen. Warum das so ist?

    Gut schauen wir mal gemeinsam genauer hin:

    In Finnland gibt es bereits komplette inklusive Beschulung für Hörbehinderte. Trotzdem ist in Finnland die Arbeitslosigkeit für Hörbehinderte sehr hoch, also 24 Prozent Arbeitslosequote für Hörbehinderte. Gleiches geht´s sicher auch für andere finnische Behindertengruppe.

    Quelle (finnisch): Kuurojen työllisyystilanne edelleen hyvin heikko | Viittomakieliset uutiset | YLE Uutiset | yle.fi

    Hier in Deutschland geht´s ähnlich wie Finnland trotz schlechte Pisa-Ranking.
    Siehe mein Blog: Arbeitslosigkeit bei Behinderten extrem hoch « Silent Writer´s World

    Pisa-Studie hat nun eindeutig gezeigt, dass das deutsche Schulssystem nicht marode und rückständig ist. Und man muss deutsche Schulsystem-Änderung eigentlich nicht unabdingbar sein. Ich halte die UN-Konvention in der Praxis als nicht wirkungsvoll umsetzbar.
  9. #108

    soziales lernen

    Zitat von leonardo01 Beitrag anzeigen
    Zitat von isses_so Beitrag anzeigen
    ... Das verhaltensauffällige Kind ...
    ... Nur in einer solch heterogenen Gesellschaft lernen die Schüler nämlich richtiges Sozialverhalten.
    Auch wenn Sie es nicht wahrhaben möchten, es ist tatsächlich so.

    Sie gehen offensichtlich von einem Ansatz aus, der nicht der biologischen Realität entspricht. Dieser lautet groß verkürzt verkürzt so: "Das verhaltensauffällige Kind macht alles falsch, und die anderen Kinder, die in ihrem Verhalten nicht auffällig sind, machen alles richtig." Diese Bewertung hilft aber nichts, wenn man möchte, dass in Zukunft etwas anders wird - und gemeinhin nennt man so etwas wohl "lernen".

    Allein zu erwarten, dass sich das verhaltensauffällige Kind "richtig" benimmt, also so wie die anderen, ist ungefähr so, wie einem Querschnittsgelähmten im Rollstuhl zu sagen "Nun streng Dich doch mal an, dann kannst Du auch am 100 Meter Lauf teilnehmen." oder gar seinen Eltern "Ihr habt alles falsch gemacht, indem Ihr ihn in den Rollstuhl gesetzt habt."

    Unser Geist und unsere Psyche sind auch nicht groß etwas anderes, als unsere Organe, Muskeln oder Gliedmaßen. Uns wo die Biologie/Biochemie anders ist, da ist derjenige nun auch mal etwas anders als andere. So etwas nennt man Diversität. Das gilt im Kopf doch nicht nur für Intelligenz, dass die Vorraussetzungen da nicht überall gleich sind. (Und m.E. hat jedes Kind das Recht, dass aus jeder Vorraussetzung das beste gemacht wird, und es dafür auch Unterstützung bekommt.)

    Normierungsbestrebungen im zwischenmenschlichen Bereich sowie in der gegenseitigen Kommunikation können doch immer nur ein allgemein vereinbartes Ziel vorgeben, aber doch nicht eine Bewertung wie oben vornehmen. Wenn man hier also wirklich etwas ändern will, an Sachen wo immer zwei Seiten beteiligt sind, müssen auch immer BEIDE Seiten ihr Verhalten überdenken, neues experimentieren, und schließlich so ändern, dass es im Ergebnis besser und erfolgreicher wird.

    Der Lernprozess dafür ist enorm schwierig, gerade auch für die sich normgemäß verhaltenden Kinder. Weil man die Unterschiede, die dem unterschiedlichen Verhalten zu Grunde liegen, im Gegensatz zu körperlichen Merkmalen eben nicht sehen kann. Und auch für die Erzieher. Weil es bis heute so etwas wie "Leistungserhebungen", die den Grad der "emotionale Reife" eines Menschen zuverlässig und transparent wiedergeben könnten, nicht gibt.

    Ein Denken, dass davon ausgeht, im Kopf seien alle Menschen identisch, als seinen sie geradezu geklont, ist einfach nur unrealistisch. Und die Forderung derer, die in die Norm fallen, ohne dass sie dafür etwas könnten, dass sich alle anderen quasi geistige Mao-Anzüge nach ihrem Schnittmuster in ihrem Kopf zulegen müßten, ist unmenschlich und in seinem Kern totalitär.
  10. #109

    Und täglich grüßt die Finnland-Mär

    Zitat von UrbaneJean Beitrag anzeigen
    Hm, wie machen das denn die anderen Länder? Ist Deutschland nicht auch deswegen in PISA und ähnlichen Tests kritisiert worden, weil es als eins der wenigen Länder die Schüler bereits im Alter von 10 Jahren aussiebt? Anderswo scheint es ja zu funktionieren, leistungsheterogene Schülergruppen zu unterrichten, und offensichtlich ohne dass das Leistungsniveau sinkt - eher im Gegenteil. Wie machen die das?
    Dass nach der Pisa-Studie die Aussage kam, Deutschland würde zu früh selektieren, ist richtig, man sollte sich jedoch anschauen, welchen Parteien die Bildungsforscher nahestehen, die längere gemeinsame Beschulung fordern. Dieselben Parteien berufen sich dann auch wieder auf die Gutachter aus ihren Reihen. Reine ideologische Propaganda. Dieselben Politiker schicken übrigens dann die eigenen Kinder häufig nicht auf die von ihnen so gepriesenen Schulen.
    Was die Pisa-Studie angeht, sollte man sich auch klar machen, wer eigentlich getestet wird. Es werden nur repräsentative Kinder aller Schulformen getestet, die nicht als Förderschüler gelten. In Deutschland gibt es wenige % Förderschüler (ich meine es sind ca. 5 %), in Finnland haben knapp 20 % (ich meine 18,4 %gelesen zu haben) der Schüler Förderbedarf. Die erzielten Ergebnisse unterschiedlicher Länder zu vergleichen, ist daher als nichts anderes als ein Äpfel-Birnen-Vergleich.
    Nirgendwo auf der Welt werden Kinder in heterogenen Klassen erfolgreich beschult. Die „Gesamtschulen“ der Welt weisen in der Regel Binnendifferenzierungen in unterschiedliche Kurse auf, es gibt Länder, die sogar mehr als 3 Leistungsstufen haben. Diese umfassen ALLE Fächer und nicht nur die Hauptfächer wie an deutschen integrierten Gesamtschulen. Worüber man sich also letztlich beschwert ist, dass in Deutschland die Differenzierung nicht unter einem Dach stattfindet.
    Finnland stellt aufgrund seiner sehr geringen Bevölkerungsdichte einen Ausnahmefall dar. Es ist bereits erwähnt worden, dass in sehr sehr dünn besiedelten Gegenden, wo nur sehr wenige Kinder sind, diese in Kleinstschulen zusammengefasst werden. Diese können dann weniger Schüler haben eine deutsche Klasse. Überall dort, wo die Bevölkerungsdichte höher ist, gibt es unterschiedliche Schulen, die aufgrund des Fächerangebots („schwere“ Fremdsprache oder „leichte“, Mathebegabtenkurse oder keine…) unterschiedliche Schüler anlocken. Die Begabtenkurse beginnen übrigens ab Klasse 3. Die Schulen sind also HOMOGENER als deutsche Grundschulen, nicht heterogener. Und das in einer sowieso schon relativ homogenen Gesellschaft, in der es nur wenige Migranten gibt, deren Kinder vor der Einschulung bereits eine der Landessprache erwerben MÜSSEN.
    Finnland & PISA-Studie
    In der Tat ist Finnland, wo übrigens Frontalunterricht par excellence durchgeführt wird, vorbildlich in der Entwicklung von Förderkonzepten für schwache Schüler. Eine Gruppe von Schülern bleibt aber außen vor: Das sind die begabten, leistungsstarken Schüler. Grund ist, dass die Begabtenkurse nur einzelne Fächer umfassen. Ein finnischer Bildungsexperte, der am 6.12.2010 auf WDR5 zu dem Pisa-Thema befragt wurde, bemängelte daher die fehlende Förderung leistungsstarker Schüler. Das sei eine Schwäche des finnischen Bildungssystems. Eltern, die diese Förderung wollen, schicken ihre Kinder auf die Deutsche Schule Helsinki, wo man ein Abitur nach deutschen Maßstäben erwerben kann. Und das, während hier alle nach Finnland blicken…