Depeche-Mode-Buch: Der Sound der synthetischen Stadt

Deb DanahayDie Trabantenstadt Basildon im Nordosten Londons hat den Achtziger-Jahre-Sound von Depeche Mode entscheidend geprägt. Das behauptet der Autor Simon Spence in seinem Buch "Depeche Mode: Just can't get enough". Und er liefert eindrucksvolle Belege dafür.

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  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Trabantenstadt Basildon im Nordosten Londons hat den Achtziger-Jahre-Sound von Depeche Mode entscheidend geprägt. Das behauptet der Autor Simon Spence in seinem Buch "Depeche Mode: Just can't get enough". Und er liefert eindrucksvolle Belege dafür.

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    Das das Umfeld den Musiker und die Musik prägt, ist nicht neu. Das das industrielle Ambiente - vor allem auch der Niedergang der Industrie - und die Trabantenstädte einen großen Teil der englischen Synthiemusik geprägt haben, ist ja nun auch nix Neues.
    Human League, Heaven 17, Cabaret Voltaire alle aus Sheffield, einer Industriestadt, die damals absolut im Niedergang begriffen war. Soft Cell aus Leeds, dort sah es ähnlich aus.
    Aber es gab auch die Vertreter aus London wie Gary Numan oder Visage - letztere machten einen Glamour geprägten Synthie-Pop, da sie aus der so genannten "Blitz Kids"-Szene kamen. Also auch geprägt von ihrer Umgebung.

    Und das sind nur wenige Bespiele. Depeche Mode waren allerdings poppiger, anpassungsfähiger und harmloser als die meisten - vor allem auf der ersten LP "Speak and spell", auf der Vince Clark noch die Lieder geschrieben hat. Deshalb hatten sie auch schneller und länger Erfolg
  2. #2

    Langlebigkeit

    Zitat von beegee Beitrag anzeigen
    Depeche Mode waren allerdings poppiger, anpassungsfähiger und harmloser als die meisten - vor allem auf der ersten LP "Speak and spell", auf der Vince Clark noch die Lieder geschrieben hat. Deshalb hatten sie auch schneller und länger Erfolg
    Den allerletzten Punkt bezweifle ich ganz stark!

    Vielleicht hatten Depeche Mode schneller Erfolg, weil die frühen Songs wie Just Can't Get Enough oder New Life harmlos und poppig waren. Depeche Mode hatten aber länger Erfolg, weil nach dem Weggang von Vince Clark Depeche Mode eine deutlich experimentellere und überhaupt nicht "harmlose" Wege beschritten!

    Das zweite Album A Broken Frame (1982) war da noch eine etwas unbeholfene Übergangsphase. Mit Album No. 3 (Construction Time Again, 1983) und dem 198er Album Some Great Reward gab es eine recht radikalen Stilwechsel. Depeche Mode wurden düsterer, nachdenklicher, und griffen vor allem neue Trends aus dem sog. "Underground" auf! Die metallischen Sounds der Einstürzende Neubauten hatte einen deutlichen Einfluss auf Depeche Mode Anfang/Mitte der Achtziger. Und dadurch, dass Depeche Mode solche experimentellen Klänge in ein Popgewand kleideten, trafen sie ein den Nerv der Zeit! So wurde People Are People 1984 ein höchst innovativer No.1-Hit!

    Wie auch immer - ich freue mich auf dieses neue Buch, da es wirklich etwas anderes als die üblichen, aus alten Artikeln zusammen geschusterten Pop-Biografien zu sein scheint!
  3. #3

    intuitiv hörbar

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Trabantenstadt Basildon im Nordosten Londons hat den Achtziger-Jahre-Sound von Depeche Mode entscheidend geprägt. Das behauptet der Autor Simon Spence in seinem Buch "Depeche Mode: Just can't get enough". Und er liefert eindrucksvolle Belege dafür.

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    Irgendwie habe ich dieser Gruppe immer schon rein intuitiv angehört, dass sie aus einer tristen Gegend kommt - eine Tatsache, die sich meines Erachtens sehr stark in ihrem Sound widerspiegelt.

    Als Depeche Mode berühmt wurde, war ich schon über Dreißig und mit dem im Vergleich eher "fröhlichen", lebensbejahenden Sound amerikanischer Westcoast- und englischer Rock- und Beatgruppen aufgewachsen. Aus diesem Grunde machten mich Depeche Mode (und verwandte Gruppen) damals eher depressiv.

    Dies war nicht zuletzt dadurch bedingt, dass ich Anfang der Achtziger durch einen beruflich bedingten Wegzug in eine entfernte Stadt unter starkem Heimweh litt. Das passte dann alles irgendwie auch "schön" zusammen: Es kam mir fast vor, als hätte man diese Art von Musik nur geschrieben, um mich zu quälen. Auch viele Jahre danach mochte ich Depeche Mode nicht hören, weil mich die Stücke zusehr an die unangenehme Situation von damals erinnerte. Erst vor relativ kurzer Zeit, mit genügend Abstand, habe ich mir endlich eine Depeche Mode CD mit den größten Hits von damals gekauft und kann sie auch tatsächlich genießen.
  4. #4

    Seltsame Zeit damals...

    Zitat von beegee Beitrag anzeigen
    Und das sind nur wenige Bespiele. Depeche Mode waren allerdings poppiger, anpassungsfähiger und harmloser als die meisten - vor allem auf der ersten LP "Speak and spell", auf der Vince Clark noch die Lieder geschrieben hat. Deshalb hatten sie auch schneller und länger Erfolg
    In der Zeit als DM aufkamen hat sich ganz schnell die Welt polarisiert. Man war entweder für DM oder dagegen. Man war entweder Popper oder grenzte sich davon ab. Ich war damals gegen DM, weil ich eher für Postpunk und New Wave, aber auch für Kraftwerk zu haben war. Und ausserdem ging es in meiner Peargroup auch nicht sonderlich tolerant zu, als das man hätte sagen können "interessant was die machen, das höre ich mir erst mal an, bevor ich urteile".
    Aus heutiger Sicht ist das für mich allerdings erstaunlich, weil DM eben auch genau alles das gehört haben, was ich auch gehört habe. Wie konnte es sein, dass ich (wir) das nicht gemerkt habe(n)?

    Zumal einige Zeit später tatsächlich der deutsche Postpunk Richtung Synthpop gegangen ist und dann auch noch die Neue Deutsche Welle anfing. An der wir anfänglich ja auch viel Spaß hatten.
    Ich kann mich erinnern, dass wir, ganz Spex-konform, Heaven 17, Freiwillige Selbstkontrolle und Style Council gehört und gleichzeitig DM abgelehnt haben.

    Seltsam. Wieso sind DM damals nicht als Weiterentwicklung des Punk-Gedankens "jeder kann auf einfache Art Musik machen" angesehen worden?

    Das Buch legt ja durchaus auch nahe, dass es auch hätte so laufen können.
  5. #5

    Bezug zur DDR

    Ich bin fasziniert davon, wie gut die Beschreibung einer Trabantenstadt wie Basildon auch auf die Plattenbausiedlungen zu DDR-Zeiten passt. Auch die hatten einen gewissen morbiden Charme.
    Es kann wohl kein Zufall sein, dass es gerade in der DDR so viele Fans von Depeche Mode gab. Die Musik hat dort eine ganze Generation geprägt.
  6. #6

    -

    So, und wo ist nun der Unterschied zur Biographie von Steve Malins, die es schon seit einer Weile gibt? Da steht auch drin, daß DM aus Basildon kommen. Das alles, was jetzt in diesem Artikel (und auch anscheinend in dem neuen Buch?) steht, weiß ich schon.
    Der Autor läßt es aber so aussehen, als sei Basildon eine völlige Neuigkeit. Nee, ist es nicht.
  7. #7

    Unterschied zur Biographie von Steve Malins

    Zitat von runawaygirl Beitrag anzeigen
    So, und wo ist nun der Unterschied zur Biographie von Steve Malins, die es schon seit einer Weile gibt? Da steht auch drin, daß DM aus Basildon kommen. Das alles, was jetzt in diesem Artikel (und auch anscheinend in dem neuen Buch?) steht, weiß ich schon.
    Der Autor läßt es aber so aussehen, als sei Basildon eine völlige Neuigkeit. Nee, ist es nicht.
    Also das Buch geht schon echt in die Details. Da wir von der Planung der Stadt berichtet. Auf welchem Feld dann welche Siedlung entstanden ist. Welche alten Häuser dann inmitten von neuen Häusern lagen. Welche Pubs es gab. Welche Familien hinzugezogen sind und welche umgesiedelt wurden. Welche Väter in welchen Fabriken gearbeitet habe. Welche Kirchengemeinde welche Jugendaktivitäten angeboten hat.
    Man kann sich danach ganz gut die Athmosphäre dort vorstellen. Es ist nur auch recht mühsam dem erst mal zu folgen, bis es dann konkreter um DM geht.
  8. #8

    Subjektiv

    Zitat von A.Hello Beitrag anzeigen
    In der Zeit als DM aufkamen hat sich ganz schnell die Welt polarisiert. Man war entweder für DM oder dagegen. Man war entweder Popper oder grenzte sich davon ab. Ich war damals gegen DM, weil ich eher für Postpunk und New Wave, aber auch für Kraftwerk zu haben war.
    Es stimmt, dass Depeche Mode schon damals polarisierten!

    In meinem Dunstkreis war es aber ganz anders: Man trug schwarz, hatte komische Frisuren hörte Post-Punk, New Wave und neben Bands wie The Cure, New Order oder Kraftwerk eben auch Depeche Mode. Popper mochten Duran Duran oder Spandau Ballet, manchmal auch Depeche Mode, aber wir fanden Popper trotzdem doof. ;-)

    Die "Depeche Mode-Hasser" kamen (bei uns) dagegen allesamt aus der Fraktion, die auf "handgemachte" Musik schworen und etwa Bruce Springsteen, Brian Adams oder auch etwa U2 hörten.
  9. #9

    Zitat von V.n. Beitrag anzeigen
    Den allerletzten Punkt bezweifle ich ganz stark!

    Vielleicht hatten Depeche Mode schneller Erfolg, weil die frühen Songs wie Just Can't Get Enough oder New Life harmlos und poppig waren. Depeche Mode hatten aber länger Erfolg, weil nach dem Weggang von Vince Clark Depeche Mode eine deutlich experimentellere und......
    Ja, sie waren anpassungsfähiger. Deshalb hatten sie auch Chartserfolge im Gegensatz zu innovativen Bands wie Cabaret Voltaire oder MEnschen wie Gary Numan oder Fad Gadget. Und als dunklere Musik gefragt wurde, wurde sie dunkler. Und als Gitarrenw ieder angesagt waren, nutzten sie Gitarren.

    Übrigens: Für den "innovativen Chart-Erfolg 'People are people'" hielten damals Geräuschsamples von den Einstürzenden Neubauten her, die diese für Fad Gadgets "Collapsing new people" aufgenommen hatten - ohne die Band zu fragen natürlich. Soviel zu innovativ!