Revolutionäres Arbeitsmodell: IBM schafft den Miet-Jobber

Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...813388,00.html
  1. #300

    Oder doch eine Blendgranate ?

    Zitat von Illoinen Beitrag anzeigen
    Das ist in der Tat eine neue Dimension der Arbeitsorganisation. Das ist modernes Taglöhnertum auf Basis von Cloud-Computing und facebook. Die kapitalistischen Unternehmen wollen sich endgültig jeglicher Verantwortung für die eingekaufte und verwertete Arbeitskraft entledigen. Eine interessante Frage wäre auch die Auswirkung auf das gesamte System sozialer Sicherung, wenn eine kontinuierliche Erwerbsbiographie nicht mehr möglich ist?
    Man sollte also vor dem Hintergrund des Wütens der Finanzindustrie nicht die Veränderungen in der sogenannten wertschaffenden Industrie vergessen. Auch hier geht es “nur” um Profitmaximierung auf Kosten der Menschen.
    Immerhin ist eine solche Ankündigung ein probates und wirksames
    Instrument, um die Einkommenserwartung etwas zu zügeln.
    Incl. unpopulärer Einkommenskürzungen zu legitimieren.
    Käme dann auf die " Schmerzgrenze " der Beschäftigten an.
    Denn eine solche Maßnahme erfordert ja so ganz nebenbei eine erhöhte (kostenintensive und zeitintensive) koordinierung der jeweiligen Freelancer.
  2. #301

    Zitat von killerkatze Beitrag anzeigen
    Bin selber IT-Fachkraft und jetzt nach 6 Jahren London zurück in Berlin. Als Freiberuflerin in London hab ich ein kleines Vermögen anhäufen können, bei Tagessätzen von £400-450 ja auch nicht schwer, selbst im teuren London.
    Sollte Ihre Tätigkeit so zerlegbar sein, dass man Ihre Aufgaben an das BeLiquid Modell passen kann, würden Sie im globalen Wettbewerb mit der gesamten globalen Workforce des Modells stehen.

    Die meisten Auftraggeber in London, würden Ihnen dann den oben zitierten Tagessatz dann vermutlich nicht wohl mehr anbieten.

    Natürlich würde man Ihnen freundlich anbieten zu einem auf ein Sechstel angepassten gesenkten Tagessatz zu arbeiten (oder großzügig auf ein Fünftel, wenn man mit Ihrer Arbeit bis dahin besonders zufrieden wäre).

    Es könnte auch ein Problem sein, dass das Modell Sie dann nicht nur bei potenziellen Aufftraggeber aus London betrifft, sondern auch bei denen aus München, New York, Rio, Tokio.

    Das Modell ist ja gerade deshalb nicht ganz unrealistisch, weil es in der Mehrzahl der Länder der Welt und für die überaus größete Zahl aller potenziellen Arbeitnehmer auf der Welt so ist, dass US$ 60 und US$ 840 für einen zwischen 0,5 bis 5 tägigen Programmierauftrag für Ihren dortigen Kollegen einen erheblichen Aufschlag auf den sonst im Heimatland erzielbaren Lohn darstellt.

    Sie hätten natürlich solange rein gar Nichts zu befürchten, solange Sie Ihre Lebenshaltungskosten an das Niveau anpassen können, auf das die potenziellen Auftraggeber im Laufe der Etablierung dieses Modells am Weltmarkt deren Lohnangebote senken.

    Es wäre ganz sicher spannend eine Einschätzung darüber zu bekommen, welche Anteile der in den westlichen Industrienationen vorhandenen IT Jobs in das Schema passsen.

    Die Arbeit wäre natürlich nach wie vor da und würde weiterhin von IT Freelancern erledigt. Nur wären dies in einem völlig freien Markt mit globalem Wettbewerb vermutlich vollständig Anderen als die Heutigen.

    Das dies durchaus kontrovers gesehen werden zeigt der untige Dialog auf der Facebook Wall von beLiquid:

    David Hoffman
    Congratulations to JavaOris who is the first player to achieve a weekly ongoing achievement rate of more than 2000 points per week. He's on pace to earn $100,000 USD this year!
    7. Okt 2011 08:32

    > Horst Henn
    > $ 100k is really not a great paycheck for a top notch freelance
    > deeloper, who has to pay for health insurance, retirement savings,
    > equipement and his education. Is this a poor pay program?
    > 2. Feb 2012 09:08

    > David Hoffman
    > $100K is a LOT of money in most countries in the world. Liquid is a
    > worldwide, market driven environment for technical outcomes, and
    > we pride ourselves on competitive compensation in comparison to
    > the market.
    > 2. Feb 2012 09:16

    Source: BeLiquid - Wall | Facebook
  3. #302

    Habe es mir mal angeschaut

    Ich habe mich da mal schlau gemacht - der reguläre Tagessatz beträgt dort 120$ - der, der hier die 100.000$ im Jahr schaffen soll, muss wirklich außergewöhnliches geleistet haben :)
    Tja, da sehen vielleicht auch die hier so groß tönenden Freelancer, wohin der Trend geht - aber in vielen Ländern der Welt kann man ja von diesem Geld wie ein König leben, da ist also wirkliche Mobilität gefordert.....
  4. #303

    ;o)))

    Zitat von Jad Beitrag anzeigen
    Ich habe mich da mal schlau gemacht - der reguläre Tagessatz beträgt dort 120$ - der, der hier die 100.000$ im Jahr schaffen soll, muss wirklich außergewöhnliches geleistet haben :)
    Tja, da sehen vielleicht auch die hier so groß tönenden Freelancer, wohin der Trend geht - aber in vielen Ländern der Welt kann man ja von diesem Geld wie ein König leben, da ist also wirkliche Mobilität gefordert.....
    Anfahrt, Unterkunft und Nebenkosten
    In Indien kommt man mit 100US$/Monat klar
    Also - nur ein Tag im Monat arbeiten ;o)))
  5. #304

    Nicht nur IBM

    Ich war ganz überrascht dass auch im Engineering Bereich solche Modelle ala Competence Center, Personalpool und ähnliches - quasi das Verkaufen von 'Leer'stunden, es handelt sich dabei um längere Zeiträume - gängige Praxis ist, auch im konventionellen Engineering.

    Das beschriebene Konzept gibt es in vielen Variationen in der IT. Das ist ein Normierung von Leistungen.

    Ich verstehe das aus Sicht der IBM bezüglich ihrer Datacenter Offerings. Gegessen ist das noch lange nicht. Als Chance für Entwickler aus entfernten Regionen kann man das sehen. Ob der Kunde damit glücklich wird, das wird die Zukunft weisen. Ich habe gute Erfahrung mit ähnlichen Strukturen ... es ist aber wesentlich was man machen will und umdenken muss man wohl. Der Vorteil dieser Netzwerke ist, sie haben Menschen aus der ganzen Welt im Netzwerk.