Ärzte-Paradies Schweden: Feierabend um halb sechs

Überschaubare Schichten, bezahlte Überstunden, vier Wochen Sommerurlaub am Stück: Damit locken schwedische Krankenhäuser deutsche Ärzte. Zwei Auswanderer berichten vom Arbeitsalltag in Malmös Uniklinik*- und verraten, worauf sie im angeblichen Medizinerparadies verzichten müssen.

http://www.spiegel.de/karriere/ausla...812534,00.html
  1. #10

    Feierabend um halb 8

    Als junger Assistenzarzt an einer Klinik für Innere Medizin gehe ich selten vor 19 Uhr nach Hause, beginne meinen Arbeitstag morgens um 7.30 Uhr.Überstunden werden nicht bezahlt und können auch nicht durch Freizeit ausgeglichen werden.
    Eine Reduktion der Überstunden ist kaum möglich, denn es mangelt an Ärzten, beim Pflegepersonal wurden Stellen zusammengestrichen.

    Viele neue Kollegen halten nicht länger als ein Jahr durch und wechseln inandere Fachrichtungen, wo kein direkter Patientenkontakt mehr besteht.

    Ich suche auch schon länger nach Alternativen, möchte aber nicht aus Deutschland weg
  2. #11

    Zitat von jack sparrow Beitrag anzeigen
    Als junger Assistenzarzt an einer Klinik für Innere Medizin gehe ich selten vor 19 Uhr nach Hause, beginne meinen Arbeitstag morgens um 7.30 Uhr.Überstunden werden nicht bezahlt und können auch nicht durch Freizeit ausgeglichen werden.
    Eine Reduktion der Überstunden ist kaum möglich, denn es mangelt an Ärzten, beim Pflegepersonal wurden Stellen zusammengestrichen.

    Viele neue Kollegen halten nicht länger als ein Jahr durch und wechseln inandere Fachrichtungen, wo kein direkter Patientenkontakt mehr besteht.

    Ich suche auch schon länger nach Alternativen, möchte aber nicht aus Deutschland weg
    Wescheln sie in ein Fach, wo kein direkter Patientenkontakt besteht. Dann arbeiten sie von 8-17 Uhr und falls Wochenenddienste nötig sind, sind sie meist auch entspannter als in der Inneren/Chirurgie.
    Als Nachteil ist zu nennen, dass sie dann nicht mehr der Halbgott in weiss sind, von seinen Patienten geliebt oder getritzt.
    Aber wer eigentlich nur seine Arbeit machen will, und dann auch mal regulär Feierabend, Zeit für Hobbys und Familie haben will, ist da dann einfach besser aufgehoben.
    Andere Option ist, Sie zeigen mal dass sie Mumm haben, und gehen am Ende der regulären Arbeitszeit. Derzeit kann sie eh niemand kündigen - es sind ja eh meist 5-6 Stellen offen in der Abteilung (zumindest ist es an meiner Uniklinik so).
    Des weiteren sollten sie dann aber auch effizient arbeiten und nicht sich durch Sonderaufgaben oder ewige Gespräche mit wem auch immer aufhalten lassen. Arztbriefe müssen auch keinen literarischen Wert besitzten. Kommen sie zu Potte, dann schafft man es auch in der Zeit.
  3. #12

    Zitat von jack sparrow Beitrag anzeigen
    Als junger Assistenzarzt an einer Klinik für Innere Medizin gehe ich selten vor 19 Uhr nach Hause, beginne meinen Arbeitstag morgens um 7.30 Uhr [...]
    Und das, mein lieber Mr Sparrow, wird auch nicht als OA besser werden. Dann haben Sie nämlich die ganzen jungen Assistenzärzte mit ihren blöden Fragen am Hals!

    Aber Spass beiseite: Die Emigration als deutscher Arzt kann auch schnell zur Einbahnstrasse werden.

    Ich zum Beispiel machte meinen Facharzt für Orthopädie/Traumatologie in einem grossen Kantonsspital der Welschschweiz. Arbeitszeiten von 0700 bis 2000 waren normal, die Zahl auf meinem Lohnzettel war fast dieselbe, nur in Sfr, nicht in DM.
    Allerdings musste ich auch alles in Stutz bezahlen, finanziell schenkte sich das also nichts. Dafür war die Ausbildung m.E. besser, intensiver als in D.

    Als ich irgendwann zurück nach Deutschland wollte, fand ich nur eine einzige Stelle als Fach-OA in einer Rehaklinik, alle anderen Chefs war mein FMH-Titel wohl zu suspekt; ich andersherum hatte auch keine Lust, noch einmal eine Facharztprüfung abzulegen, der zu absolvierende OP-Katalog in D ist ein anderer als in der CH.

    Mittlerweile bin ich Offizier des U.S. Army Medical Departments (Ein Internetbekannter brachte mich auf die Idee, mich dort zu bewerben, man würde dringend ältere, erfahrene Ärzte, die sich gerne beruflich verändern wollten, suchen.).

    Das ging eigentlich problemlos, ich brauchte nur den obligaten TOEFL-Test, das CV, die Approbation, Uni-Abschlusszeugnis(se), das Facharztzeugnis und den Nachweis, wie weit ich denn in der Medizinerhierarche gekommen war, einzureichen. Sogar unübersetzt, recht ungewöhnlich für die U.S.A..
    Danach und nach dem Lebensalter bekommt man seinen Rang und seinen Posten zugewiesen.

    Ach, bei Offizieren sieht die U.S. Army gerne, wenn sie mehrere Uni-Abschlüsse vorweisen können (Mein direkter Vorgesetzter hat sage und schreibe deren 4, studiert zur Zeit am Naval War College Fach Nummer 5, 6 und 7 hat er allen Ernstes ebenfalls geplant; mir wurde auch schon nahegelegt, ob ich nicht ein 3. Studium nach meiner Wahl absolvieren möchte ... auf Kosten der Army natürlich. Geschichte wollte ich eigentlich schon immer gerne studieren, ich habe nur noch nicht die passende Fern-Uni. gefunden.).

    Dummerweise darf ich mich zwar Consultant Orthopedic Surgeon nennen, bin aber de facto durch meine Fremdsprachenkenntnisse - und vielleicht auch wegen meines vorherigen Jura-Studiums - Verwaltungsmediziner (offiziell Verbindungsoffizier) für Mittel und Westeuropa geworden, gehofft hatte ich eigentlich auf eine klinische Arztstelle im Landstuhl Regional Medical Center.

    Ist zwar (fast) stressfrei, aber irgendwie fehlt mir als ausgebildetem Schulterchirurgen die echte Medizin doch!

    Dennoch: Ab einem gewissen Alter ist es ganz angenehm, keine Dienste, Rufbereitschaften oder Überstunden zu haben!
    Ich scherze ja immer wieder gerne, dass wir unseren Spitznamen "Silver Knights" nur ob der Haarfarbe der meisten Offiziere tragen ...
  4. #13

    Alles Gold was glänzt in Deutschland....?

    Zitat von tentieman Beitrag anzeigen
    Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass Ärzte in Schweden ein stressfreies Arbeitsleben haben.
    ABER ich kenne auch die Patientensicht auf das schwedische Gesundheitssystem. Lange Wartezeiten, mit den Krankenschwestern rumärgern, vom Arzt nicht ernst genommen werden und als Behandlung abwarten und nichts tun.
    Nur vereinzelte Ausländer, z.B. Engländer/Innen, finden das schwedische System besser als das Ihrer Heimatländer.
    Als ehemals langjähriger Oberarzt in Deutschland und jetzt in England kann ich nur sagen dass 1. Privatpatienten in Deutschland zumindest ambulant eine fantastische Versorgung vorfinden. Sie haben in erster Linie natürlich freie Arztwahl und können Leistungen einfordern 2. Für Kassenpatienten ist es ein Lotteriespiel - sie können an eine extrem kompetente Institution geraten oder das Gegenteil. Die Qualitätskontrolle in England bei stationären Prozeduren z.B. ist um ein vielfaches schärfer als in Deutschland. Die Wartezeiten (in England auf 17 Wochen begrenzt) werden in manchen Bereichen (Orthopädie etc...) ja auch in Deutschland für Kassenpatienten inzwischen erreicht.
    Man sollte also auf keinen schlussfolgern dass das dt. Gesundheitssystem,weil teuer, dadurch flächendeckend besser ist. Dies ist ein Trugschluss !
  5. #14

    Hier gibt es...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Überschaubare Schichten, bezahlte Überstunden, vier Wochen Sommerurlaub am Stück: Damit locken schwedische Krankenhäuser deutsche Ärzte. Zwei Auswanderer berichten vom Arbeitsalltag in Malmös Uniklinik*- und verraten, worauf sie im angeblichen Medizinerparadies verzichten müssen.

    Ärzte-Paradies Schweden: Feierabend um halb sechs - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    "Hier (in Schweden) gibt es keine Privatpatienten" - Ein Satz,der vermutlich so manchen deutschen Arzt verstören wird,der den Beruf des Mediziners mit dem des Börsenmaklers verwechselt.
    Und dennoch gefällt den deutschen Ärzten das Leben in Schweden;sie scheinen zufrieden zu sein.Ich frage mich seit langem,warum das Ärzteleben in Deutschland so freudlos,stressig und hierarchisch geregelt sein muss.Man könnte doch mit etwas gutem Willen einiges zum Guten für die Mediziner (und Patienten!) ändern.Aber der phantasielosen deutschen Bürokratie fällt immer nur eines ein: Beiträge rauf! Und dennoch bleibt das miese Klima!
  6. #15

    Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!

    Zitat von montaxx Beitrag anzeigen
    Ich frage mich seit langem,warum das Ärzteleben in Deutschland so freudlos,stressig und hierarchisch geregelt sein muss.
    Das könnte man nach meiner Erfahrung eins zu eins auf das generelle Berufsleben übertragen. "Wir" Deutschen könnten auch da viel von der schwedischen Einstellung zur Arbeit lernen.
  7. #16

    Zufällige Korrelation

    Zitat von tentieman Beitrag anzeigen
    ... und als Behandlung abwarten und nichts tun... .
    Ist die Lebenserwartung in Schweden vielleicht deshalb höher?
    wikipedia: Lebenserwartung
  8. #17

    #6 und #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Überschaubare Schichten, bezahlte Überstunden, vier Wochen Sommerurlaub am Stück: Damit locken schwedische Krankenhäuser deutsche Ärzte. Zwei Auswanderer berichten vom Arbeitsalltag in Malmös Uniklinik*- und verraten, worauf sie im angeblichen Medizinerparadies verzichten müssen.

    Ärzte-Paradies Schweden: Feierabend um halb sechs - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Aus eigenem Erleben kann ich ihnen beiden in etwa zustimmen!
    Hat man mal einen Termin. wird der auch eingehalten, von beiden Seiten. Manchmal ist es nicht leicht überhaupt einen Termin zu bekommen. Das Personal welches die Termine vergibt akzeptiert eben nicht einen pillepalle Schnupfen um zu einem Internisten zu kommen.
    Hat man aber ein richtiges Problem, dann läuft das große Programm!
  9. #18

    Die Quittung kommt bald...

    Zitat von tweet4fun Beitrag anzeigen
    Nur ist das alles - wie im Artikel auch nebenbei erwähnt - in Schweden nur möglich wegen des einheitlichen Krankenversorgungssystems ohne Privatpatienten.

    Um das in Deutschland auch nur teilweise einzuführen, müßte eine umfassende Revolution stattfinden. Dagegen steht allerdings die gewaltige Lobby der Pharmaindustrien und der Ärztekammer sowie der Dünkel sehr vieler Versicherten, die immer noch denken, daß eine Privatversicherung ein Statussymbol darstellt. Da gehen Kapitalinteressen und Volksmentalität Hand in Hand.

    Eigentlich sehr schade!
    .....die Politik unterstützt durch den Sozialanspruch und Sozialneid der Bürger führt dazu dass die nächste Generation sicher nicht mehr in die Praxen gehen wird wenn jetzt in fünf Jahren der Generationswechsel ansteht. Man muss es schon als intelligenzdefizit ansehen wenn jemand unter heutigen Bedingungen in der therapeutischen Medizin unternehmerische Kredite und Risiken auf sich nimmt um unter einer sozialistischen Nomenklatura in einem Regelwerk zu arbeiten dass jeglicher therapeutischen Freiheit und ärztlichem Selbstverständnis entspricht.
    Und auch an den Kliniken wird der Nachwuchs fehlen. Das neue Arbeitszeitgesetz, der hohe Frauenanteil bei den Ärzten und der hohe notwendige Grad an juristischer Absicherung erfordern mehr Ärzte für das gleiche Leistungsvolumen wie vor einem Jahrzehnt.
    Das ist die aktuelle Gneration nicht mehr bereit zu erbringen da die langfristigen Perspektiven dass in der therapeutischen Medizin die ausserordentlichen Leistungen nicht mehr honoriert werden.
    Im Bewustsein mit weit weniger Einsatz in nicht therapeutischen Bereichen das selbe Einkommen erreichen zu können, ohne Verzicht auf Familienleben abends und am Wochenende.
    Man hat mit dem Einstampfen der Eliten auch den jungen die Motivation genommen mehr Leistung u erbringen.
    Wenn klar ist dass der Sparkassenleiter mehr verdient als der Chefarzt für Herzchirurgie ist auch klar das s die junge Generation nicht mehr für das notwendige Training sich ausbeuten lässt.
    Gewinnmaximierung der Krankenhausträger, absurde Kosten im Arzneimittelbereich und staatliche Sparmassnahmen werden auf Kosten der Ärzte und Pflegekräfte ausgetragen.
    Die Antwort ist klar: Ähnlich wie in England zieht es die einheimische Intelligenz in andere Berufe. Die Qualität ist schon gesunken und wird mit dem Generationswechsel weiter sinken.
    In England gelingt es durch hohe Gehälter das Manko durch indische und deutsche Ärzte zumindest teilweise auszugleichen. Für Deutschland sehe ich diese Möglichkeit nicht da Inder selten Deutsch sprechen.
    Die Gehaltsentwicklung wird dazu führen dass begabte in und ausländische Ärzte den Bedarf in denn Nachbarländern decken werden.
    Deutschland wird Entwicklungshilfe für eine Generation Ärzte aus Agrarstaaten leisten.
    Dies wird nicht nur zu einer extremen Zweiklassen Medizin führen, wenn begabte Ärzte in reinen Privatpraxen Selbstzahler behandeln oder abwandern. Sondern auch zu einer von der Industrie gesteuerten Abhackmedizin im Schichtdienst.

    Aber ein Land das Bankangestellte höher honoriert als Ärzte will das wohl so.
  10. #19

    Die Demographie wird dies auch ermöglichen.

    Zitat von zahlenmeister Beitrag anzeigen
    Für mich sieht es eher aus, als seien unsere Ärzte auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau: Deutsche Gehälter bei schwedischen Arbeitszeiten.
    Die zunehmende Überalterung der Gesellschaft führt zu einer Zunahme des Bedarfes ärztlicher Leistungen in den Industrieländern.
    Wenn das deutsch Sozialverständniss dazu führt dass in Nachbarländern entschieden mehr Lebensqualität herrscht und mehr verdient wird. (Gehen Sie nicht von den ersten Berufsjahren aus sondern von Bezahlungen in Oberarzt und Chefarztpositionen) wird der Preis für die deutsche Sozialpolitik sein dass die guten therapeutisch tätigen Ärzte ins Ausland gehen oder in bequemere patientenferne Arbeitsbereiche abwandern.
    Auch die englischen, norwegischen französischen etc. Arbeitszeiten sind arztfreundlicher. Deutsche Ärzte sind auch in Australien willkommen und in China tätig.
    Ich glaube hier ist eine Such gar nicht nötig, die Angebote kommen immer mehr.
    Was ich glaube ist das nach dem Generationswechsel eher die Suche der Patienten nach Ärzten zunehmen wird die auch Ihre SPrache sprechen und in einem Industrieland ausgebildet den adäquaten Einsatz moderner Technologien beherrschen.
    Privatversicherten wird man bald raten müssen sich eben Ihre Behandlung in Schweizer Kliniken zu kaufen.
    Für die Sozialversichterten wird sich dein Therapeutensuche ähnlich der ina nderen sozialistischen Ländern entwickeln.