Jugendsprache: Lass ma' lesen, yallah!

Bei Kiezdeutsch gehen Sprachbewahrer die Wände hoch. Sie bangen sie um die Reinheit der Sprache Goethes oder Schillers. Weil sie den Schulhof-Slang für wertvoll hält, wird Sprachforscherin Heike Wiese regelmäßig angefeindet. Sie findet: Die Jugendsprache ist oft viel logischer als Standarddeutsch.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...811877,00.html
  1. #1

    2 + 3 = 10 warum nicht...

    2 + 3 = 10 warum nicht auch solche Antworten als kietzspezifische Interpretation der Realität und damit als korrekte Antwort zulassen?
  2. #2

    Großartig, ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bei Kiezdeutsch gehen Sprachbewahrer die Wände hoch. Sie bangen sie um die Reinheit der Sprache Goethes oder Schillers. Weil sie den Schulhof-Slang für wertvoll hält, wird Sprachforscherin Heike Wiese regelmäßig angefeindet. Sie findet: Die Jugendsprache ist oft viel logischer als Standarddeutsch.

    Jugendsprache: Lass ma' lesen, yallah! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    ... wenn die zunehmende Analphabetisierung in diesem Land auch noch Zuspruch von hochwissenschaftlicher Seite bekommt.
    'Kiezdeutsch' klingt auch gleich viel besser als 'Asisprache', oder? ;-)
    Nichts gegen Umgangssprache, nichts gegen Dialekte, aber was ich jeden Tag in der Bahn oder auf der Straße von Jugendlichen zu hören bekomme ist ein unbeholfenes Stammeln mit einem stark reduzierten Wortschatz.
    Wenn ich den Aussagen von Bekannten glauben darf, die als Lehrer arbeiten, dann bekommt diese Klientel auch schriftlich kaum einen einfachen Hauptsatz unfallfrei auf die Reihe.

    Die Professorin kämpft dafür, dass Kiezdeutsch als Dialekt anerkannt wird. Wer Wiese wütend erleben will, der sagt am besten, Kiezsprache sei falsches, schlechtes Deutsch. Wiese ist überzeugt, dass die Sprache aus den sozialen Brennpunkten oftmals logischer ist als Standarddeutsch.
    Natürlich wandelt sich Sprache im Laufe der Zeit, natürlich haben Migrantengruppen auch Einfluss auf die Sprache ihres neuen Heimatlandes, siehe die Hugenotten in Preußen. Von mir aus kann Frau Professorin sich an ihrem Steckenpferd abarbeiten. Aber was ist logisch an einem Satz wie "Machst du rote Ampel." Stelle ich Ampelanlagen her, die nur auf Rot schalten können?

    Bemerkenswert ist dieser Satz von ihr.
    Wiese ist überzeugt, dass Kiezdeutsch sprechende Jugendliche von einem Moment auf den anderen zur formalen Sprache umschalten können.
    Ich bin kein Sprachwissenschaftler, und meine persönliche Wahrnehmung kann ich natürlich nicht empirisch belegen, aber ich behaupte, dass diese Aussage falsch ist.
    Unser kaputtgespartes, immer noch munter selektierendes Bildungssystem hat es wohl eher geschafft, dass Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien in diesem Land zu mehrsprachigen Analphabeten 'erzogen' werden.
    Herzlichen Glückwunsch, Deutschland!
  3. #3

    Glaub ich nicht

    Das die Jugendlichen gerade die ausländischen in der Lage sind, ohne weiteres vom dem " Kitzdeutsch " in ein normales deutsch zurück zu fallen.
  4. #4

    Sprache ist Open Source; jeder darf sie nach Lust und Laune verändern und verwenden. Es ist aber jedem geraten, sie so zu verwenden, dass sie mit der Sprache anderer kompatibel ist. Wer in Schule/Uni oder im Berufsleben auf Grund seiner persönlichen Sprachvariante scheitert, ist wohl ein wenig über's Ziel hinausgeschossen.
  5. #5

    Sprachpanscherei

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bei Kiezdeutsch gehen Sprachbewahrer die Wände hoch. Sie bangen sie um die Reinheit der Sprache Goethes oder Schillers. Weil sie den Schulhof-Slang für wertvoll hält, wird Sprachforscherin Heike Wiese regelmäßig angefeindet. Sie findet: Die Jugendsprache ist oft viel logischer als Standarddeutsch.

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    So wie das Weinpanschen gehört auch diese üble Sprachpanscherei nicht nur verboten, sondern empfindlich bestraft. Die Vorstellung, dass dieser ausdrucksarme Sprachmatsch weiter Verbreitung findet, ist an Widerlichkeit kaum zu überbieten.
  6. #6

    Interessant

    "Gestern war ich Schule" erinnert mich frappierend an Werbetexte aus dem Fernseher:

    "Sooo muss Technik!"

    "So geht Kaffee!"

    usw.


    Kinder und Jugendliche lernen nunmal auch von der Flimmerkiste wie "man" spricht. Und derartig vergewaltigter Satzbau hören sie auch von Erwachsenen an jeder Ecke. Es ist also meiner Meinung nach nicht nur ein Jugendsprachliches Phänomen.
  7. #7

    ?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bei Kiezdeutsch gehen Sprachbewahrer die Wände hoch. Sie bangen sie um die Reinheit der Sprache Goethes oder Schillers. Weil sie den Schulhof-Slang für wertvoll hält, wird Sprachforscherin Heike Wiese regelmäßig angefeindet. Sie findet: Die Jugendsprache ist oft viel logischer als Standarddeutsch.

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    Wie war das, Frau Wiese möchte, dass Kiezdeutsch als Dialekt anerkannt wird? Das Problem dabei ist aber, dass Kiezdeutsch, wie es hier im Artikel beschrieben wird, so einheitlich nicht existiert. Verschiedene Ausdrücke bspw. trifft man in bestimmten Gebieten Berlins an, in anderen Vierteln Berlins sieht es anders aus, in Hamburg ...
    Außerdem erinnere ich mich noch gut an meine Jugend, in der die Gruppe, in der ich verkehrte, auch anders gesprochen hat als eine andere Gruppe an derselben Schule. Zudem verändert sich dieser Slang ständig, neue Wörter werden plötzlich verwendet, während andere total "out" sind.
    Ich würde Jugendlichen nicht verbieten, dass sie sich durch ihre eigene Sprache von den "Erwachsenen" absetzen wollen (darum geht es dabei doch eigentlich), aber dafür zu kämpfen, dass Kiezdeutsch offiziell als Dialekt anerkannt wird, halte ich doch für spinnert
  8. #8

    Interessantes Thema für Sprachinteressierte. Hoffen wir, daß das Buch, anders als der dünne Artikel, nicht da aufhört, wo es anfängt, interessant zu werden. Hat der Artikelautor mehr als den Klappentext und die Einleitung gelesen?
  9. #9

    1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bei Kiezdeutsch gehen Sprachbewahrer die Wände hoch. Sie bangen sie um die Reinheit der Sprache Goethes oder Schillers. Weil sie den Schulhof-Slang für wertvoll hält, wird Sprachforscherin Heike Wiese regelmäßig angefeindet. Sie findet: Die Jugendsprache ist oft viel logischer als Standarddeutsch.

    Jugendsprache: Lass ma' lesen, yallah! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Die Sprache ist weder sinn- noch wertvoll. Sie ist im Grunde nur ein Brandzeichen für die (kulturelle) Unterschicht. Ein Abfallprodukt aus einem Schmelztiegel vieler Einwanderer, die mit der deutschen Sprache nichts oder nur sehr wenig anfangen können.

    Ausserdem: es mag sein, dass das Standarddeutsch von Zeit zu Zeit kompliziert und unlogisch ist- aber ist das wirklich ein Problem?

    Die deutsche Sprache ist uralt, hat sich seit Jahrhunderten entwickelt, gewandelt- organisch weiterentwickelt. Alleine dieses Erbe ist es wert, um sie zu kämpfen.

    Und eben das Beherrschen dieser Sprache, so unvollkommen es bei mir auch sein mag, privilegiert mich, auf eben solche Leute mit ihren Kiezslangs herabzuschauen, über sie zu lachen und sie abzuwerten.
    So gesehen ist der Kiezslang vielleicht doch erhaltenswert...