Jung-Ärzte als Land-Muffel: Medizin ja, Provinz nein

Auf Arzt*studieren? Sofort und egal wo. Nach dem Medizinstudium allerdings ist der Nachwuchs wählerisch: Die Praxen in der Provinz verwaisen, denn als Landdoktor will kaum einer arbeiten. Auch weil der Partner oft ebenfalls Akademiker*ist und lieber in der Stadt lebt.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...803950,00.html
  1. #1

    So was wählerisches

    Es mag ja sein, dass der Job als Landarzt stressiger ist, als in der Stadt. Dafür hat man aber auch Lebensqualität, die man in der Stadt nicht unbedingt hat. Auch in der Stadt ist das Kino eine halbe Stunde entfernt. Warum zieht es immer nur alle in die Stadt? Wenn ich Medizin studiert hätte, würde ich mich liebend gern auf dem Land niederlassen.
  2. #2

    Finanziell locken!

    Man könnte ja als Anreiz die Pauschale der Krankenkasse in Orten mit weniger als 30.000 Einwohnern verdoppeln...
  3. #3

    Angebot und Nachfrage

    Die Firmen in der Provinz beklagen sich auch über Fachkräftemangel, versuchen aber, die qualifizierten Kräfte mit Gehalt und guten Arbeitsbedingungen zu locken. Warum sollte das bei Ärzten anders sein? Solange die Ingenieure nicht mit Zwang aufs Land geschickt werden, sollte man das bei den Ärzten auch nicht machen.
  4. #4

    ...

    Das Problem ist, daß sich alles zu sehr auf die Großstädte konzentriert, während die kleineren (Land)Städte immer mehr Funktionen und damit auch Arbeitsplätze einbüßen. Als Akademiker hat man im ländlichen Bereich große Probleme eine Stelle zu finden.
    Die Ärzte scheinen da ja noch die freie Wahl zu haben. Aber irgendwann wird die Konkurrenz in den Städten die Mediziner erdrücken.

    Dabei ist der Beruf des Landarztes doch eigentlich sehr lukrativ. Arbeit gibts ohne Ende. Der demographische Wandel schlägt in ländlichen Regionen besonders ein, also Folge gibt es dann viele Alte und Kranke. Außerdem denke ich, daß das Verhältnis zwischen Arzt und Patient auf dem Land sehr eng ist und weniger oberflächlich als in einer riesigen Uni-Klinik.
    Nur shoppen kann man auf dem Land nicht so gut ...

    Das Argument, daß es auf dem Land keine „fachliche Rückkopplung“ gebe, ist an Ignoranz nicht zu toppen. Selbst auf dem Land gibt es erstaunlicherweise Kliniken und Fachärzte die in Teams arbeiten, zumindest noch.
    Ich glaube die Stadtkinder haben einfach ein falsches und völlig verzerrtes Bild vom Landleben vor Augen.
  5. #5

    Ich würde es sofort machen

    Leider bin ich nur ein dummer Hauptschüler, aber mit einem guten Abitur hätte ich Medizin studiert. Die Aussicht, irgendwo auf dem Land eine Praxis zu haben, der Gemeinde zu helfen - auch mal nachts -, ein kleines Häuschen, Garten, Platz für Katzen ... ich würde es sofort machen.

    Für mich klingt das sehr schön. Lieber eine Bundeskegelbahn im Ort als ein Starbucks.
  6. #6

    Frage

    Was kostet eigentlich so ein Hochschulstudium der Medizin (samt Bafög) und wieviel berappt der Studiosus davon persönlich? Wie hoch ist der Anteil des Zuschusses aus den öffentlichen Kassen?

    Alle Vorteile mitnehmen, aber nichts zurückgeben wollen. Schön, daß man auf dem Land von solchen Persönlichkeiten als Ärzten verschont wird.
  7. #7

    Land?

    Zitat von travelfox42 Beitrag anzeigen
    Es mag ja sein, dass der Job als Landarzt stressiger ist, als in der Stadt. Dafür hat man aber auch Lebensqualität, die man in der Stadt nicht unbedingt hat. Auch in der Stadt ist das Kino eine halbe Stunde entfernt. Warum zieht es immer nur alle in die Stadt? Wenn ich Medizin studiert hätte, würde ich mich liebend gern auf dem Land niederlassen.
    Es geht nicht um den Landarzt in kleinen Städten - sondern um den Landarzt z.B. im bayrischen Wald. Und da gibt kein Kino in 30 Minuten Entfernung, und das, das man nach einer Stunde Fahrt erreicht, hat Filme untersten Niveaus.

    Auf dem "echten" Land gibts eben nichts, was auch nur annähernd an "Kultur" herankommt und über Bauerntheater und Laienspiel hinausgeht.
    Es mag für manchen reichen, mir würde es nicht reichen. Ich will Auswahl. Ich will abends überlegen können, ob ich in ein Theater von vielen gehe, oder einen Film von vielen ansehe, oder ein Konzert von vielen höre. Oder einen Freund von vielen besuche.
  8. #8

    falsche Erwartungen?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Auf Arzt*studieren? Sofort und egal wo. Nach dem Medizinstudium allerdings ist der Nachwuchs wählerisch: Die Praxen in der Provinz verwaisen, denn als Landdoktor will kaum einer arbeiten. Auch weil der Partner oft ebenfalls Akademiker*ist und lieber in der Stadt lebt.

    Jungärzte als Landmuffel: Medizin ja, Provinz nein - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Wer wirklich selbständig sein möchte wird sich gegen ein Krankenhaus entscheiden. Mittlerweile arbeiten die Krankenhäuser alle auf DRG-Ebene.
    In den OPs entscheiden die Schnittzeiten. Krankenhäuser werden zu Profitcentern mit strenger Zeit-und Geldeinteilung. Studenten haben da gerne mal eine falsche Vorstellung. Im Praktikum erlebt ein Student noch nicht wie es später hinter den Kulissen hergeht. Für viele Ärzte Stress pur. Als Landarzt dürfte es zwar auch saisonweise Stress geben aber der Arzt ist immer noch Herr seiner selbst. In den Klinik redet der kaufmännische Direktor ein Wort mit. Wie oben geschildert was der Partner will spielt im Krankenhaus kaum eine Rolle...Dienst ist angesagt und LEISTUNG bringen, unbezahlte Nachtdienste incl. Überstunden selbstverständlich. Viele Ärzte scheitern in ihren Beziehungen da kaum noch Zeit dafür da ist. Man sollte die Studenten besser aufklären was es heißt Arzt im Krankenhaus zu sein. Dann würden manche Entscheidungen gründlich überdacht. Zusätzlich kommt: in der Stadt ist der Konkurrenzdruck erheblich. Der Patient kann auch jeder Zeit den Arzt wechseln.
    Man sollte sich fragen welchen Preis möchte ich dafür bezahlen?
    Der "Herrgott" in weiß ist mittlerweile auch nicht mehr im Trend.
  9. #9

    Angebot und Nachfrage

    Zitat von reaealist Beitrag anzeigen
    Die Firmen in der Provinz beklagen sich auch über Fachkräftemangel, versuchen aber, die qualifizierten Kräfte mit Gehalt und guten Arbeitsbedingungen zu locken. Warum sollte das bei Ärzten anders sein? Solange die Ingenieure nicht mit Zwang aufs Land geschickt werden, sollte man das bei den Ärzten auch nicht machen.
    Hier wiederum ist das Problem, dass medizinische Leistungen eben nicht Angebot und Nachfrage folgen, sondern überall gleich kosten. Und selbst wenn das nicht so wäre, würde wohl jeder vom Land in die große Klinik in der Stadt fahren, die viel mehr Erfahrung bieten kann und zudem - nach Angebot und Nachfrage - auch noch günstiger sein müsste.
    So kann aber eine Landpraxis keine Anreize schaffen, sondern im Gegenteil: in der Regel gibts so wenig Personal, dass bei einem Ausfall keine Kompensation möglich ist, und man auch noch mehr arbeiten muss.