Mythen der Arbeit: Fortschritt kostet Arbeitsplätze*- stimmt's?

Ein Roboter mehr, ein paar Kollegen weniger: Oft wird technischer Fortschritt mit Massenentlassungen gleichgesetzt. Unterm Strich gilt dieser Automatismus aber meist nicht. Arbeitsforscher Joachim Möller erklärt, welche Art Fortschritt Arbeitnehmer tatsächlich fürchten müssen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...810714,00.html
  1. #1

    Menschen wehren sich gegen technischen Fortschritt weil dieser ihr Einkommen gefährdet - ganz einfach Herr Möller ;)
    Ansonsten finden Menschen technischen Fortschritt nützlich weil er sie mehr und mehr von der Arbeit befreit.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ...Die entscheidende Frage ist, wie jeweils die Nettobilanz ausfällt...
    1+ Herr Möller!
    Sie beantworten sie allerdings nicht in ihrem Artikel.

    Ich werde sie beantworten:
    Schauen Sie auf die Arbeitslosenzahlen der Arbeitsagentur und addieren Sie Arbeitslose in Beschäftigungsmaßnahmen und Hartz4 Empfänger die die Strasse kehren statt eine Kehrmaschine, Arbeitslose die um Jobs kämpfen müssen und ihr Lohn dadurch unter eine ersetzende Maschine gedrückt wird, ....
  2. #2

    politisches Problem

    Diese Diskussion ist eigentlich zu 100 Prozent ein politisches Problem. Genaugenommen wäre nämlich Automation und Fortschritt etwas grandioses, könnte die Belastung durch Arbeit - und für die berühmten 99% ist Arbeit eine Belastung! - für das Individuum doch immer weiter reduziert werden. Daß dies bereits hervorragend funktioniert hat zeigt, daß wir unser Essen nicht mehr selber jagen bzw anbauen müssen oder zB in weitgehend automatisch beheizten Häusern leben.
    Zudem ist zu erwarten, daß der Fortschritt auch weiterhin stattfinden wird, also weiterhin derartige Effekte verursacht.
    Das alles wäre kein Problem, wenn nicht Arbeit als Grundlage der Existenz definiert wäre. Mit dieser Definition ist das Individuum über den Fortschritt erpressbar. Man kann ihm Einschränkungen aufzwingen und Zugeständnisse einfordern. Wie sehr dieses Instrument strapaziert wird, zeigt HartzIV und die Verlängerung der Lebensarbeitszeiten, alles nur im Namen der Arbeit. Die Politik müßte eigentlich das Gegenteil tun, nämlich die Wirtschaft in den Dienst des Volkes stellen (besonders in einer Demokratie), stattdessen macht sie das Volk zum Sklaven der Wirtschaft. Und mehr noch, die in den letzten 10 Jahren in Deutschland dem Arbeitnehmer aufgezwungenen Verschlechterungen, angefangen von eben der rapide kastrierten Arbeitslosenunterstützung über die Sabotage der gesetzlichen Rente zugunsten von privaten Renditen, der einseitig Arbeitnehmer belastenden Reform der Krankenversicherung, der gleiche Mist vermutlich bald bei der Pflegeversicherung und die Anhebung des Rentenalters, alle diese Dinge sind vor dem Hintergrund, daß der Fortschrittseffekt weiterhin vorhanden ist, Methoden, um die Masse um ihren Anteil daran zu prellen .. nein, betrügen trifft es hier eher. Wir bewegen uns mit gewaltigen Schritten in den Imperialismus zurück, in denen einige Wenige profitieren und alle anderen am notwendigen Minimum gehalten werden. Dessen mehr oder weniger direkte Folge war übrigens der erste Weltkrieg - Herzlichen Glückwunsch!
  3. #3

    Bedürfnisefriedigung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein Roboter mehr, ein paar Kollegen weniger: Oft wird technischer Fortschritt mit Massenentlassungen gleichgesetzt. Unterm Strich gilt dieser Automatismus aber meist nicht. Arbeitsforscher Joachim Möller erklärt, welche Art Fortschritt Arbeitnehmer tatsächlich fürchten müssen.

    Mythen der Arbeit: Fortschritt kostet Arbeitsplätze*- stimmt's? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein Roboter mehr, ein paar Kollegen weniger: Oft wird technischer Fortschritt mit Massenentlassungen gleichgesetzt. Unterm Strich gilt dieser Automatismus aber meist nicht. Arbeitsforscher Joachim Möller erklärt, welche Art Fortschritt Arbeitnehmer tatsächlich fürchten müssen.

    Mythen der Arbeit: Fortschritt kostet Arbeitsplätze*- stimmt's? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Der Lebensstandard, den man in den 50er, 60er Jahren hatte, wohnen, essen, mit dem Käfer nach Italien, vielleicht TV, setzte damals eine Vollzeitstelle voraus. Diesen Standard kann man heute mit eine viel geringeren Arbeitszeit erreichen. Dadurch, daß man heute meint, sich den Verlockungen hinzugeben,die sich einem heute bieten, Laptop, Handy, Flachbildfernseher, Urlaub auf den Malediven, setzt nachwievor eine Vollzeitstelle voraus. Von der Schar der modernen Arbeitssklaven mal abgesehen. Durch die immer neuen Bedürfnisse, die entstehen, werden die Menschen immer schön bei der Stange gehalten, auch ja ihre 40 Stunden in der Woche zu arbeiten, arbeiten zu wollen. Von 35 Stunden redet heute keiner mehr. Dabei darf man nie aus dem Auge verlieren: Für jeden Euro, den Arbeiter und Angestellte verdienen, verdienen deren Chefs das doppelte. Die Banken, die den Chefs ihre Investitionen finanzieren wieder das doppelte. Wieviel Profit die Großinvestoren, Hedgefonds oder sonst wer damit machen, wenn dem Esel ständig größere Karotten vor die Nase gehalten werden, ist garnicht zu beziffern.
    Dazu passt auch der Mythos, wer hart genug arbeitet, kann alles erreichen. Nein, das kann er nicht. Nie wird er dahin kommen, wo andere sind. Auch der größte Monarchist konnte niemals König werden.
  4. #4

    .

    Selbstverständlich kostet der Fortschritt Arbeitsplätze.
    Das ist doch das erklärte ziel der Sache. Nämlich dass stumpfe, gefährliche komplizierte Vorgänge von Maschinen erledigt werden.
    Denen ist es egal ob ihre Tätigkeit langweilig oder gefährlich ist. Und sie sind Menschen (jedenfalls bei den hier behandelten Fertigungsprozessen) bei Präzision etc. weit voraus.

    Aber anstatt sich zu freuen, dass diese Arbeiten nicht mehr von Menschen gemacht werden müssen, schlägt die Gesellschaft die Hände über dem Kopf zusammen und erklärt die Leute zu Arbeitslosen.

    Dabei sind sie lediglich von dieser Arbeit befreit.
    Leider haben sie nichts von der Wertschöpfung, die stattfindet.
    Weil ein Arbeitsplatz immer noch mit dem Broterwerb verbunden wird.
    Fakt ist aber, dass es schon jetzt nicht mehr genug dieser Tätigkeiten gibt.
    Trotzdem werden genug Güter geschaffen. Genug für alle.
    Aber da man dem Glauben der Erwerbsarbeit anhängt, dürfen die 'Arbeitslosen' diese Güter nicht bekommen.

    Ein perverses System, das sich zwangsläufig selber zerstört. Es kann nur funktionieren, indem Schulden aufgeworfen werden, die niemand mehr zurückzahlen kann.
    Denn das Geld um die vorhandenen Güter zu kaufen, befindet sich nicht bei den (vielen) Menschen die das tun könnten, sondern bei wenigen, die es horten.

    Verkehrte Welt.
  5. #5

    Zu kurz gedacht..

    Zitat von FMode Beitrag anzeigen
    Menschen wehren sich gegen technischen Fortschritt weil dieser ihr Einkommen gefährdet - ganz einfach Herr Möller ;)
    Ansonsten finden Menschen technischen Fortschritt nützlich weil er sie mehr und mehr von der Arbeit befreit.
    1+ Herr Möller!
    Sie beantworten sie allerdings.......
    Wenn Menschen von der Arbeit befreit werden, nennt man sie "Arbeitslose". Insofern is hier zu kurz geschlussgefolgert worden.
    "Der Lohn wird unter eine ersetzende Maschine gedrueckt..."
    Waghalsige Vermutung. Die Tatsache, dass in D kaum noch Fernseher gefertigt werden oder Kleidung genaeht wird, hat weniger mit Fertigungsrobotern zu tun, sondern damit, dass es ein Lohngefaelle gibt und die Gueter mobil sind. Eine Strasse in Bielefeld kann man nun mal nicht in Shanghai fegen lassen.

    Arbeitskraft in D ist zu teuer, so dass es besser ist, stupide Arbeitsvorgaenge durch Maschinen erledigen zu lassen. Damit entwickelt man einen Kosten- und Know-How Vorsprung und schafft Arbeitsplaetze. Fortschritt ist ein Segen fuer Deutschland, denn er haelt uns auf Trab, spornt zu Kreativitaet an und nur deshalb geht es uns heute so gut. Ich hoffe, dass all den Fortschrittverweigerern und sogenannten Wutbuergern langsam ein Licht aufgeht und die merken, dass sie den Ast absaegen, auf dem sie gerade sitzen.
  6. #6

    und die Konsequenz?

    Zitat von marthaimschnee Beitrag anzeigen
    [...]
    Das alles wäre kein Problem, wenn nicht Arbeit als Grundlage der Existenz definiert wäre.
    [...]
    Sie sehen das Problem hinter dem Problem. Bei fortschreitender Produktivität kann es langfristig nicht um die gerechte Verteilung von Arbeitsplätzen gehen, sondern muss es um die gerechte Verteilung der Früchte der Produktivität gehen. Ein probates Mittel ist eine adäquate Steuerprogression. Mit den abgeschöpften Mitteln können wiederum Arbeitsplätze vor allem im sozialen Bereich (Kinderbetreuung, Altenpflege etc) finanziert werden.
    Mit dem jetzigen System trudeln wir in eine Zweiklassengesellschaft a la USA...
  7. #7

    Fortschritt?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein Roboter mehr, ein paar Kollegen weniger: Oft wird technischer Fortschritt mit Massenentlassungen gleichgesetzt. Unterm Strich gilt dieser Automatismus aber meist nicht. Arbeitsforscher Joachim Möller erklärt, welche Art Fortschritt Arbeitnehmer tatsächlich fürchten müssen.

    Mythen der Arbeit: Fortschritt kostet Arbeitsplätze*- stimmt's? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Ich erinnere mich an einen Kollegen der seine Stempelkarte an einer Ecke abbeißen musste, weil er nicht lesen und schreiben konnte.
    Dieser Mann arbeitete an einer Maschine und erzielte im Akkord 140 %. Er verdiente gutes Geld. So konnte er seine Familie ernähren, konnte Geld nach Hause schicken und führt ein anständiges Leben. Er zahle Steuern und Sozialversicherung, er konsumierte. Eines Tages wurde sein Arbeitsplatz durch einen Roboter ersetzt. Dieser Roboter kann 24 h am Tag arbeiten und schafft 18 Schichten in der Woche. Er ersetzt also vier Arbeitnehmer. Dieser Roboter zahlt weder Steuern noch Sozialversicherungen, noch konsumiert er.
    Die Gesellschaft hat bis heute noch keine Antwort für den oben geschilderten Arbeiter gefunden.
    Das ist auch eine Folge des Fortschritts.
  8. #8

    Ursache für "Jugendwahn"

    Ein Aspekt wurde überhaupt nicht angesprochen.

    Der Zeitraum, in dem eine "neue Entwicklung" aktuell und "marktfähig" ist, hat sich stark verkürzt. Für nachfolgende Entwicklungen gilt dann das Wissen und Können der Personen, die für die letzten Entwicklungen verantwortlich waren, als nicht mehr zeitgemäss und veraltet. Da aber während der Arbeit an dem alten Produkt selten genügend Zeit für Weiterbildung vorhanden ist, führt dies dazu, dass Beschäftigte aus den (M)INT-Berufen ab dem Alter von 35-40 Jahren grosse Probleme haben eine Arbeit zu finden.
  9. #9

    Arbeit gebährt neue Arbeit

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein Roboter mehr, ein paar Kollegen weniger: Oft wird technischer Fortschritt mit Massenentlassungen gleichgesetzt. Unterm Strich gilt dieser Automatismus aber meist nicht. Arbeitsforscher Joachim Möller erklärt, welche Art Fortschritt Arbeitnehmer tatsächlich fürchten müssen.

    Mythen der Arbeit: Fortschritt kostet Arbeitsplätze*- stimmt's? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Wenn neue Technologie eingeführt wird, werden immer anhängende Arbeitsplätze vernichtet, auf den ersten Anblick scheint dies der Fall aber neue Technologie führt zur Kreation neuer Arbeitsplätze und nicht zur Vernichtung von Arbeitsplätzen. Ein Beispiel: Als der Computer einzug in die Büros gehalten hat zitterten die meisten Buchhalter und Sekretärinnen um ihre Jobs da sie befürchteten vom Computer verdrängt zu werden. Ganz das Gegenteil ist der Fall heute, den Beruf des Buchhalters und der Sekretärin gibt es heute noch und durch den Siegeszug des Computers sind neue Arbeitsplätze und neue technische Möglichkeiten geschaffen worden die aus unserem heutigen täglichen Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Das einzige, was Arbeitsplätze bedroht ist die kurzsichtige Denkweise von Managern und Entscheidern, die Aufgrund kurzfristiger Profitgier mal eben schnell tausende von Mitarbeitern auf die Strasse setzen ohne langfristig darüber nachzudenken dass diese Mitarbeiter langfristig profitabler sind als ein paar undurchsichtige Hedgefonds oder Börsenhaie.