Kodak-Pleite: Geisel verblasster Erfolge

Mit Kodak stürzt ein Konzern in die Insolvenz, der über Jahrzehnte Technologieführer war - und dann die Chance verstreichen ließ, sich neu zu erfinden. Ein Lehrstück für andere Konzerne. Wer überleben will, muss das eigene Geschäftsmodell in Frage stellen, auch wenn es schwer fällt.*

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...810016,00.html
  1. #30

    Pc

    Zitat von Canosir Beitrag anzeigen
    Kodak hat auf eine Verschmelzung digital/analog gesetzt (z.B. dass digitale Fotos vom Kinden quasi als Negativ empfunden werden und ja eh gedruckt werden muessen). Das hat aber nicht stattgefunden, auch angeschaut werden Bilder heute nur noch digital.
    Dann bilde ich mir die immer weiter um sich greifende Printorgie also nur ein? Heute hat jeder Baumarkt, jeder Supermarkt entweder einen Drucker oder den Cewe-Labordienst im Angebot, und die vielen Auftragstaschen sagen mir, dass die Dienste auch genutzt werden. Auf dem winzigen Bildschirm eines Handys kann man doch kein Foto ansehen, und noch stehen nicht überall PCs rum, die man dann auch noch lange und umständlich booten muss...
  2. #31

    Yashica

    Zitat von jomo3 Beitrag anzeigen
    Yaschica fällt mir noch ein - UDSSR Produkt und nicht schlecht damals.
    Ich bin Wessie, aber bestätige, dass der Osten hervorragende Produkte geschaffen hat.
    Yashica ist japanisch und heute Teil von Kyocera.
  3. #32

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mit Kodak stürzt ein Konzern in die Insolvenz, der über Jahrzehnte Technologieführer war - und dann die Chance verstreichen ließ, sich neu zu erfinden. Ein Lehrstück für andere Konzerne. Wer überleben will, muss das eigene Geschäftsmodell in Frage stellen, auch wenn es schwer fällt.*

    Kodak-Pleite: Geisel verblasster Erfolge - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Der Artikel spricht ein wichtiges Thema an, allerdings ist der Großteil des Artikels Unfug und einfach schlecht recherchiert.

    Wer Kodak und Fuji über einen Kamm schert und dasselbe dann auch noch mit Kodak, Microsoft, Google und Facebook macht, der hat wenig Ahnung von den jeweiligen Firmen.
    Richtig ist: Kodak hat es verpasst das eigene Geschäftsmodell in Frage zu stellen. Das hat Fuji aber in Wirklichkeit beim Fotogeschäft auch die meiste Zeit verpennt, allerdings hat Fuji schon seit Jahrzehnten mit Xerox ein zweites Standbein was Kodak in der Größe nie hatte.
    Kodak war und ist eine extrem innovative Firma. Neben vielen Grundlagenpatenten zur Digitalkamera haben sie auch maßgeblich an der Entwicklung der OLEDs und der Laserprojektoren mitgwirkt. Beides Technologien, denen in den nächsten Jahren Milliardenmärkte zugeschrieben werden. In dieser Hinsicht war und ist Kodak wesentlich innovativer als z.B. Fuji und ist auch aktuell noch Innovationsführer.

    Das Problem bei Kodak ist eher, dass man es nie geschafft hat aus den Grundlagenpatenten dann auch wirklichen kommerziellen Erfolg zu schlagen. Das wiederum hat in der Tat zu einem großen Teil mit falschen Managemententscheidungen zu tun.....zum Teil aber auch mit globalen Entwicklungen bei den entsprechenden Märkten, die über die Entscheidungen einzelner Firmen hinausgehen. Wo sind denn heute die ganzen Kamerahersteller und die meisten Firmen aus dem Display und Projektoren-Geschäft angesiedelt? Doch wohl nicht Europa und den USA....und daran sind nicht allein die Fehlentscheidungen von Kodak schuld.
  4. #33

    Kodak - eine Tragödie alt-griechischen Ausmaßes

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mit Kodak stürzt ein Konzern in die Insolvenz, der über Jahrzehnte Technologieführer war .... Ein Lehrstück für andere Konzerne. Wer überleben will, muss das eigene Geschäftsmodell in Frage stellen, auch wenn es schwer fällt.*

    Kodak-Pleite: Geisel verblasster Erfolge - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    ... auch wenn man das Geschäftsmodell in Frage stellt, heißt das noch lange nicht, dass man den Dampfer stoppen kann ...

    Der Fall Kodak wird zum Musterbeispiel in den weltweiten BWL-Studiengängen für „sustainable“ und „disruptive“ Innovationen. An keinem Unternehmen kann man die Schritte besser dokumentieren.
    1. Kodak revolutioniert zwischen 1890 und 1910 die Art zu fotografieren mit Hilfe genialer Chemiker und Marketingleuten.
    2. Die Freundschaft zwischen Kodak-Gründer Eastman und Thomas A. Edison führt zu epochemachenden Verbesserungen bei Film- und Kinokameras.
    3. Kodak schafft bis zu den 30er Jahren zusammen mit Fuji und Agfa einen äußerst lukrativen Massenmarkt für Foto- und Dia-Fotografie
    4. Bis in die 70er Jahre ist Kodak eine der innovativsten und bestverdienenden Firmen der Welt – ein „blue chip“
    5. Nachdem die CCD-Technologie in den Bell-Laboratories erfunden wurde erfand Kodak 1975 die erste brauchbare Digitalkamera.
    6. Das Kodak Management positioniert die neue Technologie im „high end“ Bereich und stellt nach ersten Testmodellen vor allem Kamera-Rückteile für Systemkameras her.
    7. Der interne Kampf um die Projektbudgets beginnt. Konventionelle Technologie mit guten Margen gegen digitale Technologie mit schlechten. Das alte Management versteht die neuen Geschäftsmodelle nicht.
    8. Neue Konkurrenten entstehen in den 90er Jahren aus dem „Nichts“ und kommen von vollkommen anderen Branchen (aus dem Uhrenbereich). Diese greifen den Markt „von unten“ an – bieten preiswerte Einsteigermodelle.
    9. Kodak reagiert auf die Angriffe zu langsam und ohne Fokus und Konzept – verzettelt sich. Das in zwei Lager zerfallende Management (analog vs digital) kann mit der Geschwindigkeit der Konkurrenten nicht mehr mithalten. Die Qualität der Konkurrenten wird in den 2000er Jahren kontinuierlich besser.
    10. Kodak meldet 2012 Insolvenz nach US-Recht an (Chapter 11)

    Eine Tragödie (alt)griechischen Ausmaßes.
  5. #34

    IBM - Gutes Beispiel, aber ...

    Zitat von mgrieme Beitrag anzeigen
    erneut beweist ein alter Spruch seine Richtigkeit: "Kannibalisiere dich selbst, bevor ein anderer es tut."

    Die gute alte IBM ist ein Musterbeispiel dafür, dass es über viele Jahrzehnte funktioniert, solange man schnell genug ist. Manager, die den Weitblick und die Kraft für kluge Entscheidungen haben, sind ihr Geld wert.

    Schade um Kodak. Wahrscheinlich hat sich das Management auf Kostensenkungsprogramme konzentriert. Es war sein Geld nicht wert.
    IBM ist in der Tat ein exzellentes Beispiel dafür, wie man sich mit einer führenden Technologie in die Sackgasse manövrieren kann. IBM ist aber auch das Paradebeispiel dafür, wie ein Management mit Visionen die Wende schaffen kann, ohne sich selbst zu kannibalisieren. Lou Gerstner hatte ja in allerletzter Sekunde die von vielen schon herbeigesehnte Zerschlagung des Konzerns verhindert und so den 100. Geburtstag im letzten Jahr erst möglich gemacht.
    Kodak - noch gut dreißig Jahre älter - hat sich einige Möglichkeiten zum Erfolg frühzeitig selbst verbaut.
    "You push the button - we do the rest." - "Sie drücken aufs Knöpfchen, den Rest machen wir." So lautete der Slogan der ersten Stunde - ein Gesamtkonzept mit Dienstleistungscharakter. Damit könnte ein starker Konzern auch heute Marktführer sein oder werden.

    Später spaltete sich Kodak's Image auf. Zum einen stand der Name Kodak für professionelle Film- und Chemie-Produkte, die auch von ambitionierten Amateuren sehr geschätzt wurden - Die Diafilmmarken Kodachrome und Ektachrome stehen für diesen Aspekt des Kodak-Images. Auf der anderen Seite stand die Instamatic - offenbar ein Versuch, dem unteren Segment des Amateurmarktes möglichst wenig fürs Geld zu bieten. Ein viel zu kleines Negativ-Format und Billigkameras mit unterirdischen Plastiklinsen und möglichst wenig Technik führten zu Bergen von unscharfen Fotos. Als dann Kompaktkameras für den 35mm-Film herauskamen - zum Beispiel von Minox und Rollei - war der Instamatic-Spuk dann schnell vorbei. Was blieb, war das versemmelte Image.

    Bis zuletzt hat man Kodak keine ordentlichen Kameras zugetraut - da waren selbst die 2MP-Handies besser beleumundet. Und die tatsächlich exzellenten Film- und Chemie-Produkte braucht heute fast keiner mehr, jedenfalls nicht im Massenmarkt.

    Was bleibt, ist der Markt für Nachbearbeitung. Drucker und Projektoren kauft der Amateur, wenn überhaupt, im Computerladen. Ebenso Tinte und Fotopapier zum Bedrucken.

    Es gibt aber auch (wieder) einen großen Markt für belichtetes Fotopapier. Hier hätte Kodak durchaus Kompetenz, sicher auch bei den zugehörigen Geräten für die Belichtung und anschließende Entwicklung. Auf diesem Markt aber haben sie sich gegen Konkurrenten wie Fuji nicht durchgesetzt.

    Und wie das eben so ist - wer Film verkaufen will, muß Kameras "verschenken" - aber eben keine Digitalkameras. Wer Fotopapier verkaufen will, muß für günstige Drucker oder Belichter sorgen. Manch ein Profi oder ambitionierter Amateur würde sich viellicht für einen Belichter/Entwickler interessieren, wenn er "schreibtischkompatibel" daherkäme. Nur mal so als Tip für die Zeit unter Chapter 11 - you're welcome!
  6. #35

    Pech ist eben nur ...

    Zitat von Nizzre Beitrag anzeigen
    Sehr sehr schade.
    Richtig!

    Zitat von Nizzre Beitrag anzeigen
    Ich habe schon zu Analog Spiegelreflex-Zeiten am liebsten Kodak Filmmaterial benutzt (Presse-/Hochgeschwindigkeitssport-Fotos)
    Unerreicht!

    Zitat von Nizzre Beitrag anzeigen
    ... und besitze eine handliche Kodak Digitalkamera, die ich zum Motiv-Scouten benutze. Und ehrlich gesagt, die Bilder sind so hervorragend, dass ich schon mehrfach die Scoutingschüsse direkt an Kunden verkaufen konnte, weil die von der gesamten Farbatmosphäre so begeistert waren, dass die gar nicht wollten, dass ich mit der großen Nikon nochmal losziehe.
    Nur - daß die mit so etwas überkommen würden, konnte ja keiner ahnen. Nach den durchaus guten Retinas in der Nachkriegszeit kam ja später praktisch nur noch Plastikschrott à la Instamatic (damals, als "Plastik" im Fotosektor noch mit Schrott synonym war.)

    Zitat von Nizzre Beitrag anzeigen
    Kodak hat sicherlich den Spiegelreflex-Digitalzug verpasst, aber gerade das könnte auch ein Vorteil sein, jetzt ins Segment der spiegellosen Systemkameras einzusteigen, das meiner Meinung nach durchaus Potential hat.
    Von daher - und weil sie im Systemkamera-Segment mit oder ohne Spiegel nun wirklich keine vorzeigbare Erfahrung haben (oder?) - wäre ich da eher skeptisch.

    Wo ein mutiger Hersteller mit einem gut eingeführten Namen noch reüssieren könnte, das wäre der Nachbereitungsmarkt - Bilder anschauen und drucken. Drucker und Tinte machen andere schon, aber Belichter, Belichterpapier und Chemie - speziell für kleinere Kapazitäten - da wäre für Kodak etwas zu holen. Das können sie auch. Eine Serie guter und preiswerter Projektoren, notfalls als OEM-Produkte, könnten dem Image auch helfen. möglicherweise auch ein pfiffig gemachter elektronischer Bilderrahmen, an den man auch externe Bildgeber (Monitore, Fernseher, Projektoren) anschließen kann.
  7. #36

    Change / Risk / Innovation Management

    Amerika hats normalerweise gut : Steve Wonder, Johnny Cash, Bob Hope . Und wir : No wonder, no cash, no hope... Die meisten US Firmen waren mal innovativ, manche sinds geblieben - wie Apple....

    Meistens stinkt der Fisch vom Kopf her. Aber : Verbohrte Firmenpatriachen, auf kurzfristigen Gewinn fixierte BWLer,
    auf juristische Patentklagen fixierte Juristen - das reicht halt nicht auf Dauer.... Wenn andere bessere kommen....
    Aber : Versuchen Sie mal einem verbohrten Unternehmen das beizubringen... das ist wie einem mit fast vollständiger Aterienverkalkung zur Weltmeisterschaft im 100 meter Lauf zu qualifizieren....
    Die Deutschen haben ja auch schon weite Teile der Industrie abgewickelt..... und es geht munter weiter
  8. #37

    Birnen und Äpfel

    Auch wenn mein Kommentar spät kommt.
    Wenn man über Innovation schreibt, muss man auch als erfolgreiches Beispiel ein Unternehmen anführen, welches im Kerngeschäft diesesn Wandungsprozess vollzogen hat. Fujitsu hat eine Diversifikation auf Basis ihrer kernkompetnezen vollzogen, nicht das eigene Kerngeschäft revolutioniert! Generell ist dieses Gerede von der Kannibalisierung völliger Blödsinn, denn die Überschneidung der Kernkompetenzen haben häufig bei sich verändernden Rahmenbedingungen nichts miteinander zu tun und deswegen können Unternehmen gar nicht auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren. Das Beispiel mit dem Kutscher und ein Autohersteller ist da ganz passend. Die Fähigkeiten die ich als Kutschbauer benötigt habe waren ganz andere als die, die ich als Autobauer benötige! Wie will ich denn auf diesen Wandlungsprozess reagieren? Es ist leicht Veränderungen zu erkennen, aber darauf zu reagieren ist deutlich schwerer! Das kann jeder an sich selbst sehen, wenn mein Ausbildungs- und Erfahrungsprofil nicht mehr gefragt ist auf dem Markt, wass soll ich denn dann machen? Umschulen und das dauert und da sind dann andere einfach um Jahre im Vorteil. Zwischen erkennen und die Möglichkeit zuer Handlung zu haben liegen gravierende Unterschiede. Auch Siemens war mit dem SL45 sehr innovativ und er Verbindung von Handy und Musikplayer nur hat es nichts gebracht.
    Das ganze sind Einzelbeispiel die gar keine Aussagekraft haben.. Und zu dem Kommentar mit dem Fallbeispiel an der Uni ist zu sagen, dass ich auch noch als gelungenes Fallbeispiel vieler Professoren die Fusion von AOL/Time Warner gehört und gelesen habe. Dies sehen diese Menschen heute wieder etwas anders.
  9. #38

    optional

    [Zitat von Canosir]Kodak hat auf eine Verschmelzung digital/analog gesetzt (z.B. dass digitale Fotos vom Kinden quasi als Negativ empfunden werden und ja eh gedruckt werden muessen). Das hat aber nicht stattgefunden, auch angeschaut werden Bilder heute nur noch digital.


    Warum zum Teufel sind dann bei Rossmann immer alle Sofortdrucker (von Kodak) belegt und ich muss anstehen als gäbe es in Bananen in der DDR?