Arbeitszeiten: Mein Auto, mein Haus, meine Überstunden

Stechuhr war gestern, der Kampf um die Arbeitszeit scheint passé. Viele Chefs schwärmen heute von "Vertrauensarbeitszeit", Jobsharing, Home-Office. Aber existiert diese schöne neue Jobwelt wirklich? Warum schieben die Deutschen dann eine Bugwelle von 1,3 Milliarden Überstunden vor sich her?

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...807373,00.html
  1. #1

    Schöne neue Arbeitswelt! . . .

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Stechuhr war gestern, der Kampf um die Arbeitszeit scheint passé. Viele Chefs schwärmen heute von "Vertrauensarbeitszeit", Jobsharing, Home-Office. Aber existiert diese schöne neue Jobwelt wirklich? Warum schieben die Deutschen dann eine Bugwelle von 1,3 Milliarden Überstunden vor sich her?

    Arbeitszeiten: Mein Auto, mein Haus, meine Überstunden - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Da redet man seitens der Unternehmen gerne von Vertrauensarbeitszeit. Das geht aber nur, wenn das Vertrauen beiderseitig funktioniert. Also der Mitarbeiter auch nur etwa soviel Arbeit zugeteilt bekommt, dass er dies im Rahmen eines "normalen" Arbeitstages abarbeiten kann.
    Und nicht wie es gerne gemacht wird - immer mehr Aufgaben - und die Überstunden sind dann das Problem des Mitarbeiters und werden natürlich nicht bezahlt. Könnte ja jeder ankommen und behaupten er hätte z.B.: hundertfünfundzwanzig Überstunden in dem letzten haben Jahr gemacht.
    Und jetzt kommen die Arbeitgeber auch noch mit dem Vorschlag an, dass die Leute keine Raucherpausen mehr machen sollen, weil das ja Arbeitszeit "stehlen" würde.
    Ich sage jedem Kollegen: Stempelt dann habt Ihr zumindest ein offizielles Dokument in der Hand wieviel Ihr schon gearbeitet habt.
    Und wenn es dann am Ende an die Gesundheit geht, klappt ja vielleicht auch bei uns in Deutschland was letztens in Frankreich passiert ist . . .

    Schadenersatzklage gegen McDonald's - Unbezahlte Überstunden - Karriere - sueddeutsche.de

    Woher kommen denn die ganzen ausgebrannten und depressiven Menschen?
  2. #2

    Warum schieben die Deutschen....

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Warum schieben die Deutschen dann eine Bugwelle von 1,3 Milliarden Überstunden vor sich her?

    Arbeitszeiten: Mein Auto, mein Haus, meine Überstunden - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    ..dann eine Bugwelle von 1,3 Milliarden Überstunden vor sich her?
    Weil die Politik mittlerweile es erlaubt!
    Vor 30 oder 40 Jahren haben die Arbeitgeber alle Überstunden – ohne wenn und aber – bezahlt!

    Würde die Politik die Ansammlung von Überstunden nicht mehr erlauben würden alle profitieren: Arbeitnehmer, der Staat, die Sozialkassen!
  3. #3

    "Guter Ton" vs. gute Arbeit

    Ich habe einige Zeit in einer Firma gearbeitet, wo es zum guten Ton gehörte, Überstunden zu machen, ob man jetzt genug Arbeit dafür hatte oder nicht.
    Wenn ich mal nach 8 Stunden nach Hause gegangen bin mit der Begründung, dass ich lieber am nächsten Tag mit einem klaren Kopf wieder an die Sache rangehen möchte, wurde ich schief angesehen, sowohl vom Chef als auch von den Kollegen. Da ist es doch kein Wundern, wenn man Überstunden aufbaut, wie blöde, wenn alles andere nicht akzeptiert wird.

    Inzwischen arbeite ich in einem anderen Betrieb. Erst war alles ziemlich ausgeglichen. Als wir aber eine neue Chefin bekamen, verlangte die Erreichbarkeit nach Feierabend, am Wochenende und im Urlaub (auch in der Flitterwochen). Da hat die Abteilung rebelliert und man hat sich geeinigt. Das ganze ist also nicht typisch männlich.
  4. #4

    Absurd

    Zitat von atipic Beitrag anzeigen
    ..dann eine Bugwelle von 1,3 Milliarden Überstunden vor sich her?
    Weil die Politik mittlerweile es erlaubt!
    Vor 30 oder 40 Jahren haben die Arbeitgeber alle Überstunden – ohne wenn und aber – bezahlt!

    Würde die Politik die Ansammlung von Überstunden nicht mehr erlauben würden alle profitieren: Arbeitnehmer, der Staat, die Sozialkassen!
    Vollkommen richtig.

    Außerdem befinden sich Millionen Menschen in Jobs, die sich an Ladenöffnungszeiten orientieren, in Produktion oder Logistik befinden. Wir alle als Endkunden würden uns bedanken, wenn wir vor der verschlossenen Supermarktkette stehen und dann noch drinnen nichts finden, weil mal wieder der LKW mit den Milchprodukten "flexibel disponiert" hat. Oder der Hotlinemitarbeiter nur nachts arbeitet, oder die Lokführer kommen und gehen wann sie wollen. Oder die Automobilzulieferer mehr parken als fahren, weil keine just-in-time Pull-Aufträge mehr reinkommen.
    Völlig absurd.
  5. #5

    Typisch Deutsch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Stechuhr war gestern, der Kampf um die Arbeitszeit scheint passé. Viele Chefs schwärmen heute von "Vertrauensarbeitszeit", Jobsharing, Home-Office. Aber existiert diese schöne neue Jobwelt wirklich? Warum schieben die Deutschen dann eine Bugwelle von 1,3 Milliarden Überstunden vor sich her?

    Arbeitszeiten: Mein Auto, mein Haus, meine Überstunden - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    In Deutschland gilt man als besonders fleißig wenn man möglichst viele Überstunden macht. In Skandinavien ist es genau anders rum, wer da abends um acht noch im Büro sitzt gilt als überfordert da er seine normale Arbeit nicht schafft. Vielleicht sollten sich die Deutschen davon mal eine Scheibe abschneiden.
  6. #6

    Eitle Legende

    Leider wird mit dem Überstunden-Fetisch der "Leistungsträger" auch gleich der Mythos verbreitet, Einkommen, Leistungswille und Arbeitszeit seien proportional. Sehr hohe Einkommen folgten also einer inhärenten Gerechtigkeit des Systems, da ihre Bezieher ja schließlich auch 70, 80 oder gar 100 Stunden arbeiteten. Umgekehrt wird ein niedriges Einkommen mit geringer Leistungsbereitschaft (und deshalb Beharren auf tarifvertraglich vereinbarten Arbeitszeiten) gleichgesetzt.

    In Wirklichkeit arbeitet auch Herr Ackermann keine 500 Stunden in der Woche. Viel schlimmer ist allerdings, dass obiger Mythos total übertüncht, dass mittleweile auch sehr viele Normalverdiener stillschweigend genötigt sind, 60 Stunden und mehr zu arbeiten, nur, um ihre 1700 Euro netto weiterhin halbwegs sichern zu können.

    Stechuhren sind vom Fluch zum Segen geworden, da sie zumindest theoretische Ansprüche festhalten. Auch, wenn viele ängstliche Arbeitnehmer schon Techniken entwickelt haben, diese Stechuhren auszutricksen. Zu ihren eigenen Ungunsten, um nicht vom Chef den peinlichen Satz zu hören, dass ihre dokumentierten Überstunden zum Problem für die Abteilung werden...
  7. #7

    meine Überstunden

    vor einiger Zeit war ich bei einer Firma beschäftigt, bei der am Monatsende alle mehr-als-15-Überstunden einfach gestrichen wurden, ersatzlos. Da schob keiner Überstunden vor sich her. Und die gestrichenen Überstunden wurden zur Bewertung der Mitarbeiter herangezogen.
  8. #8

    Der Trend ist eher ...

    schon wieder rückläufig. Da hat SPON gute 3 Jahre verschlafen :)

    Mittlerweile sind feste Regeln wieder im kommen und damit haben wir auch die besten Erfahrungen gemacht. Nach 10 Stunden werden die Leute nach Hause geschickt, so wie sie bei Grippe nach Hause geschickt werden.

    Überstunden werden gemacht wenn es sein muss und dann abgebummelt. Bezahlt werden sie allerdings nicht mehr.

    Erreichbarkeitspflicht (also wann und wo nach Feierabend) ist strikt geregelt und wechselt - nennt sich schlicht Rufbereitschaft und jeder ist mal dran. Wer Urlaub hat, hat Urlaub. Hat er den schlecht vorbereitet und seine Vertretung mangelhaft eingewiesen - dann raucht es hinterher, auch klar.

    Wir haben den ganzen Sums mit 'kommen wann will, gehen wenn fertig' nie mitgemacht und wenn ich den abendlichen Unterhaltungen am Unternehmerstammtisch glaube darf - dann gehen immer mehr mittelständische und kleine Unternehmen auch wieder davon weg.

    Einfach weil mir todmüde Programmierer die am nächsten Tag wieder Überstunden schieben müssen um die Fehler die während der gestrigen gemacht wurden einfach nichts bringen.
  9. #9

    Zitat von ice945 Beitrag anzeigen
    Ich habe einige Zeit in einer Firma gearbeitet, wo es zum guten Ton gehörte, Überstunden zu machen, ob man jetzt genug Arbeit dafür hatte oder nicht.
    Wenn ich mal nach 8 Stunden nach Hause gegangen bin mit der Begründung, dass ich lieber am nächsten Tag mit einem klaren Kopf wieder an die Sache rangehen möchte, wurde ich schief angesehen, sowohl vom Chef als auch von den Kollegen. Da ist es doch kein Wundern, wenn man Überstunden aufbaut, wie blöde, wenn alles andere nicht akzeptiert wird.
    .......

    Traurig traurig.
    Kommt aber wohl davon, weil man sich in Deutschland immer noch nicht von dem vermeintlichen Ideal des strikten Durch- und Fertigarbeitens trennen kann.

    Die Leute in Ihrer alten firma nehmen sich einfach zu wichtig.

    ich selbst habe eine flexible Sichtweise. Man kann auch mal 12 Stunden ranklotzen ein paar Tage, aber es muß auch möglich sein, mal nach 4 Stunden wieder zu verschwinden.

    Oder 3 Stunden mittags abwesend zu sein, wenn es die Arbeitsverpflichtungen erlauben.

    Das alles sind aber leider noch Fremdworte für eine Arbeitsgesellschaft, die noch im Stile der 50er bis 70er Jahre erzogen wurden.

    Wenn sich daran mal was ändert, dann steigt auch die Vereinbarkeit Beruf-Familie. Aber soweit denken die meisten leider nicht.