S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Das Schleudertrauma des Geistes

Warum leiden die Bewohner der westlichen Welt kollektiv an Burnout? Bestehen wir auf Heizung und Kleinwagen, müssen wir*uns gegen*sieben Milliarden Menschen behaupten, die auch eine Heizung und einen Kleinwagen wollen. Und das macht krank, egal, wie wir es nennen.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...808748,00.html
  1. #1

    ein Schleudertrauma bekomme ich nur wenn ich die täglich wechselnden Überschriften der Medien lese und höre...
  2. #2

    Warum leiden nur wir an Burnout? Ganz einfach: Wir können uns das leisten! Dies ist eine Art gesellschaftliche Errungenschaft, wir können sagen "Es reicht", ohne daß es uns gleich das Leben kostet. In diesem Zusammenhang kann man auch sagen, all die Diskussionen um Anhebung des Rentenalters, längere Arbeitszeiten, Zwänge zu Aufnahme einer Tätigkeit, all das führt uns nicht vorwärts, es baut Wohlstand der Masse ab. Und das finden nur totale Egoisten mit dem Silberlöffel im Mund erstrebenswert.

    PS: Streß hat nur, wer sich Streß machen läßt!
  3. #3

    Es gibt einfach..

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Warum leiden die Bewohner der westlichen Welt kollektiv an Burnout? Bestehen wir auf Heizung und Kleinwagen, müssen wir*uns gegen*sieben Milliarden Menschen behaupten, die auch eine Heizung und einen Kleinwagen wollen. Und das macht krank, egal, wie wir es nennen.

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    zu viele Psychotherapeuten, die Nachfrage nach Patienten muß stimmen.
  4. #4

    Licht und Schatten

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ich sehe das als ausgleichende Gerechtigkeit. Man kann sich nicht den Bauch mit Eiscreme vollstopfen ohne Bauchschmerzen zu bekommen. Man kann nicht im Schlaraffenland leben ohne im Burnout zu enden. Beneidenswert wen diese Einsicht verschont hat. Kindlich naiv wer meint, es gäbe eine Medaille ohne Kehrseite.
  5. #5

    Eine kleine Reise

    in ein beschauliches Land..., wo man als beruflich Reisender im Luxusauto mit Fahrer hinterm Steuer und Musik in den Ohren an Einheimischen vorbeifährt, die mit blossen Händen aus Kuhdung Fladen für den Ofen formen relativiert die eigene Position, Wichtigkeit und Wertvorstellung beträchtlich. Wir haben es schon ziemlich gut hier!
  6. #6

    Liebe Sibylle,

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Warum leiden die Bewohner der westlichen Welt kollektiv an Burnout? Bestehen wir auf Heizung und Kleinwagen, müssen wir*uns gegen*sieben Milliarden Menschen behaupten, die auch eine Heizung und einen Kleinwagen wollen. Und das macht krank, egal, wie wir es nennen.

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    "to burn is out", daher der Begriff.
    Für etwas "brennen", sei es aus Liebe, sei es aus Zorn - Leidenschaft ist generell out.

    Alles wird runtergepegelt, wahlweise über Normengebote, Konventionswillkür oder Pharma-haircut, damit die einzige Gefahr für all die grauen Mäuse und suppotentialisierten Okkupanten von Restfreiräumen - die Leidenschaft - erstickt wird, denn aus der glimmenden Resteasche abgeschlackter Visions-Brennstäbe erwächst leider kein Perspektiven-Phoenix, der sich, bar jeglichen Federlesens, auf zu neuen, interessanten Möglichkeiten begeben kann.

    Die Tsuname des burn-out-Syndroms ist also lediglich Beleg für den Untergang jeglichen Horizonts, der geistige Weite mit neuen Ufern verheissen könnte - da bleibt man doch lieber gleich zuhause und hält ein Suspensorium für den Inbegriff der Wollust^^
  7. #7

    Was hat die Gesellschaft von ausgebrannten Bürgern?

    Zitat von bmehrens Beitrag anzeigen
    zu viele Psychotherapeuten, die Nachfrage nach Patienten muß stimmen.
    Die Zahl der Studenten z. B., die psychisch krank werden oder von Burnout betroffen sind, steigt dramatisch, weil Leistungsdruck und Leistungsumfang und –anforderungen auf den Universitäten und die damit verbundene Angst vor der Zukunft immer größer werden. Um dem entgegenzuwirken bieten Universitäten psychologische Dienste an. Man fragt sich nur, weshalb man nicht besser an die Wurzel des Problems geht und die Studienbedingungen sinnvoller gestaltet. Vor allem Mediziner und Psychologen wissen, dass permanenter Stress, verbunden mit Lebensangst bei fehlenden Erholungsphasen auf die Dauer krank macht. Wem nützen kranke, ausgebrannte Akademiker? Manchmal könnte man den Verdacht hegen, dass man es darauf anlegt, dass immer mehr Menschen psychisch krank werden, um sie dann zum Psychologen schicken zu können, vor dem sie ihr komplettes Leben ausbreiten (müssen). Steckt da vielleicht der Wunsch dahinter, möglichst viele Menschen auszuhorchen angesichts der Tatsache, dass die Ohrbeichte in Kirchenbeichtstühlen als Alternative kaum noch eine Bedeutung hat?
  8. #8

    Zu Frau Sibylle fällt mir immer nur Eines ein:

    Ein sonniges Gemüt ist mehr wert als Haus und Hof.

    Wen Frau Sibylle in der Lage ist aufzumuntern, der ist echt zu bedauern.
  9. #9

    Ausfluß der Gefühle

    Zitat: „Dabei ist die Depression der natürliche Geisteszustand des denkenden Menschen, und Arbeit ist generell eine Zumutung.“

    Über Arbeit ist schon so viel geschrieben worden, dass sich damit Bibliotheken füllen ließen – das kann man als einzelner nicht abarbeiten, selbst eine griffige Zusammenfassung wird schwierig, deshalb nehme ich notgedrungen zu einem Kernsatz Zuflucht und belasse es dabei: Arbeit vollzieht sich zwischen Fremdbestimmung und Erfüllung. Das ist doch ein schöner Satz, nicht wahr? So, nun kommt auch schon gleich die Depression an die Reihe, gemeint ist hier die westliche, die im materiellen Überfluss, aber im Ausfluß der Gefühle, in der stillen emotionalen Verödung – also nicht die typische Armutsdepression in der dritten, vierten oder fünften Welt, solche globalen Missbefindlichkeiten laufen unter Schicksal, sie sind deshalb therapeutisch nicht relevant, das heißt vernachlässigbar.

    Der natürliche Geisteszustand des denkenden Menschen ist mehrheitlich ein träger. Trägheit trägt den Missmut in sich, sie konstituiert sich ihn ihm, oft anfallsweise – doch wenn der Missmut zum ständigen Begleiter der relativen Wachphase, vulgo des Tages wird, dann liegt höchst zweifellos eine beginnende Depression vor. Aber keine schlimme, keine Angst, kein Grund, sich hinter den Zug zu werfen – schlimm sind die schweren Depressionen, die plattmachen, die zerstören können, Krankheitsbilder, die häufig unterschätzt werden. Sofern nicht eine Anlage vorliegt, werden die Betroffenen von der Realität verwundet, deren Ungeheuerlichkeit und deren Teilnahmslosigkeit wie ein morsches Dach über ihnen zusammenbricht. Diesen Menschen ist kaum zu helfen, denn die Wirklichkeit bleibt für sie unerträglich.