Lässt sich die Macht der Finanzmärkte brechen?

Immer mehr Menschen fühlen sich von den Politikern im Stich gelassen, die in ihren Entscheidungen den Bedürfnissen der Finanzwelt folgen. Bürgerinnen und Bürger sehen hier eine einseitige Interessenvertretung zu ihren Ungunsten, doch der Einfluss der Wirtschaft siegt immer häufiger über die Politik. Lässt sich die derzeit übergroße Macht der Finanzmärkte brechen?
  1. #1

    Skandal

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Immer mehr Menschen fühlen sich von den Politikern im Stich gelassen, die in ihren Entscheidungen den Bedürfnissen der Finanzwelt folgen. Bürgerinnen und Bürger sehen hier eine einseitige Interessenvertretung zu ihren Ungunsten, doch der Einfluss der Wirtschaft siegt immer häufiger über die Politik. Lässt sich die derzeit übergroße Macht der Finanzmärkte brechen?
    ....

    Die Macht der Finanzmärkte ließe sich sogar ziemlich leicht brechen, aber namentlich die USA und GB sind nicht daran interessiert, weil sie trotz aller anderen Erfahrungen noch immer der Illusion folgen, eine gänzlich unregulierte Finanzwirtschaft befördere die Realwirtschaft und spüle somit Einnahmen in die staatlichen Kassen.
    Es sind die innovativen Finanzprodukte und es ist der Hochfrequenz-Handel, der die Finanzmärkte so gefährlich macht. Dieser Hochfrequenz-Handel ließe sich schon mit einer geringfügigen Finanztransaktionssteuer bremsen, weil er dadurch einfach zu teuer würde.
    Hochfrequenzhandel, Computerhandel und Internet haben die Finanzmärkte zu Zockerbuden verkommen lassen, in denen eine vernünftige Geldanlage zum Nebenprodukt geworden ist. Und solange dem nicht Einhalt geboten wird, wirds mit der Wirtschaft gnadenlos bergab gehen.
    rabenkrähe
    Geändert von ( um Uhr)
    Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der wahre Pazifist ist bereit, mit der Waffe für seine Überzeugung zu kämpfen.....
  2. #2

    Man muss sich vielmehr die Frage stellen, wer "Schuld" daran trägt, dass die Finanzmärkte eine solche Macht bekommen konnten? Kein unabwendbares Schicksal treibt einen Staat z.B. in eine exorbitante Staatsverschuldung hinein: in aller Regel war es der freie Wille der Regierungen (und das oftmals über Jahrzehnte hinweg), Schulden anzuhäufen, um z.B. Wahlgeschenke zu verteilen, damit sie wiedergewählt und an der Macht bleiben. Mit Steuererhöhungen und Einsparungen macht man sich beim Wähler nun einmal nicht sonderlich beliebt. Hier möchte ich - mal wieder - aus meinem Lieblingsartikel zitieren:
    " Und alle, Bürger, Kommunen, Staaten und die unzähligen Gremien des EU-Apparats, gehen davon aus, dass dieses Aneinanderfügen von Ansprüchen unbeschränkt funktionieren wird. Als ob nie jemand auf die Idee käme, die Summe aller Ansprüche in ein Verhältnis der kumulierten Leistungsfähigkeit des Kollektivs zu setzen. Und dann erschreckt festzustellen, dass zwischen dem, was man weiterreichen zu können glaubt, und dem, was mutmasslich zu diesem Zwecke erwirtschaftet werden könnte, eine stetig grösser werdende Lücke klafft. Die Finanzmärkte sind dieser Lücke gewahr geworden. Die bösen, bösen Finanzmärkte und ihre Vollzugsorgane, die Spekulanten und Leerverkäufer! Sie haben der dumpfen Ahnung, dass der unbeschränkte Transfer ein Ende haben muss, eine durch Marktwerte, Kurse und Preise ausgedrückte Wahrscheinlichkeit verliehen."
    Des Kaisers neue Kleider (Kultur, Literatur und Kunst, NZZ Online)
    Die Staaten haben sich also erst einmal mit ihrer gewollten Verschuldung selbst gegenüber "den Finanzmärkten" erpressbar gemacht.
    Roland Baader findet für diesen Mechanismus noch deutlichere Worte:
    "Die permanente Aufschuldung des Staates steht in unmittelbarem Zusammenhang mit den Mechanismen der Macht. Die Herrschaft von Menschen über Menschen kann nur auf zwei Wegen erfolgen: Entweder mit dem Schwert (mit Waffen) oder mit der Methode Brot und Spiele. Letztere war nicht nur die Methode von Herrschern im alten Rom, sondern ist auch das Lebenselixier der Demokratie und trägt dort die Namen Sozialstaat, Wohlfahrtsstaat und Umverteilung. Spätestens dann (meistens schon vorher), wenn die fiskalkleptokratische Abzocke des Volkes zum Zweck des Stimmenkaufs (Machtgewinn oder Machterhalt) so weit getrieben wurde, daß der Steuerertrag nicht mehr steigt, sondern sinkt, greift die politische Kaste zum Mittel der Verschuldung."
    Staatsbankrott und Konkursverschleppung | Aktienforum | Aktien Forum | Diskussionsboard | Community von finanzen.net
    Wenn man das entsprechend weiterdenkt, dann war natürlich auch die Deregulierung der Märkte ein probates Mittel für Regierungen, um relativ risikolos Staatseinnahmen zu generieren und ihre Macht zu sichern.
    So haben sich die Staaten also selbst immer mehr zum süchtigen "Junkie" gemacht, der nun immer schneller neuen "Stoff" = Kredit braucht. Und bei kaltem Entzug = Entzug der Kredite durch die "Finanzmärkte" droht jetzt selbstverständlich allergrößtes Ungemach .
    Wieso da nicht gleich die einfachste "Lösung" wählen, nämlich die kommunistische, und die Kreditgeber gleich ganz enteignen?
    Man denke hier immer an das große Zitat von Folker Hellmeyer: "Erst stirbt der freie Markt, dann stirbt die Demokratie!"
  3. #3

    Problem Zins

    Das Hauptproblem der Finanzwelt ist der Zins, der vorab einen Mehrwert für einen verliehenen Geldbetrag verspricht. Diese Erwartung erfüllt sich nur, wenn auch ein realer wirtschaftlicher Gegenwert erzeugt wird. Ist der Gläubiger nicht in der Lage, diesen Mehrwert durch quantitatives oder qualitatives Wachstum seiner Wirtschaftsleistung zu erzielen, wird das Versprechen nicht eingelöst und einen Verlust bewirken.

    Die Regel, von einem „schlechten“ Gläubiger extra hohe Zinsen zu fordern, spricht gegen jeden gesunden Menschenverstand.
    Bei einem Pferderennen würde man auch nicht von einem hufkranken Tier eine besondere Leistung erwarten und die Ziellinie gegenüber den Konkurrenten entfernter festlegen.

    Realwirtschaftlich gesehen, müßte man die Staatsanleihen von Krisenstaaten mit einem negativen Zins versehen...
  4. #4

    Zitat von rabenkrähe Beitrag anzeigen
    ....

    Die Macht der Finanzmärkte ließe sich sogar ziemlich leicht brechen, aber namentlich die USA und GB sind nicht daran interessiert, weil sie trotz aller anderen Erfahrungen noch immer der Illusion folgen, eine gänzlich unregulierte Finanzwirtschaft befördere die Realwirtschaft und spüle somit Einnahmen in die staatlichen Kassen.
    Es sind die innovativen Finanzprodukte und es ist der Hochfrequenz-Handel, der die Finanzmärkte so gefährlich macht. Dieser Hochfrequenz-Handel ließe sich schon mit einer geringfügigen Finanztransaktionssteuer bremsen, weil er dadurch einfach zu teuer würde.
    Hochfrequenzhandel, Computerhandel und Internet haben die Finanzmärkte zu Zockerbuden verkommen lassen, in denen eine vernünftige Geldanlage zum Nebenprodukt geworden ist. Und solange dem nicht Einhalt geboten wird, wirds mit der Wirtschaft gnadenlos bergab gehen.
    rabenkrähe
    Dass Sie den Hochfrequenzhandel als mitschuldig am gegenwärtigen Finanzdebakel ansehen, zeigt, dass Sie rein gar nichts über dessen Funktionsweise Begriffen haben.
    Die Finanzmärkte als Zockerbuden zu bezeichnen, geht ebenfalls an den Tatsachen vorbei. Sicher gibt es eine Menge Marktteilnehmer, die die Märkte zum Zocken benutzen. Wenn sie dann auf die Nase gefallen sind, suchen sie die Schuld natürlich nicht am eigenen Unvermögen, sondern wälzen die Schuld auf die anonymen und völlig neutralen Märkte ab.
    Das ist schlicht billigste Polemik.
  5. #5

    Sunday, 30. october 2011 Die Macht des Geldes

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Immer mehr Menschen fühlen sich von den Politikern im Stich gelassen, die in ihren Entscheidungen den Bedürfnissen der Finanzwelt folgen. Bürgerinnen und Bürger sehen hier eine einseitige Interessenvertretung zu ihren Ungunsten, doch der Einfluss der Wirtschaft siegt immer häufiger über die Politik. Lässt sich die derzeit übergroße Macht der Finanzmärkte brechen?
    Abraham Lincoln, US-Präsident, 21. November 1864
    Schon 1864 mahnte Abraham Lincoln vor der Macht des Geldes!
    Warum konnte sich die Menschheit von dem Automatismus - der Macht des Geldes – nie befreien?
    Den Menschen muss doch irgendwann mal klar werden: Geld kann ihr Überleben nicht gewährleisten, im Gegenteil, der Automatismus der Geldvermehrung, er zerstört immer wieder und immer gründlicher die wirklichen Existenzgrundlagen.
    Die dramatischen Folgen der Geldvermehrung sind die ständig fortschreitende systemische Verbreiterung der Kluft zwischen Arm und Reich, Ausschluss und Verarmung breiter Bevölkerungsschichten und verstärkte ökologische Zerstörung.
    Das große Geld, das schnelle Geld – Heilsversprechen einer entgleisten Gesellschaft. Geld wird zur Droge und die Geldgesellschaft zur Suchtgemeinschaft. Virtuelle Geldpakete umkreisen den Globus. Die Welt wird zum Riesenspielzeug. Schaukämpfe verschleiern die geheime Allianz von Finanzwirtschaft und Politik. Das Geschäftsmodell der Zocker, Goldgräber der Geldzeit, ist ansteckend. Es ist Zeit für die Beändigung der Unersättlichen.

    In einer Gesellschaft, die ihre Ziele verloren hat, ist Geld zum Selbstzweck verkommen: Es ist eine Droge, der die ganze Gesellschaft verfallen ist. Und es ist zur Ware geworden. Die Geldverkäufer liefern Power pur, wenn sie Geldpakete kaufen und verkaufen. Natürlich immer mit Gewinn: Denn die Geldreligion kennt nur ein Ziel: Geldvermehrung. Das Geschäftsmodell der Zocker ist ansteckend, auch die Politik wechselt ins Lager der Geldverbrenner.
  6. #6

    Zitat von JaIchBinEs Beitrag anzeigen
    Das Hauptproblem der Finanzwelt ist der Zins, der vorab einen Mehrwert für einen verliehenen Geldbetrag verspricht. Diese Erwartung erfüllt sich nur, wenn auch ein realer wirtschaftlicher Gegenwert erzeugt wird. Ist der Gläubiger nicht in der Lage, diesen Mehrwert durch quantitatives oder qualitatives Wachstum seiner Wirtschaftsleistung zu erzielen, wird das Versprechen nicht eingelöst und einen Verlust bewirken.

    Die Regel, von einem „schlechten“ Gläubiger extra hohe Zinsen zu fordern, spricht gegen jeden gesunden Menschenverstand.
    Bei einem Pferderennen würde man auch nicht von einem hufkranken Tier eine besondere Leistung erwarten und die Ziellinie gegenüber den Konkurrenten entfernter festlegen.

    Realwirtschaftlich gesehen, müßte man die Staatsanleihen von Krisenstaaten mit einem negativen Zins versehen...
    Der höhere Zins soll doch nur das höhere Risiko kompensieren. Alternativ und vielleicht rationaler, sollte man ganz darauf verzichten, Geld an Schwachmaten zu verleihen.
    Oder verleihen Sie selber Geld ohne Kompensation für Risiko und die Zeit, während Sie selber nicht über das verliehene Geld verfügen können?
  7. #7

    Zitat von heinrichp Beitrag anzeigen
    Abraham Lincoln, US-Präsident, 21. November 1864
    Schon 1864 mahnte Abraham Lincoln vor der Macht des Geldes!
    Warum konnte sich die Menschheit von dem Automatismus - der Macht des Geldes – nie befreien?
    Den Menschen muss doch irgendwann mal klar werden: Geld kann ihr Überleben nicht gewährleisten, im Gegenteil, der Automatismus der Geldvermehrung, er zerstört immer wieder und immer gründlicher die wirklichen Existenzgrundlagen.
    Die dramatischen Folgen der Geldvermehrung sind die ständig fortschreitende systemische Verbreiterung der Kluft zwischen Arm und Reich, Ausschluss und Verarmung breiter Bevölkerungsschichten und verstärkte ökologische Zerstörung.
    Das große Geld, das schnelle Geld – Heilsversprechen einer entgleisten Gesellschaft. Geld wird zur Droge und die Geldgesellschaft zur Suchtgemeinschaft. Virtuelle Geldpakete umkreisen den Globus. Die Welt wird zum Riesenspielzeug. Schaukämpfe verschleiern die geheime Allianz von Finanzwirtschaft und Politik. Das Geschäftsmodell der Zocker, Goldgräber der Geldzeit, ist ansteckend. Es ist Zeit für die Beändigung der Unersättlichen.

    In einer Gesellschaft, die ihre Ziele verloren hat, ist Geld zum Selbstzweck verkommen: Es ist eine Droge, der die ganze Gesellschaft verfallen ist. Und es ist zur Ware geworden. Die Geldverkäufer liefern Power pur, wenn sie Geldpakete kaufen und verkaufen. Natürlich immer mit Gewinn: Denn die Geldreligion kennt nur ein Ziel: Geldvermehrung. Das Geschäftsmodell der Zocker ist ansteckend, auch die Politik wechselt ins Lager der Geldverbrenner.
    Da haben Sie wunderbar lamentiert. Könnten Sie im nächsten Schritt mal konkret werden und Vorschläge machen, wie man unsere komplexe Welt ohne Geld organisieren soll?
  8. #8

    alternativen

    Zitat von Manukun Beitrag anzeigen
    Da haben Sie wunderbar lamentiert. Könnten Sie im nächsten Schritt mal konkret werden und Vorschläge machen, wie man unsere komplexe Welt ohne Geld organisieren soll?
    Ach es gibt doch schon genügend Vorschläge fuer ein anderes Geld System. Kreutzer, Senf und Co. Haben haben schon Vorschläge gemacht.

    Immer nur das jetzige zu verteidigen und als das ultimative hinzustellen halt ich fuer wenig hilfreich die unbestreitbar vorhandenen Probleme zu lösen.

    Allein die denke, den Anspruch zu haben, das Geld, welches man gerade nicht benötigt, und weglegt (spart) müsse sich vermehren, gilt es zu hinterfragen. Fast jeder Gegenstand den ich kaufe, verliert an Wert, aber Geld allein soll sich vermehren....

    Einfach mal solche scheinbar Gott gegebenen Tatsachen hinterfragen und ueberlegn ob nicht ein anderes System menschlicher sein könnte.
  9. #9

    Ich halte Kapitalismus, ebenso wie den Sozialismus, für gescheitert.

    Zitat von Manukun Beitrag anzeigen
    Da haben Sie wunderbar lamentiert. Könnten Sie im nächsten Schritt mal konkret werden und Vorschläge machen, wie man unsere komplexe Welt ohne Geld organisieren soll?
    Kapitalismus

    "Ist die Durchsetzung des in jeder Form Stärkeren in allen Lebensbereichen der Gesellschaft." Ich halte Kapitalismus, ebenso wie den Sozialismus, für gescheitert. Der Kapitalismus ist jedoch nach meinem Verständnis kein künstliches von Menschen erdachtes Gesellschaftssystem wie der Sozialismus. Die Grundzüge des Kapitalismus, das Streben nach Besitz, Anerkennung und damit verbundener Macht sind im Menschen selbst begründet. Lebenserhaltung und Existenzsicherung als Urinstinkte begründen dieses Verhalten. Diese Urinstinkte, geboren aus dem Überlebenskampf um die seine Existenz sichernden notwendigen Dinge des Lebens bilden die Basis des Kapitalismus, welcher gepaart mit Selbstsucht und Gier sich zum Raubtierkapitalismus entwickelt hat. Diese Urinstinkte und die Tatsache, dass der Preis eines Produktes nicht in vollem Umfang wieder als existenzsichernde Ausgabe dem Wertschöpfungsprozess, sprich Markt, zu fließt, sondern als Gewinn (zu einem Teil den Beschäftigten vorenthaltener Lohn) oder Sparvermögen (Kapital) über die Banken der Geldwirtschaft, dem Kapitalmarkt zur Verfügung steht und damit die Grundlage für den Kapitalismus bildet.

    Das, auch im Kapitalismus vorhandene, soziale Verhalten des Menschen resultiert nicht im und aus dem Kapitalismus, sondern wiederum aus dem Menschen selbst. In seinen charakterlichen Eigenschaften ist er ein Individuum, doch in seinem Wesen und seinen Bedürfnissen ist er ein - Anerkennung und soziale Nähe suchendes - die Gesellschaft anderer Menschen bedürfendes soziales Wesen. Es gilt darum diese Urinstinkte in geordnete, geregelte Bahnen zu lenken und zum Wohle aller Menschen einzusetzen. Denn jeder soll entsprechend seinen Fähigkeiten zu seinem aber auch dem Gemeinwohl beitragen. Wir versuchen der Kriminalität ja auch mit Regeln beizukommen, warum nicht dem Kapitalismus? Wo Rechte sind, gibt es auch Pflichten!