Fremdsprachen für*Grundschüler: "Früh anfangen allein reicht nicht"

Englisch ab der ersten Klasse? Bringt nicht viel, findet die Landesregierung in Baden-Württemberg und will den frühen Sprachenunterricht streichen.*Ein Rückschritt, sagt Sprachwissenschaftler Thorsten Piske und erklärt im Interview,*dass schlechte Lehrer bessere Ergebnisse verhindert haben.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...788653,00.html
  1. #1

    Yes we can!

    Meine Erfahrung: Herr Piske hat recht. Wenn die Lehrer gut Englisch können, lernen die Kinder das auch gut - allerdings sprechen sie in diesem Alter eher nicht, sondern beherrschen die Sprache passiv. Und ja, es bringt was, denn sie haben keine Hemmschwelle Fremdsprachen gegenüber (wer wie ich in den 70ern in der Schule Fremdsprachen gelernt hat, kann sich vielleicht noch daran erinnern). Und zu dem Geschimpfe über Eltern, denen das wichtig ist kann ich nur sagen, dass brauchbare Englischkenntnisse heute einfach zur Grundausstattung gehören. In der bilingualen Klasse meiner Tochter sind übrigens ungefähr 50% Migrantenkinder, deren Eltern sehen das genauso.
  2. #2

    Kulturtechnik

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Englisch ab der ersten Klasse? Bringt nicht viel, findet die Landesregierung in Baden-Württemberg und will den frühen Sprachenunterricht streichen.*Ein Rückschritt, sagt Sprachwissenschaftler Thorsten Piske und erklärt im Interview,*dass schlechte Lehrer bessere Ergebnisse verhindert haben.

    Fremdsprachen für*Grundschüler: "Früh anfangen allein reicht nicht" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Englisch ist doch heute längst keine Fremdsprache mehr, sondern die fünfte Kulturtechnik. Und Kulturtechniken sind die Grundlage von allem Lernen. Also hat Piske völlig recht. Meines Erachtens ist das STreichen des Englischunterrichts genauso unsinnig wie es etwa das Aussetzen von Lesenlernen wäre um sich stattdessen zunächst aufs Rechnen zu konzentrieren.
  3. #3

    Deutsch

    Wie wäre es zunächst, den Kindern ein verwertbares Deutsch beizubringen?
  4. #4

    Können denn etwa alle, die bisher in die Schule gingen und "erst" ab der 5. Klasse Englisch gelernt haben, nicht gut genug Englisch, um im Alltag und sogar im Beruf hervorragend damit klarzukommen? Also ich selbst fühle mich nicht benachteiligt und ich denke, dass es vielen so geht. Daher finde ich, Fremdsprachen bereits in der Grundschule beizubringen, ist unnötig. Er reicht schon, dass die Schüler in den höheren Klassen durch G8 einen immer volleren Stundenplan kriegen - muss das bei Grundschülern jetzt auch sein (und womöglich essentiellere Sachen wie Mathematik darunter leiden, siehe Artikel?)?
    Sollten Kinder nicht auch noch die Möglichkeit haben, einen gewissen Zeitraum einfach auch Kinder sein zu dürfen, zu spielen und Spaß zu haben? Das finde ich für die Entwicklung der Kinder viel viel wichtiger, als möglichst früh Fremdsprachen sprechen zu können.
  5. #5

    Fundiertes Halbwissen

    Zitat von Pepito_Sbazzagutti Beitrag anzeigen
    Wie wäre es zunächst, den Kindern ein verwertbares Deutsch beizubringen?
    Vollkommen richtig! Die vielen Bildungsexperimente haben ein Ergebnis gebracht: Die Kinder und Jugendlichen verfügen nach der Schulzeit über ein fundiertes Halbwissen. Sobald man ein bisschen an der Oberfläche kratzt, merkt man, dass nicht viel an Wissen da ist. Zweisprachig kann man in einer Familie aufwachsen, mit vier oder fünf Schulstunden pro Woche klappt es nicht, wenn zu Hause nur eine Sprache gesprochen wird.
  6. #6

    Englisch ab Klasse 5 reicht vollkommen

    Ich habe selber in den 70iger Jahren an einem Englischunterricht Pilotprojekt in der zweiten Grundschulklasse teilgenommen. Nach einem halben Jahr waren von den ursprünglich 20 Teilnehmern noch 2 regelmässig dabei und daher wurde der Versuch eingestellt. Durch die schlechten Erfahrungen in frühen Jahren hatte ich bis Klasse 9 keinerlei Interesse an Englisch, erst ein selbstorganisierter Sprachaufenthalt in Großbritannien hat bei mir das Interesse an der Sprache und Kultur erweckt. Heute spreche ich ( auch durch 10 Jahre im Ausland) Englisch wie Deutsch und denke dass es reicht in Klasse 5 mit Englisch und ab Klasse 7 mit einer zweiten Fremdsprache zu beginnen. Ich habe im Bekanntenkreis einige Eltern, die schon ihre Kleinsten zum Japanisch- oder Chinesischunterricht zwingen, grossartige Fortschritte, bzw. sprachliche Überlegenheit gegenüber Kindern, die erst mit 9 Jahren beginnen eine Fremdsprache zu lernen, konnte ich bisher bei keinem dieser Zwerge entdecken.
  7. #7

    Fremdsprachen im Unterricht der GS

    Ich habe an einer Schule unterrichtet, an welcher die Schüler von der ersten Klasse an in 2 Sprachen und ab Klasse 3 in 3 Sprachen unterrichtet wurden. Ein Problem konnten wir in all den Jahren nicht erkennen. Man muss natürlich sehr genau darauf achten das man den Unterricht kind - und altersgerecht gestaltet. Das ist aber ohne Schwierigkeiten machbar. Wo ist das Problem? Wir wollen unseren Fächerkanon so behalten, wie er schon bei Oma und Opa war. Der Unterricht soll auch so laufen, wie früher auch. Schließlich haben wir ja auch gelernt und waren erfolgreich. Lassen wir aber eine Auflösung des festen Stundenrahmens zu, öffnen wir unsere Klassen und unseren Unterricht und nähern wir uns in unseren Unterrichtsformen den Bedürfnissen der Schüler an, dann erkennen wir sehr bald, wie viele Kapazitäten noch da sind. Es geht auch nicht darum, ob Schüler, welche erst ab Klasse 5 die erste Fremdsprache hatten, besser oder schlechter sind. Es ist ein anderer ungezwungener Umgang mit Sprache möglich, wenn dies in den unteren Klassen gepflegt wird. Und diese Offenheit kann man nicht wieder nachholen!
  8. #8

    Poole/Dorsetshire

    Zitat von postmaterialist2011 Beitrag anzeigen
    IDurch die schlechten Erfahrungen in frühen Jahren hatte ich bis Klasse 9 keinerlei Interesse an Englisch, erst ein selbstorganisierter Sprachaufenthalt in Großbritannien hat bei mir das Interesse an der Sprache und Kultur erweckt.
    Ging mir genauso. Ich (Jg. '62) war zwischen 1975 und 1977 dreimal zu Sprachaufenthalten in England. Drei Wochen auf der Insel ersetzten mindestens ein Schulhalbjahr :-)
  9. #9

    Wie wäre es...

    nur noch englisch zu sprechen. Dann kann man sich das Deutschlernen sparen. Ich beneide die Angelsachsen, die im Beruf mit ihrer Muttersprache ausreichend qualifiziert sind und sich nicht unnötig mit Fremdsprachen herumplagen müssen.