Braucht der Bund mehr Kompetenz in der Bildungspolitik?

Der Föderalismus ist ein politischer Grundpfeiler Deutschlands. Aber wie sinnvoll ist er heute auf dem Feld der Bildung? Die Frage der schulischen Ausbildung sowie der Zukunft der Universitäten verlangt nach grundlegenden Maßnahmen, um Deutschlands internationale Stellung zu verbessern. Braucht hierzu der Bund mehr Kompetenz in bildungspolitischen Entscheidungen?
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Föderalismus ist ein politischer Grundpfeiler Deutschlands. Aber wie sinnvoll ist er heute auf dem Feld der Bildung? Die Frage der schulischen Ausbildung sowie der Zukunft der Universitäten verlangt nach grundlegenden Maßnahmen, um Deutschlands internationale Stellung zu verbessern. Braucht hierzu der Bund mehr Kompetenz in bildungspolitischen Entscheidungen?
    Er ist insofern sinnvoll, als er verhindert, dass die gesamtdeutsche Bildung sich auf dem Niveau von Berlin und Bremen einpendeln muss, denn bekanntlich orientiert sich das Tempo einer Gruppe am langsamsten.
    Dennoch braucht der Bund mehr Kompetenzen im universitären Bereich, um zu verhindern, dass je nach Landesregierung Studiengebühren erhoben bzw. wieder abgeschafft werden.
  2. #2

    Braucht der Bund mehr Kompetenz in der Bildungspolitik?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Föderalismus ist ein politischer Grundpfeiler Deutschlands. Aber wie sinnvoll ist er heute auf dem Feld der Bildung? Die Frage der schulischen Ausbildung sowie der Zukunft der Universitäten verlangt nach grundlegenden Maßnahmen, um Deutschlands internationale Stellung zu verbessern. Braucht hierzu der Bund mehr Kompetenz in bildungspolitischen Entscheidungen?
    Auf jeden Fall! Es kann doch nicht im Ernst so sein, dass in Kleinkleckersdorf Deutschland die Schul-Berufs-Studienabschlüsse der anderen Bundesländer Deutschlands unereinander nicht anerkannt werden . Wie neulich im Fernsehen zu sehen war, ist einer ausgebildeten Kindergärtnerin mit gutem Abschluß , die Stelle als Kindergärtnerin im Land Brandenburg (ausgerechnet) wegen der Nichtanerkennung der Abschlüsse in Bayern , nicht gegeben worden.
    Das gebetsmühlenartige Wiederholen von dem wudnerbaren gemeinsamen Europa stellt sich damit selbst ad adsurdum.
  3. #3

    Eine Frechheit an Zumutung

    Zitat von Pens Beitrag anzeigen
    Er ist insofern sinnvoll, als er verhindert, dass die gesamtdeutsche Bildung sich auf dem Niveau von Berlin und Bremen einpendeln muss, denn bekanntlich orientiert sich das Tempo einer Gruppe am langsamsten.

    Dann sollen also die Familien ihrer Schulkinder wegen immer in das Bundesland umziehen, in dem das Schulsystem momentan am vermeintlich besten, effektivsten und schnellsten ist.

    Also Bildungswettbewerb auf Kosten von Menschen, Familien, deren Entwurzelung und Heimatlosigkeit durch ständiges Umziehen. Also nicht nur Arbeits- sondern auch Bildungsnomaden, die sich am besten statt eines Hauses besser einen Wohnwagen zulegen.

    Dann kann man auch sagen, dass es innerhalb einer Schule nun mal bessere und schlechtere Pädagogen gibt, was dann heißen würde, dass alle SchülerInnen in die Klasse wollen und sollen in der der vermeintlich beste wirkt. Die vermeintlich schlechteren Pädagogen sollen dann nach hause gehen, und die vermeintlich schlechteren und entvölkerten Bundesländer sollen sich dann einmotten lassen ?.

    Potenzierend dabei wirkt auch noch der traurige Umstand, dass immer mehr Familien der Arbeitsstelle hinterher ziehen müssen. Was dann zur Folge haben kann, dass man zwar in dem Land mit dem momentan vermeintlich besten Schulsystem wohnt, die Familie aber dennoch umziehen muss, weil eine passende Arbeitstelle in einem anderen Bundesland wartet.

    Es ist schlicht seitens der Politik eine Frechheit an Zumutung, von den Menschen immer mehr Flexibilität ihm Arbeitsbereich zu erwarten (der Arbeit hinterher ziehen), aber den Kindern zuzumuten, sich ständig an neue Schulsysteme anzupassen, wobei nicht selten das eine Bundesland gegenüber dem anderen zeitlich hinterherhinkt oder vorauseilt.

    Nein, 1+1=2 und Napoleon Bonaparte lebte von 1769 bis 1821 (hab ich bei Wikipidia nachgeguckt...das mit Napoleon, nicht die Formel, die hab ich im Kopf ausgerechnet), das ist in Bremen genauso wie in München. Deshalb ist nicht einzusehen, warum dieses Wissen hier anders gelehrt werden sollte als dort.

    Warum sich die Politik so schwer tut über ein über Jahrzehnte diskutiertes Thema und ein Großteil der Bevölkerung sich gegen den Bildungsföderalismus ausspricht. Das mögen jene die dort leben wo zufälligerweise das Bildungssystem vermeintlich besser ist, bzw. sie dorthin zogen (weil die Geldmittel dafür da waren) wohl anders sehen.

    Diese Sturheit und Trägheit der Politik, bei Bankenrettungen brauchen die nur Tage, kann ich mir nur erklären in Interessenkonflikten, Klüngel und Besitzstandswahrungen. Denn bei einem zentralen Schulsystem, das übrigens viele Staaten mit Erfolg praktizieren, so manche Pöstchen und Verwaltungen überflüssig werden.
  4. #4

    ...

    Wenn man den Bildungsföderalismus aufgibt, dann gibt es Bildungszentralismus auf dem Niveau von Bremen, Brandenburg, Meck-Pomm und co. Das wäre katastrophal für einen hochtechnologisierten Industriestaat. Wenn man also seinen Bildungsstatus verbessern will, dann kann das nur dann gelingen, wenn sich die bildungsschwachen Staaten an den bildungsstarken Staaten orientieren und nicht umgekehrt. Ist doch logisch. Dass Kinder, Jugendliche und Studenten auf hohem Niveau lernen können machen doch die Bayern vor. Die Kinder dort sind nicht von Natur aus schlauer, man fordert sie nur mehr.
  5. #5

    .

    Es gibt keinen logisch nachvollziehbaren Grund, warum mehr Bundeskompetenz zu höherer Bildungsqualität führen sollte. Wenn ich mir die zuständigen Bildungsminister im Bund anschaue, wäre das kein Vorteil gewesen.

    Föderalismus hat Vor- und Nachteile, die aber mit Bildungsqualität wenig zu tun haben. Wer im Zentralismus die Heilslösung sieht, argumentiert nur ideologisch.
  6. #6

    Welch ungeheuer wichtige Frage

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Föderalismus ist ein politischer Grundpfeiler Deutschlands. Aber wie sinnvoll ist er heute auf dem Feld der Bildung? (...)
    Föderalismus oder Zentralismus oder Atomismus oder was es sei, es fehlt zuerst einmal für alles und überall an Geld (Schotter, Mäuse, Kröten,...) für alles, angefangen von neuen Schulgebäuden bis zur individuellen Förderung schwieriger Schüler. Der Rest ist aufgeblasenes, formelles, nebensächliches Gerede. Scheint aber gerade in Mode zu sein.
    Nebenbei einen Blick in die Bundeshaushalte der vergangenen Jahre werfen, was der Afganistan-Krieg denn so gekostet hat z.B., von den Menschenleben erst gar nicht anfangen.
  7. #7

    ...

    Zitat von Marco Z. Beitrag anzeigen
    Wenn man den Bildungsföderalismus aufgibt, dann gibt es Bildungszentralismus auf dem Niveau von Bremen, Brandenburg, Meck-Pomm und co. Das wäre katastrophal für einen hochtechnologisierten Industriestaat. Wenn man also seinen Bildungsstatus verbessern will, dann kann das nur dann gelingen, wenn sich die bildungsschwachen Staaten an den bildungsstarken Staaten orientieren und nicht umgekehrt. Ist doch logisch. Dass Kinder, Jugendliche und Studenten auf hohem Niveau lernen können machen doch die Bayern vor. Die Kinder dort sind nicht von Natur aus schlauer, man fordert sie nur mehr.
    Schön, dass immer nur Bayern zitiert wird. Gruß aus Sachsen. Und nein, mir hat das zentralisierte Bildungssystem zu DDR Zeiten nicht geschadet, und auch das Zentralabitur 98 nicht. Auch 8 Jahre Abizeit nicht - hat trotzdem für einen 2.0 Schnitt gereicht (blöde Wahrscheinlichkeitsrechnung und blöde mündliche Prüfung). In einem Land, in dem Lehrlinge und Studenten von einer Ecke in die andere wandern müssen, ist ein einheitlicher Abschluss der "Grundbildung" zwingend notwendig. Oder soll jeder Lehrmeister aus dem FF wissen, welcher Lehrling aus welchem Bundesland welchen Abschluss hat und was man ihn ergo zumuten kann? Oder sollen die Unis ihre Startsemester auf den kleinesten gemeinsamen Nenner ausrichten, denn es könnte ja ein Abiturient von da dabei sein? Schulen mit unterschiedlichen Profilen, gerne, aber es muß einen vergleichbaren Standard geben.
  8. #8

    Föderalismus wurde uns aus guten Gründen nach dem Kriegsende aufgezwungen

    Die westlichen alliierten Siegermächte haben uns den noch immer praktizierten Föderalismus aufgezwungen. Damit sollte eine zentralistische Politik mit eventuell wieder diktatorischen Anflügen unmöglich gemacht werden.
    … Bei den damals noch in den Ämtern agierenden Leuten mit dem Geist aus der Kaiserzeit und dem Nazistaat war das wohl auch vernünftig.
    Inzwischen bestehen diese damit verbundenen Risiken aber überhaupt nicht mehr. Heute ist der Föderalismus wie er noch immer praktiziert wird, vollkommen überholt und ein so nicht mehr tolerierbares Entwicklungshemmnis.

    Das Bildungswesen aber auch die innere Sicherheit (s. aktueller Fall!) zeigen dies am deutlichsten.
    Und man vernimmt zu diesem Thema fast immer, mit der Vereinheitlichung würde das Niveau auf das der Leistungsschwächsten gesenkt werden. Haarsträubender Unsinn!
    Das Hauptmotiv für den Widerstand gegen Föderalismusabbau scheint mir zusein, dass man an den viel zu vielen regionalen Ämtern und Posten klebt.
  9. #9

    Staatsrecht

    Zitat von !eumel Beitrag anzeigen
    Die westlichen alliierten Siegermächte haben uns den noch immer praktizierten Föderalismus aufgezwungen. Damit sollte eine zentralistische Politik mit eventuell wieder diktatorischen Anflügen unmöglich gemacht werden.
    … Bei den damals noch in den Ämtern agierenden Leuten mit dem Geist aus der Kaiserzeit und dem Nazistaat war das wohl auch vernünftig.
    Inzwischen bestehen diese damit verbundenen Risiken aber überhaupt nicht mehr. Heute ist der Föderalismus wie er noch immer praktiziert wird, vollkommen überholt und ein so nicht mehr tolerierbares Entwicklungshemmnis.

    Das Bildungswesen aber auch die innere Sicherheit (s. aktueller Fall!) zeigen dies am deutlichsten.
    Und man vernimmt zu diesem Thema fast immer, mit der Vereinheitlichung würde das Niveau auf das der Leistungsschwächsten gesenkt werden. Haarsträubender Unsinn!
    Das Hauptmotiv für den Widerstand gegen Föderalismusabbau scheint mir zusein, dass man an den viel zu vielen regionalen Ämtern und Posten klebt.
    Selbst wenn die Bildungspoltik zentralisiert wird, so bleibt der verwaltungsvollzug Sache der Länder.

    Dem Bundesbildungsministerium werden die ehemaligen Landesschulbehörden als Oberbildungsdirektionen unterstellt. Die Schulaufsichten bei den bezirksregierungen werden dann Bildungsdirektionen.

    Eingespart wird da nix, Wer es nicht glauben will vergleicht ganz einfach den Aufbau der Finanzverwaltung.

    Bundesministerium der Finanzen
    Länderfinanzministerien
    Oberfinanzdirektionen
    Finanzdirektionen
    Finanzämter