Mythen der Arbeit: Der Fachkräftemangel kostet jährlich 30 Milliarden - stimmt's?

Man nehme eine Zahl fehlender Fachkräfte und multipliziere*eifrig*- heraus kommt ein horrender Schaden für die deutschen Unternehmen, jedes Jahr. So einfach funktioniert Wirtschaft aber nicht, warnt Arbeitsforscher Joachim Möller. Ein Mangel an Arbeitskräften ist nicht das größte Problem der Betriebe.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...797788,00.html
  1. #1

    Danke

    Danke für diese Serie. Es wird schön, fundiert, nachvollziehbar und unaufgeregt über aktuelle Themen gesprochen, ich lese das sehr gerne. Am meisten hat mir ja die Aussage in einem der Artikel zu denken gegeben, dass Wirtschaftslehre ungleich Vorhersage von Ereignissen ist, sondern nur Zusammenhänge erklärt. Mit ein wenig Nachdenken komplett offensichtlich, aber diesen Denkanreiz muss man erst einmal bekommen!
  2. #2

    .

    Wie heißt es immer bei der Marktwirtschaft? Angebot und Nachfrage.
    Höheres Angebot an Arbeit senkt den Preis, d.h. die Löhne.
    Ich denke das ist der Grund warum der Lobbyverband der Arbeitgeber den Mythos Fachkräftemangel erfunden hat.

    Tatsache ist aber, daß 50Jährige Ingenieure keine Arbeit mehr finden, weil Unternehmer aus irgendwelchen Gründen dem MTV Jugendwahn hinterherlaufen.
  3. #3

    Nein, ich bin nicht Herr Hundt,

    aber bevor der seinen Senf dazu gibt, {das Bild krieg' ich nicht mehr weg [Hundt!Gib' Senf]} hab ich mal ne Frage. Ist es wirklich so, dass ein Mensch bei Zahlen mit mehr als 3 Stellen überfordert ist und immer einen Punkt nach 3 Stellen setzt? Falls Ja, wundert es mich nicht, dass solche Zahlen unrecherchiert veröffentlicht werden.
    30.000.000.000 € || Annahme: 1 Stück kann zu 100 Geldeinheit verkauft werden = Produktion von 300.000.000 Stück || 1 Stückhersteller ist mit 5.000 Geldeinheiten monatlich produktiv = 50 Stück pro Monat = 600 Stück pro Jahr || 300.000.000 Stück pro Jahr geteilt durch 600 Stück/Stückhersteller ergibt doch sage und schreibe 5.000 neue Stückhersteller, die notwendig sind!
    Beliebig erweiterbar!!!
  4. #4

    Selbst ausbilden

    Viele Firmen bilden gar nicht mehr selber aus oder erwarten Auszubildende mit vielen Praktika, am besten noch 10 Jahre Berufserfahrung.
    Mein Sohn sucht seit Jahren eine Ausbildungsstelle. Er hat die "Mittlere Reife", jedoch keine Praktika, da diese bei uns in der Gegend so gut wie gar nicht angeboten werden. Für nicht vergütete Praktika soll er dann halt pendeln. Aber keiner ersetzt die Fahrtkosten. Diese sollen dann die Eltern bezahlen.
    Wie wäre es, wenn die Firmen ihre Anforderungen mal herunterschrauben und den jungen Leuten eine Chance geben. Sie würden sich wundern, wie viele junge Leute arbeitswillig sind, wenn man sie lässt.
    Für die Firmen hätte es den Vorteil, dass sie Arbeitskräfte nach Maß hätten.
  5. #5

    sehr guter Artikel

    Danke Herr Möller für diesen sehr guten Artikel. Sie sprechen mir aus der Seele. Ich kann dieses geheule der Arbeitgeberverbände schon nicht mehr hören. Diese versuchen mit einem großen Aufwand und Lobbyarbeit in der Politik diesen Mythos zu verbreiten und für sich zu nutzen. Es ist natürlich richtig, dass wir wegen dem demographischen Wandels in Zukunft im Personalbereich Probleme kriegen werden. Das aber was unter anderem die FDP in ihrem Koalitionsausschuss letzte Woche mit der CDU vereinbart haben (Einkommensgrenze gesenkt), dient nur dazu den Lohn jetzt schon zu drücken. Man holt sich einfach jetzt schon Arbeitskräfte aus dem Ausland um die Löhne niedrig zu halten. Wozu meine junge Generation unterstützen und ausbilden, lieber hole ich mir die Arbeitskräfte aus dem Ausland die arbeiten gerne für die Hälfte. Diese Rechnung wird aber auf Dauer nicht aufgehen. Das weiß die Wirtschaft aber zu gut.
  6. #6

    Mangel?

    Zu den unbesetzten Stellen:
    Die DB will in Stuttgart 180 Mitarbeiter einstellen, Wach- und Schutzkräfte:
    Für 8,60 €/h brutto mit Zulage.
    Mieten in Stuttgart ab 600.-/€, falls man mit dem Job überhaupt eine Wohnung in S bekommt.
    Die Gewerkschaften fordern 8,50 € Mindestlohn.
    Mangel an Arbeitskräften? Mangel an Löhnen.
  7. #7

    ...

    Zitat von marlene1960 Beitrag anzeigen
    Viele Firmen bilden gar nicht mehr selber aus oder erwarten Auszubildende mit vielen Praktika, am besten noch 10 Jahre Berufserfahrung.
    Mein Sohn sucht seit Jahren eine Ausbildungsstelle. Er hat die "Mittlere Reife", jedoch keine Praktika, da diese bei uns in der Gegend so gut wie gar .....
    http://www.ardmediathek.de/ard/servl...mentId=8753948
    Interessant fand ich die Meinung eines Spediteurs, der sich "seine" Kraftfahrer dourch die BA /DEKRA ausbilden läss. Ihn kostet das keinen Cent.
    Tenor:"...wir haben gern fertige Leute..."
  8. #8

    Fata Morgana

    Danke für diesen realistischen Artikel unter Zitat des Gutachtens vom DIW/Brenke ( beim DIW muss man immer aufpassen, wer die Studien macht, der andere Herr dort sieht es völlig anders ).
    Der angebliche Arbeitskräftemangel ist eine Fata Morgana. Es gibt ihn nicht.
    Er dient nur den Politikern und Unternehmern als vorgeschobenes Argument mehr Billigkräfte aus dem geliebten Ausland zu holen, die für viele Verbände lukrative "Hartz IV-Maschinerie" am Laufen zu halten ( war gestern Abend im ARD-TV zu sehen ) und Löhne zu drücken.
    Realität sind viele ältere Arbeitslose die jenseits der 45 / 50 ( je nach Branche ) keine mehr Jobs finden, Fachleute, die im Zuge des technischen Wandels nicht weitergebildet werden von den Firmen und tausende Studenten aus den doppelten Abiturjahrgängen von denen viele keine Jobs kriegen werden oder mit Anfang 30 immer noch Praktikant sind. Dafür ist dann mit Ende 40 Schluss.
    UvdL lebt in einer realitätsfremden Welt wenn sie von Chancen für ältere Arbeitslose faselt. Die meisten Firmen stellen dann eben keinen ein falls sie eine 'junge eierlegende Wollmilchsau' nicht bekommen.
  9. #9

    Gerüchte

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Man nehme eine Zahl fehlender Fachkräfte und multipliziere*eifrig*- heraus kommt ein horrender Schaden für die deutschen Unternehmen, jedes Jahr. So einfach funktioniert Wirtschaft aber nicht, warnt Arbeitsforscher Joachim Möller. Ein Mangel an Arbeitskräften ist nicht das größte Problem der Betriebe.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...797788,00.html
    Lägen die Kosten durch Fachkräftemangel tatsächlich bei 30 Milliarden jährlich, dann würden unsere obersten Fiskalbeamten allein schon wegen der daraus abzuleitenden Steuerausfälle wahrscheinlich zu Lobbyisten bei den Bildungs- und Arbeitsministerien mutieren.

    Fachkräftemangel dürfte in der Regel aus dem Mangel an Bereitschaft zu adäquater Bezahlung bereits vorhandener, bzw. noch anzuwerbender Fachkräfte resultieren.