Trainee-Programme: Der kleine Prinz ist tot

Josef Ackermann hat eins gemacht, Eckhard Cordes und Jürgen Dormann auch. Früher galten Trainee-Programme als elitärer Einstieg für künftige Thronfolger und Top-Manager. Doch aus dem bequemen Business-Class-Rundflug durchs Unternehmen ist ein Sturzflug ins harte Berufsleben geworden.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...791754,00.html
  1. #10

    ein grund...

    Zitat von new-yorker Beitrag anzeigen
    85,000 war Einstieg fuer einen Financial Engineer, 65,000 fuer einen Analysten. Die Boni schieben einen dann an oder ueber die 100,000. Von meinen Freunden in NYC (alles Absolventen von Top Unis (Columbia, NYU, Harvard, etc) wohnt keiner alleine damit man die Mieten zahlen kann (5 Zimmerwohnung an der 85th Street fuer knapp 6,000USD/Monat)

    Die anderen Daten von dir stimmen absolut. Rentenversicherung geht aber noch, die geht vor der Steuer direkt in den 401(k). Sind bei den meisten 6-10% des einkommens, kann man sich aber aussuchen.

    Wer in NYC bzw in Manhattan vernuenftig leben will brauch ein Haushaltseinkommen von 100,000USD aufwaerts. Bei 70-80h Arbeit die Woche hat man keine Zeit zum einkaufen/kochen/waschen etc. Man isst entweder am Schreibtisch oder laesst nach Hause liefern. Und wenn man mal weggehen will sind das auch sehr fix 100-300USD fuer einen langen Abend.

    Diese gehaelter werden aber auch in NYC nur in genau 3 Industrien gezahlt. Finanzwesen, Jura und im IT Bereich (da gehts ab 90,000 los). Viele andere Freunde in anderen BErufsfeldern kommen auf 40-60,000USD, was bei vielen Dingen deutliche Einschnitte bedeutet. Und nicht vergessen, bei vielen stehen noch viele Tausende USD an Collegeschulden dahinter, die man nebenbei auch noch bezahlen muss.
    weshalb immer mehr firmen in den "sueden" abwandern. die lebenshaltungskosten in new york sind horrend verglichen mit North Carolina (Raleigh, Charlotte) oder Texas (Dallas/Ft.Worth). hier gibts ein nettes apartment fuer rund $800/monat, keinerlei state income tax und strom/wasser sind auch guenstig. gehaelter natuerlich unter NYC fuer college absolventen, aber im endeffekt lebt man besser als in NYC.
  2. #11

    .

    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    weshalb immer mehr firmen in den "sueden" abwandern. die lebenshaltungskosten in new york sind horrend verglichen mit North Carolina (Raleigh, Charlotte) oder Texas (Dallas/Ft.Worth). hier gibts ein nettes apartment fuer rund $800/monat, keinerlei state income tax und strom/wasser sind auch guenstig. gehaelter natuerlich unter NYC fuer college absolventen, aber im endeffekt lebt man besser als in NYC.
    Deshalb sind Firmen wie Adidas, Siemens und Co. auch clever genug, mit ihren Headquartes in Bayern auf's flache Land zu ziehen. m2-Preis für's Häuschen 250 €. Da ist die Welt in Ordnung und die Kinder spielen nachmittags im Wald. Weg auf Arbeit: 15 min. Die Experten verdienen um die 100k und ein Besuch im Biergarten kostet 30 €. und wer ins Theater nach München will, fährt anderthalb Stunden mit dem Auto. Ist kürzer als in NY von einer Stadtseite zur anderen :-)

    Ich bin auch regelmäßig in den USA unterwegs, gerade in der NY-Gegend. Werde nie verstehen, was Leute dort hin zieht.
  3. #12

    New York New York

    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    weshalb immer mehr firmen in den "sueden" abwandern. die lebenshaltungskosten in new york sind horrend verglichen mit North Carolina (Raleigh, Charlotte) oder Texas (Dallas/Ft.Worth). hier gibts ein nettes apartment fuer rund $800/monat, keinerlei state income tax und strom/wasser sind auch guenstig. gehaelter natuerlich unter NYC fuer college absolventen, aber im endeffekt lebt man besser als in NYC.
    Dafuer lebt man dann aber in Charlotte oder Dallas... was sich die meisten erst vorstellen koennen, wenn sie familie haben. NYC ist teuer und anstrengend, aber es ist und bleibt dabei auch New York.
  4. #13

    Trainee = Direkteinstieg des hilflosen Managements

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Josef Ackermann hat eins gemacht, Eckhard Cordes und Jürgen Dormann auch. Früher galten Trainee-Programme als elitärer Einstieg für künftige Thronfolger und Top-Manager. Doch aus dem bequemen Business-Class-Rundflug durchs Unternehmen ist ein Sturzflug ins harte Berufsleben geworden.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...791754,00.html
    Die ganzen Trainee-Programme für den "Direkteinstieg" in's Management sind meiner Meinung nach das größte Problem aller Firmen, die auf diese Art ihr Management auswählen. Man bekommt Leute, die zwar theoretisch gut sind, aber von den Produkten, deren Entwicklung und deren Fertigung einfach keine Ahnung haben. Die Unterschiede in der Management-Qualität zwischen solchen Direkteinsteigern und langsam nach oben Aufgestiegenen (oder gar bei inhabergeführten Unternehmen) sind enorm. Besonders deutlich ist die Unsicherheit und die Unfähigkeit dann an der Menge der Prozesse zu erkennen, die eingeführt werden, um das unbekannte Wesen "Firma" trotz weitestgehend fehlender Erfahrung und Wissen führen zu können.
  5. #14

    Weine gleich

    Zitat von texas_star Beitrag anzeigen
    das liegt vielleicht daran, dass "Trainees" mindestens 4 Jahre studiert haben und dann am Ende eventuell ein etwas hoeheres einkommen als der blosse durchschnitt erwarten.
    und wie lange ist die durchschnittliche wochenarbeitszeit in deutschland? 38-40 stunden? davon kann ein "trainee" nur traeumen....

    es ist wie gesagt ein unterschied ob ich 9-5 taeglich arbeite und um 5 den laden schliesse und nach hause gehe oder in einem grosskonzern 50+ stunden die woche arbeite und abends um 7 uhr noch an einer powerpoint praesentation / package fuer den boss bastele damit es rechtzeitig fertig wird. letzterer kann zurecht ein einkommen erwarten welches etwas ueber dem blossen durchschnitt liegt, da die arbeitszeiten auch deutlich laenger sind.
    Habe für eine 50-60h/Woche nur 25000.-€/Jahr verdient.
    Musste aber Umsatz und Kosten verantworten. In ihren Augen war ich also nur ein Minderleister, oder?
    Verstehe jetzt aber warum die Mehrzahl der Trainees die ich kennenlerne durfte, Arschlöcher sind.
    Denken sich wahrscheinlich das Gleiche wie sie, nach unten treten nach oben buckeln.
    Nur gut das es noch Menschen mit gesundem Menschenverstand gibt, mit/ohne Studium, die in diesen Unternehmen arbeiten
  6. #15

    x

    Zitat von tomymind Beitrag anzeigen
    Habe für eine 50-60h/Woche nur 25000.-€/Jahr verdient.
    Musste aber Umsatz und Kosten verantworten.
    [...]
    Nur gut das es noch Menschen mit gesundem Menschenverstand gibt, mit/ohne Studium, die in diesen Unternehmen arbeiten
    Oh, keine Sorge, bei 25k war das nicht viel "Verwantwortung" - so jemand wird schnell ausgetauscht, wenn was nicht stimmt.
    Und, nein, mit 25k mehr als einen Assistentenposten zu übernehmen ist mit Sicherheit kein gesunder Menschenverstand, sondern ein extrem geringes Selbstvertrauen oder alternativ Null common sense. -> bei nächster Gelegenheit raus!
  7. #16

    Gutes Foto

    So wird´s kommen.

    Der Jugendwahn wird abgelöst durch einen Kinderirrsinn. Zu Ludwig´s Zeiten (IVX.) wurde auch ein 4-jähriger zum Kardinal ernannt.
  8. #17

    Stimme vollkommen zu

    Zitat von pibaer Beitrag anzeigen
    Die ganzen Trainee-Programme für den "Direkteinstieg" in's Management sind meiner Meinung nach das größte Problem aller Firmen, die auf diese Art ihr Management auswählen. Man bekommt Leute, die zwar ......
    Ich habe Ausbildung, 2 Jahre Berufserfahrung und demnächst Technikerschule hinter mir. Wir bekommen zwar Wissen für das mittlere Management mit. Ich würde mir aber im Lebtag nicht anmaßen sofort dorthin zu wechseln. Denn ich habe einfach zu wenig Ahnung bei Führung und Requirements Engineering und dergleichen - ganz zu schweigen von fachlichen Qualifikationen (die können Notenmäßig noch so gut sein) Wissen eignet man sich erst im Berufsleben richtig an.

    Und erst wenn ich die wichtigsten Abteilungen wie Prüffeld, Support, Entwicklung durchweg angeschaut (mind. 5 Jahre jeweils) habe, kann ich ins Management wechseln und dort auch als Respektsperson agieren und weitreichende Entscheidungen treffen.

    Das Problem des Management ist es das zu wenige Entscheidungen dem einzelnen angelastet werden können, meist zählt nur das "verkaufen" seiner selbst. Wenn ein Techniker ein Fehler macht dann wurde das meist gut dokumentiert und daraus lernt man. Leider herrscht im Management wohl eine andere Mentalität vor...

    EGS
  9. #18

    Sehe ich ähnlich

    Zitat von ohnebenutzername Beitrag anzeigen
    ich finde bei den ganzen Generation Praktikumberichten, Reportagen und Essays doch immer wieder erstaunlich, dass
    ein wichtiger Punkt ausgelassen wird: Der Steuerzahler zahlt kräftig mit. Denn all die Bachelors, die für bis zu 60 h bei max 400,- € in der schicken Werbeagentur oder Plattenfirma schuften, haben Anspruch auf ergänzendes Hartz 4.
    Warum, denkt die Chefetage, sollen wir aus der UNtermehnskasse zahlen, wenn unser Trainee doch von der Allgemeinheit mitbezahlt wird. Liegt ja nah. Stimmt.

    Regelsatz Hartz 4 liegt bei 364,- €, habe ich also schon ein Einkommen von 400,- € gibt es ergänzendes Hartz 4 in Form von anteiligen Kosten für Unterkunft und Heizung. Das sind zwar eigentlich z.B. nach der Av Wohnen in Berlin "nur" 378,-/Monat. Wenn die tatsächliche Miete jedoch höher ist, wird auch diese für 6 Monate mitbezahlt.
    Dann gibt es auch noch ein verbilligtes BVG Ticket (ca 35€)und allerlei Ermäßigungen im Kino,Theater und Museum, (soweit die 60H Woche hierfür noch Zeit läßt).
    Wenn Omi oder Mutti dann noch regelmäßig einen Hunderter rüberschicken, dann geht das.

    Tatsächlich haben wir es mit einer unerträglichen Quersubventionierung zu tun, die zumindest ich, nicht gewillt bin mitzutragen.

    Dass der Bolognagebeutelte Studiosus nun nicht gerade -nackt und lärmend- auf die Straße rennt, kann ich auch verstehen.

    Von Seiten der Unternehmen ist kein Einlenken zu erwarten. Warum auch?

    Soweit so gut. Nur leider gibt es immer mehr oder zumindest noch genug Personen, die es mitmachen. Das ist ja auch für diese so lange kein Problem, wie z.B. die Eltern unterstützen. Tendenziell trifft das natürlich eher auf wohlhabende Schichten zu. Deshalb wird es meines Erachtens auch immer schwieriger, sich "hochzuarbeiten". Das können sich viele nicht leisten. So paradox das auch klingt. Ich persönlich hatte das Glück, diese Ausbeutung nur kurzzeitig über mich ergehen lassen zu müssen. So sind meine Schulden aus dem Studium "nur" in den ersten 12 Monaten der Berufstätigkeit weiter gestiegen. Nach nunmehr 5 Jahren Berufstätigkeit muss ich aber immer noch einiges zurück zahlen...
  10. #19

    Unternehmen nutzen das aus

    Zitat von smallboy Beitrag anzeigen
    Der Artikel ist nicht vollständig - 95% der Traineestellen sind im Bereich Niedriglohn angesiedelt.

    Durchaus gibt es Trainee Stellen, die dotiert sind mit 40.000-50.000€ pro Jahr, richtig ist das es Konzerne sind. Bei Lidl ......
    Bei Mercedes-Benz Minibusse hatten Sie eine Dame als Praktikantin für 6 Monate eingestellt, die fertig studiert war. Für vielleicht 600 EUR p.M. Danach sollte Sie für das gleiche Geld nochmal ein Jahr dran hängen, hat sie mir erzählt. Dazu sollte sie sich dann wieder einschreiben (diesmal VWL), damit das Unternehmen nicht verklagt werden kann wegen der drastischen Unterbezahlung. Sie hat alles soweit ich es noch mitbekommen habe brav mitgemacht. Sie hatte keine Alternative...