Überfordern wir unsere Kinder?

Kürzere Schulzeit, mehr Unterrichtsstunden, dazu teils anstrengende Freizeitaktivitäten von Sport bis Kultur: Es gibt Kinder, die ein managergleiches Tagespensum zu absolvieren haben. Lehrer und Eltern handeln natürlich aus besten Absichten, schließlich soll dem Nachwuchs ein förderndes Angebot unterbreitet werden. Aber überfordern wir mit diesen Pflichten und Möglichkeiten unsere Kinder nicht zu sehr?
  1. #1

    Die verkürzte Gymnasialzeit ist eine Katastrophe:
    1.) Deutschland ist nichts, das Ausland ist alles. Wenn die Portugiesen es mit 8 Jahren schaffen, dann sollten wir deren Methode übernehmen, damit wir hier den Bildungsstand Portugals erreichen.
    2.) Das Lernergebnis ist nur in einem kurzen Intervall proportional zur Anzahl der Wochenstunden. Ist eine gewisse Anzahl Wochenstunden jedoch überschritten, dann verhält sich das Lernergebnis umgekehrt proportional zur Anzahl der Stunden.
    Ergebnis: Kinder werden für ideologischen Blödsinn (Selbstaufgabe der Bildungsautonomie unseres Landes) mißbraucht, geplagt und zugleich verdummt.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kürzere Schulzeit, mehr Unterrichtsstunden, dazu teils anstrengende Freizeitaktivitäten von Sport bis Kultur: Es gibt Kinder, die ein managergleiches Tagespensum zu absolvieren haben. Lehrer und Eltern handeln natürlich aus besten Absichten, schließlich soll dem Nachwuchs ein förderndes Angebot unterbreitet werden. Aber überfordern wir mit diesen Pflichten und Möglichkeiten unsere Kinder nicht zu sehr?
    Eltern- und Lehrerschaft haben bereits erkannt, dass nicht alle Möglichkeiten von allen genutzt werden können. Und diese Erkenntnis sollte auch den Kindern beigebracht werden. - Und besonders vielseitig Begabte müssen auch lernen, Rangfolgen über Wichtigkeit und Bedeutung zu erkennen und Prioritäten zu setzen.
  3. #3

    Zitat von Peter-Freimann Beitrag anzeigen
    Die verkürzte Gymnasialzeit ist eine Katastrophe[...]
    Da muss ich ihnen Recht geben; die kausalen Zusammenhänge zwischen Problem und Antwort, die die Bildungspolitik zu erkennen glaubt, bewegen sich weit jenseits der Grenze zum Absurden, und können so wohl nur deutschen "Spitzen"politikern schlüssig erscheinen:

    1.) Die Erkenntnis, Bildung sei der wichtigste Rohstoff Deutschlands, führt zur Einführung eines verkürzten Not- und Kriegsabiturs.

    2.) Die Erkenntnis, dass die Bildungsgerechtigkeit in keinem anderen Industrieland so miserabel ist wie in Deutschland, wird mit der Einführung von Studiengebühren beantwortet.

    3.) Der Wunsch nach größerer, wissenschaftlicher Kompetenz der Unis führt zur Drittmittelorientierung, mit der die Universitäten endgültig zu einer Ausbildungsabteilung für "Nieten in Nadelstreifen" degradiert werden.

    Doch wenn wir das andauernde Totalversagen der Bildungspolitik einmal Beiseite lassen: haben unsere Eltern von uns früher wirklich gar nichts verlangt? Haben wir früher neben der Schule keine Sportvereine besucht und musiziert? Haben wir in der Schule früher keine Noten bekommen?

    Kann es nicht vielmehr sein, dass die Bedingungen sich weit weniger geändert haben als die Erwartungshaltung? Dass die jetzige Elterngeneration eine unsägliche Tandenz zum Jammern und Klagen potenziert auf ihre Kinder übertragen hat?

    Liebe Eltern: wenn ihr Kind es nicht in die Hochbegabtenförderung schafft, liegt das nicht zwangsläufig an der Schule - vielleicht ist ihr Kind einfach nicht hochbegabt.
    Wenn ihr Kind beim Sport keine olympiareifen Leistungen erbringt, ist das kein Zeichen von schlechtem Training; und wenn ihr Kind nicht mit 10 Jahren Etüden von Chopin in Konzertqualität abliefert, liegt das weder am schlechten Klavierlehrer noch an mangelnder, ritalinwürdiger Konzentrationsschwäche.

    Auch wenn es schwerfällt, das zu akzeptieren: der weitaus größte Teil der Menschen wird immer duchschnittlich sein, weil eine herausragende Begabung - nun ja - eben herausragend und damit selten ist.
  4. #4

    Zitat von deus_ex_machina Beitrag anzeigen

    2.) Die Erkenntnis, dass die Bildungsgerechtigkeit in keinem anderen Industrieland so miserabel ist wie in Deutschland, wird mit der Einführung von Studiengebühren beantwortet.
    "Bildungsgerechtigkeit" kann es niemals geben. Wie soll das denn gehen? Kinder, die gewollt wurden, deren Mütter während der Schwangerschaft nicht geraucht haben, die nicht kurz nach der Geburt gleich in Staatsverwahrung gegeben werden, weil sie unserem Ideal der totalen Arbeit im Wege stehen, deren Eltern sich nicht gleich wegen dem erstbesten Nerv scheiden lassen, haben zwangsläufig viel mehr Chancen als andere.
    Die "Erkenntnis" gibt es gar nicht. Die PISA-Studie zeigt, daß zum Beispiel in Finnland die Einwanderer im Vergleich zu den Nichteinwanderern schlechter abschneiden als das in Deutschland der Fall ist.
    England hat astronomische Studiengebühren, in England würde ich als erklärter Gegner dieser ganzen Neid- und Klassenkampfhetze sofort auf die Straße gehen, denn dort haben Kinder aus finanziell nicht so gut gestellten Familien fürwahr keine Chance.

    Ansonsten siehe meinen vorangegangenen Beitrag:
    "Ausland, Ausland, über a-al-les,
    Über alles in de-er Welt!"

    Zitat von deus_ex_machina Beitrag anzeigen
    3.) Der Wunsch nach größerer, wissenschaftlicher Kompetenz der Unis führt zur Drittmittelorientierung, mit der die Universitäten endgültig zu einer Ausbildungsabteilung für "Nieten in Nadelstreifen" degradiert werden.
    Nicht die akademischen Bildungsexpert_Innen vergessen und die Lehrstühle für gender studies.

    Fragen Sie mal Coca Cola oder BMW oder MacIrgendwen, ob die bereit sind, auf ihr Markenzeichen zu verzichten. Sie werden einen Korb erhalten.
    Fragen Sie Schilda/Deutschland: Dankbar ist man für Ihren Rat, das Diplom kommt in die Tonne, die modernen Batschelohren müssen her.
  5. #5

    Rangfolgen...Wichtigkeit...Prioritäten= Überforderung?

    Zitat von Berg Beitrag anzeigen
    Eltern- und Lehrerschaft haben bereits erkannt, dass nicht alle Möglichkeiten von allen genutzt werden können. Und diese Erkenntnis sollte auch den Kindern beigebracht werden. - Und besonders vielseitig Begabte müssen auch lernen, Rangfolgen über Wichtigkeit und Bedeutung zu erkennen und Prioritäten zu setzen.
    Könnten Sie diese "Zuschrift" evtl. noch erläutern, präzisieren oder gar belegen?
  6. #6

    Zitat von Peter-Freimann Beitrag anzeigen
    Die verkürzte Gymnasialzeit ist eine Katastrophe:..
    Für uns hier galten immer 12 Jahre als Zeit bis zum Abitur, für mich 8 + 4 Jahre, für unsere Kinder 10 + 2 Jahre, nach der Wende für die Enkel 4 + 8 Jahre. Es kam also nicht zu einer verkürzten Gymnasialzeit, sondern es wurde eine Verlängerung auf 13 Jahre erwogen und wieder verworfen. Und: keine "Katastrophe", sondern die Jugendlichen wurden einfach ein Jahr eher reif für ein Studium, oder sie konnten sogar Abi mit Berufsausbildung abschließen und hatten dann alle Wege offen. Warum die Gymnasien im Westen es zig Jahre nicht geschafft haben, die Schüler/innen in 12 Jahren zur Uni-Reife zu unterrichten, habe ich nie verstanden. Wurde da nicht ein ganzes Jahr vertrödelt?
  7. #7

    Zitat von matthias schwalbe Beitrag anzeigen
    Könnten Sie diese "Zuschrift" evtl. noch erläutern, präzisieren oder gar belegen?
    Es ist eine allgemeine Lebensweisheit, dass nicht alles für alle erreichbar ist. Und jeder lernt auch, das für sich Wichtige auszusuchen: Prioritäten zu setzen. Logischerweise bestehen für besonders vielseitig Begabte/Interessierte mehr Möglichkeiten zur Bildung und Ausbildung, aus denen ausgewählt werden muss. Belegen könnte man das aus Erfahrungen als Lehrer/in und als Eltern und Großeltern. Wenn Kinder überfordert sind, wurde etwas falsch gemacht.
  8. #8

    Zitat von Berg Beitrag anzeigen
    Warum die Gymnasien im Westen es zig Jahre nicht geschafft haben, die Schüler/innen in 12 Jahren zur Uni-Reife zu unterrichten, habe ich nie verstanden. Wurde da nicht ein ganzes Jahr vertrödelt?
    Die Überschreitung einer gewissen Wochenstundenzahl halte ich für völlig indiskutabel.
    Der andere Weg wäre dann eben Bildungsabbau: Alle Lehrpläne durchforsten, Weg mit bildungsbürgerlichem Ballast wie Goethe, Eichendorff, Schiller, weg mit der Geschichte Preußens, weg mit der Integralrechnung (geht auch mit dem Taschenrechner).
  9. #9

    Zitat von Peter-Freimann Beitrag anzeigen
    Ergebnis: Kinder werden für ideologischen Blödsinn (Selbstaufgabe der Bildungsautonomie unseres Landes) mißbraucht, geplagt und zugleich verdummt.
    Na dann schauen Sie doch mal weiter in die angelsächsischen Länder, wie z.B. Südafrika.
    Was dort auf der "High School" in Grade7 (7.Klasse) gelehrt wurde, hatte mein Sohn in good old Germany schon in der 4.Klasse!

    Dabei handelte es sich sogar um eine "sehr gute" private Schule mit monatlichem Obolus von ca. 300.-€.

    Auf dem Hochglanzprospekt stand:"We are not a profit-company";)

    Ihr abgewandeltes Deutschlandlied auf das Ausland bezogen- bei Ihren nachfolgendem Posting- in allen Ehren. Ich summe dies dann lieber doch im stillen Kämmerlein im Orginaltext.