Leitfaden für junge Gutachter: Eine kurze Anleitung zum Neinsagen

Sollen Jung-Wissenschaftler Forschungsanträge beurteilen, fühlen sie sich geehrt. Bernhard Horsthemke macht den Job schon lange. Im Hochschulmagazin "duz" scherzt er darüber, wie*sich selbst beste Vorhaben gnadenlos abwürgen lassen*- und wie ihn das selbst fast die Karriere kostete.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...787062,00.html
  1. #10

    Alles noch ganz harmlos

    Schöner Artikel, aber es geht noch besser, nämlich mit Blick auf die Fortsetzung der Geschichte: In selbiger sieht man dann als kleine Maus sein rundweg abgelehntes Projekt plötzlich unter den Fittichen eines "Big shots" wieder ....
  2. #11

    no text

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sollen Jung-Wissenschaftler Forschungsanträge beurteilen, fühlen sie sich geehrt. Bernhard Horsthemke macht den Job schon lange. Im Hochschulmagazin "duz" scherzt er darüber, wie*sich selbst beste Vorhaben gnadenlos abwürgen lassen*- und wie ihn das selbst fast die Karriere kostete.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/job...787062,00.html
    Zum Schluß lehnt der Gutachter ein Projekt ab was "übertreibungsmode on", den Nobelpreis einbringt. Herzlichen Glückwunsch wenn Sie dann das Projekt abgelehnt haben. Ich glaube über die weiteren Karrierechancen gibt es dann nichts mehr zu diskutieren, insbesondere wenn die bösartige Frage kommt: "Wieso sind wir nicht auf die Idee gekommen" und plötzlich taucht ein abgelehnter Antrag auf.
  3. #12

    Bremsen des Fortschritts

    Zitat von eisherz Beitrag anzeigen
    Das Lachen ist mir im Halse stecken geblieben, mal wieder. Jedes System ist fehlbar und der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung ist die Auflistung der Missstände - aber wo sind die Verbesserungsvorschläge?
    Eine Antwort, aus Sicht der Informationsverarbeitung: Weg von einem monokulturellen, sich selbst im Denken replizierenden, und in sich personell verflochtenenen Mainstream-Expertentum, Abstand finden zu den narzistischen und finanziellen Partikular-Interessen => stattdessen hin zu einer anonymisierten, heterogenen und kreativen Beurteilungsvielfalt, in welcher voranngig Verständnis und Verstehen agieren dürfen. Oder kürzer gesagt: hin zu einer validierten und objektivierten Messung 'des möglichst unbeeinflussten Wissens und der Weisheit Vieler'.

    Zitat von eisherz Beitrag anzeigen
    Wozu ist überhaupt Forschungsförderung da? Zur Abarbeitung von Anträgen in denen sowieso schon klar ist, dass sie funktionieren? Wenn alle Gutachter sagen, dass ist toll und klappt, dann kann das zu bearbeitende Thema kaum aussergewöhnlich oder innovativ sein.
    Ideen besitzen nur einen Bruchteil ihres potentiellen oder 'inneren' Wertes, solange sie nicht adäquat in relevanten Bereichen um- und eingesetzt werden können. Nicht nur Grundlagenforschung, auch Forschung und Aufwände zur Umsetzung und Implemtierung verdienen, gerade in einem übergeordneten, politischen und gesellschaftlichen Sinne, Förderung. Selbst erlebt: eine staatliche Förderung wurde mit der Begründung abgelehnt, dass das Projekt selbst bereits zu fortgeschritten sei. Wie mir scheint, ein weiteres Kabinettstückchen inverser Wissenschafts-Philosophie: Übertragung und Nutzbarmachung der Ergebnisse hätten das Potential, genau diese Beurteilungspraxis, s.o., zu verändern, sind jedoch initial auf eine Umsetzungs-Förderung angewiesen, um ihre Kraft gegen die Denkgewohnheit, dies nicht zu tun, entwickeln zu können.
  4. #13

    Scheitern unmöglich

    Zitat von czarpeter Beitrag anzeigen
    Wenn eines niemals passieren darf, dann das ein Projekt offensichtlich gescheitert ist. Dann brauch man sich erstmal nicht wieder bewerben.
    Um dem Vorzubeugen, muss man also schon bei Projektantrag ziemlich gebau wissen, was dabei rauskommt. .
    Das ist meiner Erfahrung nach Unfug. Wenn man den Antrag so stellt, dass er den Eindruck erweckt man habe schon eine Idee wie das im Mittelpunkt des Antrags stehende Problem gelöst werden könnte, wird der Antrag mit Sicherheit abgelehnt. Argument: "Sie wissen doch eh schon wie es geht, dann braucht man auch nicht forschen". Der Antrag muß so gestellt werden, daß man völlig schimmerlos erscheint und das Ergebnis auch lauten könnte "geht nicht, Problem unlösbar", denn dies ist AUCH das mögliche Ergebnis eines FORSCHUNGSprojekts. Scheitern unmöglich.
    Meiner Ansicht nach werden viel zu viele Steuergelder für sogenannte Forscher verbraten, die nur zu faul zum arbeiten sind und sich deshalb an den Unis rumdrücken (ich war Mentor einiger dieser Dissertanten). Mein Tipp: Einen Professor eines bekannten Instituts einbinden und seiner Uni den Löwenanteil zuweisen. Kostet zwar was, erhöht aber dramatisch die Erfolgschancen.
    Mein letzter Antrag (Elektronik-Branche) wurde von einem Zahnarzt bewertet. Mir reichts jetzt. Die Forschungsgelder sind reine Subvention für die deutsche Großindustrie. Die können sich einen Antrag leisten, die deutschen Erfinder nicht.
  5. #14

    Danke

    Zitat von sch123 Beitrag anzeigen
    Hätten Sie den Artikel gründlicher gelesen, wäre Ihnen weder die Stelle mit der Karriere (der Wechsel zu Humangenetik nämlich) noch die IRONIE entgangen.
    Ich habe es jetzt gefunden.
    Allerdings...
    ob das wirklich Ironisch gemeint war?
    Ich bin immer noch der Meinung das ganze ist bitterer Ernst was sich dort abspielt.
    Ich könnte es allenfalls als Satire bezeichnen.
    Ein Überhöhung des tatsächlich Stattfindenen.
    Denn die Ironie würde ja negieren was dort beschrieben wird.
    Zumindest nach meiner Meinung, die durch aus von anderen Meinungen abweichen kann.