Leitfaden für junge Gutachter: Eine kurze Anleitung zum Neinsagen

Sollen Jung-Wissenschaftler Forschungsanträge beurteilen, fühlen sie sich geehrt. Bernhard Horsthemke macht den Job schon lange. Im Hochschulmagazin "duz" scherzt er darüber, wie*sich selbst beste Vorhaben gnadenlos abwürgen lassen*- und wie ihn das selbst fast die Karriere kostete.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...787062,00.html
  1. #1

    Rofl

    Ich habe herzlichst gelacht!

    Gut auf den Punkt gebracht.
  2. #2

    Da habe ich doch hässlich grinsen müssen...

    Das hier beschriebene Verfahren eignet sich übrigens nicht nur für wissenschaftliche Gutachten, sondern auch für jegliche Gremien im kommunalpolitischen, künstlerischen, literarischen, kulturellen etc. Bereich.
    Hauptsache Mainstream, nur nicht auffallen, immer schön die eigenen Interessen im Auge behalten - alles natürlich unter dem Deckmäntelchen des Gemeinwohls...
    SO lässt sich trefflich gutachten - und weiter dafür sorgen, dass die wissenschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung auf der Stelle tritt.
    Mit SOLCHEN Prinzipien hat die deutsche Wissenschaft im 19. Jahrhundert Weltgeltung erlangt. Man kann froh sein, dass weder Einstein, noch Humboldt, noch Freud, noch Robert Koch, noch Emil von Behring, noch Max Planck (um nur einige Beispiel zu nennen) auf diese Klüngelswirtschaft angewiesen waren....
  3. #3

    Es ist wirklich gruselig

    hoffentlich gerät er mit seinem Forschungsvorhaben
    an einen Gutachter wie ihn selbst.
    Das Forschungsgelder sinnvoll eingesetzt werden sollen ist klar.
    Darf aber meiner Meinung nicht dazu führen, das auch mal unkonventionelle Ideen einfach abgewürgt werden.

    Ach ja und wo in dem Artikel war jetzt die Stelle
    wo es ihn beinahe seine eigene Karriere gekostet hätte?
    Oder war das wieder nur ein unbedeutender Nebensatz?
  4. #4

    Nochmal lesen

    Zitat von felisconcolor Beitrag anzeigen
    hoffentlich gerät er mit seinem Forschungsvorhaben
    an einen Gutachter wie ihn selbst.
    Das Forschungsgelder sinnvoll eingesetzt werden sollen ist klar.
    Darf aber meiner Meinung nicht dazu führen, das auch mal unkonventionelle Ideen einfach abgewürgt werden.

    Ach ja und wo in dem Artikel war jetzt die Stelle
    wo es ihn beinahe seine eigene Karriere gekostet hätte?
    Oder war das wieder nur ein unbedeutender Nebensatz?
    Hätten Sie den Artikel gründlicher gelesen, wäre Ihnen weder die Stelle mit der Karriere (der Wechsel zu Humangenetik nämlich) noch die IRONIE entgangen.
  5. #5

    Zutreffend

    und zwar in vollem Umfang. Die meisten dieser Mäkeleien sind auch mir schon vorgehalten worden. Besonders "amüsant": einmal hatten wir bereits vorgearbeitet und 3/4 der Ergebnisse schon beisammen. Das ist zwar verboten, hat aber den schönen Effekt, dass man für den nächsten Antrag wieder vorarbeiten kann. Der Antrag wurde aber abgelehnt mit der Begründung: zu geringe Erfolgsaussichten. Tja, beschweren konnte ich mich da ja nun schlecht. Ein anderes Mal wollte ich ganz bescheiden nur Sachmittel. Das war auch falsch - so ein Kleinkram.

    Ich bin froh, dass ich in Kürze in den Ruhestand gehe, denn zu diesen Antragskämpfen gesellen sich noch die Scharmützel mit ahnungslosen und/oder besserwisserischen Gutachtern bei den Veröffentlichungen. Alles schrecklich freudlos.
  6. #6

    so traenen gelacht...

    ... dass ich dann nicht wieder aufhoeren konnte zu heulen. So ironisch, so bitter, so wahr.
  7. #7

    Ideen?

    Das Lachen ist mir im Halse stecken geblieben, mal wieder. Jedes System ist fehlbar und der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung ist die Auflistung der Missstände - aber wo sind die Verbesserungsvorschläge?

    Wozu ist überhaupt Forschungsförderung da? Zur Abarbeitung von Anträgen in denen sowieso schon klar ist, dass sie funktionieren?. Wenn alle Gutachter sagen, dass ist toll und klappt, dann kann das zu bearbeitende Thema kaum aussergewöhnlich oder innovativ sein. Meine Idee wäre, dass die Meinung des Gutachtergremiums gespalten sein sollte - vielleicht sogar 50/50. Damit attestiert die Hälfte dem Vorhaben eine Realisierungschance. Die andere Hälfte stuft das Projekt als riskant bzw. nicht realisierbar ein oder es übersteigt deren Vorstellungshorizont. Damit ist es genau das, was gefördert werden sollte. Bei grösserer Erfolgschance kann auch die Industrie oder sonstwer das Geld liefern, die DFG sollte Ideen abseits von Mode und Mainstream fördern und da wäre ein Votum teils pro und teils contra Realisierung interessant.
  8. #8

    So Laeuft das nicht

    Zitat von eisherz Beitrag anzeigen
    Das Lachen ist mir im Halse stecken geblieben, mal wieder. Jedes System ist fehlbar und der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung ist die Auflistung der Missstände - aber wo sind die Verbesserungsvorschläge?

    Wozu ist überhaupt Forschungsförderung da? Zur Abarbeitung von Anträgen in denen sowieso schon klar ist, dass sie funktionieren?. Wenn alle Gutachter sagen, dass ist toll und klappt, dann kann das zu bearbeitende Thema kaum aussergewöhnlich oder innovativ sein. Meine Idee wäre, dass die Meinung des Gutachtergremiums gespalten sein sollte - vielleicht sogar 50/50. Damit attestiert die Hälfte dem Vorhaben eine Realisierungschance. Die andere Hälfte stuft das Projekt als riskant bzw. nicht realisierbar ein oder es übersteigt deren Vorstellungshorizont. Damit ist es genau das, was gefördert werden sollte. Bei grösserer Erfolgschance kann auch die Industrie oder sonstwer das Geld liefern, die DFG sollte Ideen abseits von Mode und Mainstream fördern und da wäre ein Votum teils pro und teils contra Realisierung interessant.
    Wenn eines niemals passieren darf, dann das ein Projekt offensichtlich gescheitert ist. Dann brauch man sich erstmal nicht wieder bewerben.
    Um dem Vorzubeugen, muss man also schon bei Projektantrag ziemlich gebau wissen, was dabei rauskommt. Natuerlich ist das eigentlich Schwachsinn, so das man sich fragt, wieso soll das Ergebnis schon bekannt sein, und wenn ja wofuer das Ganze? Eben um Zeit zu haben, dass nachste Projekt zu planen und soweit vorzubereiten, dass man wieder die Ergebnisse schon kennt. Das ist eben das Problem bei Wissenschaft, im Prinzip kann man jederzeit scheitern, darf man aber angeblich nicht. Und auch aus solchen Gruenden wird dann mal geren gefaelscht und zurechtgebogen, obwohl jeder der forscht weiss, das man sich lider oft eben auch irrt. So ist das business.
  9. #9

    Dieser Artikel trifft genau ins Schwarze

    Nicht nur der Antragende auch der Gutachter muss kompetent agieren...

    Nicht selten kommt es vor das beispielsweise ein Reviewer absolut unqualifizierte Kommentare von sich gibt, weil er die Sache an sich nicht versteht, nicht verstehen will oder weil er eben so ein:

    "Ich weiss wie es sich gehört und dieser Antrag ist leider nicht so wie ich es mir wünsche"-Gutachter ist.


    nur, leider interessiert keinen die Qualität eines Peer-reviewers oder Gutachters. Das allerbeste ist ausserdem, dass er anonym bleibt. (Rachefeldzüge nehme ich mal jetzt hier aus)


    Die Stellen, bei denen Anträge gestellt werden, müssen sich auf die Qualität des Gutachters verlassen können, weil keiner kann alles bewerten.

    Allerdings denke ich, wäre es durchaus angebracht, eine Beschwerdemöglichkeit zu schaffen, alleine um die Gutachter die nicht nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden von den ehrlichen zu trennen.