Schule - ist die Fremdsprache Spanisch wichtiger als Französisch?

Auch die Gewichtung des Sprachenlernens unterliegt dem Zeitgeist und gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Anforderungen. Französisch, ehemals die klassische Diplomatensprache und ohnehin Ausweis der kulturellen Kompetenz, ist ins Gerede gekommen. Wie essentiell ist die Sprache noch? Ist Spanisch inzwischen viel wichtiger geworden?
  1. #230

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    Zitat von Nebulon Beitrag anzeigen
    Selbst in einer Reihe von slawischen Ländern spricht die Oberschicht noch oft Französisch.
    Das Argument mit der Zahl der Sprecher greift sowie so viel zu kurz: aus historischen und kulturellen Gründen ist die Bindung an Frankreich viel größer, an Spanien äußerst dünn
    Jetzt mal halblang.

    Weil man in Frankreich nicht Willens ist Englisch zu lernen (von Deutsch ganz zu Schweigen) um mit den Deutschen oder den Europäern kommunizieren zu können, sollte wahrlich nicht als Grund dienen das Deutsche Französisch auch aus historischen Gründen lernen sollen.

    Spanisch als internationale Sprache über den mikrigen Kontinent Süd-Amerika ist eher die Zukunft.

    Als Urlaubsargumentation sollte die Bevorzugung für Spanisch aber nicht herhalten.
  2. #231

    Zitat von HaioForler Beitrag anzeigen
    Ich möchte es prägnant machen: das Erlernen der italienischen Sprache hat dieselben Vorteile wie die des Lateins.

    Und: gar noch mehr. Ich lasse mich aber gerne belehren. Auf geht's :-)

    Bevor jemand Latein gelernt hat, um dann "leichter" Italienisch zu lernen, lerne ich im Gegensatz dazu Italienisch sofort. Fazit: Zeitvorteil von mindestens 1 oder 2 Jahren.
    Ich habe noch nie jemanden getroffen, der Latein lernt, um leichter Italienisch lernen zu können, das wäre auch in der Tat etwas bescheuert. Man lernt Latein, um Latein zu können, entweder weil man es möchte, oder weil man es braucht.

    Zitat von HaioForler Beitrag anzeigen
    Latein als Basis um "leichter" Spanisch oder eine andere romanische Sprache zu lernen? Nein: Italienisch ist als Basis besser geeignet. Denn von der Tochter leitet man besser auf die Brüder ab als von der 2000 Jahre alten Großmutter.
    Also die Tochter der Großmutter ist die Mutter, und wenn die Großmutter die letzte gemeinsame Vorfahrin war, dann handelt es sich um Cousinen, nicht Geschwister. Was Sie schreiben, ist in der Sache falsch, denn die modernen romanischen Sprachen sind durch Transformationen (und neue Einflüsse) aus der lateinischen hervorgegangen. Und wenn man diese Transformationen erfasst hat, dann kann man Hunderte und Tausende italienischer und spanischer Wörter direkt aus dem Lateinischen konstruieren.

    Dennoch gilt auch, was Sie sagen, dass man nämlich von der Familienähnlichkeit des Spanischen und des Italienischen (und auch des Französischen) erheblich profitieren kann, auch wenn man kein Latein kann.

    Zitat von HaioForler Beitrag anzeigen
    Mal abgesehen davon, daß ein Lateiner, der so gut werden will wie ich (oder andere) in Italienisch, so pauken muss, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Er hat halt keinerlei Movitation (Zeitbezug, Zeitung lesen, etc., moderne Themen).
    Ihre Einstellung zum Latein scheint hauptsächlich davon getragen, dass Sie Latein per se für überflüssig halten. Das wird daran liegen, dass Sie mit denjenigen Wissensgebieten, in denen man das Lateinische braucht, wie zum Beispiel Geschichtswissenschaften, Philosophie, Theologie u.a. Sie nicht interessieren. Das bleibt Ihnen überlassen. Ich werde hier kein Plädoyer für Lateinunterricht abgeben, das spare ich mir auf für Situationen – wie schon öfters geschehen – dass mich Leute fragt, was es bringt, wenn ihre Kinder Latein lernen und ob es eine gute Wahl ist. In einem Fall waren 2 Geschwister nachher so begeistert davon, dass sie auch noch Griechisch wählten, und inzwischen Altphilologie studieren.

    Zitat von HaioForler Beitrag anzeigen
    Latein ist an der Uni ein Scheinbeschaffer, mehr nicht.
    Für Leute, die ein Scheinstudium betreiben.
  3. #232

    Zitat von HaioForler Beitrag anzeigen
    Was eine verschwendete Zeit.
    Die zwei Jahre Italienischlernen?

    Das war überhaupt keine verschwendete Zeit. Ich habe mit Lernkrimis angefangen und bin dann auf die roten Reclam- Italienischbändchen umgestiegen.

    In diesen Büchlein wird die deutsche Übersetzung für eher seltene Vokabeln mitgeliefert, so daß man sich das Nachschlagen im Lexikon erspart.

    Giovanninno Guareschi, Carlo Collodi, Luciano de Crescenzo, Stefano Benni, Alessandro Baricco, Niccolò Ammaniti, Gianni Rodari und einen Sammelband mit Kurzgeschichten italienischer Autoren habe ich bereits gelesen.

    Den Corriere della sera habe ich mir auch ein paarmal gekauft, aber die italienische Politik ist genauso öde wie die deutsche, und da habe ich doch lieber an die Literatur gehalten.

    Heute finde ich die Reihenfolge richtig, die ich gewählt hatte, erst Latein und später dann Italienisch. Abgesehen davon wurde meines Wissens zu meiner Schulzeit Italienisch als Schulfach in München (zumindest an Gymnasien mit einem zumutbaren Schulweg) sowieso nicht angeboten.

    Und für Französch ist mein Gaumen nicht geschaffen.

    Zitat von HaioForler Beitrag anzeigen
    Du bist halt erst Roller gefahren, um dann BMW zu lernen. Ich hab gleich BMW gelernt und konnte von da an wunderbar auf andere, ebenfalls zeitgemäßge, PKW ableiten.
    Jedem, das Seine. Der praktische und moderne Mensch schätzt eben seinen BMW (Bring Mich Werkstatt), und der Altphilologe traditionelle Verkehrsmittel.

    Zitat von HaioForler Beitrag anzeigen
    Während in Villa Riba noch Italienisch gelernt wird, lernt man in VIllabacho bereits Chinesisch.
    Chinesisch zu lernen, wenn man nicht umständehalber muß, dürfte für einen Europäer zu den allernutzlosesten Beschäftigungen zählen.
  4. #233

    Zitat von LurchiD Beitrag anzeigen
    Und für Französch ist mein Gaumen nicht geschaffen.
    Das müsste doch ein guter Chirurg hinkriegen. :-)
  5. #234

    Spon

    Zitat von SchneiderG Beitrag anzeigen
    Jetzt mal halblang.

    Weil man in Frankreich nicht Willens ist Englisch zu lernen (von Deutsch ganz zu Schweigen) um mit den Deutschen oder den Europäern kommunizieren zu können, sollte wahrlich nicht als Grund dienen......
    Letzteres finde ich auch. Ich stimme Ihnen jedoch nicht zu, dass der Kontinent Suedamerika "Mikrig" ist.
  6. #235

    Spon

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Wieso in den letzten 30 Jahren? Die Hochwertigkeit deutscher Schul-, Berufs- und Studienabschlüsse galt noch bis kurz vor Bologna und der Abschaffung der (Leistungs-)Kursoberstufe. Wann wird eigentlich die letzte Bastion fallen und aufgrund von Chancengleichheit und Vergleichbarkeit das duale Berufsausbildungssystem fallen?
    Als ich 1972 in die USA kam, galt mein Abiturzeugnis noch gleichwertig mit zwei Jahren College. Heute ist ein Abiturzeugnis oft noch nicht einmal equivalent zum High School Abschluss. Stimmt !
  7. #236

    Spon

    Zitat von Piri Beitrag anzeigen
    Dass das noch nicht geschehen ist, dürfte bestimmten Leuten ein Dorn im Auge ein.

    In der FAZ stand am 29.9.11 ein ungewöhnlich scharfer und pointierter Artikel, der die Vorgänge beleuchtet:

    Die sanfte Steuerung der Bildung : Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V.

    Aber wenn es stimmt, was Krautz schreibt, ist ein Silberstreif am Horizont, weil man offenbar auch in den seriöseren Wirtschaftskreisen langsam erkennt, wo die Reise hingeht.
    Aber noch ist das Spiel im Gange. Heute hörte ich z.B. einen Bericht im Autoradio über Kitas, die isozertifiziert werden. Demnächst werden sicher auch noch die Kreißsäle und Entbindungsstationen auf ein geeignetes Lernklima für Neugeborene untersucht.
    Ja, wie in einem Wirbelwind sind jetzt ploetzlich so viele Kindergaertnerinnen auch "Sozialberater." Ich finde das unverschaemt.
  8. #237

    Spon

    Zitat von melbo Beitrag anzeigen
    Das ist meiner Meinung nach einer der Gruende fuer den Erfolg von Unis wie Oxford und Cambridge in England: da wird nichts in grossem Masse veraendert. Das Angebot der Studiengaenge bleibt relativ konstant (und relativ klein - man bleibt bei den.....
    "berechtigtes Selbstbewusstsein " - das ist das Wort schlechthin. Haben die Sozialisten den Akademikern dieses Selbstbewusstsein genommen, indem sie ihnen weisgemacht haben, dass es nicht berechtigt war ?
  9. #238

    Zitat von LurchiD Beitrag anzeigen
    ........
    Chinesisch zu lernen, wenn man nicht umständehalber muß, dürfte für einen Europäer zu den allernutzlosesten Beschäftigungen zählen.
    Es gibt aber auch Menschen, die eine Sprache lernen um das Gehirn zu trainieren. Der Onkel meiner Frau war 5 sprachig und hat im Alter von 76 Jahren noch Chinesisch gelernt.

    Ich hatte einen Lehrling aus Italien und weil dieser Hammel nicht vernünftig Deutsch lernte, habe ich Italienisch gelernt, um ihn zu provozieren, sich anzustrengen.

    Französisch habe ich gelernt, weil uns ein Lehrer auf einen Schüleraustausch mit französischen Schülern angesprochen hat. Das hat uns motiviert, weiter zu machen und endete mit einem 14 jährigen Aufenthalt in Frankreich.

    Es gab früher viele Familien, in denen 2-3 Sprachen usus waren, unabhängig vom Beruf.

    MfG. Rainer
  10. #239

    nein

    Zitat von Schili01 Beitrag anzeigen
    Was wird denn passieren? Cosmopolitisch ist spanisch akut wertvoller. In afrikanischen Ländern mag französisch vorne liegen. Wenn die afrikanischen Länder sich emanzipieren, wird französisch ein weiterer Weg sein. Wobei chinesisch (Mandarin) immer mehr Menschen erreichen wird, als die ehemaligen Kolonialmächte.
    nein, nicht Mandarin. Es ist seit 1972 "pinying" da Mandarin die Sprache der Kapitalisten war ! (sagten die Chinesen)