Mythen der Arbeit: Arbeitslose*sind alle faul - stimmt's?

Die soziale Hängematte ist oft in Stammtischnähe zu finden. Darin lungert der nichtsnutzige Arbeitslose und lässt sich durchfüttern von der Gesellschaft. Arbeitsforscher Joachim Möller hält das für ein*übles Zerrbild:*Der Hang zu Müßiggang gehört zu den unwichtigsten Gründen für Arbeitslosigkeit.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...779896,00.html
  1. #1

    Wahrheit

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die soziale Hängematte ist oft in Stammtischnähe zu finden. Darin lungert der nichtsnutzige Arbeitslose und lässt sich durchfüttern von der Gesellschaft. Arbeitsforscher Joachim Möller hält das für ein*übles Zerrbild:*Der Hang zu Müßiggang gehört zu den unwichtigsten Gründen für Arbeitslosigkeit.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...779896,00.html
    Da hat der Mann recht. Nur weil halb Deutschland die Bildung aus der BILD bezieht und (angeblich) jeder mindestens 5 Hartz-IV-Empfänger kennt, die schon vor um 12 bei Bierbuddel und Zigarette in der Eckkneipe stehen, aber zu unlustig für Arbeit sind, ist das halt nicht die Wahrheit.
    Die Wahrheit ist eher, dass ein Bruchteil aller (Langzeit)Arbeitslosen sich "freiwillig" für ein Leben von der Stütze aussuchen. Die meisten sind einfach zu uninteressant für die Arbeitgeber oder wollen nicht aus der Heimat wegziehen.

    Uninteressant: zu alt, zu alt für Weiterbildung, falsche Ausbildung, nicht genügend spezialisiert, zu spezialisiert, nicht mobil genug, nicht flexibel genug, nicht bereit, für wenig zu arbeiten, ... die Liste ist lang!
  2. #2

    Volksverhetzung

    Die Bild - "Zeitung" dürfte am schlechten Image der Arbeitslosen einen großen Anteil haben.
    Ich frage mich schon länger, ob es nicht Volksverhetzung ist, was die Bild in Bezug auf Arbeitslose betreibt.
  3. #3

    Geldverschwendung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die soziale Hängematte ist oft in Stammtischnähe zu finden. Darin lungert der nichtsnutzige Arbeitslose und lässt sich durchfüttern von der Gesellschaft. Arbeitsforscher Joachim Möller hält das für ein*übles Zerrbild:*Der Hang zu Müßiggang gehört zu den unwichtigsten Gründen für Arbeitslosigkeit.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...779896,00.html
    Nehmen wir mal an, dass würde größtenteils so stimmen, wovon ich auch überzeugt bin, mit der einen oder anderen Ausnahme (Alleinerziehende meistens zwecks Vermeidung von BG), dann wäre damit bewiesen, dass wir den ganzen H4-Quatsch nie gebraucht hätten.

    Denn die, die sowieso nicht arbeiten gehen müssen/können oder wegen Migrationsverweigerung , gehörten früher zur Gruppe der Sozialhilfe.

    Bleiben die ausgemusterten älteren AN, für die H4 ein staatliches organisiertes Verarmungsprogramm ist.

    Zur Vermeidung der alten Arbeitslosenhilfe also eine gigantische Fehlkalkulation und Geldverschwendung.
  4. #4

    und die jungen Menschen?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die soziale Hängematte ist oft in Stammtischnähe zu finden. Darin lungert der nichtsnutzige Arbeitslose und lässt sich durchfüttern von der Gesellschaft. Arbeitsforscher Joachim Möller hält das für ein*übles Zerrbild:*Der Hang zu Müßiggang gehört zu den unwichtigsten Gründen für Arbeitslosigkeit.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...779896,00.html
    Lieber Herr Möller,
    natürlich glaube ich dass viele der Hartz 4 Empfänger Arbeit suchen. Aber Sie erwähnen in Ihrem, doch sehr einseitigen Bericht, nicht die Arbeitslosen im Alter zwischen 16-30 Jahren. Was ist mit denen? Warum sehe ich in Deutschland soviel Türken und Russen und andere ausländischen Jugendlichen an einem normalen Tag auf der Straße rumlummern. Unsere Gesellschaft baut sich das Gleiche Szenario wie Großbritannien auf. Holt die Jugendlichen von der Straße und tut mal endlich was in den Vermittlungscentern. Es gibt dafür keine guten Gründe dass wir diese Menschen nicht vermitteln können. Jeder in diesem Alter der will kann auch arbeiten und bitte kein Gutmenschgefassel.

    Ich spreche hier von den jungen Menschen, nicht den über 40 jährigen, bei denen sehe ich es ein dass es zu Schwierigkeiten kommt. Unser Staat sollte rigoros bei den jungen Menschen die Stütze streichen wenn auch nur etwas ersichtlich ist dass die nicht arbeiten wollen.
  5. #5

    Man sollte alle (Politiker etc.), die diesen Mythos nähren und verbreiten mal zwingen, nur ein Jahr von Hartz IV zu leben, in einer entsprechenden Wohnungund mit mit leerem Konto, ohne Auto und ohne private Krankenversicherungung.

    Leider ist das rechtlich nicht machbar.
    Aber man könnte sie ja stattdessen wegen Beleidigung, Verleumdung und Volksverhetzung anzeigen, oder?
  6. #6

    Wissenschaftliche Erhebungen

    Zu dem Thema gibt es auch breit angelegte, valide Untersuchungen, die man heranziehen könnte, um die Aussage noch weiter aus dem Bereich der persönlichen, löblichen, Meinung zu heben. Und endlich mal den unsauberen Debatten die Grundlage zu entziehen.
    Zum Beispiel zum Prozentsatz derjenigen HartzIV-Bezieher die explizit Leistungen erschleichen wollen (ca. 5%), wie Arbeitslosigkeit subjektiv erlebt wird (traumatischer als den Verlust eines Angehörigen), usw..

    Gleichzeitig ist völlig klar dass das System der Marktwirtschaft unweigerlich auch Arbeitslosigkeit produziert. Dass also Arbeitslose die Zeche für die Systemfehler zahlen, und nicht diejenigen, die davon so sehr profitieren dass sie auch "hohe" Steuerabgaben entrichten. In Anführunsgzeichen, weil diese Abgaben vor allem hoch sind in Relation zu einem Niedrigverdiener, also Ausdruck eines bereits vorher unverhältnismäßig hohem statt gefundenen Profitierens. Dieser Profit ist auch in der Regel nur zu geringen Teil dem großartigen Charakter des Begünstigten geschuldet, sondern Herkunft, Glück, Rücksichtlosigkeit, und was immer ignoriert wird, dem Zusammenwirken aller Menschen im Land, ihrer Bildung, dem Engagement und Verantwortungs-Bewusstsein, und der Infrastruktur. Denn wir leben nicht als Jäger und Sammler als Einzelne in den Wäldern sondern in einer komplexen Gemeinschaft.
    Die Seiten der Medaille sind also - hier die Systemverlierer, dort die Gewinner. Beide sind es ganz überwiegend nicht aufgrund charakterlicher Stärken oder Schwächen. Eigentlich ist das auch offensichtlich, dennoch wird diese Grundlage von Legitimation ständig vernebelt, von den Profiteuren und ihren Hilfstruppen. Deshalb wird sich hierzulande auch vermutlich nie etwas ändern, hin zu größerer Gerechtigkeit, zumindest auf ein skandinavisches Niveau.
  7. #7

    Manchmal

    bedienen aber auch Arbeitslose oder Hartz IV - Empfänger dieses Klischee, wenn sie am Stammtisch über andere sagen: "für 1200 € den Alten den Ar** abputzen, nee, da bleibe ich morgens lieber im Bett!"
    Damit erweisen sie denen, die arbeiten möchten und - aus welchen Gründen auch immer - keine Arbeit finden, einen Bärendienst!
  8. #8

    Wer will ..

    .. wohl einen 50 jährigen Bauarbeiter, Waldarbeiter oder Maschinenbauer einstellen? Die Leute haben nach 30 Jahren harter Arbeit die Knochen kaputt.

    Im Gegenzug sein mal eine Bankkauffrau genannt, die es als Pflicht der Gesellschaft an sieht ihr die Aufzucht ihrer 2 Kinder zu ermöglichen. Oder der 18 jährige Hauptschulabbrecher der keine Zeit für unsinnige Tätiglkeiten hat, weil er mit seinen Kumpels chillen muss.

    Es gibt sie die Faulen und Schmarotzer. Aber das sollte die Minderheit sein. Die meisten wollen sicherlich arbeiten. Nur leider können sie körperlich nicht mehr oder haben die falsche Qualifikation.

    So neben bei, 60% der Angestellten beim öffentlichen Dienst sind arbeitslos, 90% in der Politik und 70% bei den Rentenversichern, nur erhalten sie ein schönes Gehalt und garantierte Pensionen.
  9. #9

    Möglichst viel Arbeit haben wollen ist auch nicht wirklich gesund

    Zu beobachten z.B. in der Mediziner-Lobby. Dort ist man es gewohnt, sich die Arbeit (also Versicherte bzw. Patienten) wechselseitig zu überweisen.

    Dieses System ist soooooo langweilig. Geld, Geld, Geld.
    Und ein passendes Liedchen habe ich natürlich auch:

    Arbeit adelt
    http://www.youtube.com/watch?v=JqPnAPji69A
    "Eine IAB-Studie ergab, dass Hartz-IV-Empfänger, die eine Beschäftigung aufnahmen, im Durchschnitt auch tatsächlich weniger als 7,50 Euro brutto in der Stunde verdienten. Fast ein Drittel nahm eine Tätigkeit an, die nicht dem Ausbildungsniveau entsprach. Zum Vergleich: Insgesamt arbeiten etwa 15 Prozent der Beschäftigten in Deutschland unterhalb ihres Ausbildungsniveaus."

    Ja, das glaube ich. Es betrifft mich eigentlich nicht, weil ich kein Hartz-IV-Empfänger bin und vermutlich auch nicht in den Genuss von Harz VII kommen werde. Momentan finde ich es sinnvoll, mich mit der antiken Geschichte zu befassen, das reicht bis ans Lebensende. Den Arbeitsplatz, den ich unbedingt haben sollte, um mehr Geld für das Drumherum auszugeben als ich einnehmen könnte, den überlasse ich doch besser den wirklich Bedürftigen.