Studieren in der Provinz: Vechta, here I come

Von Berlin nach Wernigerode, von München ins Oldenburger Land, von Manhattan nach Detmold: Manche Studenten sagen der großstädtischen Anonymität Ade und entscheiden sich fürs Leben XXS. Vier Großstädterinnen berichten von*Studieren in der Provinz*- und wie es sie dorthin verschlagen hat.

http://www.spiegel.de/unispiegel/hef...764378,00.html
  1. #10

    Erfahrungen eines gebürtigen Südoldenburgers...

    Ich wurde selber im südoldenburger Land geboren, im Raum Cloppenburg.
    Auch wenn ich mich natürlich irgendwie verbunden mit meiner Heimat fühle, ein zwiespältiges Verhältnis hatte ich schon immer zu dem ausgeprägten Katholizismus und der unangefochtenen Vorherrschaft der Partei mit dem großen "C". Außerhalb Bayerns werden hier bundesweit die höchsten Prozente eingefahren.
    Viele Leute tendieren zur Einfältigkeit und sind konservativ, kommen nicht leicht über ihre eigene Weltsicht hinaus. War die Gegend früher sehr geprägt von Einfachheit und armen Verhältnissen, so trifft man dort heutzutage doch einige "Neureiche", denen Statussymbole etwas bedeuten.

    Das gilt nun besonders für die Landkreise Cloppenburg und Vechta. Natürlich trifft man dort auch nette und herzliche Menschen aber der große Rest des Nordwestens an sich ist lockerer und auch weltoffener.
    In Oldenburg ist CLP-VEC als der schwarze Erdteil gebrandmarkt. Ich persönlich passe hier (OL) besser hin, möchte nach dem Studium aber auch noch etwas raus in die weite Welt.

    Ich musste in meinem Leben schon des öfteren mit meinem Zugehörigkeitsgefühl kämpfen, will meine Heimat aber nicht leugnen, zumal sie auch landschaftlich sehr angenehm und entspannt ist. Wenn man die richtigen Menschen trifft, denn es gibt schließlich auch noch viele junge und lockere Leute, kann man wirklich eine tolle Zeit haben, vor allem im Sommer!

    Letztendlich ist das Unbekannte immer ein Abenteuer und wenn jemand den Nordwesten speziell Südoldenburger Land noch nicht kennt, ganz abraten würde ich ihn nicht davon.. es hat alles seine Vorzüge.
    Cool oder angesagt ist natürlich etwas Anderes, dafür würde ich das Persönlichere, das nicht anonyme hervorheben und natürlich die Kohlfahrten und Schützenfeste!
  2. #11

    ..

    Zitat von doc_dawson Beitrag anzeigen
    Und leider gibt es an kleineren Unis in der Regel auch nur 1b Personal. Spitzenleute lehren vermehrt an großen Unis. Und die Qualität der Forschenden schlägt sich auch auf die Qualität der Ausbildung nieder. Sei es durch gehobenen Anspruch oder Möglichkeiten an großen Unis. Vom Unterschied zu den vielen unterirdischen FHs gar nicht zu reden.
    Das stimmt im Falle der Detmolder Musikhochschule zB überhaupt nicht. Also nicht immer verallgemeinern. Und wenn ich an die Professorin denke, die vor kurzem zu meiner Uni übergewechselt ist und vorher zehn Jahre lang an einer "Elite-Uni" unterrichtet (und vorher auch dort studiert) hat.. ui ui ui ui was schlechteres ist mir in vielerlei Hinsicht selten untergekommen..
  3. #12

    ...

    Zitat von doc_dawson Beitrag anzeigen
    Und leider gibt es an kleineren Unis in der Regel auch nur 1b Personal. Spitzenleute lehren vermehrt an großen Unis. Und die Qualität der Forschenden schlägt sich auch auf die Qualität der Ausbildung nieder. Sei es durch gehobenen Anspruch oder Möglichkeiten an großen Unis. Vom Unterschied zu den vielen unterirdischen FHs gar nicht zu reden.
    Nur was die Forschung angeht, was die Lehre angeht kann es genausogut besser sein. Oft sind es die jungen, noch unbekannten Profs, die da mit mehr Motivation herangehen.
  4. #13

    Studentenknigge

    Zitat von lobbie Beitrag anzeigen
    Knigge für Studenten:
    Was gar nicht geht:
    Im Hörsaal mit 400 Studenten dem Prof als Einziger eine Frage stellen.
    Na na, wer eine intelligente Frage stellt wird auch da definitiv von den Professoren wahrgenommen und auch an einer "Massenuni" ist es ohne weiteres möglich für Professoren sichtbar zu sein und gezielt gefördert zu werden!

    Wer hoch hinaus will, der ist an den vielen kleinen Hochschulen im Land definitiv falsch. Wer dagegen ohne vielen Ambitionen einfach eine Berufsausbildung will sicher nicht...

    So einem Studentenknigge glauben zu schenken bringt jedenfalls nicht viel! Dieser wird ja - das legen jedenfalls die Antworten nahe - von irgendwelchen Redaktionspraktikanten ausgegrübelt welche versuchen lustig und kreativ zu wirken, aber es eben auch nur bis zum Praktikanten für solch fragwürdige Aufgaben geschafft haben. Wären diese etwas reifer, dann hätten sie schon in der Schule verstanden, dass es nicht besonders cool ist dumm zu sein und dies auch keine Auszeichnung ist. Dumm zu sein schaffen erstaunlich viele ganz ohne Anstrengung. Dann doch lieber Fragen stellen, Ziele setzen und diese erreichen! Ich bin mir sicher dass es auch beim Spiegel Ressorts gibt die höhere Anforderungen an ihre Praktikanten stellen als Studentenknigges zu erfinden!
  5. #14

    Einschätzung

    Ich habe festgestellt, dass die Menschen außerhalb der Großstädte häufig unterschätzt werden: sie sind meist aufgeschlossener und weltoffener als ihr Ruf, sei es nun in Südoldenburg, Thüringen oder Bayern. Sie haben vielleicht nur nicht diese distanzierte Coolness, die ja erst den richtigen Mann / die richtige Frau von Welt ausmacht.

    Auf der anderen Seite stelle ich auch schon mal fest, dass sich Großstädter in ihrer Toleranz und im "Verstehen der Welt" überschätzen können und ihre eigenen Scheuklappen dann übersehen, wenn sie nicht dort sind, wo sie sie vermuten.
  6. #15

    Achja, die Provinz

    Man sollte auch betrachten, WAS man wo studiert. Pädagogik oder Lehramt an einer pädagogischen Hochschule wie Vechta muss ja nicht per se schlecht sein. Und für denjenigen, der keine wissenschaftliche Karriere anstrebt, ist das Lehrpersonal sowieso völlig wurst.

    Hier in Bamberg in der Orientalistik ist es zum Beispiel anders. Ein fränggisches Kaff, eine kleine Uni, aber eine Iranistik die in Angebot und Personal sogar die altehrwürdige SOAS in London übertrumpft. Plus dass die Dozenten und Professoren einen (mehr oder weniger, danke Bologna) wirklich kennenlernen. Meine Professorin meinte bei der Beratung zum ERASMUS-Semester zu mir, dass "beinharte Sprachwissenschaft ja nix für mich sei" - Treffer! Ich frage mich, ob mein alter VWL Prof der in den Einführungsvorlesungen 400 Leute hatte (Bamberg - 10000 Studis überhaupt) auch nur den Namen eines seiner "normalen" Studis gewusst hätte.


    Aber gut, im Vergleich zu Vechta haben wir hier immerhin Einkaufsmöglichkeiten......:)
  7. #16

    Interessant wäre

    doch mal eine Statistik, ob die Studenten an den "kleinen" Unis nicht schneller ihr Studium beenden und ggf. auch besser abschneiden.

    Hier in Köln ist die ganze Woche was los, Clubs haben nicht nur am Wochenende, sondern auch in der Woche nächtliche Veranstaltungen, die erst ab 22 oder 23 Uhr beginnen.
    Leute, die einer geregelten Arbeit nachkommen werden dort sicherlich nicht hingehen, sind meines Erachtens nur Studenten, die während der Woche feiern. Sei es ihnen gegönnt, macht nur den Eindruck, die werden mit dem Studium nie fertig.
  8. #17

    Interessant wäre

    doch mal eine Statistik, ob die Studenten an den "kleinen" Unis nicht schneller ihr Studium beenden und ggf. auch besser abschneiden.

    Hier in Köln ist die ganze Woche was los, Clubs haben nicht nur am Wochenende, sondern auch in der Woche nächtliche Veranstaltungen, die erst ab 22 oder 23 Uhr beginnen.
    Leute, die einer geregelten Arbeit nachkommen werden dort sicherlich nicht hingehen, sind meines Erachtens nur Studenten, die während der Woche feiern. Sei es ihnen gegönnt, macht nur den Eindruck, die werden mit dem Studium nie fertig.
  9. #18

    Dünkel ist wohl kein akademischer Titel

    Zitat von doc_dawson Beitrag anzeigen
    Und leider gibt es an kleineren Unis in der Regel auch nur 1b Personal. Spitzenleute lehren vermehrt an großen Unis. Und die Qualität der Forschenden schlägt sich auch auf die Qualität der Ausbildung nieder. Sei es durch gehobenen Anspruch oder Möglichkeiten an großen Unis. Vom Unterschied zu den vielen unterirdischen FHs gar nicht zu reden.
    Diese Ansicht ist wohl ziemlich antiquiert. Viele kleine Hochschulen und FHs haben mittlerweile sehr gutes Lehrpersonal. Und bei bestimmten Fächern bleibt einem gar nichts anderes übrig, als in die Pampa zu gehen, weil sie nur dort angeboten werden.
    Manche Provinz Hochschulen sind auch schon lange kein Geheimtipp mehr.
    Im Übrigen, was hilft mir ein berühmter Prof. wenn der immer nicht da ist, und sich dann von seinem 1b Personal vertreten lässt.
  10. #19

    Zum richtigen Doktor hats wohl nicht gereicht!

    Zitat von doc_dawson Beitrag anzeigen
    Und leider gibt es an kleineren Unis in der Regel auch nur 1b Personal. Spitzenleute lehren vermehrt an großen Unis. Und die Qualität der Forschenden schlägt sich auch auf die Qualität der Ausbildung nieder. Sei es durch gehobenen Anspruch oder Möglichkeiten an großen Unis. Vom Unterschied zu den vielen unterirdischen FHs gar nicht zu reden.
    Leider haben die großen Unis jede Menge 1 C-Personal, dass sich nie in die Industrie, den Handel oder die Wirtschaft getraut hat. Stattdessen sonnt man sich im Dunstkkreis von einigen Drittmittelmanagern und Fließband-Publikations-Produzenten (Copy and Paste)und verkauft das ganze dann als Qualität in Lehre und Forschung.
    Die Komerzialisierung der Wissenschaft läuft auf vollen Touren, die großen Unis liegen dabei ganz vorne und die Lehre bleibt ganz hinten. Hier geht es um richtig viel Geld der Steuerzahler.
    "Professoren brauchen Ihre Besoldung, um die Steuern zu bezahlen, die Sie für Ihre Gutachter-Honorare abführen müssen", Spartakus 1973