S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: "Wer nicht meiner Meinung ist, muss dumm sein"

Die deutsche Internet-Szene überschüttet die "ahnungslosen Offliner" regelmäßig mit Spott, Häme und Verachtung. Das darf nicht sein, findet Sascha Lobo - und beginnt mit der Kritik*bei sich selbst.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...769717,00.html
  1. #150

    gesellschaftliche Entwicklungstendenzen

    Ich habe gestern diesen Vortrag von Herrn Dueck im Rahmen des http://www.medienforum.nrw.de/ gehört. Dieser wurde dort wesentlich pointierter vorgetragen. Herr Dueck schloss seinen Vortrag mit dem Hinweis auf die Alternativen: Hochspezialisierter Y-Mensch oder 8 €uro-Empfänger. Ich frage mich besorgt, wo und wie ein ernsthaft geführter Diskurs zum Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt, Teilhabe und Generationenkonflikt beginnen kann. Meiner Meinung nach gilt es den von Herrn Dueck aufgezeigten gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen aufgrund der vorschreitenden Digitalisierung mit einhergehenden sozialen Innovationen und begleitenden Rahmenbedingungen zu begegnen.
  2. #151

    Ernsthafte Diskursen über die Entwicklungstendenzen

    Zitat von brigitte_weber-frowein Beitrag anzeigen
    Ich habe gestern diesen Vortrag von Herrn Dueck im Rahmen des http://www.medienforum.nrw.de/ gehört. Dieser wurde dort wesentlich pointierter vorgetragen. Herr Dueck schloss seinen Vortrag mit dem Hinweis auf die Alternativen: Hochspezialisierter Y-Mensch oder 8 €uro-Empfänger. Ich frage mich besorgt, wo und wie ein ernsthaft geführter Diskurs zum Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt, Teilhabe und Generationenkonflikt beginnen kann. Meiner Meinung nach gilt es den von Herrn Dueck aufgezeigten gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen aufgrund der vorschreitenden Digitalisierung mit einhergehenden sozialen Innovationen und begleitenden Rahmenbedingungen zu begegnen.
    Frau Weber-Frowein, Sie glauben ja gar nicht, wie mich Ihre fundierten Erläuterungen erleichtern – wie ein Dürstender in der Wüste irrte ich über die Dünen der Beiträge zu diesem Thema, doch nun fand ich Sie: Auch ich denke, dass dem Generationenkonflikt nur mit der Teilhabe an ernsthaften Diskursen über die Entwicklungstendenzen aufgrund der Sozialisierungen im Digitalisierungsbereich zu begegnen ist – und deshalb, genau deshalb, verhehrte Frau Weber Frowein, rufe ich Ihnen zu: Lassen Sie nicht nach in Ihren Bemühungen, die Menschheit auf den rechten Weg zu führen: Frau Schröder-Eiswein, wir brauchen Sie!
  3. #152

    Immer Slipper

    Zitat von chk23 Beitrag anzeigen
    ...ebenfalls der große Fehler, den viele (vor allem sehr junge) "Netz-Bürger" in ihrer Naivität machen: Er setzt konsumierte Fremderfahrung mit echter Erfahrung gleich.
    Richtig – aber man soll ja nicht pauschal über „die heutige Jugend“ im weiteren Sinne herfallen, das erinnert fatal an früher. Problematisch finde ich allerdings die Auffassung, dass Wissen und Erfahrung jederzeit im Internet abrufbar sind und dass man deshalb beides selbst nicht braucht: Hier wird Delegation mit Aneignung gleichgesetzt, ein Teil der eigenen Persönlichkeit wird so gleichsam dem Netz überantwortet. Wissen, das nicht jederzeit im Kopf bereitsteht, lässt sich nicht einsetzen, von Erfahrungen profitiert man am besten, wenn man sie hat.

    Erwachsene hören erstaunt jungen Leuten zu, sie lauschen der neuen Sprache, der verquasten Netz-Terminologie, sie verstehen zwar einiges, aber im Wesentlichen Bahnhof – das deprimiert die älteren Menschen, da fühlt man sich abgehängt vom Fortschritt, zugehörig zum alten Eisen, das klingt nach Schrottplatz. Andererseits ist es leicht möglich, heimtückisch zurückzuschlagen: Wer die IT-Tausendsassas beispielsweise fragt, wie die Jahreszeiten funktionieren, der bekommt fast nur Blödsinn zu hören, oder: In Zeiten der Klima-Problematik können sie nicht einmal Kohlenmonoxid von Kohlendioxid unterscheiden, sie wissen nichts über Föderalismus, beim Subsidiaritätsprinzip ist es sowieso zappenduster, sie haben keine Ahnung, was Wirsingkohl ist und dass man soetwas essen kann, sie halten Mittelamerika für einen Staat in der Karibik, sie tragen immer Slipper, weil sie sich nicht selbst die Schuhe zubinden können.
  4. #153

    Wir stehen am Anfang des Kommunikationszeitalters

    Zitat von chk23 Beitrag anzeigen
    Das Internet besteht vor allem aus gefährlichem Halbwissen, völlig aus dem Zusammenhang gerissenen, wahllos rekombinierten Informationen und unzähligen Verschwörungstheorien. ...
    der große Fehler, den viele (vor allem sehr junge) "Netz-Bürger" in ihrer Naivität machen: Er setzt konsumierte Fremderfahrung mit echter Erfahrung gleich. Die Erfahrung und Intuition eines guten Arztes ist durch kein noch so gutes und umfangreiches medizinisches Wiki der Welt zu ersetzen.
    Die Realität mit ihren historisch bedingten Machtstrukturen und Weltbildern besteht ebenfalls aus gefährlichem Halbwissen. Egal ob es sich um Politik, Religion, Wissenschaft oder Medien handelt. Jede dieser Institutionen wird verzerrt durch Lobby und Machtinteressen, durch Dogmen, Hierarchien, unterdrückte Informationen und die Logik des Geldscheins. Die in Selbstorganisation entstandene Wikipedia mit ihren offen ersichtlichen Diskussionsseiten ist heute ernster zu nehmen als der altehrenwürdige Brockhaus mit seiner Redaktion, die "die einzige Wahrheit" zu einem Thema abstempelt.

    ...und was nützt mir die Erfahrung eines guten Arztes, wenn dieser, an die Fesseln unseres seltsamen Krankheitssystems/"Gesundheitssystems" gebunden, nur 5 Minuten Zeit aufbringen kann, um dem Kranken zuzuhören.
    Das System macht oft aus dem "Gesundheits-Magier" einen Hampelmann. Hier ist es äußerst sinnvoll mehrere Stunden ins Web (Foren, Wikipedia & co.) zu investieren, um sich zu informieren.

    Zum Thema hier noch ein Zitat vom Hirnforscher Henry Markram, der im menschlichen Gehirn eine fließende "ideale Demokratie" der Neuronen verwirklicht sieht: "Jede Nervenzelle ist einzigartig, und ein und dasselbe Signal wird von tausend Nervenzellen auf tausend unterschiedliche Arten verarbeitet. Doch zugleich respektieren sich die Neuronen vollständig und gleichen permanent ihre Interpretationen miteinander ab – ganz anders als eine menschliche Gesellschaft, in der einer sagt, er habe recht und alle anderen unrecht."

    http://www.neoexpressionismus.de/rea...demokratie.htm
  5. #154

    -

    Ach lieber Gott im Himmel. Nach dem Lesen solcher Berichte könnte ich immer meinen Pc inclusive allen Komponenten welche man braucht, um solche Lach-und Sachgeschichten lesen zu können aus dem Fenster werfen.
    Ich bitte um Erläuterung folgender Begriffe: Internetszene, und digitale Intelligenz.
    Moment, ich habs gegoogelt. Beides nicht vorhanden.
    Es sei denn mann bezeichnet irgendwelche NERDS die eh kein Real-Life haben als "Experten". Und die sollen nach Aussage des Autors auch noch einen schlechten Job gemacht haben. Nanana, sowas aber auch. Geht mal zum Arbeitsamt, da gibts richtige Jobs mit echten Menschen.
    Was bitte ist denn ein "ahnungloser Offliner" (vielleicht das Unwort des Jahres 2011?). Ich kann solche Menschen verstehen die offline leben. Die werden wenigstens nicht jeden Tag mit dem ganzen geistigen Durchfall bombadiert den jeder, aber wirklich jeder hier verzapfen kann.

    Over and out
  6. #155

    allgemein

    Zitat von pigonthewing Beitrag anzeigen
    Ich habe schon von Leuten gehört, die schreiben um der Diskussion Willen und haben tatsächlich ein Interesse an Argumentation, nicht an Schulterklopfen. Und ich stimme überein, dass Anerkennungssucher schädlich sind. Deshalb schmeiße .....
    Ich glaube, was Herr Lobo meint, weiss nur er selbst und ansonsten ertappe ich mich selbst immer wieder. Mal so zu denken und dann mal wieder anders und schliesslich zu einer Art Mitte zu tendieren, was ich persönlich für richtig halte. Danke, tolle Beiträge. Ganz kurz noch was zu Herrn Gunter Dueck, also ich weiss jetzt nicht, ob ich es richtig einordne. Aber ich glaube, Ironie wäre der treffende Begriff für seine Bemerkung mit dem, nach kurzer Recherche im Internet mehr wissen als jene mit jahrelanger Erfahrung.
  7. #156

    Nationalismus?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die deutsche Internet-Szene überschüttet die "ahnungslosen Offliner" regelmäßig mit Spott, Häme und Verachtung. Das darf nicht sein, findet Sascha Lobo - und beginnt mit der Kritik*bei sich selbst.

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...769717,00.html
    Muß das sein - die "deutsche" Internetszene, die "Nation". Gerade das macht doch das Netz aus, nicht national zu sein.