Ein Personalberater erzählt: Das ABC des Headhunting

Alle balgen sich um die klügsten Köpfe - und Headhunter profitieren davon. Christian Pape ist seit 1992 Personalberater in München. Im KarriereSPIEGEL beschreibt er, wie Job-Detektive und Vermittler ticken, was Informatiker schockt und warum manche guten Leute einen kleinen Tritt brauchen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...769494,00.html
  1. #10

    Headhunting

    Es ist wohl wirklich so wie im Fussball. Die "Stars" will jeder haben, die werden meistbietend ersteigert und gehätschelt und verwöhnt, und wenn dann die gebotene Leistung doch hinter den Erwartungen zurückbleibt, dann stimmt eben das Umfeld nicht und die restliche Mannschaft muss angepasst werden.

    Nachwuchsförderung ist tatsächlich überwiegend out. Leider ist es überwiegend so, dass diese Nachwuchsförderung "sich nicht rechnet". Denn sobald die jungen Ingenieure, Kaufleute etc. das entsprechende betriebliche "Handwerkszeug" erlernt haben, werden sie von "headhuntern" oder auch nur von Konkurrenten mit interessanteren Aufgaben und Jobs weggelockt. Warum also den Aufwand für andere betreiben? Und der Nachwuchs bekommt deshalb sicherheitshalber gar keine interessanten Aufgaben im eigenen Unternehmen mehr angeboten - er könnte das Wissen ja zum Mitbewerber mitnehmen. Misstrauen und extreme Vorsicht kennzeichnen leider auch deutsches Management speziell dann, wenn es um die eigenen Mitarbeiter geht.

    Dass der Nachwuchs sich auch weglocken läßt, liegt häufig denn auch in einer fehlenden Unternehmenskultur. Da wird Vertrauen nur als Lippenbekenntnis gelebt, hinter dem Rücken wird spioniert und überwacht, jeder versucht nur irgendwelche Fehler zu vermeiden, jede Schwäche wird "zum Wohle des Unternehmens" ausgenutzt. Dass damit niemand mehr zum "Bleiben" animiert werden kann, versteht sich von selbst. Häufiger Wechsel wird "normal" - was einen Umbruch in der deutschen Vorstellung bedeutet und was natürlich einem headhunter in die Hände spielt.
  2. #11

    Etwas erwähnt, vieles unerwähnt gelassen...

    Leider hat Herr P. einige Dinge unterschlagen, die wohl nicht unwichtig sind.

    - Die Big Tickets (Posten ab mind. 150 TEUR) z.B., aber sogar darunter werden von angestellten Personalleitern vergeben (mit ihrem jeweiligen Budget) stark unter persönlichen Motiven. So Paul, ich geb Dir Aufträge im Wert von 300 TEUR, und wenn ich mal was suche...Du weißt schon. Der arme Personaler weiß allerdings nicht, dass er als Rundmail landet und kein Kollege seinen Mandanten mit irgendeinem 50pluser belasten würde; jeder Headhunter arbeitet stark auf eigene Rechnung.

    - Wie Herr P. richtig erwähnte, verrichten die Researcher die eigentliche Arbeit, was beim Vermarktungsansatz der "Spezialisierung" fast schon ein wenig amüsant ist. Personalberater sind sehr stark in der Akquise gebunden.

    - Die short list mit 3 Namen lässt für den Kunden oft nicht erblicken, dass man meist mit Mühe und Not eben genau 3 Kandidaten hatte finden können

    - Personalberater verdienen an Placements, sprich alles wird sehr schön geredet: Der Kunde dem Kandidaten und umgekehrt

    - Niemand spricht von den Fällen, wenn ein abgeworbener Mitarbeiter und der Mandant doch nicht zueinander passen und schnell wieder auseinander gehen. Noch nie thematisiert worden, aber die Familie, die mit umziehen musste und nun vor einem Scherbenhaufen steht, sieht das sicherlich anders.

    - Das Prämienmodell ist schlecht erläutert, da 70-80 % der Aufträge nicht erfolgreich abgeschlossen werden: ein Drittel bei Anzahlung, ein Drittel bei Zusendung von mind. 3 Profilen, Rest bei Placement. So sind selbst bei Nichterfüllung 2/3 fix.

    - Es gäbe noch viel, viel mehr, aber das solls erst mal sein an der Stelle.
  3. #12

    Titel

    Zitat von OneEyedRonin Beitrag anzeigen
    Ich kann diese inflationären "Headhunter" Artikel nicht mehr sehen!

    Die ganze Artikelreihe ist neoliberale Selbstbeweihräucherung auf Bunte Niveau.
    In der Tat. Sind gerade Headhunter-Wochen bei Yuppie, äh, Karriere-Spiegel oder was ist da los ? Aber vermutlich haben die für Karriere-Spiegel verantwortlichen Schlipsträger in der recht kurzen zeit des Bestehens ihrer Abteilung schon alle für Aufsteiger relevanten Themen abgegrast.

    Zitat von dieterdödel
    - Niemand spricht von den Fällen, wenn ein abgeworbener Mitarbeiter und der Mandant doch nicht zueinander passen und schnell wieder auseinander gehen. Noch nie thematisiert worden, aber die Familie, die mit umziehen musste und nun vor einem Scherbenhaufen steht, sieht das sicherlich anders.
    Das hat aber ausnahmsweise mal nicht primär etwas mit headhunting zu tun. Das kann bei jeder anderen Art von Stellenwechsel auch passieren, das Risiko ist nun mal da.

    Wer aus einer vernünftigen Stellung heraus nur wegen der Karrieregeilheit Arbeitgeber, soziales Umfeld (auch das der Familie) und alles andere verläßt tut mir dann aber auch eher mäßig leid.