Pro & Contra Anonymbewerbung: Ich bin ein Niemand - nimm mich!

Türkischer Nachname? Schon angejahrt? Das falsche Geschlecht? Alles Gründe, die Job-Hoffnungen zerstören können. Bewerbungen ohne Namen, Fotos und persönliche Details sollen helfen - ein Weg zu mehr Gerechtigkeit oder nutzlose Verschleierung? Zwei Experten antworten.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...767982,00.html
  1. #70

    Das Auge entscheidet

    Zitat von communicate Beitrag anzeigen
    Nicht nur unfähige Personaler veranstalten solche Aktionen - ich habe aus HR heraus sehr häufig erlebt, dass vor allem die "höheren Herren" stark nach dem Aussehen selektieren; dies allerdings vor allem, wenn es um .....
    Wer fordert, dass das Aussehen eins Bewerbers/einer Bewerberin ohne jeden Einfluss sein soll, ist ein Träumer.
    Welcher/welche Vorgesetzte möchte, wenn er/sie morgens die Bürotür aufmacht, einen hässlichen Menschen sehen? Ich jedenfalls sortiere Bewerbungen aus, die eine Beleidigung für meine Augen wären.
  2. #71

    Hier koennte Ihr Titel stehen

    Zitat von billger Beitrag anzeigen
    Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen, ich werde in einem internationalen Unternehmen als zuständiger Manager im IT Bereich für Einstellungen von Fachpersonal mit hinzu gezogen.

    Wenn wir eine offene Position zu besetzen haben, gibt es im Vorfeld oft ziemlich konkrete Vorstellungen, wie der Bewerber auszusehen hat. Auf der fachlichen Seite werden z.B. oft bestimmte Zertifikate, z.B. von Cisco oder Microsoft erwartet. Aber auch im menschlichen / persönlichen Bereich haben wir in der Regel bestimmte Vorstellungen. Dies betrifft weniger das Geschlecht, aber oft Alter/Beruftserfahrung und kulturellen Hintergrund.

    Hier erfolgt natürlich im Vorfeld ein Aussortieren/Sieben von bestimmten Kandidaten. Ich bin mir auch bewußt, dass man auf Grund von Vorurteilen bestimmte Bewerber sozusagen in Sippenhaft nimmt. Das ist natürlich tragisch für sie.

    Andererseits würde eine anonyme Bewerbung für uns einen unvorstellbar hohen Aufwand bedeuten. Zur Zeit ist es so, dass wir pro ausgeschriebener Stelle ca. 2-3 Leute zum Vorstellungsgespräch einladen. Dies ist sehr aufwändig, da es dabei mehrere Gespräche gibt: mit der Personalabteilung, mit dem Fachbereich, mit dem Chef der ausländischen Mutter in englisch. Ein "Set" von Gespächen zieht sich somit schon mal über ca. 3-4h hin. Mal 3 Kandidaten sind das schon 12h Gespräche für eine Stelle. Nochmal: das ist nur eine Nebentätigkeit meiner eigentlichen Aufgabe. Sollten jetzt die Bewerbungen anonym kommen, würden wir - aus der Sicht der Bewerber - natürlich mehr Bewerbern eine Chance einräumen. Darunter wären aber dann auch viele, bei denen wir erst bei der Anreise im Unternehmen sehen würden, dass sie nicht ins Profil passen.

    Wenn also z.B. unsere Vorstellung darin bestehen würde, einen möglicht jungen Arbeitnehmer einzustellen und von den 4 Bewerbern würden sich erst beim Gespräch 2 als alt herausstellen, wären wir gezwungen, nochmal Bewerber einzuladen. Ältere Bewerber würden also keinesfalls ihre Chancen verbessern, sondern nur auf Seiten der Unternehmen den Aufwand erhöhen.

    Ich möchte noch etwas dazu sagen, warum aus meiner Sicht auch die Persönlichkeit des Bewerbers wichtig ist. Nach meiner Erfahrung kann man Fachwissen - natürlich in gewissen Grenzen - problemlos nachschulen, wenn sich Defizite bei Beschäftigten ergeben. Charaktereigenschaften, körperliche und kulturelle Merkmale jedoch bleiben bestehen.

    Ein paar Beispiele: Für den Inhouse-Support benötigen wir Kollegen, die sprachlich und kulturell zum Nutzer passen. Wir haben sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht. z.B. einen deutschen Buchhalter von einem Kollegen in Indien betreuen zu lassen. Für bestimmte Arbeiten in globalen Projekten brauchen wir Leute, die körperlich topfit sind, da sie oft innerhalb weniger Tage mehrere Zeitzonen "abfliegen" müssen.
    Sie sollten wirklich mal Ihre Kriterien ueberdenken. Als Abteilungsleiter einer Softwarefirma stelle ich ebenfalls viele Leute ein, aber mit so festen Vorstellungen ueber den zukuenftigen Kandidaten bin ich noch nie an die Sache herangegangen. Im uebrigen ist das nicht nur unprofessionell, sondern auch kontraproduktiv, denn Sie werden mit Ihrem Verfahren mit Sicherheit gut geeignete Leute von vorneherein aussortieren. Im uebrigen empfehle ich Ihnen den folgenden Artikel zur Lektuere, denn Klonen ist nicht nur bei Fuerhungskraeften ein Problem: http://www.spiegel.de/karriere/beruf...766160,00.html
  3. #72

    Auswahl nach Qualifikation eine Benachteiligung?

    Wieso soll eine Auswahl rein nach Qualifikation, also ohne äußere Umstände, ein Rückschlag für die Gleichbehandlung sein? Weil nicht mehr Frauen oder Ausländer gezielt eingeladen werden können, wie es im Artikel heißt? Kann mir mal jemand erklären, was das soll? Ich dachte, gerade das wäre das Ziel der Gleichbehandlung?
  4. #73

    So-

    Ich finde es schade dass soviel Wert auf Oberflächlichkeiten gelegt werden.
    Als junge Frau stellt dich keiner ein, weil du es dir erdreisten könntest schwanger zu werden, als Türke stellt dich keiner ein, weil sie Angst haben du könntest die "Guckst-Du" Sprache drauf haben und als älteres Semester könnteste ja krank werden.... Aber Hauptsache wir haben Fachkräftemangel ^^

    Ich selber bewerbe mich seit Jahren ohne Foto, und es klappt- auf Nachfragen sag ich nur, ich bewerb mich ja nicht als Modell.