Pro & Contra Anonymbewerbung: Ich bin ein Niemand - nimm mich!

Türkischer Nachname? Schon angejahrt? Das falsche Geschlecht? Alles Gründe, die Job-Hoffnungen zerstören können. Bewerbungen ohne Namen, Fotos und persönliche Details sollen helfen - ein Weg zu mehr Gerechtigkeit oder nutzlose Verschleierung? Zwei Experten antworten.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...767982,00.html
  1. #10

    Was bleibt sind Noten?

    Meiner Meinung nach wird dis Diskriminierung so nur verlagert, denn Menschen mit schlechten Noten (die definitiv nicht automatisch schlecht in ihrem Fach sind - ich kenne zum Beispiel einige gute Leute mit Prüfungsangst) hätten so nie wieder die Chance auf ein Bewerbungsgespräch.

    Überlegungen wie "Die Noten sind nicht optimal, aber der Bewerber ist jung und war schnell im Studium" würden so komplett wegfallen. Bewerbungen würden nach Noten sortiert und die Bewerber mit den schlechteren Noten wären Langzeitarbeitslos.
  2. #11

    Stimmt.

    Zitat von Uggdrasil Beitrag anzeigen
    Meiner Meinung nach wird dis Diskriminierung so nur verlagert, denn Menschen mit schlechten Noten (die definitiv nicht automatisch schlecht in ihrem Fach sind - ich kenne zum Beispiel einige gute Leute mit Prüfungsangst) hätten so nie wieder die Chance auf ein Bewerbungsgespräch.

    Überlegungen wie "Die Noten sind nicht optimal, aber der Bewerber ist jung und war schnell im Studium" würden so komplett wegfallen. Bewerbungen würden nach Noten sortiert und die Bewerber mit den schlechteren Noten wären Langzeitarbeitslos.
    Auch z. B. Arbeitslose, die sich in ihrer "Freizeit" intensiv mit jobrelevanten Dingen befassen, fallen durch's Raster, ebenso wie geeignete Leute mit lückenhafter Erwerbsbiographie. Zeugnisse (bzw. Diplome etc.) besagen nicht viel, siehe Guttenberg. Früher oder später (zumeist früher) fällt auf, ob jemand nur Papierfassaden vorgehalten hat, oder tatsächlich etwas von seinem Job versteht.
    Wer nach formalen Kriterien auswählt, wird in erster Linie Bewerber treffen, deren Haupteigenschaft das Einhalten formaler Anforderungen ist...
  3. #12

    !

    Bewerbungen verbieten, anstelle werden Arbeitsstellen im Losverfahren vergeben und jeder, der den Job nicht bekommen hat, kann auf Abfindung klagen.

    Somit entfiele die Dislriminierung wegen Geschlecht, Herkunft, Namen, Foto, Qualifikationen, Noten und Arbeitserfahrungen/-ergebnissen.


    Toll!
  4. #13

    Noten sind nicht alles

    Zitat von einzelkönig Beitrag anzeigen
    Spätestens beim Vorstellungsgespräch ist sowieso Schluß mit Heimlichtuerei.
    Genau so sieht es aus. Wenn ein Unternehmen sich partout nicht vorstellen kann, die Stelle mit einer Frau oder einem Migranten zu besetzen, aber durch anonyme Bewerbungen nach dem Zufallsprinzip nur solche zum Gespräch eingeladen hat, dann wird man die Bewerber alle trotz Qualifikation wieder nach Hause schicken. Für die Firma würde das bedeuten, dass man ALLE Bewerber mit in Frage kommender Qualifikation einladen müsste, um sich tatsächlich ein Bild zu machen. Was für ein Zeit-(=Geld)Aufwand!

    Man kann schlicht nicht verhindern, dass persönliche Vorlieben bei der Einstellung eine wichtige Rolle spielen. In der Firma, in der ich arbeite, geht es so weit, dass sich das ganze Team ein Bild vom Bewerber macht, bevor entschieden wird. Auch als ich mich beworben habe, haben sich die anderen also meine Bewerbung angesehen inkusive Foto und dann beschlossen, dass es so sympathisch wirkt, dass sie mich gerne treffen würden. Ich finde dieses Verfahren super, denn so sind wir ein Team mit merkwürdigen Lebensläufen geworden, in dem sich alle gut verstehen und mehr als die Hälfte hätte bei einer strengen Bewertung nach Noten keine Chance gehabt.

    Dem Vorschlag, bei Wahlen die Kandidaten in den Hintergrund zu stellen und Sachthemen in den Vordergrund zu rücken, kann ich nur begrüßen. In der Politik wäre es sehr vorteilhaft, wenn man mehr auf Programme als auf Seilschaften und Schlamschlachten achten würde.
  5. #14

    aus der Praxis

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Türkischer Nachname? Schon angejahrt? Das falsche Geschlecht? Alles Gründe, die Job-Hoffnungen zerstören können. Bewerbungen ohne Namen, Fotos und persönliche Details sollen helfen - ein Weg zu mehr Gerechtigkeit oder nutzlose Verschleierung? http://www.spiegel.de/karriere/beruf...767982,00.html
    Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen, ich werde in einem internationalen Unternehmen als zuständiger Manager im IT Bereich für Einstellungen von Fachpersonal mit hinzu gezogen.

    Wenn wir eine offene Position zu besetzen haben, gibt es im Vorfeld oft ziemlich konkrete Vorstellungen, wie der Bewerber auszusehen hat. Auf der fachlichen Seite werden z.B. oft bestimmte Zertifikate, z.B. von Cisco oder Microsoft erwartet. Aber auch im menschlichen / persönlichen Bereich haben wir in der Regel bestimmte Vorstellungen. Dies betrifft weniger das Geschlecht, aber oft Alter/Beruftserfahrung und kulturellen Hintergrund.

    Hier erfolgt natürlich im Vorfeld ein Aussortieren/Sieben von bestimmten Kandidaten. Ich bin mir auch bewußt, dass man auf Grund von Vorurteilen bestimmte Bewerber sozusagen in Sippenhaft nimmt. Das ist natürlich tragisch für sie.

    Andererseits würde eine anonyme Bewerbung für uns einen unvorstellbar hohen Aufwand bedeuten. Zur Zeit ist es so, dass wir pro ausgeschriebener Stelle ca. 2-3 Leute zum Vorstellungsgespräch einladen. Dies ist sehr aufwändig, da es dabei mehrere Gespräche gibt: mit der Personalabteilung, mit dem Fachbereich, mit dem Chef der ausländischen Mutter in englisch. Ein "Set" von Gespächen zieht sich somit schon mal über ca. 3-4h hin. Mal 3 Kandidaten sind das schon 12h Gespräche für eine Stelle. Nochmal: das ist nur eine Nebentätigkeit meiner eigentlichen Aufgabe. Sollten jetzt die Bewerbungen anonym kommen, würden wir - aus der Sicht der Bewerber - natürlich mehr Bewerbern eine Chance einräumen. Darunter wären aber dann auch viele, bei denen wir erst bei der Anreise im Unternehmen sehen würden, dass sie nicht ins Profil passen.

    Wenn also z.B. unsere Vorstellung darin bestehen würde, einen möglicht jungen Arbeitnehmer einzustellen und von den 4 Bewerbern würden sich erst beim Gespräch 2 als alt herausstellen, wären wir gezwungen, nochmal Bewerber einzuladen. Ältere Bewerber würden also keinesfalls ihre Chancen verbessern, sondern nur auf Seiten der Unternehmen den Aufwand erhöhen.

    Ich möchte noch etwas dazu sagen, warum aus meiner Sicht auch die Persönlichkeit des Bewerbers wichtig ist. Nach meiner Erfahrung kann man Fachwissen - natürlich in gewissen Grenzen - problemlos nachschulen, wenn sich Defizite bei Beschäftigten ergeben. Charaktereigenschaften, körperliche und kulturelle Merkmale jedoch bleiben bestehen.

    Ein paar Beispiele: Für den Inhouse-Support benötigen wir Kollegen, die sprachlich und kulturell zum Nutzer passen. Wir haben sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht. z.B. einen deutschen Buchhalter von einem Kollegen in Indien betreuen zu lassen. Für bestimmte Arbeiten in globalen Projekten brauchen wir Leute, die körperlich topfit sind, da sie oft innerhalb weniger Tage mehrere Zeitzonen "abfliegen" müssen. Das stehen in der Regel keine älteren Arbeitnehmer durch und mit Eltern kleiner Kinder z.B. geht das auch meist schlecht.

    Es gibt also immer zwei Seiten. Ich habe mal versucht das aus Unternehmenssicht zu schildern. Mein Bereich ist natürlich auch ein spezieller, vielleicht ist das anderswo ganz anders. ...
  6. #15

    So ein Unfug!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Türkischer Nachname? Schon angejahrt? Das falsche Geschlecht? Alles Gründe, die Job-Hoffnungen zerstören können. Bewerbungen ohne Namen, Fotos und persönliche Details sollen helfen - ein Weg zu mehr Gerechtigkeit oder nutzlose Verschleierung? Zwei Experten antworten.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...767982,00.html
    Wenn ich partout weder eine Frau noch jemanden über 40 noch einen Ausländer einstellen will, dann muß ich in Zukunft eben so lange Leute zum Vorstellungsgespräch einladen, bis der Passende durch die Tür spaziert. Es werden sich also nur Stellenbesetzungsverfahren verlängern und "Unpassende" Bewerber zwar oft eingeladen, aber nie genommen werden. Irgendein Haar im Lebenslauf läßt sich mit etwas gutem Willen immer finden.

    Seien wir doch ehrlich - für die meisten Jobs gibt es mehr als genug gut bis sehr gut qualifizierte Bewerber - und dann zählen eben die "weichen" Passfaktoren. Schließlich muß der Bewerber zum Betrieb und zur Belegschaft passen, sonst hilft auch die beste Qualifikation nicht.
  7. #16

    Anonym geht NIE

    Der anonyminisierte Lebenslauf geht nicht, da man immer die Vorstationen angeben muss mit den Zeiten, die man dort war.

    Also kann man zumindest leicht auf das Alter schliessen.
    Daneben lässt sich z.B. über die Schule auch leichter auf die Herkunft schliessen.

    Und im Zweifel wird beim Berwerbungsgespräch dann ausgesiebt.

    Die Diskriminierung lässt sich nur noch ausschliessen, wenn man reine Skillprofile einführt ohne Jahresangaben und nur noch nach Junior, Normal, Senior und Principal einstuft ohne jedes Bewerbergespräch, höchstens ein Telefoninterview.

    Anders geht es nicht.
  8. #17

    Albern

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Türkischer Nachname? Schon angejahrt? Das falsche Geschlecht? Alles Gründe, die Job-Hoffnungen zerstören können. Bewerbungen ohne Namen, Fotos und persönliche Details sollen helfen - ein Weg zu mehr Gerechtigkeit oder nutzlose Verschleierung? Zwei Experten antworten.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...767982,00.html
    Spätestens beim Vorstellungsgespräch kann ich nicht mehr verschleiern, das ich einen Migrationshintergrunde habe, schon älter bin usw.
    Was für eine blödsinnige Idee.
  9. #18

    naja

    Zitat von papageienmusik Beitrag anzeigen
    Wenn von Diskriminierung gesprochen wird, ist durch die Erziehung der Medien eine Frau oder ein Migrant gemeint. Die wahre Diskriminierung, die in Deutschland kultiviert und gepflegt wird ist aber die Altersdiskrimierung. Es ist unstrittig, dass Bewerbungen, unabhängig von der Qualifikation, nur noch bis maimal 39 erfolgreich sind. Ich kenne eine Reihe von Fachräften, studiert, hervorragend ausgebildet, erlesene Berufserfhrung, deren Anzahl Bewerbungen bei über 300 legt - OHNE Erfolg. Hier sind die Anonymierungsbemühungen gut gemeint, aber aus der Summe der Berufserfahrungen kann man immer ungefähr aufs Alter schließen und weiterhin aussortieren. Absurd: Je mehr Erfahrung dest schlechter die chancen!

    Die Altersdikriminierung ist in unseren Köpfen schon extrem verankert.Sagt jemend: "Ich hab jetzt 200 Bewerbungen geschrieben, und kein einzige Gespräch bekommen." Fragt der andere nicht: Was bist Du von Beruf oder ähnliches, sondern wie selbstverständlich: "Wie alt bist Du?". Diese Form der Diskriminierung wird von uns als geradezu selbstverständlich, fast gottgegeben eingestuft und akzeptiert. Obwohl verboten.
    Meine Frau (46) hat im Januar bei einem neuen Arbeitgeber angefangen. Sie hat 18 Bewerbungen geschrieben. Das mit dem Alter kann man also nicht so pauschal sagen.
  10. #19

    viel voreingenommener als wir zugeben

    Zitat von momov Beitrag anzeigen
    Die Studie kenne ich nicht. Ich kenne aber jemanden mit einem 1 Diplom, dessen Geburtsort in Frankreich liegt und derjenige einen französischen Vornamen hat.

    Erst als er in die Bewerbung hinter dem Geburtsort recht untypisch schrieb: "Staatsangehörigkeit, Muttersprache und Familie deutsch", klappte es mit den Bewerbungen.
    Mit tuerkischen oder franzoezische Namen alles keine Ueberraschung. Meine Kollegen in Frankfurt City of the Euro :-) aus Spanien, Frankreich und Singapore wurden alle von Vermietern abgelehnt, nur der Arbeitgeben konnte dann letztendlich erfolgreich eine Wohnung anmieten. Indische MA aus London wurden gezielt aus Gruppen herausgepickt, und nicht in Lokale eingelassen (alle andern wohl), unter Briten und Amerikanern dann bestens bekannt, es gab dann eine Liste an Lokalen wo MA mit schwarze, brauner oder gelber Hautfarbe halt nicht hingingen.

    Selbstbild und Fremdbild, sehr unterschiedlich in D