Ausstellung "Based in Berlin": Es war einmal eine Leistungsschau

Dem Bürgermeister geht es um Leistung, den Kuratoren um neue Künstler, die Künstler hätten lieber günstige Ateliers. In dieser Gemengelage zeigt die Ausstellung "Based in Berlin", die Klaus Wowereit am Dienstag eröffnet hat, dass Politik und Kultur es schwer haben miteinander.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...766935,00.html
  1. #1

    Wowikunstbrei in Berlin

    Was die liebe Maren Keller hier ein bisschen konfus beschrieben hat, erinnert einem an die fiebrigen Diskussionen unter Künstlern auf den angesagtesten Partys der Stadt. Nicht dass es heiße Luft wäre, was da auf der Ausstellung verzapft werden soll, dies ist nicht Gegenstand der Betrachtung.

    Zu bedenken ist, dass Berlin leider nicht mehr der Kunstort und Nabel der Welt ist, wofür es all die Künstler hierhin zieht. Es fehlt schlicht das Kapital in Berlin, die großen Sammler tummeln sich im Rheinland oder im Süddeutschen. Zum anderen werden die Aktivitäten mittelfristig nur dazu führen, dass die Preise für Wohnungen und Ateliers steigen.

    Mit jeder dieser offiziellen administrativen Maßnahmen zur Künstlerförderung verliert die Stadt ein Stück seiner ursprünglichen und für Berlin typischen Suburbanität, ohne die Kunst nicht gedeihen kann. Gleichzeitig verliert es auch die Internationalität, die die Kunstler für die Stadt seit langem eifrig und auf eigene Kosten produzieren.

    Unter diesem Blickwinkel gesehen, handelt es sich um einen Missbrauch der Kunst, vor allem, weil es um die Etablierung eines offiziellen Rankings geht, welches nur für Berlin als selbsternanntes Artodrom eine gewisse Geltung hat.

    Künstler sein in Berlin bedeutet zu allererst am Markt vorbei zu produztieren. Das heißt, die nicht zu leugnende Kreativität der Berliner Künstler spiegelt sich auf außerregionalen Kunstmärkten nicht wieder. Nur ein Bruchteil von ihnen schafft den Sprung aus dem riesengroßen Kulturgefängnis Berlin heraus und wird überregional bekannt.

    Vielleicht schnüffeln die hiesigen Künstler mit ihrem Hang nach grenzenloser Freiheit und Individualität einfach nur zu viel Berliner Luft, was ihnen die Sinne benebelt, und den Blick aus Berlin heraus verstellt.

    Einen Rat geben kann ich allerdings auch nicht. Vielleicht ist es besser aus diesem fiebrigen Getümmel abzuhauen und Wowereit einfach Wowereit sein zu lassen. Gute und bessere Kunst wird auch anderswo gemacht.

    Bruno Toussaint

    Köln - Berlin - Moskau - St. ingbert / Saar
  2. #2

    .

    Zitat von BrunoGlas Beitrag anzeigen
    Gleichzeitig verliert es auch die Internationalität, die die Kunstler für die Stadt seit langem eifrig und auf eigene Kosten produzieren.
    Pardon, der Artikel der "lieben" Maren Keller ist nicht halb so konfus wie Ihre selbstgefaellige, realitaetsfremde Antwort darauf.
    Um einschaetzen zu koennen, ob hier lediglich Ironie im Spiel ist, gestatten Sie noch einige Fragen.

    Frage: Berlin ist kein Kunstort, weil es "schlicht" an Kapital fehlt..was sich wiederum im Rheinland und in Sueddeutschland "tummelt"? Finden sich also dort Deutschlands "Kunstorte"?
    Frage: Immobilienpreise einer Millionenstadt reagieren bereits auf eine Einzelausstellung?
    Frage: Wie "produziert" man Internationalitaet eifrig und vor allen Dingen auf eigene Kosten?
    Frage: Wer in oder aus Berlin hat die Stadt zum "Artodrom" ernannt?
    Frage: Wie definiert man eigentlich "Missbrauch" von Kunst im Hinblick auf eine Leistungsschau?
    Frage: "Künstler sein in Berlin bedeutet zu allererst am Markt!! vorbei zu produztieren"...ist dies eventuell schon eine (Ihre) missbraeuchliche Betrachtungsweise von Kunst?
    Frage: Nur ein Bruchteil der Berliner Kuenstler schafft den Weg aus dem "Kulturgefaengnis Berlin"? Wie gross ist dieser Bruchteil?
    Frage: "Gute und vor allen Dingen bessere Kunst wird auch anderswo gemacht"..verraten Sie uns Ihr (Besser-)Wissen?

    Het
    Wien-Berlin-Lissabon
  3. #3

    .

    Zitat von BrunoGlas Beitrag anzeigen
    Gleichzeitig verliert es auch die Internationalität, die die Kunstler für die Stadt seit langem eifrig und auf eigene Kosten produzieren.
    Pardon, der Artikel der "lieben" Maren Keller ist nicht halb so konfus wie Ihre selbstgefaellige, realitaetsfremde Antwort darauf.
    Um einschaetzen zu koennen, ob hier lediglich Ironie im Spiel ist, gestatten Sie noch einige Fragen.

    Frage: Berlin ist kein Kunstort, weil es "schlicht" an Kapital fehlt..was sich wiederum im Rheinland und in Sueddeutschland "tummelt"? Finden sich also dort Deutschlands "Kunstorte"?

    Frage: Immobilienpreise einer Millionenstadt reagieren bereits auf eine Einzelausstellung?

    Frage: Wie "produziert" man Internationalitaet eifrig und vor allen Dingen auf eigene Kosten?

    Frage: Wer in oder aus Berlin hat die Stadt zum "Artodrom" ernannt?

    Frage: Wie definiert man eigentlich "Missbrauch" von Kunst im Hinblick auf eine Leistungsschau?

    Frage: "Künstler sein in Berlin bedeutet zu allererst am Markt!! vorbei zu produztieren"...ist dies eventuell schon eine (Ihre) missbraeuchliche Betrachtungsweise von Kunst?

    Frage: Nur ein Bruchteil der Berliner Kuenstler schafft den Weg aus dem "Kulturgefaengnis Berlin"? Wie gross ist dieser Bruchteil?

    Frage: "Gute und vor allen Dingen bessere Kunst wird auch anderswo gemacht"..verraten Sie uns Ihr (Besser-)Wissen?

    Het
    Wien-Berlin-Lissabon
  4. #4

    Based on earth ...

    Zitat von BrunoGlas Beitrag anzeigen
    ... Zu bedenken ist, dass Berlin leider nicht mehr der Kunstort und Nabel der Welt ist, wofür es all die Künstler hierhin zieht. Es fehlt schlicht das Kapital in Berlin, die großen Sammler tummeln sich im Rheinland oder im Süddeutschen...
    Mit Verlaub – die Abwesenheit von Kaufkraft ist eher ein Problem der Galeristen und derjenigen, die ein Interesse an der kommerziellen Verwertung von Kunst haben und nicht der Künstler selbst. Sicherlich sind Galeristen, etc. unverzichtbarer Bestandteil der Kunstszene im Gesamten, prägen diese aber kaum bis gar nicht. Einem Berliner Künstler kann es hingegen relativ egal sein, ob seine Werke in Zürich, Doha, oder New York gehandelt werden. Berlin ist derzeit das Mekka und das bedeutendste Sprungbrett für junge Künstler, vollkommen unabhängig von den regionalen Geschäftsaussichten der Vermarkter.
    Unabhängig hiervon wird die „Based in Berlin“-Aktion in der Berliner Kulturszene durchaus zu recht sehr kontrovers diskutiert. Die Verquickung von Kunst und Parteipolitik ist und bleibt eben immer problematisch. Kunst als Leistungsschau einer Stadt/Region ( vergleichbar diversen Landwirtschaftsmessen) darzustellen, mutet in unserer Zeit reichlich naiv an. Allein schon der Lokalkolorit signalisierende Name der Ausstellung geht an der wirklichen Bedeutung und Ausstrahlung Berlins weit vorbei. Das Geld hierfür hätte mit weniger Eitelkeit der politischen Klasse Berlins deutlich besser in die höchst interessante Kunstszene investiert werden können.