Psychobilly-Tischler: Wie ein teuflischer Elvis

Marco Lückert ist aus einem etwas anderen Holz geschnitzt als seine Kollegen. Der 35-jährige Tischler aus der Psychobilly-Szene fällt mit seiner Tolle und den vielen Tattoos extrem auf. Der Chef ist tolerant, manche Kunden erschrecken - der Freizeitbassist überzeugt sie durch gute Arbeit.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...766035,00.html
  1. #1

    ...

    "Marco Lückert ist Psyche."

    Da hat wohl die automatische Rechtschreibkorrektur zugeschlagen, das muss natürlich "Psycho" heißen.

    Mit zarten 35 Jahren ist er aber definitiv ein sehr junger Vertreter der Psycho-Szene, die zu dem Zeitpunkt, als er das erste mal auf einem Psychobilly-Konzert war, schon im Absturz war. Die große Zeit des Psychobillys waren die 80er Jahre und im Gegensatz zum Punk gibt es keinen Nachwuchs. "Große" Acts gibt es auch kaum noch.
  2. #2

    Da kann man mal sehen...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der 35-jährige Tischler aus der Psychobilly-Szene fällt mit seiner Tolle und den vielen Tattoos extrem auf.
    Ich wohne mein ganzes Leben in einer Großstadt, für mich gelten solche modisch fixierten Menschen seit langem als angepasste Spießer. Da kann man mal sehen ...
  3. #3

    Die Frisur macht noch keinen Psycho...

    Ein Film über eine Szene, welche mit ganzem Herz dabei ist:

    http://www.youtube.com/watch?v=luiarITpYLo
  4. #4

    .

    Zitat von phboerker Beitrag anzeigen
    "Große" Acts gibt es auch kaum noch.
    Ich bin nicht in der Psychobilly-Szene zuhause, aber selbst mir sind die Namen "The Creepshow" oder "Rev. Horton Heat" geläufig. Allerdings weiß ich nicht, ob die Bands unter die reine Psychobilly-Lehre fallen.
  5. #5

    den Verdacht

    Zitat von spügel Beitrag anzeigen
    Ich wohne mein ganzes Leben in einer Großstadt, für mich gelten solche modisch fixierten Menschen seit langem als angepasste Spießer. Da kann man mal sehen ...
    habe ich immer mal wieder. Denn was anderes als "Uniformierung", zumindest innerhalb einer bestimmten Gruppe, soll denn das sein, wenn man sich Skins, Punks, Goths oder eben Psychos ansieht.

    Gegenüber szenentechnisch gänzlich Außenstehenden kann man sich damait natürlich abgrenzen. Was für eine Leistung!

    Wichtiger sollte doch aber das innere "Anderssein" sein. Sich nicht mit szeneunabhängigen Denkmustern zufrieden geben und auch mal das Maul aufmachen, wenn´s mal gegen szeneinterne (schon das dritte Mal Szene) Dogmen geht. Alles andere scheint mir nach außen gekehrte Individualität, um die innere Konformität zu überdecken. Der Tattoo-Wahn ist da ein schönes Beispiel, je mehr Leute sich behacken lassen, desto "ungefährlicher" wird´s und das Outlaw-Gefühl bekommste trotzdem ein bißchen mit.
  6. #6

    Psychofalle

    Zitat von spügel Beitrag anzeigen
    Ich wohne mein ganzes Leben in einer Großstadt, für mich gelten solche modisch fixierten Menschen seit langem als angepasste Spießer. Da kann man mal sehen ...
    Färben sie sich einmal die Haare bunt, ziehen sie diese modischen Klamotten einmal an und wundern sie sich, wie tolerant Deutschlands Städte wirklich sind. Wenn ihnen jemand hinterherbrüllt, was für ein Assi sie sind, ist das nur die harmloseste Variante. Natürlich muss ich ihnen auch Recht geben, Tattoos sind heute Mainstream, damit konnte man noch Mitte der 90er Jahren Leute erschrecken, heute ist es langweilig und durchaus spießig sie überhaupt zu haben. Die durchgängige Abgneigung gegen Personen die hingegen anders aussehen, ist aber noch immer vorhanden. Wer provozieren oder nur Aufsehen erregen will, kann das mit relativ leichten Mitteln. Dafür reicht es schon als Mann mit extremem Liedschatten herumzulaufen und böse zu gucken.

    Was Psychobilly betrifft, ich werde nie einen Konzertbesuch vergessen, wo ich in den 90er Jahren das erste mal Mad Sin sehen durfte, die sich vor dem Gig gemütlich unter die Zuschauer mischten, mit denen ich anschließend sogar noch ein Bierchen getrunken habe. Die Musikrichtung hat etwas, eine besondere Art der Energie, als Dauerzustand ist sie über die Jahre aber definitiv zu einseitig. Elvis geht einem irgendwann dann doch auf den Keks.
  7. #7

    Keine großen Acts???

    Zitat von phboerker Beitrag anzeigen
    "Marco Lückert ist Psyche."

    Da hat wohl die automatische Rechtschreibkorrektur zugeschlagen, das muss natürlich "Psycho" heißen.

    Mit zarten 35 Jahren ist er aber definitiv ein sehr junger Vertreter der Psycho-Szene, die zu dem Zeitpunkt, als er das erste mal auf einem Psychobilly-Konzert war, schon im Absturz war. Die große Zeit des Psychobillys waren die 80er Jahre und im Gegensatz zum Punk gibt es keinen Nachwuchs. "Große" Acts gibt es auch kaum noch.
    Meteors, Frenzy und DAG sind bitte was?

    Komme doch bitte einfach nächste Woche Freitag ins SO36 danach ins Wild At Heart und an den beiden folgenden Tagen in den Lindenpark in Potsdam zum Psychomania.

    Nachwuchs gibt es auch, die Szene ist zwar viel kleiner als in den Achtzigern, aber sie existiert.

    http://www.psychomaniarumble.de/

    Viel Spaß!
  8. #8

    ...

    Zitat von elpepino Beitrag anzeigen
    Ich bin nicht in der Psychobilly-Szene zuhause, aber selbst mir sind die Namen "The Creepshow" oder "Rev. Horton Heat" geläufig. Allerdings weiß ich nicht, ob die Bands unter die reine Psychobilly-Lehre fallen.
    Reverend Horton Heat ist für mich (sehr guter) Rockabilly, von "The Creepshow" hatte ich bis eben noch nie etwas gehört (will nichts heißen), bezeichnet sich aber gemäß Kurzrecherche als Psychobilly.

    Große Psychobilly Acts wie The Meteors oder Demented Are Go sind jedenfalls ziemlich runtergekommen und spielen in deutschen Großstädten vor einem Publikum von wenigen hunderten Mittvierzigern, wenn sie sich denn alle Jahre mal blicken lassen. Dabei wirkt das dann so, als ob sie die Musik eher als Hobby und Nebenverdienst betreiben (ist ja nicht falsch oder schlecht, nur eben etwas sehr anderes gegenüber den 80ern, als man regelmäßig Psychos und Teds auf den Straßen sehen konnte und es sehr viele gute Bands gab).

    Ich selbst bin nur wenig älter als der Tischler aus dem Artikel und damit ebenfalls ein absoluter Youngster unter den Hörern dieser Musik. Ich war seinerzeit mit 13 auf meinem ersten Psychobilly-Konzert, ebenfalls bedingt durch einen großen Bruder.

    Heutzutage höre ich nur noch wenig Psychobilly. Wenn mich die Lust packt, dann ist es aber in 99% aller Fälle eines dieser beiden Alben: "Teenagers from Outer Space" oder "In Heaven" von den Meteors (fast alles danach von den Meteors und mithin nach dem Ausscheiden von Nigel Lewis aus der Band kann man meines Erachtens vergessen). Beide Alben sind für mich ernsthaft Meilensteine der Rockmusik. Viel mehr als das braucht man meiner Meinung nach aber auch nicht unbedingt, wenn man nicht gerade Psychobilly-Fan ist oder werden will.
  9. #9

    ...

    Immer wieder die gleiche Mär:
    Skins, Punks, Mods, etc. waren genau so politisch wie Psychobillys. Gerade in den frühen 80er (in HH), als sich die unterschiedlichsten Frisuren aufgrund der gemeinsamen Wurzeln übrigens oft noch per Handschlag kannten, gab es sehr wohl eine Attitude der Herrschaften. Dabei war es vollkommen egal ob die scheiß Eltern, scheiß Staat oder Sieg Heil riefen! Die Teenagekulturen bestanden weitestgehend aus Individuen und nicht nur aus Phrasen und Modefloskeln. Und wenn überhaupt, dann gab es Parallelen zwischen den Glatzen und den Psychos, die auch gern mal den Arm reckten (ob aus Überzeugung oder Provokation sei jetzt mal dahingestellt.)