Helferkrankheiten: "Schwäche ist tabu"

Ob Arzt, Krankenschwester, Altenpfleger oder Therapeut: Menschen in helfenden Berufen leiden besonders häufig unter stressbedingten Krankheiten. Das liegt an Mängeln im Gesundheitssystem, aber auch an den Helfern selbst.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...763522,00.html
  1. #20

    Helfersyndrom

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ob Arzt, Krankenschwester, Altenpfleger oder Therapeut: Menschen in helfenden Berufen leiden besonders häufig unter stressbedingten Krankheiten. Das liegt an Mängeln im Gesundheitssystem, aber auch an den Helfern selbst.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...763522,00.html
    Das ist in jedem Job gefährlich. Auch in einem Büro kann das Helfersyndrum zum Eigentor werden. Hier frage ich mich immer: Wem hilft es? Sollte ich die Verantwortung für diese Aufgabe auf meine Schultern nehmen? Also nie sofort entscheiden und auch mal NEIN sagen.

    Wenn, wie in dem obigen Artikel gut beschrieben, das eingestellt Personal nicht ausreicht, um die anfallenden Aufgaben zu erledigen, muss das kommuniziert werden. Klar, ich kann im Büro die Akten einfach liegen lassen. Im Krankenhaus sieht das schon anders aus. Dennoch sollten Personal-/Betriebsräte endlich mal ihren Arsch hoch kriegen und tätig werden. Machen sie aber selten. Die Jungs und Mädels sind froh, dass sie ihre Ruhe haben....
  2. #21

    Wm- Titel

    Ein ganz guter treffender Artikel. Als Assistenzarzt in einem mittelgroßen Krankenhaus kann ich das nur bestätigen. Die Arbeit an der "Front" ist unterbezahlt, nicht wertgeschätzt und sehr anstrengend. An anderer Stelle, wo "Spezialisten" hunderttausende an Euros verbrauchen geht der Geldfluss hin.
    Und "Allrounder" wie niedergelassene Hausärzte, die 50-60 Pat. pro Tag durchschleusen und ihr Budget ständig überziehen müssen werden dann von diesen hochbezahlten Spezialisten belächelt.
    Für mich heisst das, damit ich nicht kaputt gehe: Bis zum Facharzt durchhalten und dann eine ruhige Ecke suchen mit sicherlich besserer Bezahlung und weniger Arbeit.
    Und an der "Front"? Nach mir die Sintflut.
  3. #22

    ..

    Banken werden gerettet, Pflegepersonal und Ärzte werden verheizt.

    Der Dienst am Menschen erfährt halt nicht die gleiche Wertschätzung wie der Dienst am Geld.

    Es ist unfassbar wieviel Geld im Gesundheitswesen verschwindet und wie wenig bei den echten Leistungsempfängern "an der Front" ankommt. Als Assistenzarzt kann ich von meinem Gehalt ganz gut leben, wenn ich mir aber anschaue was z.B. eine Intensivpflegekraft bekommt (3jährige Ausbildung als Krankenschwester, mehrjährige Fachweiterbildung, psychisch und fachlich extrem abspruchsvoller Job, lebenslänglich Schichtdienst)...... beschämend!

    Die Ärzte haben sich im Marburger Bund erfolgreich gegen die zunehmende Ausbeutung gewehrt, ich hoffe die Pflege schafft es auch sich von Verdi zu befreien und für ihre Rechte zu kämpfen!
  4. #23

    Kostenfaktor Personal

    das beschämenste ist, das erfahrenes Pflegepersonal(das mittlerweile ohne hin schon Mangelware ist...)aus Kostengründen regelrecht weg gemoppt wird und durch billigere blauäugige Berufsanfänger ersetzt werden...
    Zunehmend Arbeiten in sogenannten "high risk" Bereichen(Intensiv/Anästhesie)also übermässig Berufseinsteiger,die durch irgendwelche dubiosen Qualifizierungsprogramme im Zeitraffer, die Berufserfahrung von Fachpflegekräften ereichen sollen um dann in der Praxis zurecht, der extrem anspruchsvollen Arbeit, überhaupt nicht gewachsen zu sein...
    Und das alles auf Kosten der Patienten...
    Die Wertschätzung, auch gegenüber anderen Berufsgruppen geht durch diesen Hamsterrad Mechanismus ausserdem immer weiter verloren und das gesamte Arbeitsklima ist nur noch darauf ausgelegt sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben.
    Krankheitsprävention ist also wichtig wie nie!
  5. #24

    @@@

    Zitat von Pat.777 Beitrag anzeigen
    das beschämenste ist, das erfahrenes Pflegepersonal(das mittlerweile ohne hin schon Mangelware ist...)aus Kostengründen regelrecht weg gemoppt wird und durch billigere blauäugige Berufsanfänger ersetzt werden...
    Zunehmend Arbeiten in sogenannten "high risk" Bereichen(Intensiv/Anästhesie)also übermässig Berufseinsteiger,die durch irgendwelche dubiosen Qualifizierungsprogramme im Zeitraffer, die Berufserfahrung von Fachpflegekräften ereichen sollen um dann in der Praxis zurecht, der extrem anspruchsvollen Arbeit, überhaupt nicht gewachsen zu sein...
    Und das alles auf Kosten der Patienten...
    Die Wertschätzung, auch gegenüber anderen Berufsgruppen geht durch diesen Hamsterrad Mechanismus ausserdem immer weiter verloren und das gesamte Arbeitsklima ist nur noch darauf ausgelegt sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben.
    Krankheitsprävention ist also wichtig wie nie!
    Sie haben Recht.
    Aber schauen Sie sich doch die Gesellschaft an: Der Pflegeberuf wird nachwievor als: Arschabwischer und Urinkellnern definiert! Von den Inhalten der Ausbildung und den mannigfaltigen Aufgaben auf Station spricht doch keiner.
    Und deswegen schrieb ich: Die Pflege hat keine Lobby!
  6. #25

    Kostenfaktor...

    Das am Patienten arbeitende Personal wird nur noch als Kostenfaktor betrachtet. Die Patienten werden immer älter und kränker und werden in immer kürzerer Zeit "durchgeschleust". Das muss aber stellenneutral abgewickelt werden.
    Da das nicht klappen kann werden dann Bereiche wie Controlling udn Qualitätsmanagment aufgebläht, die dort Tätigen (Montag bis Freitag von 08:00-16:00 Uhr) dozieren dann gegenüber Ärzten und Pflegepersonal wie uneffizient sie arbeiten und was man alles besser machen kann.....
    Da wird mir regelmäßig übel!
    Ich bin froh mich als Arzt in ein paar Jahren niederlassen zu können. Dann bin ich zwar nicht im Schlaraffenland aber zumindest dem Irrenhaus Krankenhaus entflohen.
    Das Pflegepersonal hat diese Möglichkeit nur sehr eingeschränkt, ob arbeiten in einem ambulante Pflegedienst soviel besser ist kann ich nicht beurteilen, da ist der Kostendruck bestimmt nicht besser.
    Wehrt euch!
  7. #26

    Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:

    Auf die Verdi zu hoffen, ist mMn nicht der Weg.

    Mehr Verdienst macht die Arbeit doch nicht besser. Was bringt es mir, wenn ich 3 Patienten in der Schicht mit jeweils TISS >40 habe, die woanders Einzelpflegen wären, wenn ich 30% mehr Gehalt bekomme? Ich komm trotzdem halbtot von der Frühschicht, und komm gar nicht mehr von der Couch hoch, um die Kohle auszugeben.

    Dass Verdi mal für Mindestpersonalbesetzung streikt statt für Gehalt, das seh ich nicht kommen.

    Den verbalen Schulterschluss der ärztlichen Seite im Forum find ich ja ganz toll, aber im realen Leben bleibt der oft aus. Aufgaben der ärztlichen Seite werden bis an die Grenze des rechtlichen zulässigen delegiert (und sicher auf vielen Stationen auch darüber hinaus). Gerade Anfänger, die noch nicht in der Lage sind, da "nein" zu sagen, werden von Ärzten oftmals nur zu gerne eingespannt.
    Die Pflege übernimmt immer mehr der ärztlichen Aufgaben, und trotzdem steigt die Anzahl der Kliniksärzte und die des Pflegepersonals (ausser wohl in der Psy) sinkt.

    Ich fühl mich auch auf Intensivstation immer noch als Pfleger und bin in erster Linie für die Patienten zuständig, und nicht nur Assistent bei Therapie und Diagnostik. Die Ärzte sehen aber hauptsächlich diesen Teil des Stationsalltag und übersehen die Pflegeaspekte (obwohl ein gut gepflegter Patient sich wohler fühlt, z.B. weniger Schmerzen hat, und mMn dadurch auch mehr Chancen auf nen besseren Verlauf hat).

    Die Ärzte finden es komfortabel wenn wir da immer mehr übernehmen, und wehren sich nicht dagegen, und die Berufseinsteiger fühlen sich in ihrem Ego gekitzelt, wenn sie mehr machen dürfen. Auch dieser Kreislauf geht zulasten des Patienten.
    Die Ärzte verschieben praktisch ein Personalproblem an die Pflege, in dem sie Aufgaben verschieben, ihre Berufsgruppe entlasten, und wie die Pflege mit der zusätzlichen Arbeitsbelastung umgeht, ob sie mehr Personal ranbekommt, ist dann erstmal nicht ihre Sorge.

    Verbalen Schulterschlüssen müssen auch reale folgen. Bei Überlastung auf der ärztlichen Seite das Problem nicht durch Delegieren an die Pflege abschieben, sondern selbst klären. Und das kann jeder bei sich auf Station anfangen.
  8. #27

    ..

    Zitat von Ingmar E. Beitrag anzeigen
    Auf die Verdi zu hoffen, ist mMn nicht der Weg.

    Mehr Verdienst macht die Arbeit doch nicht besser. Was bringt es mir, wenn ich 3 Patienten in der Schicht mit jeweils TISS >40 habe, die woanders Einzelpflegen wären, wenn ich 30% mehr Gehalt bekomme? Ich komm trotzdem halbtot von der Frühschicht, und komm gar nicht mehr von der Couch hoch, um die Kohle auszugeben.

    Dass Verdi mal für Mindestpersonalbesetzung streikt statt für Gehalt, das seh ich nicht kommen.
    Da haben die Ärzte/ Marburger Bund mehr erreicht. Der Grund warum so viele Arztstellen unbesetzt sind? Es liegt daran dass jetzt endlich halbwegs gesetzeskonform gearbeitet wird. Und wo früher ein Arzt eine 36Stundenschicht gemacht hat muss jetzt mindestens ein Kollege mehr eingestellt werden um die Stunden abzudecken. Deswegen steigt auch die zahl der Klinikärzte, oftmals findet sich ber keiner der das machen will.

    Zitat von Ingmar E. Beitrag anzeigen
    Den verbalen Schulterschluss der ärztlichen Seite im Forum find ich ja ganz toll, aber im realen Leben bleibt der oft aus. Aufgaben der ärztlichen Seite werden bis an die Grenze des rechtlichen zulässigen delegiert (und sicher auf vielen Stationen auch darüber hinaus).
    Bei uns im Klinikum ist das nicht der Fall, das mag bei Ihnen anders sein. Ich denke aber dass eine gewisse Umverteilung der Arbeit sinnvoll ist. Und dabei meine ich nicht einfach mehrarbeit für die Pflege. In anderen Ländern nimmt die Pflege selbstverständlich Blut ab, hierzulande ist das eher selten. Ist nur ein Beispiel wie in Deutschland eine Aufgabe auf die Pflege delegiert werden könnte. Im Gegenzug muss die Pflege auch von Aufgaben befreit werden für die sie überqualifiziert ist. Bei uns im Krankenhaus füllen die Schwestern und Pfleger stundenlang Essensanforderungen mit den Patienten aus, verteilen das Essen (ich rede hier nicht davon jemanden mit Schluckstörung beim Essen zu helfen), räumen ab, bringen Patienten zu Untersuchungen..... oft wird dogar geputzt! was soll das? Das können zum Großteil Hilfskräfte erledigen und die Pflege kann sich wieder auf die Pflege konzentrieren.
  9. #28

    Von Schafen und Wölfen

    Zitat von !!!Fovea!!! Beitrag anzeigen
    Weiterhin hat die Pflege keine Lobby. Daran ist das Pflegepersonal ebenfalls schuld, da sie den "Mumm" nicht aufbringen, Dienst nach Vorschrift zu machen, aus Angst vor Kündigung! or den Kostenstellen der INEK weiter Gelder zu bekommen!
    Wenn der Pfleger ständig helfen will, dann hat er ein geringes Selbstbewusstsein. Also kämpft er nicht in der Gewerkschaft.

    Der Mensch ist doch einer der sich aufopfert.
    Denke bei den Ärzten gibt es 2 Typen, die die viel Kohle scheffeln wollen, die sind dann niedergelassen oder sind aufgestiegen zum Chefarzt.

    Oder die die sich aufopfern und die niederen Dienste tun. Die arbeiten dann für einen Appel und ein Ei rund um die Uhr. Die können sich dann nicht einmal gegen zu viele Notdienste wehren. "Die teilen mich immer zum Notdienst ein, was soll ich tun?" Sich zu beschweren wäre ja ein versagen, man ist dann ja ungezogen.
    Die kommen aus sozial schwachen Familien und haben das Helfersyndrom. Z.B. Aussiedler.

    Man müsste halt bei den Ärzten auch das Geld besser verteilen. Aber die Hackordnung ist da so fest zementiert, dass das wohl unmöglich ist. Vielleicht sollte man einen mit Helfersyndrom zwingen der Chef zu sein, dann würde er sich auch um die Kollegen kümmern.

    Es ist halt generell in der Gesellschaft so. Einige halten sich für etwas Besseres und sind die großen Abstauber. Die anderen werde von diesen stets verachtet und versuchen durch ständiges Helfen ihre Existenz zu rechtfertigen.
    Es ist doch auch in der Familie so. Die Oma wird doch nur besucht, wenn sie etwas Geld gibt, sonst ist sie uncool.
    Das Geschenk und die Hilfe ist die einzige Möglichkeit sich bei manchen Leuten ins Gespräch zu bringen.
    Andere lassen sich erst gar nichts schenken, weil sie meinen sie müssten etwas zurück schenken, aber das sind dann wieder die Wölfe.

    Wir brauchen endlich Seelsorger die alles ins Gleichgewicht bringen.

    Sie haben nicht die Freizeit Gestaltung dieser Leute beschrieben. Das geht da genau so zu. Man macht Triathlon, oder Bergsteigen, immer an der Lebensgefahr, .... um sich zu Beweisen wie großartig man ist.

    Aber das hat man meist in der Kindheit so gelernt.
    Jeder Schulausflug war eine Tortur. Entweder ist man krank nach Hause gekommen, oder man wäre im Wildbach bei Regen fast ersoffen, oder in der Lavine umgekommen, oder man hat bis zum Hals im Schnee den Weg zur Skihütte gesucht.
    Ich quäle mich, also bin ich!