Berliner Werber-Ausbildung: Vom Babyhang zur Buckelpiste

Gute Werbebotschaften zünden flott. Wo lernt man, griffige Ideen zu entwickeln? Zum Beispiel an der Miami Ad School. In Berlin beschäftigen sich junge Texter zwei Jahre lang mit Kampagnen aller Art. Und merken bald, dass sie die Ärmel hochkrempeln müssen, statt die Füße hochzulegen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...760958,00.html
  1. #1

    Kreativ-Kapazunder

    Wenn man diese Spiegel-Serie über die Werbeindustrie liest, muss man den Eindruck gewinnen, hier seien nur Hoch-Begabte am Werk, die mit enormem Talent und nicht nachlassendem Elan dem Normalo die Welt so erklären, wie sie (das heißt, ihre Kunden) es haben wollen.

    Bei all dem angemessenen ehrfürchtigen Respekt, der mich durchzittert, wenn ich von solchen Kreativ-Titanen lese, frage ich mich eines: Wie kommt es, dann, dass die meisten Werbungen, die unsereiner sieht oder hört, so was von grenzdebil, nervtötend und schlicht beschissen sind, dass ich mir wünsche, diese ganze Industrie sei nie erfunden worden?
  2. #2

    ...

    Seit wann bezeichnet man eigentlich eine 2 jährige Ausbildung als Studium?

    Ist man dann am Ende Diplom-Werbetexter oder was?
  3. #3

    Zitat von Phi-Kappa Beitrag anzeigen
    Wie kommt es, dann, dass die meisten Werbungen, die unsereiner sieht oder hört, so was von grenzdebil, nervtötend und schlicht beschissen sind, dass ich mir wünsche, diese ganze Industrie sei nie erfunden worden?
    Das ist genau die Frage, die ich mir auch stelle. Für diesen Schrott soll Deutschlands "Kreativ-Elite" verantwortlich sein? Man darf davon ausgehen, dass sich nur die Werber selbst dafür halten.
  4. #4

    Werbung muss verkaufen

    Werbung hat die Pflicht zu verkaufen - nur intelligent, nur schön, nur interessant - oder gleich alles gemeinsam - heisst noch lange nicht, dass solche werbung verkauft. Geiz-ist-geil setzt sich nun mal schnell im Gehirn fest - und darum gehts halt .................
  5. #5

    tja

    tja, das soviele "werbeartikel" derzeit im spon erscheinen, liegt daran das die werbebranche derzeit ein problem hat: sie findet nicht mehr genug nachwuchs. es hat sich rumgesprochen, dass der job scheisse ist, kurzfristig (kennt wer 40 jährige texter oder grafiker die erfolgreich sind? ist selten). man wird scheisse bezahlt, mieß behandelt (wenn man nicht selber nen arsch ist) und arbeitet für 2 leute (mindestens).
    und leute. die miami adschool bringt vor allem einer person was. dem inhaber. wer sich da bewirbt hat:

    1. zu viel geld
    2. sonst keine chance
    3. glaubt an versprechungen aus der blenderbranche

    wenn du texter werden willst, geh an die texterschmiede
    wenn du grafiker werden willst, dann geh an ne richtige uni und mache praktikas. und arbeite nebenbei dran.

    ich habe in 10 jahren werbung in agenturen selten wen getroffen der mit komischen privat schulen erfolgreich sind. das ist eine gnadenwiese damit ausrangierte werber noch mit ihrem wissen geld machen können.

    punkt
  6. #6

    Zitat von Phi-Kappa Beitrag anzeigen
    Wie kommt es, dann, dass die meisten Werbungen, die unsereiner sieht oder hört, so was von grenzdebil, nervtötend und schlicht beschissen sind, dass ich mir wünsche, diese ganze Industrie sei nie erfunden worden?
    Wie das kommt? Das ist relativ einfach.
    "Gute Werbung" definiert nicht dadurch, dass jemand in der Werbepause gute Unterhaltung erfährt.

    Werbung wird üblicher Weise der Lebenswelt des Kunden angeglichen, damit sie sich angesprochen fühlen. Sind die Kunden grenzdebil, hilft es demnach, wenn die Werbung es auch ist.

    Den Werbetreibenden geht es nicht darum, die Bevölkerung mit ästhetischen oder lustigen Werbespots zu beglücken. Die "Werber" haben den Auftrag, Produkte zu verkaufen. Ist ein Werbespot/Anzeige/wasauchimmer "beschissen", verkauft aber wie Bolle, dann ist das Ziel erreicht. Bingo.

    Manchmal funktioniert sogar nur "beschissene" Werbung. Die Schweinebauch-Anzeigen von ihrem lokalen Discounter müssen kräftig "rosa" sein und auf extrem dünnen, billigen Papier gedruckt werden. Ansonsten gehen Sie nicht hin und kaufen sich 12 kg Hackfleisch für 1,99 € weil Sie nicht den Eindruck haben, dass es "schön billich". Anderes Beispiel: Werbebanner im Internet, die hervorragend gestaltet sind haben in der Regel weitaus geringere Klickraten, als "beschissene" Werbebanner. Bei Online-Werbung gilt im Allgemeinen: Häßlich wird geklickt.

    Penetranz ist übrigens grundsätzlich ein Mittel, dass "beim Verkaufen" hilft - besonders bei Grenzdebilen. Wenn ein Spot 4x in einer Sendepause geschaltet wird, kann der Goldfisch-Effekt überwunden werden und die Botschaft bleibt beim Verbraucher vielleicht mehr als 3 sek im Hirn.

    Es gibt für alles eine Nische: auch für billig, häßlich, beschissen und penetrant.

    Dass Werbung so ist, wie sie im allgemeinen in Deutschland wahrgenommen wird, liegt meist nicht an der Kreativleistung der Werber.
    In den meisten Fällen liegt es an dämlichen Produkten in einem komplett übersättigtem Markt, am besser-wissenden Auftraggeber oder eben grenzdebilen Endkunden, die irgendwie erreicht werden müssen.

    Und ja: Ich bin selbst Werber.
  7. #7

    .

    Zitat von pixelschrubberhh Beitrag anzeigen
    In den meisten Fällen liegt es an dämlichen Produkten in einem komplett übersättigtem Markt, am besser-wissenden Auftraggeber oder eben grenzdebilen Endkunden, die irgendwie erreicht werden müssen.
    Wenn das alles so ist, fragt man sich, weshalb die Branche überhaupt Leute mit kreativen Talenten braucht. Für das, was ich in einem normalen Werbeblock inklusive Waschmittel- und Baumarktwerbung so sehe, beötigt man sicherlich keine besonderen Fähigkeiten. Das ist biederes Handwerk.

    Dazu passt dann aber nicht die Selbststilisierung der Branche und derer, die dort arbeiten und die sich offensichtlich als "Kreativ-Elite" betrachten. Sollen die Leute doch einfach sagen, dass sie Handwerker sind, die für ihre biederen Kunden biedere Ware anfertigen.
  8. #8

    ...

    Zitat von juerv1 Beitrag anzeigen
    Wenn das alles so ist, fragt man sich, weshalb die Branche überhaupt Leute mit kreativen Talenten braucht. Für das, was ich in einem normalen Werbeblock inklusive Waschmittel- und Baumarktwerbung so sehe, beötigt man sicherlich keine besonderen Fähigkeiten. Das ist biederes Handwerk.

    Dazu passt dann aber nicht die Selbststilisierung der Branche und derer, die dort arbeiten und die sich offensichtlich als "Kreativ-Elite" betrachten. Sollen die Leute doch einfach sagen, dass sie Handwerker sind, die für ihre biederen Kunden biedere Ware anfertigen.
    Vieles ist tatsächlich Handwerk. Trotzdem braucht es, wie in jedem Handwerk, das Wissen um die richtige Anwendung. Unter verschiedensten Bedingungen, in einem gesättigtem Markt und einer Überflussgesellschaft, muss der Konsument schließlich irgendwie geweckt werden.
    "Kreativität" scheint mir die einzige Währung zu sein, um bewerten zu können ob jemand das Handwerk besitzt, um zum Verbraucher durchzudringen.

    Die Branche feiert sich natürlich selbst und glorifiziert ihr Tun. Wer will auch zugeben müssen, dass er einen dämlichen Job hat, seine gesamte Freizeit aufopfert und dafür gerade genug bekommt um nicht zu verhungern?

    In 90% der Fälle geht es tatsächlich darum, Waschmittel anzupreisen, dass "weisser als weiß" wäscht oder Hundefutter für "noch glänzenderes Fell" an den Mann zu bringen. Hierzu braucht es "kreative Ideen" um alles zuvor dagewesene noch einmal auszustechen. "Kreativität" ist aber vielleicht in diesem Fall etwas anderes, als das was der Volksmund darunter versteht.

    In meinem (selbst)verständnis sind Werber keine Künstler, sondern Verkaufskünstler.
  9. #9

    Das ist wie beim Spiegel

    Der Spiegel wirbt seit Jahren mit der kreativen Perle "SPIEGEL-leser wissen mehr".
    Das ist eigentlich eine glatte Falschaussage, weil die meisten wissen gar nicht mehr, sie hören sich im ersten Moment immer nur so an.

    Der Spruch mag im ersten Moment wirken als klopfe man sich auf die eigene Schulter, was im Grunde keine sympathische Geste ist, aber diese dennoch positiv imagebildende Maßnahme, wie wie Handwerker das nennen, verfängt selbst beim letzten geneigten Leser so sehr, das er jederzeit im festen Glauben sein kann, Anderen tatsächlich "irgendwie" voraus zu sein.

    Das ist Überzeugungsarbeit der Leistungsklasse, das müssen uns Grethi und Plethi erst mal nachmachen.

    Ohne diese solide Handwerksarbeit hätten all die SPON-Foristen sich nie die ganzen lateinischen Zitate aus dem Internet zusammenkopiert und die ganzen eloquenten Beiträge in mühevoller Kleinarbeit erschuftet, die wir alle so schätzen gelernt haben.

    Diesen hervorragend geschulten Handwerkern gehört ein Denkmal gesetzt.
    Im Andenken an den unerschrockenen Versuch bei anderen Menschen den Glauben an die eigene Bildung zu erzeugen oder zu stärken.

    Das ist doch was, oder nicht?