Aufnahmetests für junge Werber: "Der erste Schritt zur Unsterblichkeit"

Viele suchen Zugang zur wundersamen Welt der Werbung, punkten können sie nur mit Kreativität. Das prüfen Agenturen gern mit Copy-Tests. Was die alles wissen wollen: Mal sind die Aufgaben sturzseriös und alltagsnah, mal angenehm krumm. Und durchweg unterhaltsam.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...760734,00.html
  1. #10

    Blubberwasser

    Ich sehe die Werbebranche auch mit Skepsis...und ich bin selber im Bereich Marketing tätig und Teil einer kleinen Agentur.

    @ manic.d: Sicherlich ist es nicht so einfach, wie der User "papageienmusik" dies darstellen möchte. Aber Deiner Darstellung folge ich auch nicht wirklich. Ich denke mal, die Leute, die Du da zum Copytest hattest, sind ja zumindest mal durch die Vorauswahl gekommen, oder? Ihr werdet ja nicht jeden zum Copytest einladen, der sich überhaupt bewirbt. Und ich denke, das ist schon der Flaschenhals...

    Sagen wir es mal so: Ich denke schon, dass bei den Werbeagenturen sehr viel über Alter und Aussehen läuft. Das geschieht wahrscheinlich häufig nicht mal bewußt. Aber ein Spruch wie "Mit 30 ist man für die Werbebranche verbrannt" ist mir schon mehr als einmal über den Weg gelaufen.

    Oder anders gesagt: Wie viele Chancen hat ein 45jähriger dicker Handwerker gegenüber einer 25jährigen schlanken Uni-Absolventin? Also rein von der Vorauswahl schon?

    Naja, irgendwas MUSS schieflaufen bei der Auswahl in den großen Werbeagenturen. Wenn wirklich in erster Linie die kreativsten und tollsten bei den großen Agenturen zum Zuge kämen, dürfte es eigentlich nicht so viele einfallslose, teilweise wirklich unerträglich schlechte Werbekampagnen geben (neuestes Beispiel: Die unbeschreiblich furchtbare Saturn-Werbung...huaaaaa...müsste man fast einen neuen Begriff erfinden: "Annoyance Marketing").

    Und falls es noch eines Beweises bedurft hätte: Als vergangenes Jahr diese Doubletten-Panne bei Jung von Matt passiert ist, war ich weniger geschockt von der Panne als solcher...als vielmehr vom Logo selber und der Tatsache, dass die 80.000 € für diese Logo verlangen wollten. Nichts für ungut, aber diese Logo sieht aus, als hätte ein Praktikant ein Illustrator-Tutorial durchgearbeitet und dabei sind aus Versehen diese beiden halbkreisartigen Gebilde rausgekommen.
    Peinlicher geht's kaum.

    Naja, auch in eigenem Interesse hoffe ich, dass sich mittelfristig kleinere Agenturen, die sich selbst nicht so wichtig nehmen, ihre Arbeit dafür umso mehr, durchsetzen werden.

    Damit es bald wieder mehr wirklich kreative und spannende Werbung gibt, als dies im Augenblick der Fall ist.
  2. #11

    Klischee

    Zitat von Oberbefreiter B. Beitrag anzeigen
    Oft sind sie auch ein hervorragendes Mittel, um Kreativität zum Nulltarif für eigene Zwecke zu nutzen ;/ So eine Art Praktikanten-Pitch ...
    Das ist ein sehr beliebtes Vorurteil, aber ganz ehrlich: um sie weiter zu nutzen, sind die Ergebnisse dann in 99,99% der Fälle doch ganz einfach nicht gut/originell/durchdacht/umfassend genug.

    Davon abgesehen ist es eher unüblich, dass in Copytests "voll-reale" Aufgaben gestellt werden; also solche, die sich auf tatsächliche Kunden und/oder Aufgabenstellungen der betreffenden Agentur beziehen.
  3. #12

    Flaschenhals?

    Zitat von Thomas Böhm Beitrag anzeigen
    @ manic.d: Sicherlich ist es nicht so einfach, wie der User "papageienmusik" dies darstellen möchte. Aber Deiner Darstellung folge ich auch nicht wirklich. Ich denke mal, die Leute, die Du da zum Copytest hattest, sind ja zumindest mal durch die Vorauswahl gekommen, oder? Ihr werdet ja nicht jeden zum Copytest einladen, der sich überhaupt bewirbt. Und ich denke, das ist schon der Flaschenhals...
    Unser Copytest befindet sich auf unserer Website und ist dort von jedem Interessenten herunterlad- und ausfüllbar. Wir laden also niemanden ein, den Copytest zu machen; den machen die Leute schon von selbst und schicken ihn uns dann mit ihrer Bewerbung. Und ich schaue mir JEDEN eingesandten Copytest an, ganz gleich, von wem der kommt...

    Zitat von Thomas Böhm Beitrag anzeigen
    Sagen wir es mal so: Ich denke schon, dass bei den Werbeagenturen sehr viel über Alter und Aussehen läuft. Das geschieht wahrscheinlich häufig nicht mal bewußt. Aber ein Spruch wie "Mit 30 ist man für die Werbebranche verbrannt" ist mir schon mehr als einmal über den Weg gelaufen.
    ... und auch ganz gleich, wie alt jemand ist oder gar wie er aussieht (?!). Ich weiß nicht, woher solche Vorstellungen kommen, aber: dass in der Werbung nur "schöne junge Menschen" tätig sind, ist ungefähr so wahr wie das Koks-Klischee.

    Zitat von Thomas Böhm Beitrag anzeigen
    Oder anders gesagt: Wie viele Chancen hat ein 45jähriger dicker Handwerker gegenüber einer 25jährigen schlanken Uni-Absolventin? Also rein von der Vorauswahl schon?
    Sofern er gute Arbeiten, Ideen oder eben einen mitreissenden Copytest liefern kann, hat er erst mal dieselben Chancen. Ist nur fraglich, ob er in diesem Alter noch mal ganz von vorne, als Praktikant anfangen will...

    Zitat von Thomas Böhm Beitrag anzeigen
    Naja, irgendwas MUSS schieflaufen bei der Auswahl in den großen Werbeagenturen. Wenn wirklich in erster Linie die kreativsten und tollsten bei den großen Agenturen zum Zuge kämen, dürfte es eigentlich nicht so viele einfallslose, teilweise wirklich unerträglich schlechte Werbekampagnen geben (neuestes Beispiel: Die unbeschreiblich furchtbare Saturn-Werbung...huaaaaa...müsste man fast einen neuen Begriff erfinden: "Annoyance Marketing").
    Kurz gesagt: es gibt da durchaus auch noch sowas, das sich "Kunde" nennt. Und am Ende nunmal ganz allein darüber entscheidet, wie eine Kampagne aussieht. Da kann man als Kreativer im Zweifelsfall noch so tolle Dinge vorschlagen.

    Zitat von Thomas Böhm Beitrag anzeigen
    Naja, auch in eigenem Interesse hoffe ich, dass sich mittelfristig kleinere Agenturen, die sich selbst nicht so wichtig nehmen, ihre Arbeit dafür umso mehr, durchsetzen werden.
    Die Größe einer Agentur verrät nicht automatisch etwas über die Größe ihrer Profilneurose.
  4. #13

    .

    Wenn in der deutschen Werbebranche so viele tolle kreative Leute arbeiten, dann frage ich mich, wo die tolle kreative Werbung ist, die sie produzieren. Kino- und TV-Werbung kann wohl kaum gemeint sein, denn was einem da präsentiert wird, ist zu 99 % einfallsloser Schrott, der immer gleich aussieht.

    Ich gehe, nur um den unerträglichen Werbeblock zu vermeiden, immer erst 20 Minuten nach Vorstellungsbeginn ins Kino und zappe im TV sofort weg. Für mich ist das nur lächerlicher Müll. Seltene Ausnahmen (HB-Männchen) bestätigen bestenfalls die Regel. Ansonsten dürfte der Höhepunkt deutschen Werbeschaffens wohl der Herr Kaiser von der Humbug-Mülleimer sein (gibt's den noch?).

    Die übliche Printwerbung in den Zeitungen und Zeitschriften überblättere ich sowieso. Was einem da geboten wird, ist genauso nichtssagend und nervig wie die TV- und Kino-Werbung.

    Was also sind das eigentlich für wahnsinnig kreative Leute, die dieses ganze Zeug produzieren, das man fast komplett in die Tonne treten kann?
  5. #14

    Nanuk Amaruk

    Zitat von ohne_sorge Beitrag anzeigen
    Die einzig gute Autowerbung, war immer noch der Wackel-Elvis (Audi)
    - die leider, leider vielen Audi-Kunden hinterher nicht so toll in Erinnerung geblieben ist - warb sie doch für die anfangs extrem fehleranfällige, stufenlose CVT-Automatik der Ingolstädter (Volksmund: "Multidefektronic"). Viele Kunden blieben an den Reparatur-, oder, besser gesagt, Austauschkosten für das Getriebe sitzen. Also im Endeffekt doch ein Megaflop.

    In meiner Hinsicht dürfte als einer der besten Auto-Werbespots einer für ebendiese Ingolstädter Marke: Schneewüste im Dämmerlicht, ein Innuit bringt seinem Sohn das Spurenlesen: Nanuk - Amaruk - (Pause - endlose gerade Reifenspuren im Schnee) - Audi. Quattro.
  6. #15

    Zitat von juerv1 Beitrag anzeigen
    Was also sind das eigentlich für wahnsinnig kreative Leute, die dieses ganze Zeug produzieren, das man fast komplett in die Tonne treten kann?
    Kann man das? Klar, aus der TV-Zuschauer-Sicht und mit meinem persönlichen Geschmack stimme ich ihnen da zu. Nur, das entscheidet nicht, ob man eine Werbung in die Tonne treten kann. Was entscheident is ist, inwieweit sie den Absatz ankurbelt. Und das ist nicht zwangsweise positiv mit dem ästhethischen Emfpinden einer Werbung korreliert.

    Wenn Pink mich bei RTL II mit "I watch ar-ti-ell-tu" (oder was immer sie da genau sagt) anquatscht, löst das bei mir höchstens Fremdschämen aus. Bei der eigentlichen Zielgruppe von RTL 2 steigert das vermutlich das Image.

    Wenn in der ZDF-Werbpause ein ergruter Herr so unspektakulär wie überahupt möglich von seinen Blasenproblemen erzählt und das Granufink ihm dabei geholfen hätte, ödet mich das nur an und ich denke mir, das kann auch ein Abiturient während dem lernen für den Mathe LK konziperen. Bei der Zielgruppe mag es aber zu vermehrten Kaufentscheidungen kommen.
    Und nebenbei bemerkt scheint diese dröge Werbung es immerhin geschafft zu haben, dass ich mich jetzt hier (ungestützt) an deren Existenz, das Problem und das Produkt zu dessen Lösung erinnere. :-)

    Das schafft nicht jede Werbung, ich weiß dass es immer mal wieder die ein oder andere Werbung gab, die ich richtig cool, lustig und unterhaltsam fand. Nur, ich erinnerte mich kurz danach schon nicht mehr daran, wofür sie eigentlich warb. Und ich kann mich jetzt leider auch nicht mehr daran erinneren, was in den Spots so passiert ist, ich weiß halt nur noch, dass mich irgendwann eben mal bewußt geworden ist, dass auch eine Werbung, die ich unterhaltsam finde, bei mir nicht zwangsläufig zum gewünschten Ergebnis führen muß.
  7. #16

    .

    Zitat von sponner_hoch2 Beitrag anzeigen
    Was entscheident is ist, inwieweit sie den Absatz ankurbelt. Und das ist nicht zwangsweise positiv mit dem ästhethischen Emfpinden einer Werbung korreliert.
    Mag sein. Mir geht es aber zunächst Mal nur um die kreative Leistung, die dahinter steckt. Und eine solche kann ich quasi nirgendwo erkennen, wenn ich einen typischen Werbeblock über mich ergehen lasse. Das ist doch alles nur biederstes Werber-Handwerk.
  8. #17

    ohne Werber geht es nicht

    Spart Euch mal den Neid gegenüber den Werbern! Dumme abgefeimte Gimpfe die zu nix fähig sind?

    Vielleicht nicht ganz falsch, aber wer so kreativ ist, daß er 16 Stunden am Tag arbeitet, damit alle paar Tage ein einzelner Claim/Werbespruch abfällt - für dieses lächerliche Gehalt - der hat schon eher Mitleid verdient. Und hinter jedem, dessen scheinbar dickes Gehalt in anbetracht der Arbeitszeit zum Witz schrumpft gibt es jeweils bis zu 50 (!) Leute die auf 400€Basis arbeiten (arme Interns die höchstens 2 große Scheine Taschengeld von ihren Eltern im Monat bekommen um das Praktikum zu überstehen [und jeden knallen der eine Festanstellung verspricht]). Und diese Menschen handeln Aufträge bei denen Fotografen für 4 Tage Auto fotografieren 120.000,- oder ein Regisseur für 4min. Werbefilm 250.000,- (Gewinn, nicht Umsatz) bekommen. Währenddessen haben diese armen Menschen nicht genug Geld in um die 300,- € iPhone-Rechnung im Monat zu zahlen - Arme Schweine.

    Aber wer in einem Hamburger In-Viertel wohnt und sich die Miete nicht mehr leisten kann müsste ins Getto ziehen wenn er nicht die Chance hätte `nen Werber in die Besenkammer zu nehmen und dann umsonst zu wohnen..... also ohne Werber geht es nicht!
  9. #18

    Ab ins Museum

    Zitat von cerberus99 Beitrag anzeigen
    ...und du bist just 30 geworden? <eg>

    PS: In meinen Agenturen war das Durchschnittsalter 35++

    Cerberus
    Ein Besonderer unter den Besten
    Dann solltest Du deine Agenturen im Glaskasten ins ADC-Museum stellen, dass es nicht gibt.
  10. #19

    Klassischer Überforderungstest für gescheiterte Künstler

    Mit Interesse habe ich erfahren, daß Werbeagenturen ihre Mitarbeiter über einen "copy Test" stolpern lassen.
    Irgendwie bestätigt diese Art der Testierung meine Vorurteile gegenüber der ganzen Werbebranche.
    Gesucht werden Blender, bzw. Leute, die ihr Inneres entweder sehr tief kapseln oder schlichtweg keine Innereien vorzuweisen haben.

    Aus dem Stand wird ohne Kenntnis der Hintergründe ein toll aussehende Ergebnis erwartet.
    Der Testling wird natürlich versuchen, ein Ergebnis zu erzeugen, welches den Tester zufriedenstellt.
    Die Frage ist dann, wie kann man einen Idioten glücklich machen, der solche unstrukturierten Arbeitsaufträge vergibt.
    Keine näheren Informationen, keine Marktdaten, keine weiteren Vorgaben - außer Assotiationen an bereits Bekanntes.

    Gewinnen wird der, der ständig Werbefernsehen guckt und genau denselben Scheiß prodziert wie der Rest dieses Kläglichen Sammelbeckens gescheiterter Künstler.