Trigema-Chef Grupp: "Wird der Sohn kein Chef, hat der Vater versagt"

Chef zu werden ist oft keine Frage der Ausbildung, sondern der Herkunft. Aber wie läuft es ab, wenn Eltern ihren Sprößlingen die Führungsrolle in die Wiege legen? Wolfgang Grupp, Chef der Textilfirma Trigema und bekannt aus einem Werbespot mit einem sprechenden Affen, ist dafür ein Paradebeispiel.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...758351,00.html
  1. #1

    "Geldadel"

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Chef zu werden ist oft keine Frage der Ausbildung, sondern der Herkunft. Aber wie läuft es ab, wenn Eltern ihren Sprößlingen die Führungsrolle in die Wiege legen? Wolfgang Grupp, Chef der Textilfirma Trigema und bekannt aus einem Werbespot mit einem sprechenden Affen, ist dafür ein Paradebeispiel.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...758351,00.html
    WIe bei Königs. Darum heißt es ja "Geldadel".
  2. #2

    Interessant daran ist...

    ...dass Trigema formal das Zeug dazu hätte, sogar die nächste große Trendmarke zu werden. Ich denke an American Apparel auf Deutsch und ohne die Anrüchigkeit ("Chef hat Beziehungen mit den Angestellten"): In Deutschland Produziert, zeitlos, schlicht, ökologisch (Trigema hat u.a. kompostierbare Shirts). Und 8,50 Euro als "nicht brancheübliche" Bezahlung zu bezeichnen ist zu kurz gegriffen. Wer produziert denn sonst noch in Deutschland? In der Branche werden ganz andere Löhne gezahlt - tendenziell nur ein Zehntel davon, und zwar in Thailand, Vietnam, China, Bangladesch....
    Aber Grupp versteht den Markt nicht und setzt auf konsequente Nischenbesetzung - ja nicht wachsen, ja kein Risiko eingehen. Dafür stapeln sich die Waren im Lager und die Trigema "Testläden" - alles 50% Reduziert - sind der Hauptabsatzkanal. Grupp lebt in einer eigenen Welt und hat nie verstanden, wie die Modebranche und deren neue Nachhaltigkeit funktioniert. Er bemüht lieber eine rechtsorientierte, patriotische Sprache und setzt auf die alternde Stammkundschaft oder lächerliche Glitzerkollektionen von Effenbergs Frau. Wenn seine (älteren) Kunden dann irgendwann nicht mehr sind könnte es für Trigema aber schon zu spät sein.
  3. #3

    ...

    Wer seine Angestellten vor versammelter Mannschaft "zusammenstaucht" kann als Chef absolut nichts taugen. Das ist 100% ausgeschlossen, völlig unmöglich.
  4. #4

    kT

    Ich sehe es bei ihm nicht so kritisch wie im Artikel und den Kommentaren dargestellt. Die Unternehmensausrichtung und die Sache mit den Testläden - das kann man ihm sicherlich als Fehler vorhalten und würde es anders machen. Vielleicht werden es ja seine Kindern ändern. Als inhabergeführtes Unternehmen gelten für mich in der Wahrnehmung aber andere Maßstäbe, so dass ich sein Verhalten durchaus verstehen kann. Sooo falsch kann es ja bisher nicht gewesen sein wenn die Firma immer noch existiert & Umsatz macht.
  5. #5

    ...

    Der Artikel verschweigt die eigentlichen Beweggründe - den innersten Antrieb - der es jemandem wie Herrn Grupp unmöglich macht, ein anderes Leben zu führen, als eines in der Öffentlichkeit.
    Es ist die Angst vor dem Gefühl der eigenen Wertlosigkeit, wenn ein einem nicht ständig bestätigt wird, dass man der Größte ist. Dieses brüchige Selbstwertgefühl wird durch väterliche Schläge, Gefühlskälte und Häme gegen den Sohn von frühester Kindheit an erzeugt und verfestigt. Stz. Blasien war nur die konsequente Fortsetzung.

    Da es sich um den zwanghaften Drang zu öffentlicher Anerkennung handelt, gibt es dafür ein Krankheitsbild - die narzistische Persönlichkeitsstörung.
    Sie beinhaltet eine Selbstsicht, die Ausbeutung und soziales Engagement nicht als Gegensatz wahrnimmt, denn der Narzist kann keine Beziehung zu einem Menschen aufbauen, die nicht von dem Nutzen geleitet ist, ihm Anerkennung zu bringen.

    Solange der Erfolg da ist, gehrt es dem Narzisten gut und der Narzist geht für den Erfolg jedes Risiko ein. Daher stürzen Narzisten oft besonders tief (Guttenberg) und sind dann ihren psychischen Problemen besonders ausgeliefert.

    Narzisten gelten wegen ihres grandiosen Selbstbildes als untherapierbar und sterben oft an Herz-Kreislauf-Krankheiten. Sie gelten als oberflächlich charmant aber aggressiv und können rachsüchtig und sogar gewalttätig sein.

    Ich gehe ihnen aus dem Weg.
  6. #6

    8,50€/Std

    Das ist erst einmal zumindest über dem oft so zitierten Mindestlohn von 7,50€. Zudem zahlt kaum noch jemand den Tariflohn dieser Branche, den sie existiert nach dem Abbau in den 70er und 80er Jahren kaum noch. Und von dem Gehalt kann so manch Frisöse nur träumen. Zum Thema Urlaub, fragen sie da mal die Beschäftigten im Bereich Fleischzerlegung oder solche Vorzeigeunternehmen wie Schlecker und Co. mit ihren angegliederten Zeitarbeitsunternehmen. Zum Punkt Führungsstil: eindeutig autoritär,aber er führt wenigstens und das auch noch einigermaßen erfolgreich. Zusammengefasst sieht man hier wohl eher die reale Arbeitswelt vieler Arbeitnehmer in Deutschland, vielleicht sehr befremdlich für einen Journalisten beim Spiegel. Zwar mag Her Grupp oft sehr konservativ, vielleicht sogar altbacken wirken, seine Aussagen jedoch bei der ein oder anderen Talkshow heben sich dagegen oft wohltuend von denen einiger Spitzenmanager unserer Dax-Konzerne ab, und zudem ist es sein eigenes Vermögen, das in dem Unternehmen steckt. Daher gestehe ich ihm wesentlich eher den Helikopter zu, als so manchem CEO den Firmenjet. Zusammengefasst ist Herr Grupp vielleicht nicht der Prototyp des Unternehmenslenkers, den wir uns wünschen, aber der negative Unterton des Artikels wird dieser Person nicht gerecht.
  7. #7

    Gibt es nur Gute Chefs oder was?

    Ein guter General hat Soldaten die auch in der Schlacht ihr Blut für ihn hingeben............
    Bei vielen ist es nicht so, die Mitarbeiter bremsen aus Trotz den Betrieb ein, lassen Fehler gleichgültig weiter laufen, arbeiten einfach nur in den Tag hinein, würden ihren Betrieb nie im Bekanntenkreis weiterempfehlen oder investieren...... und nur der Chef ist mit Herzblut dabei.
    Ja die alten Patrons konnten es noch, motivieren, ein Team bilden und die "Besten" Produkte/Dienstleistungen vor sich in den Vordergrund stellen.
  8. #8

    .

    Zitat von JKoepf Beitrag anzeigen
    ...dass Trigema formal das Zeug dazu hätte, sogar die nächste große Trendmarke zu werden. Ich denke an American Apparel auf Deutsch
    Nein, das kann ich mir kaum vorstellen. Wenn dann eher über die Retro-Schiene. Aber bei Trigema denkt man immer sofort an die perinliche Werbung mit dem Schimpansen - diese Marke kann nie wirklich 'cool' werden.
  9. #9

    wen interessiert bei einem florierenden unternehmen das auto des chefs?!

    zunächst danke für die vielen klugen beiträge. besonders hinsichtlich des kritisierten lohnes von 8,50 euro für ungelernte (sic!) "neueinsteiger" bei trigema. als berliner stelle ich hier fest: würde eine firma seinen ungelernten mitarbeitern bereits zu beginn 8,50 euro die stunde zahlen, so wäre die bewerberschlange hier sicher länger als am tag des begrüssungsgeldes!

    besonders trigema ist ein musterbeispiel für verantwortungsvolle unternehmensführung.

    in einer zeit, in der "sportleibchen" und turnschuhe namenhafter hersteller fast ausschliesslich von kindern in fernost produziert werden, die von einem tagslohn von 8,50 euro nur träumen können, ist es gelungen, ein unternehmen nicht nur zu konsolidieren, sondern gleichermassen die ganze produktion vor ort zu halten.

    ich frage mich in diesem zusammenhang immer wieder: inwiefern ist es von relevanz, welches auto der chef fährt? ob der junge mit 10 einen massgeschneiderten anzug oder eine goldene rolex bekommt? man sieht erneut: mag egoismus die triebfeder des rechten sein; die motivation der linken ist stets der neid.

    ach ja, zu guter letzt: der commercial mit dem affen. werbestrategisch betrachtet ist diese werbung als genial zu bezeichnen. bei werbung geht es nicht darum gut oder unterhaltend zu sein, sondern im gedächtnis des betrachters zu bleiben. dass kann ruhig grenzdebil und nervig sein. mediamarkt verfolgt dieses konzept beispielsweise mit der "ich bin doch nicht blöd" kampagne und auch der trigema werbespot ist sehr vielen ein begriff.

    so gesehen hat sich das unternehmen richtig entschieden und vertraut auf einen werbespot, der vor allem eines leistet: den bekanntheitsgrad des unternehmens nachhaltig zu steigern.