Wider den Exzellenz-Kult: Es lebe das Mittelmaß!

"Wir suchen nur die Besten" - das würden die meisten Personalmanager unterschreiben. Sie sitzen einem Irrtum auf: Buchautor Markus Reiter erklärt, warum im Mittelmaß die wahren Leistungsträger in Unternehmen und Gesellschaft zu finden sind.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...748287,00.html
  1. #1

    summa cum plagiatum...

    Durch den Fall des superexzellenten Blenders des Jahrzehnts KT zu Guttenberg eh jüngst desavouierter Etikettenschwindel.
  2. #2

    Relatives und relativiertes Mittelmaß

    Der Logik nach muss Mittelmaß einen Maßstab haben, in einer Skala angesiedelt sein. Und so muss man, um die Normalität von Mittelmaß zu unterstreichen, von Firma zu Firma, von Land zu Land, von Markt zu Markt eigentlich nur die absolute Position des Mittelmaßes vergleichen.
    Etwa so: Im Mittel ist es in Deutschland – sagen wir einmal – 12 Grad kalt oder warm, in Spanien 16. Also ist Deutschland im Ganzen "kälter"; was aber nicht heißt, dass es Tage gibt, an denen ist es in Teutonien heiß und zugleich in Spanien kalt. Es kommt eben auf das relative Mittelmaß an. Übertragen auf die globale Wirtschaft: Deutschland ist ein höheres Mittelmaß als .... (wählen Sie selbst, wer).

    Und deshalb darf man, in Ergänzung der Bekenntnis des Autors, durchaus danach streben, Part eines "Spitzen-Mittelmaßes" zu sein.
    ... im übrigen ist dies ein superguter Artikel, Hut ab.
  3. #3

    Mein Anwalt sagte immer

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Wir suchen nur die Besten" - das würden die meisten Personalmanager unterschreiben. Sie sitzen einem Irrtum auf: Buchautor Markus Reiter erklärt, warum im Mittelmaß die wahren Leistungsträger in Unternehmen und Gesellschaft zu finden sind.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...748287,00.html
    "Nur der Mittelmäßige ist ständig in Höchstform". Eine zweischneidige Spruchweisheit, aber nützlich, wenn es darum geht, Ärger elegant zum Ausdruck zu bringen. Und beleidigen kann das niemanden..., oder.
  4. #4

    wenn schon Latein ...

    Zitat von schnuppe Beitrag anzeigen
    Durch den Fall des superexzellenten Blenders des Jahrzehnts KT zu Guttenberg eh jüngst desavouierter Etikettenschwindel.
    dann ist "plagiatum" kein klassisches Latein, "plagium" (Raub der Seele, Menschenraub) wäre Neutrum und "cum" wird mit Ablativ benutzt. Das Adjektiv "summum" gleicht die Endung an, >> "summo cum plagio" wäre dann eine "elitäre" Überschrift. Wenn ich mich nicht irre. Alex Konzelmann.
  5. #5

    Da ist ja schon wieder so ein Pseudo-Exzellenter ;-)

    Zitat von akonzelmann Beitrag anzeigen
    dann ist "plagiatum" kein klassisches Latein, "plagium" (Raub der Seele, Menschenraub) wäre Neutrum und "cum" wird mit Ablativ benutzt. Das Adjektiv "summum" gleicht die Endung an, >> "summo cum plagio" wäre dann eine "elitäre" Überschrift. Wenn ich mich nicht irre. Alex Konzelmann.
    Sie haben Recht aber ich war zu faul mich um den korrekten Ablativ zu bemühen.
    Was wollten Sie eigentlich denn beitragen zum Thema? Oder war es das?
  6. #6

    Ich darf also stolz sein

    Dank, und immer wieder vielen Dank, Herr Reiter, für Ihren Artikel !
    Wie viel Trost verströmt er doch ! Wenn er auch für mich ein paar Jahrzehnte zu spät kommt, kann ich mich doch nun öffentlich zu meinem Vorbild Homer Simpson bekennen.
  7. #7

    Elitekult und Realität

    Ich muss Herrn Reiter in all seinen angesprochenen Punkten zustimmen, allerdings auch aus Gründen, die er in seinem Artikel gar nicht in Erwägung zieht.

    Wer schon öfters mit wirklich Hochintelligenten zu tun hatte, bemerkte sicherlich sehr schnell, dass dahinter etwas fehlt. Man könnte es mit mangelnder Vielseitigkeit beschreiben, was sich im zwischenmenschlichen Bereich schnell als Defizit heraustellt. Anders fomuliert, der Mittelmäßige bemerkt sehr schnell die dünne Hülle, in der jene Exzellenz, im Bildungssystem die jeweilige Ausrichtung auf Themenfelder, steckt. Dahinter verbirgt sich meist nicht viel, generell ist die Umgangssprache dafür Fachidiotie, auch wenn sie wenig mit dem Kern der Sache zu tun hat, vermutlich liegt es im neuronalen Bereich und weniger in der Bildung selbst. Sowas kann, wenn man es auf die Wirtschaft ausdehnt, zur Einseitigkeit im Denken führen, wo andere längst Probleme erkannt hätten.

    Hinter dem Wunsch nach Elite, Frau Schavan bleibt einem dabei wohl auf alle Ewigkeit im Gedächtnis, mit ihren obskuren Exzellensinitiativen, steckt die eigentliche Forderung nach mehr Leistungsbereitschaft des Mittelmaßes. Die wird allerdings dadurch gewiss nicht erreicht, vielmehr muss man dem Mittelmaß auch Möglichkeiten zur Entwicklung und Entfaltung geben. Ausschließlich Hochintelligente zu fördern und zu umwerben bewirkt in dem Fall eher das Gegenteil, nämlich Frustration bei allen anderen. Damit meine ich keineswegs, dass man Hochintelligente nicht ebenso fördern muss, alleine mit Geldzuschuss im Privatsektor, Stipendien, ist denen aber auch nicht geholfen, die braucht etwas völlig anderes.

    Man müsste jene Elite einmal kritischer betrachten, sich mit Arbeitsweise und den Folgen der Führungseliten auseinandersetzen. Die immer noch aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise, selbst die Problemen mit der Kernenergie, wurden gerade auch von jener Exzellenz verursacht, die brav mitfunktionierte, statt sich kritisch und gewissenhaft mit dem außeinanderzusetzen, was sie tut. Egal ob hochbezahlte Spitzenmathematiker, die Zertifikate besonders geschickt umverpacken, Spitzeningenieure, die brav den Plänen der hochintelligenten Konzernspitze folgen und mehr energieeffizienz bei PKW einfach ignorieren oder die besten Kernphysiker, die AKW vermutlich noch immer für absolut sicher halten, wie sie es schon damals nach Tschernobyl getan haben. Diese Auflistung lässt sich bedenkenlos sehr weit fortsetzen, interessant daran ist vielleicht, dass die kritischsten Stimmen eher aus dem Mittelmaß kamen und kommen, wenn auch dort viele brav einfach mitmarschieren, weil sie vom Exzellenz-Kult geblendet waren und ihn für richtig halten. Der beinhaltet nämlich auch Hörigkeit gegenüber dem System, was sich in Mitläufertum des Durchschnitts ausdrückt.
  8. #8

    Das Problem an diesem Artikel:

    Zitat von Peter Sonntag Beitrag anzeigen
    Dank, und immer wieder vielen Dank, Herr Reiter, für Ihren Artikel !
    Wie viel Trost verströmt er doch ! Wenn er auch für mich ein paar Jahrzehnte zu spät kommt, kann ich mich doch nun öffentlich zu meinem Vorbild Homer Simpson bekennen.
    99% der Leute ("Das Mittelmaß") wird daraus lesen, dass mittelmäßige Anstrengung, mittelmäßiger Einsatz, Feigheit oder "lass andere mal" doch sehr ehrenwert sind.

    Denn DAS ist Mittelmaß, Herr Reiter.
    Geändert von ( um Uhr)
    Häuser werden nicht auf Sand gebaut und Träume nicht auf Ausreden.
    Du bist der Architekt Deines Lebens. Du bist der Autor Deiner Erfolgsstory - niemand sonst.
  9. #9

    Pankratio...

    Zitat von schnuppe Beitrag anzeigen
    Sie haben Recht aber ich war zu faul mich um den korrekten Ablativ zu bemühen.
    Was wollten Sie eigentlich denn beitragen zum Thema? Oder war es das?
    Ego te absolvo....Ich bemühe ebenfalls häufig Latinismen, auch besonders gerne ganz besonders falsche und selbsterfundene Phantasie-Latinismen, weil es dem Gegenüber meist überhaupt nicht auffällt...Aber es macht schön was her....dem einen seinen Porsche, dem anderen sein "Pankratio esse Carthaginem" oder "Talus talinem homo"