Frauen auf Chefposten: "Zum Heulen gehe ich aufs Klo"

Nichts gegen kompetente Frauen,*aber im Vorstand? Die Ex-Managerin Barbara Schneider hat solche Sprüche oft gehört.*Im Interview spricht die Buchautorin über männliche Machtspiele, Zickenkrieg in der Führungsetage - und verrät, warum sie trotzdem gegen eine Quote ist.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...750312,00.html
  1. #50

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    Zitat von vhe Beitrag anzeigen
    Natuerlich sind ihre Chancen gering, aber das sind unsere in so einer Situation auch. Der Unterschied ist, wir versuchen's trotzdem. "Trotzdem" ist ueberhaupt ein schoenes Wort in diesem Zusammenhang. Es sollte das Lieblingswort jeder ambitionierten Frau sein. Schleudern Sie es sich mal vor dem Spiegel ins Gesicht. Auch wenn es albern ist. Trotzdem.
    Während Sie vor dem Spiegel stehen und "trotzdem" rufen, ernähre ich trotz dem ÖD-Job, der mich einfach nur noch ankotzt, immer noch allein meine Familie, verbringe trotz kleinem Kind und Vollzeit-Job jede freie Minute mit Bewerbungen und fast alle Urlaubstage mit Interviews und ziehe neue Stellen an Land... Zwar immer noch keine derjenigen, die mich wirklich begeistern und in denen ich entsprechend erfolgreich war (leider nur im Ausland, wo man auch als verheiratete Frau noch Karriere machen durfte - wenn ich damals gewusst hätte, wie anders das hier ist, hätte ich nicht so blauäugig mein Visum aufgegeben, um einer scheinbar verlockenden Gelegenheit in D zu folgen).

    Aber erzählen Sie mir hier bitte nichts von "trotzdem", nur weil sie mit ein bisschen Heulen einen nicht ganz so einfachen Unikurs doch noch irgendwie durchgestanden haben und danach ihren Traumjob gefunden haben... Das hatte ich auch mal (dummerweise habe ich dort nicht ausgeruht, sondern neue Herausforderungen innerhalb der Firma angenommen - anderes Land, nach Fusion anderes Management, passte nicht mehr so toll, und daraufhin dann der fatale Fehler, mich von einer anderen Stelle zurück nach D locken zu lassen) und weiß daher auch, dass dazu mehr Glück als hartes Erarbeiten gehört. Genau wie man sich anders herum noch so sehr anstrengen kann und schließlich doch nur mit Mühe irgendwie über Wasser hält, wenn das Glück eben mal nicht mitspielt... (Da können Sie gerne jahrelang chinesisch lernen, wenn China aber doch lieber erst nochmal ein paar Boeings einkauft und erst in 20 Jahren seine eigene Flugzeugfirma gründet oder morgen eine "hire Chinese"-Regel einführt, hilft es Ihnen herzlich gar nix...)

    Und genau da ist ihr Problem. Wieso interessiert Sie die Erwartung der Gesellschaft? Glauben Sie, Condoleezza Rice hat es interessiert, was die amerikanische Gesellschaft von einer schwarzen Frau erwartet hat?
    Schön, wenn Sie zufällig gerade Bush's Quotenfrau sind, aber nicht wirklich eine Leistung. Auf der anderen Seite gibt es auch noch andere schwarze Frauen (und Männer, MLK wurde erschossen), die zum Teil sehr viel bessere Leistungen erbringen und härter daran arbeiten, entgegen der gesellschaftlichen Erwartungen zu überzeugen. Die aber täglich wieder in ihre Schranken verwiesen werden und lernen müssen, dass der Kampf gegen gesellschaftliche Erwartungen in vielen Fällen ein Kampf gegen Windmühlen ist.

    "Wollen Sie Amboss oder Hammer sein?"
    "Schmied."
    "Ok, aber Sie sollten sich im klaren sein, dass wir Holz und Kohle nur an Männer verkaufen. Wenn sie als Frau also Schmied werden wollen, sollten Sie auch gleichzeitig noch Holzfäller und Minenarbeiter sein, wenn Sie sich denn das Geld zurechtsparen, Wald und Kohlenmine zu kaufen. Alternativ können Sie natürlich auch kalt schmieden, geht sicher auch, wenn Sie es nur wirklich wollen. Ach ja, und Eisen zum Schmieden müssen Sie natürlich auch selbst auftreiben..."
  2. #51

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    Zitat von cedebe Beitrag anzeigen
    und wie macht das ein gestresster Manager? Die können schließlich auch Vater sein. In meiner Welt haben Vater und Mutter die gleiche Verantwortung und wenn sie sich für ihre Nachkommen interessieren auch die gleiche emotionale Bindung zu ihrem Kind. Damit erübrigt sich die Diskussion darüber, ob eine Frau mit Kind eine hohe Position im Unternehmen einnehmen kann.
    Wichtig ist nicht primär, welche Unterschiede in der emotionalen Bindung zum Kind zwischen Vater und Mutter bestehen oder nicht bestehen. Wichtig ist, welche emotionale Bindung das Kind zu welchem Elternteil hat.

    Bereits ein erhöhter Kortisol-Wert der Mutter während der Schwangerschaft erschwert es dem Kleinstkind später, eine sichere Bindung aufzubauen. Und das wirkt sich lebenslang auf Angstempfinden und Bindungsfähigkeit aus.

    Wenn die Männer das nicht tun wollen, dann hat die Managerin sich einfach den falschen Mann gesucht. Und wenn sie ihr Kind gerne selber 3 Jahre lang betuddeln will, dann entscheidet sie sich bewusst gegen den job. Wie jeder Vater es auch tun kann.

    Man muss wissen was man will. Und fertig.
    Genau! Möglich ist alles und alles ist gleich! Das Kind hat zu funktionieren und keine Ansprüche zu stellen. Man kann sich seine Eltern schließlich nicht aussuchen! BASTA!

    Die Mutterschaft sollte mit der Frauenquote nichts zu tun haben. Mutter sein, ist kein Beruf. Vater oder Kind sein ja schließlich auch nicht. Ansonsten wäre niemand mehr arbeitslos und viele doppelt beschäftigt.
    Wer sich Gedanken über die Berufswelt in Bezug auf die Geschlechter macht, sollte sie sich mit Bezug auf die verschiedenen Lebensrealitäten der Geschlechter machen. Definitionen hin oder her.

    Ich als Tochter einer alleinerziehenden und berufstätigen Mutter bin gegen die Frauenquote, aber für sehr viel mehr Kitaplätze (da können die alten immer noch viel von den neuen Bundesländern lernen). Ohne diese hätte meine Mutter mit Kleinkindern nicht vollzeit arbeiten können. Mit ihnen kann jedes Elternteil sich so im Berufsleben ausbreiten, wie es ihm persönlich passt.
    Sie sprechen von Krippen-Plätzen (Alter 0 - 2 Jahre) oder Kitas (Alter 3 - 6 Jahre)?

    Da Sie sich auf die neuen Bundesländer beziehen, nehme ich Krippen an, da dort die Versorgung wesentlich dichter ist.

    Warum der Unterschied? Nun, weil die Ansprüche eines Kleinst- und Kleinkindes an seine Umgebung und an seinen Umgang viel höher sind, als bei einem älteren Kind. Von 0 bis 2 Jahren werden der Bindungstyp sowie die Grundlagen der Emotionalität und damit des späteren unbewußten Selbst- und Weltbildes gelegt. Das strenge Regiment und die fertigkeitenorientierte Erziehung in Krippen hinterlassen da schon deutliche Spuren:

    Geringere Selbstwerteinschätzung, weniger emotionale Unabhängigkeit und weniger Optimismus sind gerade in ehemaligen Hochburgen der alten Ideologie auch bei jungen Menschen deutlich spürbar.

    Mit der flächendeckenden Erziehung von Kleinstkindern in Krippen werden sich auch die alten Bundesländer verändern. Langsam, tief unter der Oberfläche aber unaufhaltsam.

    Aber das geht dann weit über die Frauenquote hinaus.
  3. #52

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    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    Sie verdrehen hier alle Informationen.
    Nein, ich zeige Ihnen nur, dass Sie erwarten, dass Ihnen die Dinge, die Ihnen wichtig sind, hinterhergetragen werden.

    Hier nochmal die Beispiele:
    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    [...] einfach, mal schnell seine eigene Firma [...] einfach mal flott eine neue Firma[...]
    Die Typen, die am Ende gewinnen sind nicht die, die nur die Sachen machen, die "einfach, mal schnell" oder "einfach mal flott" sind. Es sind die, die Dinge machen, weil sie ihnen wichtig sind, nicht, weil sie einfach sind.

    Ihnen ist einfach nichts wichtig genug, um sich da mit aller Macht reinzuknien. Und weil (leider) zuviele Frauen so denken wie Sie, sind studierte Frauen eben Laboranten und keine Nobelpreisträger.

    (Aus exakt demselben Grund sind es auch im wesentlichen Männer, die in den Krieg ziehen und sich für irgendwelche abstrakten Ideale erschießen lassen, aber das nur nebenbei.)
    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    Wenn sie das Beispiel und die Dimension des Startkapitals weglassen, hat das mit meiner tatsächlichen Aussage nichts mehr zu tun.
    Das hier ist ein schriftliches Forum. Jeder kann Ihr Posting nachlesen.

    Wenn "Konkurrenz zu Boeing" das wichtigste Ziel ihres Lebens wäre, dann hätten Sie keine Tragflächen konstruiert sondern schon Ihr Studium darauf ausgerichtet, bei einer der etablierten Firmen weit genug aufsteigen zu können, um später Ihren Traum durchsetzen zu können. Entweder, indem Sie eine Position bei A/B eingenommen hätten, wo Sie die Geschicke der Firma signifikant beeinflussen können, oder indem Sie irgendwann in eine kleinere Firma gewechselt hätten, dort aber aufgrund Ihrer Airbus-Herkunft deutlich weiter oben gelandet wären. Z.B. bei der Zivilsparte von Sukhoi. Ich kenn Leute, die genau das gemacht haben. Aus dem mittleren Management einer Großfirma raus, als Vize-irgendwas in eine mittlere rein und dann drum gekämpft, die groß zu machen.

    Was wollen Sie? Genauer gesagt, wofür brennen Sie?

    Wenn Sie darüber nachdenken müssen, lautet die Antwort "nichts" und das Ergebnis ist Mittelmaß.
    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    Es gibt nun einmal Berufe/ Qualifikationsprofile, bei denen es praktisch unmöglich ist, sich selbständig zu machen, wenn man seine Qualifikationen weiterhin sinnvoll einsetzen will.
    Nicht jede Vision hat mit Selbständigkeit zu tun.
    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    Sie finden auch keinen männlichen Ingenieur, der sich dann eben im Zweifelsfall (durch harte Arbeit und Mühe und Kampfgeist, versteht sich) seinen eigenen Boeing-Konkurrenten aufmacht
    Sicher nicht, aber das liegt daran, dass jemand, der einen Boeing-Konkurrenten aufmachen will, kein Ingenieur wird und jemand, der aus Freude am Beruf Ingenieur geworden ist, keine Firma leiten will.
    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    Natürlich sollte man auch außergewöhnliche Ideen in Erwägung ziehen, wenn man es langfristig zu was bringen will. Aber ein gewisser Sinn für's realistisch Machbare unterscheidet den Visionär vom Spinner...
    Und die Frau vom Mann. Ohne Spinner kein Fortschritt.
    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    [mich für irgendwas aufgerieben]
    Haben Sie's? Oder haben Sie sich nur wie ich und viele andere auch durch ein paar schwierige Fächer und Prüfungen im Studium "gequält"?
    Ich war bis jetzt auch so gut. Nun (siehe anderes Posting) tu ich genau das. Wenn ich mit 65 in Rente gehe, will ich besser sein als jemand, der 2035 seinen Informatiker gemacht hat. Nennen Sie mich ruhig Spinner.
  4. #53

    ...

    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    [Leidensgeschichte]
    Es gibt viele Frauen, Männer, Paare und Familien, denen es ähnlich geht. Beileid, Erfolgswünsche (ernsthaft jetzt) und so weiter.

    Aber, um auf das ursprüngliche Thema des Threads "Frauen auf Chefposten" zurückzukommen, das Problem ist, dass für einen Chefposten eine Einstellung nötig ist, die völlig konträr ist zu "geht nicht", "brauch ich erst ...", "kostet", "muss ich ja ..." und "mal eben".

    Chefs versuchen auch nicht, Familie und Beruf irgendwie zu vereinbaren. Wenn ein Chef eine Familie hat, dann, um daraus Kraft für seinen Job zu ziehen. Wer den Job wegen der Kohle macht, oder um seine Familie zu ernähren, hat schon verloren, weil die Firma dann nämlich nicht seine Hauptsache ist. Und auf dem Level, um das es hier geht, zählt genau das.

    Wenn ein männlicher Chef wie Joseph Ackermann oder Akio Toyoda schwanger wäre und ein Kind bekommen würde, wäre er genau so lange von der Arbeit weg, bis das Nebenbüro als Babyraum hergerichtet und eine Tagesmutter reingesetzt worden wäre. (Oder sein Partner, will die Analogie jetzt nicht weiterentwickeln.) Dann hätte seine Sekretärin den Job, die Meetings um seine Brust-gebe-Zeiten herumzubauen und er wäre wieder voll im Geschäft. Das Wort "Teilzeit" würde der nicht mal denken.
    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    Schön, wenn Sie zufällig gerade Bush's Quotenfrau sind, aber nicht wirklich eine Leistung.
    Sorry, aber Condoleezza war nicht Bushs Quotenfrau sondern Bush war ihr (und Dicks) Strohmann. Irgendeiner der dortigen Insider hatte mal den Spruch gesagt, dass die Flure des weißen Hauses voll sind mit den Leichen derer, die sie unterschätzt hatten. Ich bin beileibe kein Fan ihrer Politik, aber als Frau, die sich hochgekämpft hat, steht sie in einer Reihe mit Magareth Thatcher.

    Aber wenn Ihnen jemand anders lieber ist, nehmen wir eben Hillary Clinton. Der einzige Grund, warum die noch mit Bill zusammen ist, ist, dass ihr ihre Karriere wichtiger ist als die Fremdgeherei ihres Mannes. Geschieden hätte sie keine Chance auf den Präsi-Job gehabt und sogar als Senatorin Probleme bekommen. Aber sie war sich halt im Klaren darüber, was ihr wichtig war und sie war bereit, den Preis (in diesem Fall ein verkorkstes Privatleben) dafür zu zahlen. Klassisches Chefdenken. Meine Stimme hätte sie gehabt.
  5. #54

    Frage

    Zitat von feuercaro1 Beitrag anzeigen
    So ist es.
    Beispiel aus meinem engeren Freundeskreis:

    Qualifizierte, fähige Frau arbeitet sich nach oben.
    Projektmanagerin, die Leitung einer Sparte steht an (Gehalt ca. 180K p.a. plus Prämien).
    Auf den Job sind auch andere scharf (Männer).

    Plötzlich kursieren Gerüchte in der Firma:

    - Warum Frau X wohl keine Kinder hat?
    - Wieso ist Frau X nicht verheiratet?
    - Frau X soll ja an Männern gar nicht interessiert sein?!
    - Frau X ist evtl. doch mal an Männern interssiert gewesen, hat aber keinen "halten" können
    - Frau X wäre unweiblich, sonst würde sie gar nicht den Posten anstreben

    Als Quelle der Gerüchte wurden zwei konkurrierende Manager identifiziert.

    Ich habe noch NIE erlebt, dass einem MANN so etwas passiert ist.
    Da ist es völlig Wurst (zu RECHT), ob er Kinder hat, verheiratet ist, etc.

    Dieser Frau hat man also Führungsschwierigkeiten mit auf den Weg gegeben, die sie erstmal bewältigen musste.

    Das ist die Perfidie.

    Und gegen so etwas helfen nur Quoten.
    Eins interessiert mich noch: als Ihre Freundin den Sachverhalt kannte, hat sie die Männer konfrontiert, ihnen mit Konsequenzen gedroht oder ihren Rausschmiss betrieben?

    Oder ist sie zur Frauenbeauftragten gegangen?